Als Microsofts neuer Game-Kontroller Kinect im vergangenen November auf den Markt kam, stürzte sich die Programmierergemeinschaft sofort darauf. Schließlich war das eine neue Spielwiese zum Hacken.

Dank der Kinect können Spieler ihr Game allein durch Gesten und Körperbewegungen steuern. Zu der Konsole gehört eine Kamera. Sie trackt die Umgebung ähnlich wie ein Bewegungsmelder. Sofort nahmen die Hacker das neue Tool auseinander und reizten es durch Experimente weit über die eigentlichen Funktionen aus .

Der Angriff wurde von der Industrie sogar unterstützt: Der amerikanische Open-Source-Entwickler Adafruit lobte einen Wettbewerb für den schnellsten Hack aus.

Und so dauerte es am Tag der Veröffentlichung der Kinect nicht einmal drei Stunden, bis der spanische Hacker Hector Martin einen Open-Source-Treiber für die Kamera der Kinect ablieferte. Damit konnte Martin nicht nur die 3.000 Dollar Preisgeld gewinnen. Seitdem können Experimentierfreudige auch mit Martins Open-Source-Treiber zu Hause auf den Kamera-Feed der Kinect zugreifen und neue Ideen für die Bewegungssteuerung entwickeln.

Ein besonders schönes Resultat des Xbox-Hacks ist zum Beispiel das virtuelle Sound-Interface von Atsushi Tadokoro, das an das futuristische Terminal aus dem Kinofilm Minority Report erinnert.

Der Entwickler aus Tokyo kann nun mit einer Fingerbewegung virtuelle Farbflächen erzeugen, die untereinander angeordnet und kombiniert Klänge abspielten. "Ich sah ein 3-D-Experiment mit der gehackten Kinect auf einem Newsportal und dachte, das probiere ich einfach auch mal", erzählt Tadokoro.

In die Kreativindustrie eingesickert

Im Februar erschien dann ein kommerzielles Musikvideo der Münchner Gruppe Moullinex, das nur mit einer gehackten Kinect gefilmt und mit 3-D-Software bearbeitet wurde. Luis Clara Gomes von Moullinex hat das Video zusammen mit Bandmitglied Luis Calçada umgesetzt. Er schätzt die gehackte Kinect, "weil deren 3-D-Daten so gut sind. Die gelieferten Informationen daraus sind einerseits künstlich und digital, andererseits aber gleichzeitig organisch und menschlich." Das hätte bestens zu der eigenen Musik gepasst, bei der die Band nach genau dieser Mischung gesucht habe.