Journalismus Nachrichten in Games-Optik

Die Firma Next Media produziert TV-Beiträge zu aktuellen Nachrichten, die wie Computerspiele oder Animationsfilme aussehen. Das ist oft albern und manchmal auch kritisch.

Screenshot aus dem Next-Media-Beitrag über das Leben und die Karriere von Steve Jobs

Screenshot aus dem Next-Media-Beitrag über das Leben und die Karriere von Steve Jobs

Auf den ersten Blick sieht es in der Redaktion von Next Media Animation TV in Taipeh aus wie bei einem Entwickler für Computerspiele. In den Räumen des chinesischen Konzerns werden jedoch Nachrichtenbeiträge produziert – mit virtuellen Charakteren.

Fliegende Schiffe, ein Pirat, der eine Hanftüte auf zwei Beinen umarmt, Säbelrasseln im Parlament – das kommt dabei heraus, wenn die Programmierer und Art Designer von Next Media den Einzug der Piratenpartei ins Berliner Abgeordnetenhaus nachstellen. Das Unternehmen des chinesischen Millionärs Jimmy Lai inszeniert Nachrichten wie ein Computerspiel oder einen Animationsfilm.

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Der US-Sender Spike TV, der zu MTV Networks gehört, hält das für so zukunftsträchtig, dass er Next Media für fünf Jahre unter Vertrag genommen hat. Die Taiwaner sollen in unregelmäßigen Abständen Beiträge für Spike produzieren. Für den ersten, Thema waren die Eskapaden von Charlie Sheen, sollen sie 100.000 Dollar bekommen haben.

Bilder zu Nachrichten, von denen es keine Bilder gibt

Ob Griechenland-Pleite oder der Tod von Steve Jobs – aktuelle Meldungen werden im Animationsstudio mit Polygonen und moderner Motion-Capture-Technik aufbereitet. Für aktuelle Beiträge haben die Programmierer und Redakteure aber nur wenige Stunden Zeit. Das funktioniert nur dann, wenn sie sich auf den Kern einer Meldung beschränken. Doch vielen Zuschauern scheint das zu reichen, wöchentlich klicken mehr als 15 Millionen Menschen die Website an.

"Wir konzentrieren uns vorwiegend auf Geschichten, zu denen es nicht viel Videomaterial gibt", erklärt Next-Media-Manager Michael Logan. "Wir animieren Action. Genauer gesagt, animieren wir die fehlende Action." Next Media erfindet also Bilder zu Nachrichten, von denen es keine Bilder gibt.

Viele Journalisten stehen dieser Art der Berichterstattung deshalb skeptisch bis ablehnend gegenüber. "Wirtschaftsnachrichten für die Generation Computergame" nannte es das ZDF-Auslandsjournal und stellte die Frage: Was hat das noch mit Journalismus zu tun?

Für Michael Logan sind solche Bedenken nur Ausdruck der Angst vor Veränderung: Die Regeln des Journalismus hätten sich nicht geändert, die technologische Innovation dagegen schon. Man müsse berücksichtigen, dass die Verbreitung und der Konsum von News mittlerweile innovativer seien.

Respektlos, unkonventionell und mit starker Bildsprache berichtet Next Media über das internationale Geschehen zwischen Politik, Wirtschaft, Sport und Boulevard. Was auf den ersten Blick albern aussieht, ist manchmal durchaus kritisch und sieht mitunter aus wie Politsatire.

Leser-Kommentare
  1. Naja, die gezeigten Animationen sind von mieser Qualität. Erfahrenes Gamer-Publikum dürfte hier maximal gähnen.

    Der nicht so erfahrene Zuschauer wird sich ob der künstlichen Bewegungen und obskuren Darstellungen (z.b. von deutschen Politikern im Piraten-Video) nur wundern und umschalten.

    Insgesamt ein Bespaßungsseite die ihre Inspirationen aus Nachrichten zieht und lange keine Konkurrenz zu echten Medien, sondern eher eine weitere Spaß-Seite im Web. Es gibt ja z.b. auch eine Seite wo Kinofilme mit Hasen dargestellt werden (http://www.angryalien.com/), oder in Lego animiert - und trotzdem glaubt niemand ernsthaft dass das die echten Filme verdrängt.)

    Was natürlich bereits Heute gut funktioniert ist die Einbindung animierter Sequenzen in reale Nachrichtensendungen um z.b. technische Vorgänge zu illustrieren. Das ist aber eine andere Anwendung und entsteht auch meistens nicht unter Zeitdruck.

  2. Generation-Computergamer in einem Hubschrauber im Irak, hat gezeigt wohin solche Verzerrungen oder "alternative Darstellungsformen" der Realität führen: Zynismus.

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