LAN-Party "Counterstrike" im Bundestag
Ballern und Rasen für den guten Zweck: Im Bundestag fand die erste LAN-Party für Abgeordnete statt – zu Informationszwecken. Es kamen nicht viele.
© ZEIT ONLINE

Veranstalter Jimmy Schulz und Manuel Höferlin spielen "Counterstrike"
Einmal gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel Counterstrike spielen, oder gemeinsam mit ihr Gymnastik auf der Wii-Fit-Plus machen. Die erste LAN-Party für Bundestagsabgeordnete wäre die Chance dazu gewesen, aber die Kanzlerin kam nicht.
Dabei hätte sie es gar nicht weit gehabt von ihrem Arbeitsplatz zum Spielparadies: Im dritten Stock auf der Fraktionsebene des Bundestages waren am Mittwochabend mehr als dreißig Konsolen und Computerspiele aufgebaut. Etwa Gran Turismo 5 mit Lenkrad-Controller und in 3D oder Sports Champion von Sony, Kinect Sports von Microsoft oder auch das Strategiespiel Die Siedler. Und es gab ein Schau-Match. Zehn Spieler der Electronic-Sports-League (ESL) spielten gegen- und miteinander den Ego-Shooter Counterstrike.
Selbstverständlich ist in einem Kanzlerinnen-Kalender wenig Platz für eine Spiele-Verabredung am Abend. Leider aber auch in den Kalendern der vielen anderen Abgeordneten und Regierungsmitglieder. Schade, hatten sich doch drei von ihnen Mühe gegeben, ihren Kollegen all die Computerspiele näher zu bringen, über die im Parlament so gern gestritten wird.
Die LAN-Party am Mittwochabend ist die erste dieser Art im Bundestag. Ähnliche gab es aber schon im Bayerischen Landtag und im Sonderausschuss "Amoklauf" des Stuttgarter Landtags. Vorbild sind sogenannte Eltern-LAN-Partys, die die Bundeszentrale für politische Bildung veranstaltet, um Eltern über Computerspiele aufzuklären.
Allzu viele waren nicht gekommen. Jimmy Schulz (FDP), einer der Veranstalter, sprach von fünfzig Abgeordneten auf der LAN-Party. Viele Promoterinnen wollen hingegen nur zwischen einem und zwei Dutzend gesehen haben. Dafür war viel Presse da und es drängelten sich schnell mehr Videokameras und Fotoapparate als Politiker.
Dann taucht endlich eine Politikerin auf. Die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD). Gekonnt schlägt sie einen Ball nach dem anderen beim Virtua Tennis 4 von Sega. Zypries wagt sich aber nur an Disziplinen, die sie kennt, einen Ego-Shooter testet sie nicht. Sie nimmt trotzdem etwas über Shooter mit, sagt anerkennend über den Schaukampf der ESL: "Ich habe heute etwas gelernt: dass Counterstrike in einer Bundesliga gespielt wird."
Die Initiatoren der Veranstaltung, Jimmy Schulz (FDP), Manuel Höferlin (FDP) und Dorothee Bär (CSU), wollten auch solche Spiele unbedingt dabei haben. Schulz sagt: "Uns ist es wichtig, dass Vorurteile gegenüber solchen Spielen hinterfragt und Berührungsängste abgebaut werden. Gerade für diejenigen, die noch nicht die Möglichkeit hatten, so was auszuprobieren."
Vor der Veranstaltung hatte es wegen der Ego-Shooter Kritik gegeben. Bärs Parteikollege Hans-Peter Uhl fragte in der Tagesschau, wozu er lernen solle, wie man so etwas spielt. Ein Vater, der beim Amoklauf in Winnenden seine Tochter verloren hatte, sagte dem Spiegel, er fühle sich verhöhnt, wenn Politiker Ego-Shooter spielten.
- Datum 24.02.2011 - 17:07 Uhr
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Ich glaube die 50 Abgeordneten, die dann auch gekommen sind haetten sowieso GEGEN ein Ballerspiel-Verbot gestimmt. Die anderen 600, die so ziemlich keinen blassen Schimmer ueber Videospiele haben, haetten kommen sollen.
Wie kann man ueber etwas abstimmen, von dem man nichts weiss?
... ist das heute eher der Normalfall. Kein Wirtschaftspolitiker hat Volkswirtschaft studiert, keine Familienministerin Soziale Arbeit oder Soziologie usw.
Heute sind das alles Juristen. Das war zu Zeiten Willy Brandts anders.
Den Sachverstand holt man sich üblicherweise von Lobbyisten. Die schreiben schon mal komplette Gesetze.
... ist das heute eher der Normalfall. Kein Wirtschaftspolitiker hat Volkswirtschaft studiert, keine Familienministerin Soziale Arbeit oder Soziologie usw.
Heute sind das alles Juristen. Das war zu Zeiten Willy Brandts anders.
Den Sachverstand holt man sich üblicherweise von Lobbyisten. Die schreiben schon mal komplette Gesetze.
"Virtual Tennis 4 auf der Sega"
Bitte nochmal überprüfen, Danke.
Hallo "im Zweifel",
danke für den Hinweis. Fehler ist korrigiert.
Beste Grüße
Nicole Franziska Kögler
Also ich lese "Gekonnt schlägt sie einen Ball nach dem anderen beim Virtual Tennis 4 von Sega." Der Spielehersteller ist Sega. Es wird kein Wort darüber verloren auf welcher Konsole. Es gibt also keinen Fehler.
Hallo "im Zweifel",
danke für den Hinweis. Fehler ist korrigiert.
Beste Grüße
Nicole Franziska Kögler
Also ich lese "Gekonnt schlägt sie einen Ball nach dem anderen beim Virtual Tennis 4 von Sega." Der Spielehersteller ist Sega. Es wird kein Wort darüber verloren auf welcher Konsole. Es gibt also keinen Fehler.
Warum sitzt niemand am Counterstrike-Tisch?
Weil es verpönt ist und weil es sich für einen Politiker in der Öffentlichkeit wohl nicht geziemt, Counterstrike zu spielen.
Dabei finde ich die Idee an sich, Politiker einmal mit dem, wovon sie sprechen, zu konfrontieren, gut.
Vor allem eher ältere Politiker sollten die Dinge, die sie verbieten wollen, schon erst einmal kennen. Dann verstehen sie auch, dass "Spiele" nicht automatisch aggressiv und zum Mörder machen. Vor allem mit 18 Jahren, wenn es sie zu kaufen gibt, ist der Charakter gefestigt genug, um sich nicht von einem bisschen virtuellen Geballer in Aufruhr versetzen zu lassen. Die Ursachen für Amokläufe liegen ganz wo anders.
Zudem sollte de Maizière mitspielen. Bei Counterstrike kann er dann wirklich einmal etwas gegen Terroristen tun, anstelle gegen die eigene Bevölkerung.
Hm, zwei Fragen:
1. Wie hoch ist der Altersdurchschnitt der Teilnehmer?
2. Wie viele der Politiker, die für Verbote sind, haben teilgenommen?
An sich eine gute Idee, man sollte schließlich auch wissen, worüber man redet, wenn man das nächste Mal Computerspiele verurteilt. Aber wenn diejenigen, die am stärksten Verbote fordern, nicht teilnehmen, dann bringt das Ganze leider nicht sehr viel.
Und Herr Uhl, wenn sie zu nicht bereit sind, sich darüber zu informieren, worüber sie entscheiden, dann sind die im deutschen Bundestag definitiv nicht richtig!
Hallo Philipp Richter,
wie alt die Teilnehmer im Schnitt waren, kann ich wahrlich kaum schätzen. Aber ich habe mindestens drei gesehen, die vor 1960 geboren sind – also ein paar Jährchen bevor digitale Spieler Einzug in Wohnzimmer hielten :-). Müller-Sönksen ist Jahrgang 1959, Zypries 1953 und Dyckmans 1950 geboren.
Beste Grüße aus der ZEIT ONLINE-Redaktion
Nicole Franziska Kögler
Hallo Philipp Richter,
wie alt die Teilnehmer im Schnitt waren, kann ich wahrlich kaum schätzen. Aber ich habe mindestens drei gesehen, die vor 1960 geboren sind – also ein paar Jährchen bevor digitale Spieler Einzug in Wohnzimmer hielten :-). Müller-Sönksen ist Jahrgang 1959, Zypries 1953 und Dyckmans 1950 geboren.
Beste Grüße aus der ZEIT ONLINE-Redaktion
Nicole Franziska Kögler
Eine gute Idee, schade dass sie so wenig Anklang gefunden hat. Wie oben schon gesagt wurde sind sowieso die gekommen die wenigstens bereit sind sich über das Thema zu informieren bevor sie irgendwas beschließen, die restlichen Abgeordneten dürften aber weiterhin erschreckend wenig Wissen haben über Computerspiele haben um darüber auch nur diskutieren zu können.
Dass Counter-Strike gespielt wurde finde ich ein bißchen seltsam, immerhin ist das Spiel schon über 10 Jahre alt und die meisten Spieler sind längst auf Battlefield: Bad Company 2 oder die Call of Duty Serie umgestiegen. Auch wenn das Spiel natürlich wegen der guten Balance weiterhin in Ligawettkämpfen und von einigen Alteingesessenen gespielt wird.
"Wer gekommen ist, will zeigen: Seht, wir probieren das aus, wir wollen nachvollziehen, was Millionen Deutsche am Zocken finden."
Solche und ähnliche Sätze unterstellen von vornherein Heuchelei. Man sollte Politikern nicht gleich vorgetäuschtes Interesse und Populismus unterstellen; das verstärkt nur die schon vorhandene Politikverdrossenheit in der Bevölkerung. Es soll ja auch wirklich noch engagierte und ehrliche Politiker geben...
Es ist aber vor allem unnötig solche Aussagen zu tätigen, da schon allein an der Anzahl der Abgeordneten, die teilgenommen haben, deutlich genug wird, wie es um das allgemeine Interesse an Computerspielen im Bundestag steht.
Beide Seiten haben in diesem Fall Chancen vertan. Zum einen die Politiker, die nur in sehr geringer Zahl erschienen sind und zudem nicht unbedingt zur "Prominenz" des Politgeschehens gehören. Da hätte man sich natürlich etwas gewichtigere Gesichter gewünscht.
Andererseits ist die Auswahl der Spiele der Veranstalter viel zu sehr auf Appeasement-Politik ausgelegt. Knuddelige Siedler, Move&Kinect oder Rennspiele. Counterstrike scheint - auch laut PC Games - das einzige Spiel zu sein, dass bei Leuten Anstoß nehmen könnte. Statt auf das Selbstbestimmungsrecht und freie Entfaltung der Persönlichkeit zu pochen, biedert man sich mit einer Family and Friends-Party an, also mit Spielen, über die sich ohnehin niemand aufregt.
Sie haben wohl durchaus recht, dass die Spiele schon sehr gezielt ausgewählt wurden.... aber stellen sie sich einen Splatterteil wie Doom vor (selbst in der harmlosen Deutschen Version) ich befürchte, dass diejenigen, die nicht über die Realität der Spielewelt informiert sind, dann eher ihre Vorurteile bestätigt sehen.
Durch diese Familien und "Alters"-freundlichen Spiele, kann man zumindest versuchen, den Damen und Herren zu zeigen, dass man durchaus Spass am virtuellen Spiel haben mag und haben kann..jeder auf seine Weise, vllt ist das die Message
Sie haben wohl durchaus recht, dass die Spiele schon sehr gezielt ausgewählt wurden.... aber stellen sie sich einen Splatterteil wie Doom vor (selbst in der harmlosen Deutschen Version) ich befürchte, dass diejenigen, die nicht über die Realität der Spielewelt informiert sind, dann eher ihre Vorurteile bestätigt sehen.
Durch diese Familien und "Alters"-freundlichen Spiele, kann man zumindest versuchen, den Damen und Herren zu zeigen, dass man durchaus Spass am virtuellen Spiel haben mag und haben kann..jeder auf seine Weise, vllt ist das die Message
Sie haben wohl durchaus recht, dass die Spiele schon sehr gezielt ausgewählt wurden.... aber stellen sie sich einen Splatterteil wie Doom vor (selbst in der harmlosen Deutschen Version) ich befürchte, dass diejenigen, die nicht über die Realität der Spielewelt informiert sind, dann eher ihre Vorurteile bestätigt sehen.
Durch diese Familien und "Alters"-freundlichen Spiele, kann man zumindest versuchen, den Damen und Herren zu zeigen, dass man durchaus Spass am virtuellen Spiel haben mag und haben kann..jeder auf seine Weise, vllt ist das die Message
Aber geht es denn darum, den Spaß am virtuellen Spielen per se zu vermitteln? Stehen Video- und Computerspiele ja nicht gesamt im Fokus einiger Politiker, sondern eben die "Killerspiele".
Und wieso Rücksicht auf Bestätigung von Vorurteilen nehmen? Jene, die ständig gegen "Killerspiele" wettern, werden sich auch nicht durch eine freundlichen LAN-Party wie dieser überzeugen lassen. Wer Argumente hat, nämlich dass der Großteil der Spieler zwischen Realität und Spiel (Film, Buch, ..) unterscheiden kann - und seien sie noch so blutig - braucht sich nicht an konservative Politiker anbiedern, sondern sollte seinen Standpunkt vehement vertreten. Und wenn es nur dadurch ist, dass die ganzen "Metzler" und "Killerspieler", die eben noch Zombies schnetzelten, vor und hinter dem PC ganz nette Menschen sind.
Insofern weiß ich nicht, was
a) die Bundestags-LAN überhaupt bringen sollte und
b) was sie denn letztlich gebracht hat.
Aber geht es denn darum, den Spaß am virtuellen Spielen per se zu vermitteln? Stehen Video- und Computerspiele ja nicht gesamt im Fokus einiger Politiker, sondern eben die "Killerspiele".
Und wieso Rücksicht auf Bestätigung von Vorurteilen nehmen? Jene, die ständig gegen "Killerspiele" wettern, werden sich auch nicht durch eine freundlichen LAN-Party wie dieser überzeugen lassen. Wer Argumente hat, nämlich dass der Großteil der Spieler zwischen Realität und Spiel (Film, Buch, ..) unterscheiden kann - und seien sie noch so blutig - braucht sich nicht an konservative Politiker anbiedern, sondern sollte seinen Standpunkt vehement vertreten. Und wenn es nur dadurch ist, dass die ganzen "Metzler" und "Killerspieler", die eben noch Zombies schnetzelten, vor und hinter dem PC ganz nette Menschen sind.
Insofern weiß ich nicht, was
a) die Bundestags-LAN überhaupt bringen sollte und
b) was sie denn letztlich gebracht hat.
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