Batman "Arkham City" : Vom Rausch der Freiheit

"Arkham City" ist ein Open-World-Game, der Spieler kann Batman lenken, wohin er will. So etwas gelingt nicht immer, hier aber fühlt man sich als Herrscher der Spielwelt.
Batman schwebt über "Arkham City" © Rocksteady Games

Ein kalter Wind fegt durch die Häuserschluchten von Arkham City. Vereinzelt verirren sich Schneeflocken zwischen die schmutzigen Backsteinfassaden, trudeln an Neonreklamen vorbei und landen schließlich in der Tiefe. Dort, wo grimmige Gestalten zwischen brennenden Mülltonnen und Autowracks herumlungern. Vom Dach eines benachbarten Wolkenkratzers schweift der Blick über das Häusermeer, wandert von den Hafenanlagen im Westen über das nördlich gelegene Stahlwerk bis zu den matt erleuchteten Museumskuppeln im Nordosten. Welche Geheimnisse birgt diese Stadt?

Mit Batman: Arkham City wagt sich die Firma Rocksteady in eine offene Spielwelt hinaus. Im Vorgänger Batman: Arkham Asylum (2009) war das noch anders: Damals pirschte der Fledermausmann durch Gänge, Zellen und Labore einer hermetisch abgeschotteten Nervenklinik. Der lineare Aufbau trübte das Spielerlebnis nur unwesentlich: Arkham Asylum überzeugte mit taktischem Anspruch, handfesten Keilereien und einer packenden Story. Seine stärksten Momente hatte das Spiel, wenn Batman als lautloser Jäger agierte – hoch oben auf einem Mauervorsprung lauernd, die Gegner per Röntgenblick observierend, um dann im richtigen Moment mit chirurgischer Präzision eine Attacke zu starten. Die Seite 1up.com nannte Arkham Asylum treffend einen "Batman-Simulator" , der es dem Spieler ermögliche, sich mit der Heldenfigur zu identifizieren.

Nun also Arkham City: Der Gefängnisbezirk mitten im Herzen der Großstadt Gotham City, umgeben von hohen Mauern, bewacht von der Söldnerfirma Tyger Security. Innerhalb der Mauern herrscht ein erbarmungsloser Bandenkrieg, an dem die wohlbekannten Schurken der Comicserie ihren maßgeblichen Anteil haben – unter ihnen der Joker, Two-Face und der Pinguin. Als der Gefängnisvorsteher Hugo Strange auch den Milliardär Bruce Wayne inhaftieren lässt, tritt dessen Alter Ego Batman auf den Plan. Schon bald ist der spitzohrige Held tief in die Machtkämpfe seiner Gegner verstrickt und hetzt von einer Aufgabe zur nächsten. Im Hintergrund zeichnet sich eine weitreichende Verschwörung ab, die nicht nur Batmans Existenz bedroht: Dem Dunklen Ritter läuft die Zeit davon.

Oberflächlich betrachtet wirkt Arkham City wie ein Arkham Asylum im XL-Format. Gleichwohl gehorchen Gameplay und Erzählstruktur in offenen Spielwelten ganz eigenen Gesetzen. Auf den Punkt gebracht hat das der Spielejournalist Jim Rossignol in seinem Blog rockpapershotgun.com : Open-World-Games müssen ihr Freiheitsversprechen einlösen. Als Negativbeispiel nennt Rossignol den kürzlich erschienenen Action-Titel Rage der Firma id Software . Die hat es mit linearen Shootern wie Doom und Quake zu einigem Ruhm gebracht. Bei Rage nun entwirft sie eine postapokalyptische Wüstenwelt à la Mad Max , in der sich der Spieler aber nicht frei bewegen kann: Wer einfach mal drauflosmarschiert, wird unsanft von Selbstschussanlagen gebremst; unüberwindbare Straßenblockaden verschwinden erst, wenn der Spieler brav einen Teil der Handlung bewältigt hat.

"Das Problem von Rage war: Es schuf die Vorstellung von einer Welt, in der das Herumreisen nicht nur eine Möglichkeit, sondern eine Notwendigkeit ist", schreibt Rossignol. Diese Erwartung enttäusche Rage aber schon in den ersten fünf Spielminuten.

Arkham City vermittelt das Freiheitsgefühl einer offenen Spielwelt sehr viel besser. Elegant schwebt Batman über den Straßen der Stadt, zieht sich mit seinem Enterhaken blitzschnell auf Hausdächer empor und nutzt den gewonnenen Schwung, um weiter durch die Luft zu gleiten. Hat man die Technik erst einmal verinnerlicht, gerät man in einen regelrechten Rausch und fühlt sich als heimlicher Herrscher dieser düsteren Welt: Kein Winkel ist zu abgelegen, als dass er sich nicht noch mit einem anmutigen Flugmanöver erkunden ließe.

Die "Reisegeschwindigkeit" ist wohl am ehesten mit der von inFamous vergleichbar – einem Spiel, das seinen elektrisch geladenen Antihelden über Stromleitungen und Subway-Schienen surfen lässt.

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

ich habe den sack birnen nicht aufgemacht

also bitte. der ursprüngliche kommentar sprach davon, endlich ein "gutes spiel" zu bewerten. Um den Ansprüchen der Zeit zu genügen, reicht nunmal kein battlefield 2 in schöner und gelb. Da ist Annos Komplettumlagerung, das hier bereits aufgearbeitete Arkham City oder aber ein möglicherweise wegweisendes Rollenspiel wie Skyrim dann doch treffender.

Albern

Ob die "Ansprüche der ZEIT" von Relevanz im Videospielbereich sind, lasse ich mal dahingestellt (ich bevorzuge Eurogamer.net für echte Informationen, finde die Entwicklung bei ZEIT Online in diesem Bereich jedoch erfreulich).

Battlefield 3 die Qualität abzusprechen, ist allerdings albern. Warum sollte man ein bewährtes Spielprinzip komplett umscheißen, nur um Möchtegern-Elitisten zu befriedigen? Anno 2070 ist übrigens die gleiche Soße wie Anno 1404, nur in einer anderen Epoche angesiedelt. Deshalb ergibt die Kritik bzgl Battlefield 3 noch weniger Sinn.

Uncharted 3 sollte man sich auch unbedingt anschauen.

Spiele über die das Berichten lohnen würde?

Warum sollte man nicht über ein Spiel berichten? Der Geschmack und die Vorlieben sind ja sehr unterschiedlich, vielleicht der Kenntnisstand der Leserschaft über die utnerschiedlichen Spiele (zumindest wird der durchschnittliche Zeitleser keine Ahnung vom Markt haben).
Wirklich berichtenswert fände ich persönlich Diablo 3, das in meinen Augen den Spielemarkt wieder (wie fast alle Blizzardspiele) stark beeinflussen wird.
Andererseits hole ich mir meine Informationen in Bezug auf PC Spiele nicht von der Zeit, hier erwarte ich kritischere und durchdachtere Artikel zum Thema Spiele, als einfach ein Testbericht. Testberichte können von Redakteuren und Communitymitgliedern die darauf spezialisiert sind viel besser verfasst werden. Für den kritischen Standpunkt aber ist vielleicht der Abstand der Zeitredakteure zum Thema PC Spiele nicht ganz falsch ;)

die Zeit ist kein Spielemagazin...

... und sie erhebt auch nicht den Anspruch, ein solches zu sein.
Ich selbst bin kein Gamer, lese aber die Artikel über die Spiele gerne, da sie - und das ist wohl auch die Intention dahinter - Elemente enthalten, die auch für Nicht-Spieler interessant sein dürften, da sie in gewisser Weise "reale" Sehnsüchte, Wünsche und Probleme wiederspiegeln, wie beispielsweise das Bedürfnis nach "Freiheit und Selbstbestimmung" (open-World-Prinzip, in Kombination mit Charakterauswahl, Karma usw.). Das zumindest lese ich aus den Artikel raus.