Während Frontiers mittelmäßige Aufmerksamkeit und laut Stober keine Proteste erntete, löste 1378 (km) einen wahren Medienzirkus aus. Das ZDF war am Montag unter den ersten, hunderte Medien on- und offline zogen nach und fragten nach Reaktionen von Menschen, die das Spiel nicht gespielt hatten, nicht gespielt haben konnten.

Und sie bekamen welche. Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, nannte das Spiel "geschmacklos". Der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, empfahl dem Rektor der Hochschule Gespräche mit Opfern und schrieb an die Berliner Staatsanwaltschaft; die prüft nun, ob der Straftatbestand der Gewaltverherrlichung erfüllt ist. Die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) kritisierte, das Spiel sei "ein Beitrag zur Enthemmung und Brutalisierung der Gesellschaft", und protestierte ebenfalls beim Rektor der Hochschule, Peter Sloterdijk.

Am Donnerstag ließ die Leitung der Hochschule wissen, wenn sich Opfer oder ihre Angehörige durch das Spiel verletzt fühlten, "bedauern wir das sehr". Um zur "Versachlichung der Diskussion beizutragen", sagte sie die geplante Präsentation ab. Sie ist nun auf Dezember verschoben und soll dann von einer Podiumsdiskussion "mit hochkarätigen Gästen" begleitet werden.

Zugleich sagte die Hochschule Stober "jede notwendige Unterstützung" zu. Das Computerspiel vermittle die Brutalität der Grenze, die von einem undemokratischen Regime errichtet wurde, "es verharmlost diese aber in keiner Weise". Vielmehr sensibilisiere es junge Menschen für das dort zugefügte Unrecht. "Nichts anderes ist das Ziel dieses Spiels, das aus unserer Sicht einen hohen moralischen und künstlerischen Anspruch vertritt."

Am Freitag waren von der Website sämtliche Videos und Bilder verschwunden. Stattdessen stand da ein Text, der ankündigte: " 1378(km) wird kommen!". Demnächst werde "eine Beta-Version" mit Altersfreigabe ab 18 Jahren veröffentlicht.

Der Trailer, der zuvor auf der Seite gestanden hatte, zeigte wenig Action. Der Blick schweifte fast beschaulich über Kolonnenwege, Wachturmdächer und Uniformträger mit stoppeligem Kinn, den Regeln der NVA sicher nicht konform. Das Video endete mit einer Frauenfigur, die zum Zaun läuft und diesen berührt, woraufhin neben ihr eine Selbstschussanlage losgeht und sie tötet. Blut war dabei nicht zu sehen und überhaupt wirkte die Grafik harmlos, vor allem im Vergleich beispielsweise zu Half Life 2 .