Als Microsoft vor rund zwölf Jahren den zweiten Teil der historischen Echtzeitstrategie-Reihe Age of Empires veröffentlichte, galt das Spiel als stilprägend. Es wurde millionenfach verkauft. Das neue Age of Empires Online sieht dagegen aus wie ein Facebook-Spiel und ist gratis im Netz erhältlich.

Age of Empires Online ist ein Beispiel dafür, dass auch bekannte Spieleserien mittlerweile in das von Spielern wie Fachpresse noch misstrauisch beäugte "Free-to-Play"-Segment geschoben werden. "Free to Play" bedeutet: Das Grundspiel ist frei verfügbar. Zusatzinhalte wie neue Ausrüstung, Einheiten oder optische Variationen kosten echtes Geld.

In Age of Empires Onlinewählen Spieler zwischen antiken Griechen und Ägyptern eine Zivilisation aus. Dann bekommen sie eine Hauptstadt zugeteilt, die optisch einem Facebook-Game entsprungen sein könnte. Anschließend werden die Spieler auf Missionen geschickt, die für Strategiespiele typisch sind: Siedlungen aufbauen, Bauern befreien, Handelsrouten sichern. Statt in historischen Feldzügen nach und nach Spielinhalte freizuschalten, müssen Spieler in Age of Empires Online zwischen den Missionen die Hauptstadt ausbauen und die Zivilisation wie in einem Rollenspiel weiterentwickeln.

Wer spielen will, muss jederzeit eingeloggt sein in Microsofts Onlinedienst Games for Windows Live, kann dann aber auch mit anderen Spielern handeln, gemeinsam Aufgaben erledigen oder gegeneinander antreten. Hier wird das Prinzip "Free to Play" wichtig.

Bei Age of Empires Online bedeutet es, dass bestimmte Spielinhalte nur für Premium-User gedacht sind. Wer für rund 20 Euro seine Zivilisation zur "Premium-Zivilisation" aufwertet, bekommt Zugriff auf neue Händler und bessere Ausrüstung für die eigenen Truppen und kann zusätzlich im Kampf gegen andere Premium-User antreten.

Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht, und genau das macht Spieler misstrauisch. Wo kostenlos draufsteht, schwingt immer auch die Furcht vor "Pay to Win" mit, dem erkauften Spielvorteil. Vor allem in kompetitiven Multiplayer-Spielen wird es oft problematisch, wenn nichtzahlende Spieler keine Chancen haben gegen die mächtigeren Waffen, die stärkeren Armeen oder besonderen Boni der zahlenden Spielerschicht.

In diesem Fall ist das kein großes Problem. Um in den Aufträgen des Spiels erfolgreich zu sein, braucht es keine Premium-Inhalte. Wer als nichtzahlender Spieler zusammen mit einem Premium-Kunden eine besonders schwere Mission spielt, wird sich dagegen über die Unterstützung von Spezialeinheiten freuen. Will man gegen andere Spieler antreten, so versucht Age of Empires Online, einen gleichwertigen Partner zu finden.