"The Witcher 2"Auf den Pfaden des Hexers

Die Bilderbuch-Fassade von "The Witcher 2" verbirgt eine verruchte Fantasy-Welt. Der Spieler muss entscheiden, welche Wege er in ihr nimmt. Faszinierend sind sie alle. von 

Geralt von Rivia mit seinen Verbündeten - oder doch nicht? Das muss der Spieler entscheiden.

Geralt von Rivia mit seinen Verbündeten - oder doch nicht? Das muss der Spieler entscheiden.  |  © CD Projekt

"Kier-ke-gaard!", ruft der Zwerg. So lautet das Losungswort. Es raschelt in den Büschen und der Spieler ist umzingelt von einer Gruppe Elfen, die nur entfernt an die zarten Geschöpfe gängiger Fantasy-Schmöker erinnern. Auch ihr Anführer sieht nicht viel freundlicher aus: Iorveth ist sichtbar gezeichnet von Kämpfen und dem Leben in den Wäldern von Temeria. Soll man ihm helfen gegen die Vorherrschaft der Menschen? Oder soll man sich doch auf die Seite von Vernon Roche schlagen, dem Anführer der Leibgarde des Königs, der kürzlich ermordet wurde? Der Spieler muss sich entscheiden. Kierkegaard lässt grüßen.

Die Erwähnung des dänischen Philosophen ist mehr als eine clevere Randnotiz im Rollenspiel The Witcher 2: Assassins of Kings des polnischen Entwicklers CD Projekt. Tatsächlich steht Kierkegaards Denken im Mittelpunkt des Spiels: Die Wahrheit ist subjektiv, jede Entscheidung hat Konsequenzen und ist nur aus der eigenen Erfahrung heraus zu erklären.

Im Fall von The Witcher 2 sind es die Erfahrungen von Geralt von Rivia. Er ist Hauptfigur des Spiels und der gleichnamigen Fantasy-Reihe des polnischen Autoren Andrzej Sapkowski. Der Legende nach wurde der Witcher als Kind entführt und mit magischen Kräften versehen. Deswegen verfügt er nicht nur über außergewöhnliche Schwertkünste, sondern auch über den ein oder anderen Zauberspruch.

Doch die Besonderheit hat ihren Preis: Geralt ist ein Außenseiter, der lieber mit Zwergen als mit Menschen verkehrt und schnellem Geld ebenso wenig abgeneigt ist wie einem Besuch im nächsten Bordell. Er ist ein typischer Byron'scher Held: Klug und attraktiv, aber gleichzeitig zynisch und weltmüde. Es ist nicht leicht, ihn zu mögen.

Die Handlung des Spiels knüpft nahtlos an den ersten Teil der Witcher-Saga an: Geralt hat soeben seinen Tod abwenden können, doch er kann sich nicht mehr erinnern. Dass er jetzt auch noch des Königsmordes beschuldigt wird, macht die Situation nicht besser. Mit Mühe kann er seine Wächter davon überzeugen, dass der wahre Attentäter noch auf der Flucht ist. Geralt macht sich mit seiner Gefährtin, der Zauberin Triss, auf die Suche nach seiner Unschuld und seiner Vergangenheit. Wie sein Weg dabei aussieht, entscheidet der Spieler.

Entscheidungsfreiheit ist kein neues Phänomen in Games: Die meisten Rollenspiele lassen die Wahl, entweder den gutmütigen Helden oder den hinterhältigen Rächer zu verkörpern. Meistens ergeben sich dadurch andere Dialoge oder ein anderer Abspann. Stets wissen die Spieler dabei, ob sie gerade auf dem gerechten oder dem geächteten Pfad wandeln.

Nicht so in The Witcher 2. Es gibt kein Gut und kein Böse, kein Richtig und kein Falsch. Fast jede Aktion hat nicht absehbare Konsequenzen, doch ob die Entscheidung letztlich moralisch richtig war, wird nur selten beantwortet. Manche Handlung mag dem Spieler zunächst nobel vorkommen, nur um sich später als ungerecht zu entpuppen. Manchmal hilft der Tod eines Einzelnen der Allgemeinheit, manchmal ist es aber auch nur ein gemeiner Mord, der nicht mehr bringt als die Münzen in der Tasche des Opfers.

Der Spieler muss sich entscheiden, immer wieder. An keiner Stelle ist dies offensichtlicher als am Ende des ersten Aktes: Hilft Geralt nun den Menschen, oder lieber den Elfen? Es gibt gute Gründe für beide – und ebenso viele dagegen. Je nach Wahl ergibt sich ein unabhängiger Spielpfad; mit eigenen Orten, Missionen und Charakteren. Rund zehn Stunden dauert jeder Pfad, bevor die Stränge im dritten und letzten Akt wieder zusammengeführt werden. Kaum ein anderes Spiel setzt das Prinzip der Wahl damit so konsequent um. Wer The Witcher komplettieren möchte, muss es zweimal spielen.

Leserkommentare
  1. Während die Witcher-Saga hierzulande hauptsächlich in einschlägigen Fantasykreisen bekannt sein dürfte, ist sie in Osteuropa, nicht nur in Polen, ein Phänomen, das man durchaus mit dem Herrn der Ringe vergleichen kann. Welch große Bedeutung die Polen dem beimessen, und wie stolz sie natürlich auf einen AAA-Titel aus dem eigenen Land sind, der mit den Großen der RPG-Branche mithaltenn kann, zeigt sich auch darin, dass Präsident Obama vom Ministerpräsidenten Tusk anlässlich Obamas Polenbesuches eine collector's Edition geschenkt bekam: http://de.ign.com/article...

  2. ...dass diesmal die Performance besser ist. Was bei Witcher 1 für mich der Todesstoß war, waren ewige Ladezeiten bei jeder kleinen Hütte. Brrrr...

    Das es kein Schwarz-Weiß gibt, ist zuerst einmal schön zu hören, allerdings nicht, wenn es durch Unabsehbarkeit geschieht. Als Spieler ist es mir schon wichtig, zumindest grob abschätzen zu können, was durch die Tat geschehen wird, sonst bin ich ja nicht Spieler, sondern Spielball. Ebenfalls bleibt zu hoffen (weil es bei vielen Spielen eben nicht getan wird), dass einem offensichtlich bessere Lösungswege nicht einfach vorenthalten werden.

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    Da haben Sie das grundlegende Prinzip des Spiels nicht verstanden: Es gibt nämlich keinen "besseren" oder "schlechteren" Lösungsweg.
    Ganz bewusst wollten die Entwickler etwas "real life" in die Storyline einfließen lassen: Wie im "echten Leben" kann man die Folgen einer Entscheidung nur bis zu einem gewissen Grad abschätzen.
    Wenn man sich an einem bestimmten Punkt mit mehreren Vorgehensweisen für eine entscheidet, kann es sein, dass man erst lange Zeit später im Spiel die Folgen zu spüren bekommt, diese Entscheidung dann natürlich nicht mehr rückgängig machen kann. Das war/ist eines der entscheidenden Features dieses Spiel, sprich: beabsichtigt.

    Wenn einem der Ausgang des Spiels nicht gefällt, kann man ja einen Speicherpunkt kurz vor der fraglichen Stelle anlegen und dann das Spiel ab da nochmal spielen, diesmal mit einer anderen Entscheidung.
    Wenn Ihnen diese Art der Handlungsfreiheit nicht gefällt, ist dieses Spiel eben nichts für Sie.

  3. Ein tolles Spiel, das für mich das erste Rollenspiel ist bei dem ich sagen kann es kommt an meinen all-time-favorite Gothic 1 ran.

    Tolle story, tolle Welt und tolle Grafik, was will ich mehr.

  4. "Eine Möglichkeit, sie während des Gefechts per Schnellzugriff einzusetzen, fehlt."

    Den zweiten Teil habe ich zwar noch nicht gespielt, aber im ersten zumindest, kann mann sehrwohl einige Tränke in seinem "Gürtel" tragen. Diese erscheinen dann am linken Bildschirmrand in zur Auswahl. Außerdem kann man während des Kampfes auf sein Inventar zugreifen und auch so die Tränke nehmen(Es wird ja dann pausiert).

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das im zweiten Teil anders ist, korrigiert mich wenn ich mich irre :)

  5. Lieber Tenshinhan,

    es ist tatsächlich wie im Artikel beschrieben: Um Tränke zu nehmen, muss man "Meditieren": Dazu wird das Spiel angehalten und es ergibt sich ein extra Menü, in dem man die Tränke mischen und einnehmen kann. Das ist leider wenig intuitiv, weswegen man die Tränke auch am besten vor dem Kampf und nicht zwischendurch nehmen sollte. Über den Gürtel lassen sich nur noch Dinge wie Fallen oder Bomben direkt auswählen.

  6. Werter Autor,

    wie kommen sie darauf, dass das Spiel nur für XBox 360 in Vorbereitung sei? Von Entwicklerseite wurde da noch nichts bestätigt, auch wenn es sehr wahrscheinlich ist...(der einzige Hinweis tauchte in einer geheimen Botschaft für die Fans beim Release des Spiels auf - und zwar "PS3 - will happen sometime soon!" ) Wenn, dann wird das Spiel also für XBox 360 wie auch die PS3 erscheinen!

  7. Lieber Lachmund,

    nach den, zugegeben recht dürftigen Äußerungen CD Projekts, wird höchstwahrscheinlich auf der E3 kommende Woche die Xbox-Version vorgestellt werden. Es ist gut möglich, dass es gleichzeitig auch für die PS3 erscheint - falls die Bestätigung offiziell ist, füge ich es gerne hinzu.

    Mit besten Grüßen,
    E.K.

  8. Nur schade das die Homepage, wo man den "Registrierungscode" herbeschafft noch nicht komplett funktioniert bzw. defekt ist. Massenweiße PC Spieler sitzen noch auf dem Trockenen und warten...
    Ansonsten kann ich aus meiner bisherigen Erfahrung den ersten Teil der Spielreihe wärmstens empfehlen und wünsche allen beteiligten natürlich viel Spaß beim zocken.

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    • Nexic
    • 31. Mai 2011 19:45 Uhr

    Das Update entfernt den Kopierschutz eine Registrierung ist nichtmehr notwendig und das Spiel kann auf mehreren PCs installiert werden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Rollenspiele | Wahl | Computerspiel | Games | Genre | Avatar
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