Computerspiele Gamescom – mehr als ein Spiel

Europas größte Computerspielemesse Gamescom eröffnet. Noch dominieren Konsolen, doch der Markt wandert ins Internet. Und auch der Sinn für Verantwortung ändert sich.

Als Soldaten verkleidete Darsteller bewerben auf der Gemscom das Spiel "Homefront"

Als Soldaten verkleidete Darsteller bewerben auf der Gemscom das Spiel "Homefront"

In Halle 6 herrscht kalter Krieg. In einem verdunkelten Raum führen Programmierer das neu entwickelte Level des umstrittenen Computerspiels Call of Duty auf großer Leinwand vor, ein Kampf der "guten" Amerikaner gegen die "bösen" Russen. Während die Experten schießen, schauen die Fans zu, jeweils sechzig pro Vorführung. Vor dem Raum bilden sich lange Schlangen, das Spiel gehört zu den Klassikern der Spieleindustrie. "Manche Besucher warten bis zu drei Stunden, um das neueste Level zu sehen", sagt Sebastian Siep, einer der angeheuerten Helfer, die in Armeehosen die Besuchermassen betreuen. Im wirklichen Leben arbeitet der gelernte Ingenieur an der Fachhochschule Köln.

Noch bis Sonntag tauchen Siep und zahlreiche andere in virtuelle Welten ein, denn bis dahin dauert die Gamescom, Europas größte Messe für Computer- und Videospiele. Am Mittwoch öffnete die Veranstaltung für Fachbesucher, vom heutigen Donnerstag an ist sie für alle zugänglich. Erst zum zweiten Mal gastiert die Gamescom in Köln. Bis 2008 unterstützte der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (Biu) als maßgeblicher Veranstalter die Leipziger Spielemesse Games Convention, die es zwar weiterhin gibt, aber in weitaus kleinerem Rahmen.

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In diesem Jahr präsentieren sich 505 Aussteller auf der Gamescom, im Vorjahr waren es 458. Die Kölner Messegesellschaft rechnet mit mehr als 245.000 Besuchern, so viel waren es 2009. Rund 200 neue Spiele werden dieses Mal gezeigt.

Dabei vollzieht sich hinter den Kulissen ein tiefgreifender Wandel. Immer mehr Spieler verzichten auf die klassische Konsole oder das Computerspiel aus dem Handel und spielen stattdessen direkt im Internet, wo sie häufig zumindest zu Beginn nichts zahlen müssen.

Diese Entwicklung zeigte sich im Krisenjahr 2009: Während die gesamte Branche in Deutschland den ersten Umsatzrückgang seit sieben Jahren verzeichnete (um 2,4 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro), legten Onlinespiele und Angebote für das Mobiltelefon zu. Für das laufende Jahr rechnen die Marktforscher von Pricewaterhouse Coopers mit einem Boom bei den Online- Spielen. Für die gesamte Branche sagen sie dagegen nur ein minimales Plus von 0,4 Prozent voraus.

Noch beherrschen die großen Firmen mit kostspieligen Konsolen die Branche. Auf der Gamescom zeigen Microsoft und Sony die neuen Bewegungssteuerungen, die den klassischen Controller überflüssig machen sollen. Die Kinect für Microsofts X-Box 360 und Move für Sonys Playstation reagieren auf Gesten, wie es die Wii von Nintendo vorgemacht hat.

Doch die Konkurrenz wächst. "Heute ist praktisch jedes Spiel online", sagt Olaf Wolters vom Biu. Auch die klassischen Spiele hätten ihren Weg ins Netz gefunden, etwa in Form von kostenlosen Werbeversionen.

Die Deutschen profitieren von dieser Entwicklung. Denn während die Hardware zum Spielen fast gänzlich aus dem Ausland kommt, hat sich bei Spieleentwicklern hierzulande inzwischen eine lebendige Szene entwickelt. Nach Angaben von Bitkom gibt es etwa 500 Firmen und mehrere tausend selbstständige Programmierer. Die meisten von ihnen tummeln sich im Internet. Auf der Gamescom ist davon nur wenig zu spüren. Lediglich in Halle 9 findet der Besucher die „Online- World“, in der auch die erfolgreichen deutschen Unternehmen Gameforge und Bigpoint vertreten sind. „Die diesjährige Gamescom setzt immer noch sehr stark auf Konsole und PC“, kritisiert Martin Fabel von der Unternehmensberatung AT Kearney. Dadurch würden Onlinespiele vernachlässigt. In Zukunft, fordert Fabel, müsse der Fokus stärker auf die neuen Segmente gerichtet werden.

Das käme auch zahlreichen Berliner Anbietern zugute, etwa dem Unternehmen Sponsor Pay aus Mitte. Dabei profitieren die Berliner von der Gratiskultur im Netz: Die meisten Onlinespiele bieten ihren Kunden kostenpflichtige Zusatzangebote, die sie in den jeweiligen Spielen voranbringen. Aber nur etwa 15 Prozent der Nutzer bezahlen. „Der Rest spielt nur die kostenlosen Versionen“, erklärt Nicolas Dittbrenner von Sponsor Pay. Das Unternehmen hat einen Weg gefunden, wie auch diese Spieler Erlöse bringen. Die Nutzer können an Meinungsumfragen teilnehmen, sich mit ihren Daten für Newsletter registrieren oder etwa eine Antivirensoftware erwerben. Im Gegenzug finanzieren die Unternehmen, die die Daten erhalten, den sonst direkt kostenpflichtigen Fortschritt des Spielers im Computerspiel.

Leser-Kommentare
  1. 1. ~ 1022

    Den boom der Spiele im web, natürlich darin besonders die webbrowser-basierten games, habe ich vor Jahren voraus gesagt, doch damals wollten die Hersteller nichts davon wissen. So haben sich da viele kleine Firmen, zum Teil sogar Eigenbrötler, etablieren können. Das ist so weit gut. Aber dieser boom im letzten Jahr - im Vergleich zu den klassischen Formen PC oder Konsole - ist nur die Fortsetzung des vorherigen Trends unter den veränderten Rahmenbedingungen geringerer Kaufkraft. Daraus lässt sich weder ein zukünftiger Umschwung ableiten, noch der Beginn einer beachtenswerten Alternative.

    Denn diese neuen Spielformen sind eben noch neu und überwiegend kostenlos zu Beginn. Das lockt viele interessierte Neugierige an. Sie bleiben aber meist nicht lange bei einem Produkt. Typisch ist die Eigenwerbung der Anbieter mit Kundenzahlen, die im Spiel sich als beschönigende Abstraktin erweisen. Zwei Drittel dieser Kunden springen nach einem ersten Blick ab, vom Rest übersteht auch nur ein geringer Teil die ersten zwei Wochen. Letztlich bleiben etwa zehn Prozent, doch die anderen werden weiterhin als Karteileichen mitgeführt.

    Dabei leiden diese Angebote ohnehin darunter, dass die allermeisten Produkte nur alte Ideen, allenfalls in etwas anderem Gewand, anbieten. Auch die Qualität als Spiel ist oft mangelhaft.

    Der wahre boom mag noch kommen. Bislang ist es nur reges Interesse für das Freibier.

    • Reyn
    • 19.08.2010 um 13:47 Uhr

    Eine Enttäuschung stellen die im Zitat geäusserten und wohl ziemlich verbreiteten Anforderungen wohl nur für jemanden dar, dem es an den geforderten sozialen Fähigkeiten mangelt, der in der Schule nicht wirklich gut abschneidet und dem der Realitätssinn fehlt, einzuschätzen, dass er damit auch in der Spieleindustrie nicht weit kommt.

    Kurzum, genau für den typischen Spieler, wie er in der Öffentlichkeit gerne gesehen wird. Schade, dass dieses Bild wohl auch hier vorherrscht.

  2. >in Mathe mindestens die Note drei

    ... warum Spiele in den letzten Jahren immer "idiotensicherer" geworden sind.

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    • kerub
    • 19.08.2010 um 14:27 Uhr

    ... das ist eindeutig die falsche Erklärung. Beim Design von tollen Spielen kommt es vor allem auf Kreativität an. Alleine daraus kann man schon sehr viel machen.

    Außerdem, ist man gleich ein Idiot wenn man in Mathe keine gute Note hat(te)? Vielleicht macht manchen die Schulmathematik einfach keinen Spaß, weil sie stinklangweilig ist.

    Die Spiele sind "idiotensicher" geworden, weil sich mit solchen, einfachen, Games ein viel größeres Publikum erreichen lässt als mit Spielen bei denen Köpfchen gefragt ist. Und größeres Publikum bedeutet mehr Geld in die Kassen der Publisher. Fertig, ganz einfach.

    • kerub
    • 19.08.2010 um 14:27 Uhr

    ... das ist eindeutig die falsche Erklärung. Beim Design von tollen Spielen kommt es vor allem auf Kreativität an. Alleine daraus kann man schon sehr viel machen.

    Außerdem, ist man gleich ein Idiot wenn man in Mathe keine gute Note hat(te)? Vielleicht macht manchen die Schulmathematik einfach keinen Spaß, weil sie stinklangweilig ist.

    Die Spiele sind "idiotensicher" geworden, weil sich mit solchen, einfachen, Games ein viel größeres Publikum erreichen lässt als mit Spielen bei denen Köpfchen gefragt ist. Und größeres Publikum bedeutet mehr Geld in die Kassen der Publisher. Fertig, ganz einfach.

  3. Ach, kommt, was soll denn das? Dieses Herumgehacke auf Kinder aufgrund einer einzigen Aussage im Artikel?

    Es sind eben Kinder. Früher sahen sie ihrem Vater bei der Arbeit zu und wollten dann Lokführer oder Architekt werden. Dann folgten sie dem Fernsehen und wollten Astronaut, Moderator oder, zuletzt, Krimonologe werden. Natürlich wollen sie, die mit Spielen tagtäglich umgehen, jetzt auch beruflich dort tätig sein! Ist doch auch ein alter Traum der Erwachsenen, das Arbeiten-Müssen in einem Bereich, der viel Spaß macht.

    Viel schlimmer finde ich es, dass junge Erwachsene, bloß weil sie auch singen oder im Handstand die Nationalhymne rückwärts rülpsen können, von einer Karriere im Show-Gewerbe träumen und sich zu Tausenden in irgend welchen casting-shows anstellen (wo dann eben solche Deppen ihnen sagen, wie schlecht sie doch wären...).

    Außerdem ist die Aussage des einen Vertreters, noch davon von der ach so kompetenten Agentur für Arbeit (die nicht einmal web-Programmierer bis vor kurzem als Beruf kannte...), schlicht falsch. Wer in Programmierung oder Design von Spielen arbeitet, braucht keine gute schulische Mathe-Note und Sprachkenntnisse sind allenfalls für die betriebsinterne Kommunikation erwünscht.

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    >Wer in Programmierung oder Design von
    >Spielen arbeitet, braucht keine gute
    >schulische Mathe-Note und Sprachkenntnisse
    >sind allenfalls für die betriebsinterne
    >Kommunikation erwünscht.

    ... ist eine NOCH bessere Erklärung. ;-)

    • Timo K
    • 22.08.2010 um 18:37 Uhr

    oder im Really Big Index ohne Sprachkenntnisse xD

    Viel eher sollte man den jungen Leuten sagen, das sie in dem Umfeld gerade eines haben, in welchem sie den direkten Nutzen aus Fremdsprache(ok, nur Englisch in dem Fall) und Mathematik
    ziehen können.
    Dann folgen auch aus dem Hobby viel schneller gute Noten.

    >Wer in Programmierung oder Design von
    >Spielen arbeitet, braucht keine gute
    >schulische Mathe-Note und Sprachkenntnisse
    >sind allenfalls für die betriebsinterne
    >Kommunikation erwünscht.

    ... ist eine NOCH bessere Erklärung. ;-)

    • Timo K
    • 22.08.2010 um 18:37 Uhr

    oder im Really Big Index ohne Sprachkenntnisse xD

    Viel eher sollte man den jungen Leuten sagen, das sie in dem Umfeld gerade eines haben, in welchem sie den direkten Nutzen aus Fremdsprache(ok, nur Englisch in dem Fall) und Mathematik
    ziehen können.
    Dann folgen auch aus dem Hobby viel schneller gute Noten.

  4. 6. DAS...

    >Wer in Programmierung oder Design von
    >Spielen arbeitet, braucht keine gute
    >schulische Mathe-Note und Sprachkenntnisse
    >sind allenfalls für die betriebsinterne
    >Kommunikation erwünscht.

    ... ist eine NOCH bessere Erklärung. ;-)

    Antwort auf "Was soll denn das?"
    • kerub
    • 19.08.2010 um 14:27 Uhr

    ... das ist eindeutig die falsche Erklärung. Beim Design von tollen Spielen kommt es vor allem auf Kreativität an. Alleine daraus kann man schon sehr viel machen.

    Außerdem, ist man gleich ein Idiot wenn man in Mathe keine gute Note hat(te)? Vielleicht macht manchen die Schulmathematik einfach keinen Spaß, weil sie stinklangweilig ist.

    Die Spiele sind "idiotensicher" geworden, weil sich mit solchen, einfachen, Games ein viel größeres Publikum erreichen lässt als mit Spielen bei denen Köpfchen gefragt ist. Und größeres Publikum bedeutet mehr Geld in die Kassen der Publisher. Fertig, ganz einfach.

    • Lutz2
    • 20.08.2010 um 11:25 Uhr

    Da war Leipzig wieder schneller.
    Die haben das erkannt und eine neue Messe für Online Spiele im vorigen Jahr kreiert.
    Das wird wieder so laufen wenn Leipzig die Messe groß gemacht hat wird sie einfach nach Köln weggeholt.
    So einfach ist Lobbyarbeit.

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