"Attila? Den kenn ich! Das ist doch der aus Ages of Empire !" zitiert Angela Schwarz eine jüngste Begebenheit aus dem Geschichtsunterricht. Für die Siegener Professorin belegt die Aussage dieser Schüler sehr gut die These, dass Historisches in Computerspielen mehr ist als buntes Zierwerk. "Es bleibt auch inhaltlich beim Spieler etwas hängen", glaubt die Forscherin, "und zwar mehr, als man zunächst vermuten würde."

Schwarz beschäftigt sich mit der Darstellung von Geschichte in Computerspielen. In der nächsten Woche erscheint der Tagungsband zu einem Workshop , den sie an der Universität Siegen ausgerichtet hat. Titel: Wollten Sie nicht auch immer schon einmal pestverseuchte Kühe auf Ihre Gegner werfen? - Eine fachwissenschaftliche Annäherung an Geschichte im Computerspiel.

Historiker haben sich bereits mit der Vermittlung von Geschichtswissen in Filmen und anderen Medien beschäftigt. Zum Computerspiel aber hat vor Schwarz aus der Fachwissenschaft noch kaum jemand publiziert. "Wir stehen mit der Forschung noch am Anfang", sagt sie.

Aus diesem Anlass hat ihr Team zunächst einmal Inventur gemacht: In einer Datenbank trug man alle PC-Spiele zusammen, die Historisches als wesentlichen Inhalt haben. Schon die reine Zahl verblüfft: Die Forscher fanden immerhin 1763 Spiele, und jedes Jahr kommen mindestens 100 neue hinzu.

Die Mehrzahl sind Strategiespiele (knapp 44 Prozent), es folgen Fahrzeugsimulationen, Adventures und Rollenspiele sowie Aufbausimulationen. Immerhin zehn Prozent gehören zu den Shootern und knapp neun Prozent sind Denk- und Geschicklichkeitsspiele – letztere sind laut Schwarz eine Gruppe, die derzeit besonders wächst.

Auch bei den Zeiten, die in den einzelnen Epochen behandelt werden, gibt es Auffälligkeiten: Mehr als jedes vierte Game spielt im Zweiten Weltkrieg, gut jedes fünfte in sonstigen Phasen des 20. Jahrhunderts. Das 19. Jahrhundert und die Antike machen jeweils nur zehn Prozent der Games aus, eher selten spielen sie in Mittelalter und früher Neuzeit.

Für die Forscherin ist die Verteilung kein Wunder: "Vielfach vermitteln die Spiele vor allem historische Bilder von Schlachten, Kriegen und Konflikten", sagt Schwarz. In zwei Dritteln der untersuchten Spiele wäre Gewalt ein wichtiges Erzählmotiv. Das liege aber unter anderem am Medium und an den einzelnen Genres. "Spielen ist primär kompetitiv ausgerichtet, daher überwiegen natürlich auch konfliktreiche Szenarien wie der Zweite Weltkrieg." Diese Tendenz sei aber inzwischen rückläufig.