Der Spieler schlüpft in "Blackwater" abwechselnd in die Rollen von vier Söldnern. © 505 Games

Das Massaker auf dem Nissur-Platz von Bagdad ist eines der dunkelsten Kapitel des Irak-Krieges. Am 16. September 2007 feuern Mitarbeiter der amerikanischen Söldnerfirma Blackwater in eine Menschenmenge: Mindestens 14 Menschen sterben, mehr als 20 werden zum Teil schwer verletzt . 2009 verliert Blackwater deswegen die Lizenz zum Schutz von Diplomaten im Irak – zu lang ist die Liste tödlicher Zwischenfälle geworden, die Gerichtsprozesse häufen sich.

Noch im selben Jahr benennt sich die Söldnerfirma in Xe Services um , Gründer Erik Prince tritt von seinem Chefposten zurück und verkauft schließlich 2010 das Unternehmen. Der Name Blackwater verschwindet für immer in der Versenkung – möchte man meinen. Doch 2011 ist er plötzlich wieder da: als Titel für ein Videospiel .

Blackwater ist ein Spiel für Microsofts Gestensteuerung Kinect . Die ist bis jetzt vor allem für ihre familienfreundlichen Sport- und Partyspiele bekannt. Doch Gamesverlage möchten mit der Kinect auch die erwachsene Zielgruppe erschließen. Anfang September veröffentlichte Sega das Survival-Horror-Spiel Rise of Nightmares , das allerdings in Deutschland nur als Grauimport zu beziehen ist. Auch Halo: Combat Evolved Anniversary und Steel Battalion: Heavy Armor werden Kinect unterstützen.

Blackwater ist gleichwohl der erste Militär-Shooter für die Spielsteuerung. Und die Idee dazu hatte eben jener Erik Prince. Er hält weiter die Rechte an dem alten Firmennamen und präsentierte dem Entwickler Zombie Studios das Spielkonzept. In der Ankündigung wird das Ganze nun beworben als "packender Ego-Shooter mit Realitätsanspruch".

Offensichtlich nicht ohne Stolz heißt es auf der Hompage von Prince : "Blackwater ist nun eine globale Marke. Sie steht für all das, was Blackwater einst auszeichnete: Exzellente Qualität, Verlässlichkeit und unermüdlicher Einsatz bei Dienst und Pflichterfüllung."

Wie steht es also um Realitätsanspruch und Qualität? Schauplatz von Blackwater ist eine fiktive nordafrikanische Stadt, die von einem ebenso fiktiven General Limbano terrorisiert wird. Ziel der Söldnereinheit ist es, UN-Mitarbeiter und Oppositionspolitiker vor den Angriffen des Warlords zu schützen. Der Spieler schlüpft abwechselnd in die Rollen von vier Söldnern, die an unterschiedlichen Waffen geschult sind und ihren Job mit zur Schau gestellter Genugtuung ausüben (" I'm riding shotgun with a shotgun. "). Gönnerhaft lauschen sie den Ausführungen ihrer einheimischen Informanten, von denen einer rätselhafterweise einen Sikh-Turban trägt. Als ein verängstigter UN-Mitarbeiter klagt, die örtlichen Sicherheitskräfte seien nach einem Warlord-Angriff geflohen, meint einer der Blackwater-Söldner nur grinsend: "Qualität hat ihren Preis." Diese stereotype Sprücheklopferei zieht sich durch das gesamte Game.