Knapp zwei Wochen lang gewährte Spiele-Publisher Electronic Arts (EA) im Oktober den Fans einen Zugang zum kommenden Multiplayer-Shooter Battlefield 3. Der öffentliche Beta-Test zeigte: Spannender als Battlefields mächtige Grafik-Engine Frostbite 2 oder die Einzelheiten des Shooters ist EAs Online-Plattform Origin – der Dienst, der zum Kaufen und zum Installieren des Spiels benötigt wird. Mit Origin zeigt EA, dass die Zukunft des PC-Spielevertriebs digital sein wird.

Der größte digitale PC-Spiele-Vertrieb ist derzeit Steam. Die Plattform wird betrieben von Valve, den Entwicklern von Portal und Half-Life und hat mehr als 30 Millionen aktive Nutzer. Kunden benutzen Steam, um Spiele zu kaufen, sie über mehrere PCs via Cloud zu synchronisieren, um mit Mitspielern zu chatten und gemeinsame Online-Games zu organisieren.

Nicht nur für Valve selbst ist Steam ein Erfolgsmodell: Entwickler können darüber den Einzelhandel mit seinen Margen umgehen und sie bietet kleinen Firmen eine Chance, wenn Valve sie auswählt und ihre Games so einem großen Publikum zugänglich macht. Valve selbst erhält dank Steam außerdem einen wirksamen Kopierschutz. Ohne die Plattform hätten viele PC-Spiele inzwischen kaum noch Erfolg.

Dabei ist gerade der PC-Spiele-Markt für große Publisher ein Problem. Illegal verbreitete Kopien, der Gebrauchtmarkt, die uneinheitliche Hardware und die im Vergleich zu Konsolen geringeren Verkaufszahlen machen aufwändige PC-Spiele grundsätzlich wenig attraktiv. Steam aber hat bewiesen, dass solche Spiele erfolgreich sein können, auch ohne im Laden zu stehen.

Und das trotz strenger Nutzungsbedingungen, die Spieler geradezu gängeln. Steam-Konkurrent Origin beispielsweise drohte gerade unartigen Nutzern, sie von der Plattform auszuschließen. Womit Betroffene riskieren, die für bis zu 60 Euro gekauften, beziehungsweise gemieteten Titel nicht mehr spielen zu können. Grund war eben jene Betaversion von Battlefield 3. Die war gehackt worden und es war Spielern gelungen, sie auf eigenen Servern mit mehr Mitspielern als von EA geplant zu spielen. Der Konzern drohte daraufhin, wer illegal auf solchen Servern spiele, könne seinen Origin-Account verlieren. So als würden einem Filesharer bei einer Razzia auch die ordentlich gekauften Videos konfisziert. 

Valve behält einen Teil der Einnahmen – wie Apple

Doch nicht für Spieler sind die Plattformen ein Problem. Während Steam für unabhängige und mittelgroße Spieleentwickler einen Segen darstellt, sofern sie in die Auswahl kommen, ist der Service für Publisher vor allem ein Konkurrent. Denn wer ein Spiel über Steam anbietet, muss einen Teil der Einnahmen – ähnlich wie in Apples App Store – an Valve abgeben und Steams Nutzungsbedingungen befolgen. Spiele-Publisher wie EA, Ubisoft, THQ und Microsoft versuchen daher zunehmend, eigene Plattformen mit wichtigen Titeln zu lancieren, um PC-Spiele direkt an Endkunden verkaufen zu können.

Abseits der großen Publisher erscheinen auch immer mehr unabhängige Plattformen wie Direct2Drive, Impulse, Desura oder Indievania, die durch unterschiedliche Angebote andere Kunden ansprechen wollen. Cloud Gaming Services wie OnLive und Gaikai versprechen ihren Kunden sogar, völlig ohne den Download von Spielen auszukommen. Der Vorteil ist, dass die Games damit von der Hardware unabhängig werden. Es spielt keine Rolle mehr, ob man einen Mac oder einen PC nutzt, jeder kann die Spiele laden.

Alle Publisher wollen eine eigene Plattform

Bis jetzt waren die Versuche vor allem der großen Publisher wenig erfolgreich. Ubisofts Ubishop wird wegen seines drakonischen Kopierschutzes kritisiert. Über die Zukunft von Games for Windows Live, das laut Microsoft-Manager Kevin Unangst bereits im März endlich sein Potenzial als Steam-Alternative hätte ausschöpfen sollen, macht Microsoft im Moment auch auf Anfrage keine Angaben mehr. Genauso wie auch für soziale Netzwerke gilt für digitale Spiele-Distribution: Kaum ein Spieler braucht viele unterschiedliche Plattformen, die sich nur in einigen Punkten voneinander unterscheiden. Im Gegenteil: Die Anmeldung für einen weiteren unerwünschten Service kann durchaus potenzielle Käufer abschrecken.

EAs Origin könnte trotzdem ein Erfolg werden. Andere Publisher konnten bisher kein Gegengewicht zu Steams Spielekatalog finden. EA hingegen hat mit Battlefield 3, das Ende Oktober über Origin vertrieben wird, Biowares langerwartetem Online-Rollenspiel Star Wars: The Old Republic sowie erfolgreichen Spielereihen wie FIFA, Die Sims oder Dead Space viele Gründe, warum eine eigene Plattform für Spieler sinn- und reizvoll sein könnte. Vor allem der Erwerb von Zusatzinhalten für EA-Spiele könnte sich durch Origin enorm vereinfachen.

Solche im Spiel zu verwendenden Waren entwickeln sich grundsätzlich zu einer eigenen Industrie und gelten als enormer Markt der kommenden Jahre. Auch das dürfte ein Antrieb der Firmen sein, Onlinespielplattformen voranzutreiben.

Aber nicht nur ein solides Angebot an Spielen ist nötig, damit Origin Erfolg hat. Bei Games For Windows Live wurde schließlich nicht der Mangel an guten Spielen kritisiert, sondern die umständliche Bedienung. Origin kann in dieser Hinsicht trotz aktuellem Beta-Status mit Steam mithalten. Es ist ein aufgeräumtes, übersichtliches Programm, das sich auf wichtige Kernfunktionen besinnt: Nutzer können Spiele kaufen, spielen und mit Freunden chatten – zudem scheint Origin eine stabile Plattform zu sein, die auch den massiven Andrang auf die Battlefield-3-Beta überstanden hat, auch wenn Origin zum Spielen des Shooters nicht notwendig war.

EA muss nun aber zeigen, dass Origin ein Projekt mit langfristiger Unterstützung wird, kein Schnellschuss, um durch die Zugkraft einiger großer Spieletitel Steam kurzzeitig Konkurrenz zu machen.