Microsoft-Chef Steve Ballmer präsentierte sich auf der CES 2011 als Avatar und warb für seine Spielsteuerung Kinect © Screenshot ZEIT ONLINE

Die Consumer Electronics Show (CES) in Los Angeles war viele Jahre lang die wichtigste Messe der Welt, wenn es um Neuheiten auf dem Markt der Computerspiele ging. Inzwischen ist sie das nicht mehr, zumindest nicht auf den ersten Blick.

1975 präsentierte Atari-Gründer Nolan Bushnell auf der CES die Wohnzimmerversion seines Spielhallen-Titels Pong . Auch wenn das Spiel bei den Besuchern damals nicht gut ankam, es wurde in den Jahren darauf ein Welthit und die CES mehr und mehr zur Bühne für Computerspiel-Neuheiten: 1982 stellt Commodore dort den C64 vor, 1985 malt Andy Warhol e in Bild von Debbie Harry auf dem Amiga, 1988 taucht hier das Importspiel Tetris auf.

Mitte der Neunziger dann waren Games so wichtig geworden, dass sie eigene Fachmessen wie die E3 oder die Tokyo Game Show bekamen. Die CES verlor für Videospieler an Bedeutung. Heute werden dort kaum noch neue Spiele vorgestellt. Trotzdem reisen Gaming-Fans noch immer nach Las Vegas, denn die Trends und Gadgets, die dort gezeigt werden, haben großen Einfluss auf die gesamte Spielebranche.

Tablet-PCs zum Beispiel. Die waren in diesem Jahr das wichtigste Thema der Messe. Dutzende neue Modelle wurden gezeigt, vor allem solche, die mit dem Google-Betriebssystem Android laufen. Folglich werden Spielefirmen wie Gameloft oder Electronic Arts, die bislang vorwiegend für Apples iOS produzierten, bald verstärkt auf Android-Spiele setzen. Schon 2010 war der Markt für Mobile Games laut der Marktforscher von Gartner 5,6 Milliarden Dollar schwer. Die "Tablet Wars" und das explodierende Angebot an leistungsfähigen Smartphones dürften für weiteres Wachstum sorgen.

Ähnlich wie der Tablet-Boom hat auch der Messeschwerpunkt 3D unmittelbare Auswirkungen auf die Gaming-Industrie. Schon auf der CES 2010 versuchte vor allem Sony, das Thema Stereoskopie zu forcieren . Das Unternehmen will nun seine Playstation 3 als Home-Entertainment-Zentrale etablieren. Auf ihr sollen 3D-Spiele und -Filme laufen und in Kombination mit den passenden Bravia-Fernsehern den Umsatz ankurbeln.

So richtig funktioniert das noch nicht: Zwar kamen 2010 zahlreiche 3D-Blu-ray-Filme in den Handel, Spiele-Blockbuster wie Motorstorm Apocalypse erscheinen aber erst in diesem Jahr.

Ein weiteres Hindernis für 3D war bislang die teure Hardware und die recht klobigen 3D-Brillen. Doch zeigte die CES gerade, dass Besserung in Sicht ist: Die Auswahl an 3D-Fernsehern wird größer, auch günstigere Modelle sollen auf den Markt kommen.

Nicht überzeugen konnten dagegen Prototypen wie der von Toshiba , bei denen der Betrachter gänzlich ohne 3D-Brille auskommt – erfordern sie doch konstanten Abstand und Betrachtungswinkel zum Bildschirm.

Dass dieses Prinzip bei Handheld-Geräten durchaus funktioniert, möchte die Firma Nintendo mit ihrer Mobilkonsole 3DS beweisen, die im März erscheint. Als Aussteller blieb Nintendo der CES wieder einmal fern; einige Exemplare der 3DS waren dennoch in Umlauf .