Age of Empires OnlineEin großer Name wird verschenkt

Onlinespiele über monatliche Abos zu verkaufen, ist ein Auslaufmodell. "Free to Play" macht auch vor traditionsreichen Spielereihen wie "Age of Empires" nicht halt. von Dennis Kogel

In "Age of Empires Online" müssen Spieler Missionen erfüllen und nebenbei ihre Zivilisation weiterentwickeln

In "Age of Empires Online" müssen Spieler Missionen erfüllen und nebenbei ihre Zivilisation weiterentwickeln  |  © Microsoft

Als Microsoft vor rund zwölf Jahren den zweiten Teil der historischen Echtzeitstrategie-Reihe Age of Empires veröffentlichte, galt das Spiel als stilprägend. Es wurde millionenfach verkauft. Das neue Age of Empires Online sieht dagegen aus wie ein Facebook-Spiel und ist gratis im Netz erhältlich.

Age of Empires Online ist ein Beispiel dafür, dass auch bekannte Spieleserien mittlerweile in das von Spielern wie Fachpresse noch misstrauisch beäugte "Free-to-Play"-Segment geschoben werden. "Free to Play" bedeutet: Das Grundspiel ist frei verfügbar. Zusatzinhalte wie neue Ausrüstung, Einheiten oder optische Variationen kosten echtes Geld.

Anzeige

In Age of Empires Onlinewählen Spieler zwischen antiken Griechen und Ägyptern eine Zivilisation aus. Dann bekommen sie eine Hauptstadt zugeteilt, die optisch einem Facebook-Game entsprungen sein könnte. Anschließend werden die Spieler auf Missionen geschickt, die für Strategiespiele typisch sind: Siedlungen aufbauen, Bauern befreien, Handelsrouten sichern. Statt in historischen Feldzügen nach und nach Spielinhalte freizuschalten, müssen Spieler in Age of Empires Online zwischen den Missionen die Hauptstadt ausbauen und die Zivilisation wie in einem Rollenspiel weiterentwickeln.

Wer spielen will, muss jederzeit eingeloggt sein in Microsofts Onlinedienst Games for Windows Live, kann dann aber auch mit anderen Spielern handeln, gemeinsam Aufgaben erledigen oder gegeneinander antreten. Hier wird das Prinzip "Free to Play" wichtig.

Bei Age of Empires Online bedeutet es, dass bestimmte Spielinhalte nur für Premium-User gedacht sind. Wer für rund 20 Euro seine Zivilisation zur "Premium-Zivilisation" aufwertet, bekommt Zugriff auf neue Händler und bessere Ausrüstung für die eigenen Truppen und kann zusätzlich im Kampf gegen andere Premium-User antreten.

Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht, und genau das macht Spieler misstrauisch. Wo kostenlos draufsteht, schwingt immer auch die Furcht vor "Pay to Win" mit, dem erkauften Spielvorteil. Vor allem in kompetitiven Multiplayer-Spielen wird es oft problematisch, wenn nichtzahlende Spieler keine Chancen haben gegen die mächtigeren Waffen, die stärkeren Armeen oder besonderen Boni der zahlenden Spielerschicht.

In diesem Fall ist das kein großes Problem. Um in den Aufträgen des Spiels erfolgreich zu sein, braucht es keine Premium-Inhalte. Wer als nichtzahlender Spieler zusammen mit einem Premium-Kunden eine besonders schwere Mission spielt, wird sich dagegen über die Unterstützung von Spezialeinheiten freuen. Will man gegen andere Spieler antreten, so versucht Age of Empires Online, einen gleichwertigen Partner zu finden.

Leserkommentare
  1. Ich habe einige Spiele ausprobiert. Ich muss sagen, sie haetten mir auch Spass gemacht, wenn man nicht bei jeder Sache irgendetwas extra kaufen musste. S

    Das macht ueberhaupt kein Spass und ist fuer mich kein Free To Play Spiel.

    2 Leserempfehlungen
  2. Age of Mythologies, AoE III, das war auch schon nicht mehr das Wahre. Davon ab gibts viele, viele nahmnhafte Serien, die einen solchen Ableger haben (Die Siedler sei hier mal genannt).

    Ich finde Free 2 Play an sich ne extrem geile Sache, stundenlanger Spielspaß ohne auch nur einen müden Euro dafür ausgeben zu müssen, klappt bei mir hervorragend. Man muss sich nur im Griff haben und die Spiele meiden, die man ohne bezahlen wirklich kaum zocken kann ^_^

    Age of Kings bleibt für mich übrigens unerreicht, zocke ich seit ca 12 Jahren bis heute.

    5 Leserempfehlungen
  3. gab es ja auch noch. Zusätzlich wurde von MS nicht ausgeschlossen, dass es auch eine "richtige" AoE IV-Version geben wird.

  4. Die Entwicklung dieser Online-Spiele, wie auch der Smartphone-Spiele geht keineswegs in Richtung "Gratis". Da kosten neue Items, Extras, neue Levels oder einfacher Spielfortschritt ein paar Cent bis Euros. "Nicht die Welt" denkt sich der Spieler und schlägtzu. Dass man so im Endeffekt schnell an den 20-50 Euro, die echte und große Spiele immer noch kosten, angekommen ist, merkt man vielleicht auch nicht.

    Man muss sich mal überlegen, die Filmindustrie würde solch einen Weg gehen. An der Kinokasse gibt es die Premiumschauer, dann die, die eine kurze Version ohne Pause schauen und die kostenlosen Schauer, welche nur Trailer sehen.
    Den Film auf DVD gibt es auch nur im Download, wobei Originaltonspur und Untertitel extra kosten. Manche Szenen sind gekürzt und können separat gekauft werden. Solange bis man sich dann selbst die Director's Cut-Version zusammengekauft hat...

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • GDH
    • 19. September 2011 12:25 Uhr

    Und zu dem, was Sie beschreiben, kommt noch etwas hinzu:
    Bei einem gekauften Spiel kann ich mich darauf verlassen, dass ich das Spiel so, wie ich es gekauft habe, auch in einigen Jahren noch spielen kann.

    Bei Online-Spielen muss ich damit rechnen, dass der Hersteller nachträglich die Regeln ändert. Dann ich der gekaufte Content, der damals vielleicht ganz toll war, nix mehr wert und man wird zum Nachlegen gezwungen.

    Gerade bei "Free-to-play" sollte man sich als Nutzer im Klaren sein, dass man so oder so keine wirklichen Rechte hat (im Gegensatz zum Käufer "traditioneller" Software).

    Letztlich kann so ein Spiel auch eingestellt werden und Schluss ist.

    • GDH
    • 19. September 2011 12:18 Uhr

    Ich kann mit diesen Angeboten rein garnichts anfangen. Das fängt beim Zwang online zu sein (ok - gilt auch für manche andere Spielmodelle) schon an.

    Als nicht-zahlender Spiele käme ich mir wohl benachteiligt vor. Öffentlich mit gekauften Spielvorteilen aufzutreten wäre mir aber erst recht peinlich. In so fern kann ich die Motivation der Leute, die da mitmachen, einfach nicht nachvollziehen.

    Als Gipfel der Unverschämtheit empfinde ich Spielangebote, bei denen man sich Bediencomfort kauft. Da ist die Steuerung absichtlich umständlich (es gibt z.B. keine Baufolge, sondern man muss sich nachts einloggen, damit nach der Fertigstellung eine Gebäudes gleich das nächste gebaut wird) und man muss sich die Bedienung dann wieder kaufen...

    Ich hoffe, es wächst keine Generation heran, die genau sowas von Anfang an gewohnt ist.

    9 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... und auch den anderen, die sich hier kritisch gegen das ganze free-2-play-konzept äußern, doch mittlerweile kam ich mit league of legends (eine dota-variante als eingenständiges spiel) in kontakt, und habe meine meinung revidiert.

    es ist durchaus möglich, mit einem guten spiel auf dieser basis geld zu verdienen, ohne dass die bezahlenden spieler tatsächliche vorteile haben. man kann helden gegen normale ingame-währung kaufen, die man sich erspielt, oder gegen echtes geld, letzteres geht lediglich schneller. runen dagegen, die den helden verbessern, können gar nicht gekauft, sondern nur erspielt werden.

    im endeffekt hat der nicht zahlende spieler meist den vorteil, da er vorher mehr zeit investiert hat, und damit besser ist als der zahlende kunde!
    lediglich skins, also andere designs für helden, können nur gegen echtes geld erworben werden, diese verändern das spiel allerdings nicht im geringsten.

    • cinor
    • 21. Oktober 2011 9:21 Uhr

    Was? Spiele, bei denen man sich nur Bedienkomfort kaufen kann, sind doch wohl wirklich besser als solche, bei denen der Einsatz von Geld Spielvorteile bringt!

    Nehmen wir das beliebte Browsergame "Die Stämme" von Innogames. Hier ist es nur möglich, sich mittels Premiumaccount Bedienvorteile zu schaffen, sprich erweiterte Bau- und Rekrutierungsschleifen, Schnellleiste für bequemeren Zugriff, verschiedene zusätzliche Übersichten, größere Karte etc. - Das alles kann aber durch verstärkten Mauseinsatz wettgemacht werden.
    Da dieses Spiel stark auf Ranglisten basiert, wäre jeglicher monetär mögliche Eingriff in das Spiel an sich eine Verzerrung des "Wettbewerbs".

    Andere Browsergames hingegen (gerade in der Kategorie MMORPGs) lassen sich durch Geldeinsatz massiv beeinflussen.

    Frage mich, was besser ist.

    • GDH
    • 19. September 2011 12:25 Uhr

    Und zu dem, was Sie beschreiben, kommt noch etwas hinzu:
    Bei einem gekauften Spiel kann ich mich darauf verlassen, dass ich das Spiel so, wie ich es gekauft habe, auch in einigen Jahren noch spielen kann.

    Bei Online-Spielen muss ich damit rechnen, dass der Hersteller nachträglich die Regeln ändert. Dann ich der gekaufte Content, der damals vielleicht ganz toll war, nix mehr wert und man wird zum Nachlegen gezwungen.

    Gerade bei "Free-to-play" sollte man sich als Nutzer im Klaren sein, dass man so oder so keine wirklichen Rechte hat (im Gegensatz zum Käufer "traditioneller" Software).

    Letztlich kann so ein Spiel auch eingestellt werden und Schluss ist.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Falsche Entwicklung"
  5. 7. Echt?

    "Wer spielen will, muss jederzeit eingeloggt sein in Microsofts Onlinedienst Games for Windows Live"

    Ich glaube wohl, man muss nicht jederzeit eingeloggt sein, sondern nur dann, wenn man tatsächlich spielen will.
    Das ist in Zeiten der Internet-Flatrates aber kein Aufreger und auch offline PC-Spiele müssen gestartet sein, wenn ich sie spielen will.

    Mit den Bezahl-Features ist es wie mit vielen Dingen, wer seine Gier nach Besserstellung im Spiel gegen Geld und Ausgabeverhalten nicht im Griff hat, bekommt ein Problem mit seinen Ausgaben. Da kann die Ware wenig dafür.

    Eine Leserempfehlung
  6. Wenn sie das Spiel das ihnen kostenlos angeboten wird soviel Spass macht dass sie es ausgiebig nutzen sollten sie auch etwas kaufen - um die gute Arbeit des Herstellers zu honorieren und ihn zu ermutigen weiter so gute Arbeit zu leisten, nicht knapsen wo es geht und auf ihren Geiz stolz zu sein. Genausowenig ist es eine Form der "Gängelung" wenn jemand sein kostenloses Produkt weniger komfortabel macht als es ihnen zusagt - nutzen sie es einfach nicht. Free2Play mit Micropayments für Zusatzinhalte bietet Marktwirtschaft in ihrer ureigensten Form - hier gilt tatsächlich mal "der Markt wirds schon richten".

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • GDH
    • 19. September 2011 12:55 Uhr

    "Genausowenig ist es eine Form der "Gängelung" wenn jemand sein kostenloses Produkt weniger komfortabel macht als es ihnen zusagt - nutzen sie es einfach nicht."

    Genau das habe ich vorgeschlagen: Einfach nicht nutzen, wenn das Spiel mehr zum Geldausgeben als zum Spielen motiviert.

    "Free2Play mit Micropayments für Zusatzinhalte bietet Marktwirtschaft in ihrer ureigensten Form - hier gilt tatsächlich mal "der Markt wirds schon richten"

    Ein wichtiges Merkmal der Marktwirtschaft fehlt aber: Rechtssicherheit. Die gekauften Inhalte stehen nach wie vor zu vollständigen Disposition des Spieleanbieters. Man leistet Micropayments ohne absehen zu können, wie es mit dem Spiel weitergeht (wer ein vollständiges und unabhängig lauffähiges Spiel kauft, hat da etwas "Nachhaltigeres").

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Microsoft | Abo | Fachpresse | Windows | Südkorea
Service