Der Erfolg von Portal hat Spieler und Entwickler gleichermaßen überrascht. Ursprünglich als Konzeptspiel entworfen, gilt es heute als Klassiker der jüngeren Videospielgeschichte: Das misanthropisch-morbide Computersystem GLaDOS war eine interessante neue Form von Spiele-Bösewicht. Der Humor war dunkel und trocken, die Rätsel fordernd, aber nie entmutigend. Der Kritikpunkt, das Spiel sei mit vier Stunden zu kurz gewesen , war in Wirklichkeit das Erfolgsgeheimnis: Portal war eine innovative Idee, prägnant auf den Punkt gebracht.

Als das amerikanische Studio Valve, das mit dem Egoshooter Half Life bekannt wurde, letztes Jahr den Nachfolger Portal 2 ankündigte, waren die Reaktionen gespalten: Würde sich das Spielprinzip bewähren? Könnte die interessante aber magere Story des ersten Teils ausgebaut werden? Kurz nach der Veröffentlichung sind sich die meisten Kritiker einig : Portal 2 übertrifft die Erwartungen in allen Belangen.

Auch in Portal 2 schlüpfen die Spieler in die Rolle von Chell, der stummen Protagonistin aus dem ersten Teil. Der gigantische Testkomplex des ominösen Forschungsunternehmens Aperture Science ist marode, als die Heldin aus dem Tiefschlaf erwacht. Die einst makellosen Testkammern sind zerfallen, Vegetation sprießt zwischen den Fugen hervor, immer wieder fallen Teile des Gebäudes herunter. Kurz, die Umgebung "lebt" und reagiert auf den Spieler – ein großer Unterschied zum mitunter sterileren Vorgänger.

Nach einer kurzen Einführungsphase dauert es nicht lange, bis auch der Supercomputer GLaDOS wieder zum Leben erweckt wird. Die Künstliche Intelligenz mit der singenden Computerstimme hegt inzwischen einen mittelgroßen Hass auf die Protagonistin und macht keinen Hehl daraus, ihr einen möglichst langsamen Tod zu wünschen. Stichelende Anmerkungen über ihr Körpergewicht gehören dabei noch zu den harmloseren Äußerungen. Überhaupt ist es erneut der passiv-aggressive Charakter von GLaDOS, der dem Spiel die humorvolle Note gibt.

Im Kern ist Portal 2 ein Puzzle-Spiel geblieben. Abermals schickt GLaDOS die Spielfigur durch zahlreiche Testkammern, 22 an der Zahl, die sich in beeindruckender Weise vor dem Auge der Spieler zusammenbauen. Die einzige Waffe ist weiterhin die sogenannte "Portal Gun": Sie ermöglicht nach dem Prinzip des Wurmlochs, zwei Portale an unterschiedlichen Stellen des Raums zu erzeugen, um den Spielern den Weg von A nach B zu ebnen.

Das Prinzip klingt einfach, doch um das Ziel zu erreichen, brauchen die Spieler diverse Hilfsmittel: Spezielle Bodenplatten dienen als Katapulte, Lichtbrücken schützen vor Selbstschussanlagen, Laserstrahlen müssen umgelenkt und Schalter umgelegt werden. Dazu gibt es ein neues Gel, das je nach Farbton den Spieler entweder schneller oder zum Hochspringer macht. Nur wenn die Kombination stimmt, sind Fallen zu überwinden.

Wie wichtig das richtige Zusammenspiel ist, wird vor allem im neu eingeführten Mehrspieler-Modus deutlich. Jeweils zwei Spieler schlagen sich dabei gemeinsam durch zusätzliche, teilweise sehr anspruchsvolle Testkammern. Nur mit dem richtigen Timing und der korrekten Platzierung der vier Portale lassen sich die einzelnen Segmente lösen. Für besondere Aktionen gibt es auch in Portal 2 ein Achievement -System, das Spieler bereits von anderen Valve-Titeln wie Counter-Strike oder Team Fortress kennen dürften.