Onlinegames Vietnam führt Sperrstunde für Gamer ein

Die vietnamesische Regierung plant eine Nachtruhe für Internetspiele. Ab März müssen Onlinegamer dort von 22 Uhr abends bis 8 Uhr morgens eine Zwangspause einlegen.

Vietnams Vizeminister für Information und Kommunikation, Le Nam Thang, hat eine Nachtsperre für Onlinegames angeordnet. Ab dem 3. März müssen Internetprovider dafür sorgen, dass Spiele nachts für zehn Stunden offline sind. Die Sperrstunde beginnt um 22 Uhr und endet um acht Uhr morgens. Damit will die Regierung die "Nebenwirkungen von Onlinespielen" abmildern, schreibt die englischsprachige Tageszeitung Viet Nam News.

Welche Nebenwirkungen gemeint sind und ob alle oder nur bestimmte Spiele unter die Nachtsperre fallen, wurde nicht gesagt. Die Sperre solle den Zugang zu Informationen im Internet ermöglichen, aber gleichzeitig den "Lebensstil und die Gewohnheiten junger Menschen verbessern", teilte das Ministerium mit.

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Vermutlich zählt zu den Nebenwirkungen die Onlinespielsucht, die in Vietnam offenbar als Problem erkannt worden ist. Es ist nicht das erste asiatische Land, das Onlinegames nachts unterbindet. In Südkorea gibt es seit April vergangenen Jahres eine sechsstündige Sperre. Sie soll verhindern, dass Minderjährige nach Mitternacht zocken können.

In Südkorea gilt die Onlinegamesucht inzwischen als großes gesellschaftliches Problem. In einem Bericht über ein prominentes Opfer aus dem vergangenen Jahr wird Shin Young-sook, ein Mitarbeiter des südkoreanischen Sicherheitsministeriums, mit der Aussage zitiert, 8,5 Prozent der Südkoreaner seien spielsüchtig, bei Jugendlichen sogar 12,8 Prozent. In südkoreanischen Zeitungen kursieren noch höhere Prozentzahlen und erschreckende Meldungen über Süchtige. So ist in der Nähe der Hauptstadt Seoul ein Baby verhungert, weil seine Eltern in einem Internetcafé spielten und es zu Hause vergaßen.

Auch aus China gibt es solche Berichte. Zuletzt über einen 30-jährigen Chinesen, der drei Tage lang durchspielte, ins Koma fiel und starb. Die chinesische Regierung reguliert Onlinegames seit August 2010. Seitdem sind anonyme Onlinegames verboten, Nutzer müssen sich mit ihrem echten Namen registrieren. Spiele-Anbieter müssen ihre Spiele technisch so einstellen, dass Minderjährige nur eine begrenzte Zeit online spielen können. Gleichzeitig wurden Spiele verboten, die Jugendliche zu einem unsittlichen oder gesetzwidrigem Verhalten animieren könnten. 

In Vietnam hatte die Regierung bereits im vergangenen halben Jahr versucht, durch Zugangsbeschränkungen nächtliches Onlinespielen zu verhindern. Erfolglos. Nun wollen vietnamesische Behörden kontrollieren, ob das Verbot von Providern eingehalten wird. Anbieter, die weiterhin nachts Onlinegames zulassen, kann nun die Lizenz entzogen werden. Wie nützlich die Sperre ist, soll außerdem bis Jahresende untersucht werden. Bei Bedarf werde sie verändert, hieß es.

Einige Onlinegame-Provider wie VTC Intercom und AsiaSoft haben sich bereits beschwert, die Sperre verringere die Unterhaltungsmöglichkeiten auch für Erwachsene, die für ihren Internetzugang immerhin viel Geld bezahlt hätten. Ausnahmen soll es aber nicht geben. Laut dem Informationsministerium nutzen 23 Millionen Vietnamesen das Internet, das sind etwa 26 Prozent der Bevölkerung. Zahlen zu Spielsüchtigen nannte das Ministerium nicht.

Mit Deutschland ist die Situation in Ländern wie China, Südkorea und Vietnam nicht vergleichbar. Zwar werden auch hier Online- und Browsergames immer beliebter, aber nur ein geringer Teil der Spieler ist süchtig. Eine Studie des Hans-Bredow-Instituts kam zu dem Ergebnis, dass Computerspiele kaum exzessiv genutzt werden. Der repräsentativen Befragung zufolge gelten nur 0,9 Prozent derjenigen, die spielen, als suchtgefährdet und 0,5 Prozent als abhängig.

 
Leser-Kommentare
  1. Bin schon gespannt, wann der erste Politiker in Deutschland diesen Vorschlag macht.
    Oder Gutscheinkarten für einmal pro Woche in der Gaststätte rauchen dürfen oder wahlweise Computerspielen zu Hause.

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    • joG
    • 23.02.2011 um 16:57 Uhr

    .....nachts abgestellt und man darf am Sonntag nicht einkaufen. So ist das eben, wo sich Regierungen ungebührlich in die Angelegenheiten ihres Souverän einmischen. Ist natürlich die Frage, ob der Souverän dann noch ein Souverän ist oder die Macht gar nicht unter Kontrolle hat und diese nur glaubt zu haben.

    • Ranjit
    • 23.02.2011 um 17:08 Uhr

    Man darf das Problem der Online- bzw. Onlinespielesucht nicht unterschätzen. Die hier angewandte Brachialmethode ist jedoch purer und gefährlicher Unsinn.

    Onlinesucht geht häufig mit weiteren psychologischen Beschwerden einher. Häufig ist sie nicht Auslöser sondern Konsequenz dieser Probleme. Die Flucht in Onlinewelten dient hier als Bewältigungsstrategie für soziale Probleme oder Depressionen. Zwar ist die Flucht ins virtuelle meist eine maladaptive Strategie, also eine die das Problem eher noch verschlimmert. Die Sperrung ist jedoch nicht die richtige Antwort. Eine völlige Sperrung, z.B. durch die Eltern, würde die Probleme nur verschärfen. Eine partielle, zeitliche Sperrung wie hier geplant würde hingegen nur die Spielzeit verschieben. Da wird dann eben am Nachmittag gespielt und nachts Hausaufgaben gemacht.
    In beiden Fällen bleibt die zugrunde liegende Problematik aber erhalten. Abhilfe schafft hier nur eine psychologische Betreuung und Therapie.

    Es ist aber lehrreich zu sehen, dass schädliche, undurchdachte Symbolpolitik nicht nur ein deutsches Phänomen ist. Lieber die Brechstange ansetzen, der Privatwirtschaft und der Bevölkerung schaden statt ein bisschen mehr in Prävention und Beratung zu investieren.

  2. 4. Oh je.

    Und was ist mit Menschen, welche Tagsarbeiten und Nachts ihrem Hobby nachgehen wollen?
    Was wird als nächstes kontrolliert? Alkohol, Zigaretten, Beischlaf?

  3. Man kann 18 Stunden am Tag Fernsehen, ständig betrunken sein, sich in schlechten Jobs kaputt arbeiten, unentwegt Gras rauchen oder halt zocken- es gibt viele Möglichkeiten den Tag zu Verschwenden.

    Die Frage ist doch das richtige Maß.

    Zocken kann süchtig machen, immer neue Upgrades, Online Clans, Errungenschaften und vermeintliches Prestige, erworben auf virtuellen Schlachtfeldern, mit vermeintlich Gleichgesinnten. Ich kenne selber Leute in meinem Alter die auf solchen Games "hängengeblieben" sind, Verbote nützen nichts.

    Niemand verbietet ja auch die Spielhallen, Bars und Handy-Abos

    Eine Leser-Empfehlung
  4. 6. ......

    Als jemand, der selber schon viel Zeit mit Zocken verschwendet hat (und es auch immer ncoh gerne tut) finde ich die Regelung gar nicht so schlecht. Die meisten vernünftigen Menschen spielen nicht nach Mitternacht. Ich glaube es gibt schlimmere Regeln. NAtürlich ist es ein eingriff in die persönliche Freiheit und muss mit bedacht angefasst werden. Ich glaube ich fänds trotzdem gut.

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    • Elite7
    • 23.02.2011 um 22:45 Uhr

    auch keine Lösung. Offlinespielen kann keiner verbieten und ein Erwachsener muss schon selber wissen, was er nachts tut. Ansonsten ist eine solche Regelung sehr löblich, nur ich befürchte, dass eine solche Regelung kaum durchsetzbar ist. Im Internet finden sich so viele Spiele, wie soll das funktionieren? Und ansonsten machen die Leute halt was anderes, oder soll das ganze Internet abgeschaltet werden? Das macht keinen Sinn. Außerdem wäre damit das Suchtproblem nicht gelöst und die wenigsten sind wirklich spielesüchtig. Da kenne ich ganz andere Gefahren (Alkohol?!), um die sich hier keiner Gedanken macht.

  5. @DerSchläfer: Du triffst zwei, in Grundsatzton gehüllte Aussagen, die man so nicht stehen lassen kann.
    Zum ersten: es mag sicherlich ein objektives Maß an Zeitverschwendung geben. Baue ich ein Haus, welches eventuell meinen Mitmenschen nützt, strukturiere ich meine Zeit objektiv gesehen sinnvoller als wenn ich die ganze Zeit zocke. Subjektive Zeitverschwendung ist jedoch...nun ja...subjektiv. Ob ich nachmittags lieber 3 Stunden ein Haus baue, ins Schwimmbad gehe oder am Computer mich in fernen Welten à la Star Wars und Mass Effect bewege, wird von jedem anders bewertet. Letzteres ist für mich, subjektiv, auch nach 20 Jahren als PC-Spieler, beileibe keine Zeitverschwendung, sondern ein Höchstmaß an guter Zeitnutzung, weil es eben innere Erfüllung bringt.
    Zum zweiten: was bitte heißt, die meisten vernünftigen Menschen spielen nicht nach Mitternacht? Ob ich nach Mitternacht zocke, hängt von vielen Variablen ab. Muß ich morgens 4.30 aus beruflichen Gründen aufstehen, werde ich nicht bis nach Mitternacht zocken - da ich schnell an physische Grenzen via Schlafentzug gerate. Muß ich nicht früh aufstehen und kann meinen Tag völlig frei einteilen (als Student, Arbeitsloser oder Selbständiger wie in meinem Falle), kann es ebenso sinnvoll sein, nach Mitternacht zu zocken - weil es bspw. vorher nicht geht, weil ein Auftrag für Brasilien oder Chile eben bis 23 h noch fertig gemacht werden muß und erst danach Freizeit losgeht. Es liegt, wie so oft, alles im Auge des Betrachters.

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