Social Games Wer nicht kommuniziert, verliert

Facebook-Spiele waren bislang eher simpel, und Vernetzung meinte allein den Vergleich der Punktestände. Das ändert sich, neue Games sind komplexer und vor allem sozialer.

Eine Szene aus dem Spiel "Empires and Allies"

Eine Szene aus dem Spiel "Empires and Allies"

Stumpfsinniges Kühe-Klicken war gestern. Jetzt werden Ölfelder mit Flotten belagert, Schlachten gegen das japanische Shogunat vorbereitet und Drachen im Dorf bekämpft. Auf Facebook. Neue Spiele in dem sozialen Netzwerk deuten an, wohin die Reise geht: Mehr Kooperation und mehr Kommunikation unter den Spielern.

Spiele auf Facebook waren bisher, so der Grundtenor aktueller Videospielkritik, ausbeuterisch, simpel und für soziale Netzwerke erstaunlich unsozial. Das soll sich ändern. Die Veröffentlichungen des kooperativen Strategiespiels CivWorld und des Indie-Spiels Hero Generations kurz hintereinander deuten an, dass die Anbieter von Community-Spielen die Richtung ändern.

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Das Anfang Juli auf Facebook erschienene CivWorld ist so etwas wie ein Gegenentwurf zu den bislang bekannten Facebook-Spielchen: Gemacht vom legendären Civilization-Designer Sid Meier und dem namhaften Unternehmen Firaxis, ist es der Versuch, das alte Konzept des Aufbaustrategiespiels mit den neuen Möglichkeiten sozialer Netzwerke zu verknüpfen.

Nicht mehr der Computer ist der Gegner des Spielers bei seinem Versuch, eine Zivilisation von Jägern und Sammlern bis zur Raumfahrtnation zu entwickeln. Bis zu 200 andere Mitspieler sind die Konkurrenten um Ressourcen und Platz. Wie gehabt, baut jeder Spieler seine eigene Siedlung mit Märkten, Häusern und Viehweiden auf. Das gibt es auch in vielen anderen Facebook-Spielen wie Zyngas Farmville. Nun jedoch wird diese kleine Welt mit der von anderen Spielern vernetzt, die Gegner sind echte Menschen.

Das Ganze ist rundenbasiert und wird wie ein Turnier alle zwei Wochen neu gestartet, der Aufbau beginnt von vorn. CivWorld ist ein Spiel, das wie kaum ein anderes bei Facebook auf Interaktion setzt. Allerdings ist die Menüführung so komplex, dass es noch schwierig ist, genügend Mitspieler zu finden.

Kurz zuvor hatte der Farmville-Erfinder Zynga Empires and Allies veröffentlicht, eine Weiterentwicklung der Konzepte der Ville-Serie – und vielleicht auch ein Präventivschlag gegen CivWorld. Als Generäle müssen die Spieler hier einen Militärstützpunkt aufziehen, um mit Land-, Luft- und Marinetruppen eine böses Imperium aufzuhalten. Bei dieser allein zu erledigenden Hauptaufgabe können andere Mitspieler helfen. Doch können auch Nachbarn überfallen werden, um Ressourcen zu sammeln.

Empires and Allies ähnelt zwar früheren Facebook-Spielen, hat aber eine kooperative Komponente. Rathäuser und Botschaften erfordern beispielsweise Freunde als Mitarbeiter. Dabei sind Bezahlinhalte weniger entscheidend für den Erfolg als das gemeinsame Spielen.

Leser-Kommentare
    • Zooey
    • 16.08.2011 um 12:23 Uhr

    Na denn. Hilft eigentlich nur, dass Verlierer sein hoffähig wird. Dann sind wir aus dem Schneider.
    Der Schmäh um facebook wird halt immer dämlicher. Kommunizieren wird Vollzeitarbeit. Leider unbezahlt.

  1. der ersten Stunde sage ich ihnen, dass sie leider gänzlich falsch liegen. Nicht um Kommunikation geht es.
    Es geht den Spielemachern darum, die Leute möglichst lange und intensiv mit dem Spiel zu beschäftigen, und die Spieler werden zudem gezwungen "Freunde" einzuladen um bestimmte Ziele zu erreichen.
    Nur wer beispielsweise 10 Freunde im Spiel hat, kann ein Haus bauen.
    Mit echter Kommunikation hat das nichts zu tun.
    Es hat vielmehr etwas von einem Schnellballsystem.

  2. > ... neue Games sind komplexer und vor allem sozialer. <

    Vor allem sozialer! Welch eine makabre Definition.

    "In der Umgangssprache bedeutet „sozial“ den Bezug einer Person auf eine oder mehrere andere Personen; dies beinhaltet die Fähigkeit (zumeist) einer Person, sich für andere zu interessieren, sich einfühlen zu können, das Wohl Anderer im Auge zu behalten (Altruismus) oder fürsorglich auch an die Allgemeinheit zu denken."

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Alle von mir bisher gespielten Spiele in FB habe ich genau so wahrgenommen, manche mehr, manche weniger. Als langjähriger Civ Fan reizt mich die Social Network Variante durchaus, aber ich möchte sicher nicht zum unbezahlten Werbebotschafter für ein Spiel werden. Außerdem habe ich keine Lust, mir immer Zeit für bestimmte zeitkritische Quests nehmen zu müssen.

    Aber das Schöne daran ist: Es ist alles freiwillig, und man kann ohne wirkliche Sanktionen auch damit wieder aufhören :)

  4. Ich finde es schade, das hier in den Kommentaren nur darauf eingeganen wird, wie furchtbar Bezahlinhalte in Social Networks sind. Okay, darf man drüber diskutieren und sie auch gerne hassen, aber: Die gehören nun mal in der Gegenwart zum Geschäftsmodell der Social Networks und deshalb müssen Gamedesigner dem auch Rechnung tragen, weil aus Spass machen die das ja nicht und die ganze Umsonst-Mentalität des Internets hilft Entwicklern auch nicht gerade weiter. Da empfinde ich das Free2Play (mit Bezahlinhalten) Konzept durchaus die logische Folge. Unabhängig davon sind bei allen drei Spielen Bezahlinhalte nicht unverzichtbar, also für diesen Artikel hier vielleicht nicht unbedingt das zentrale Thema?

    Viel Interessanter finde ich wirklich, dass die Entwickler eben jetzt öfter stärker auf Qualität setzen und nicht auf Klickibunti-Sammelwahn-Spiele setzen sowie dass das Gameplay sich weiterentwickelt, sowohl in klassische Genres hinein (CivWorld) als auch in neue Richtungen (Hero Generations). Es sind eben erstaunlicherweise zwischen all dem zu Recht verschrienen Ausbeuter-Blödsinn Spiele versteckt, die einem schlicht durch ihre Qualität wieder etwas zurückgeben! Insofern: Interessanter Artikel!

    Und wenn man mal für einen moment die bösen Bezahlinhalte ausblendet: Haben wir nicht schon immer gute, unerhaltsame Spiele mit unseren Freunden teilen wollen?

  5. kommt die schärfste Kritik an dieser Art von Spielen immer noch aus der Spieleindustrie selber:

    http://www.gamasutra.com/...

    http://www.eurogamer.de/a...

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