Indie GamesKleine Entwickler verbünden sich gegen Blockbuster-Spiele

Pakete aus mehreren Spielen, sogenannte Bundles, verändern den Markt für Indie Games. Das Projekt Indie Royale etwa versucht es mit einem ungewöhnlichen Preismodell. von Dennis Kogel

Spielszene aus Gemini Rue, das im ersten Indie Royale Bundle enthalten war

Spielszene aus Gemini Rue, das im ersten Indie Royale Bundle enthalten war  |  © Screenshot ZEI ONLINE

Videospiele kleiner oder unbekannter Entwickler haben es oft schwer: Während Blockbuster wie Batman: Arkham City oder Uncharted 3 oft Hunderttausende Spieler in aller Welt begeistern, finden Spiele wie das clevere Cyberpunk-Abenteuer Gemini Rue oder das charmante Puzzle-Spiel Blocks That Matter selten mehr als ein paar tausend Käufer. Deshalb tun sich Indie-Entwickler zusammen und bieten für einen kleinen Preis liebevoll zusammengestellte Pakete aus übersehenen Spielen an. Seit Mitte 2010 prägen sogenannte Bundles die Indie-Game-Szene. Mit Indie Royale startete zuletzt ein neues, vielversprechendes Projekt.

Nur ein paar Euro kostet etwa ein Gesamtpaket aus den Spielen A.R.E.S., Gemini Rue, Sanctum und Nimbus – ohne störenden Kopierschutz und mit optionaler Anbindung an Online-Plattformen wie Steam vom großen Spieleentwickler Valve oder Desura. Üblicherweise kosten die Spiele allein zwischen sieben und zehn Euro. Das nächste Bundle erscheint an diesem Donnerstag.

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Das Besondere an Indie Royale ist das Preissystem: Wer sich früh entscheidet, bekommt das Bundle bereits für einen Euro. Man kann aber auch, quasi als Trinkgeld, mehr in die digitale Kasse werfen. Wer das Mindeste zahlt, erhöht den Preis für spätere Käufer, großzügige Spender treiben den Preis wieder nach unten.

Experimentieren mit dem Preis

Es ist ein System, das schnelle Käufer belohnt und Spenden hilfreich für alle Teilnehmer erscheinen lässt. "Wir wollten einfach ein wenig mit dem System experimentieren", sagt Gründer Michael Rose. "Das Resultat war interessant. Der Preis blieb niedrig, weil genügend Leute mehr als das Minimum gezahlt haben. Unsere Kunden wissen, dass sie damit den Entwicklern helfen."

Über 37.000 Mal wurde das erste Indie Royale Bundle verkauft, zu einem Preis von durchschnittlich drei Euro. Die Einnahmen werden gleichmäßig aufgeteilt zwischen den Betreibern Indiegames.com und Desura sowie den einzelnen Entwicklern, die zum größten Teil aus kleinen Teams von höchstens fünf Mitarbeitern bestehen. "Die Entwickler waren alle sehr, sehr glücklich mit dem Ergebnis", sagt Rose. Indie Royale ist damit schon jetzt eine große Hilfe für Indie-Entwickler, reicht aber noch nicht an das Vorbild Humble Indie Bundle heran.

"Mit nur fünf Bündeln und in kürzester Zeit haben wir für Indie-Entwickler über vier Millionen Dollar eingenommen", sagt Richard Esguerra, Pressesprecher des Humble Indie Bundles. Über 100.000 Mal wurde das aktuelle Bundle verkauft, für durchschnittlich fünf Dollar. "Einigen Indie-Entwicklern hat unser Humble Bundle mehr Geld gebracht als alle ihre vorigen Einnahmen zusammen."

Leserkommentare
  1. Ich finde die Bundle-Pakete gut. Zum Einen weil der Indie-Markt hochinteressante Spiele hervorbringt und man so eine Anlaufstelle hat um sich eine Marktübersicht zu verschaffen. Aber auch weil hier alternative Vertriebs- und Preiskonzepte verfolgt werden. Und ich denke das kann einem Markt generell nur gut tun.

    Interessant zu sehen ist dabei wie oft der Name Notch in der Käuferliste auftaucht. Ich glaub der Mann hat bis jetzt noch jedes Bundle gekauft. Sein Minecraft hat erst vor ein paar Tagen die Marke "4 Mio verkaufte Spiele" geknackt, insofern ist es schön zu sehen, dass der Indie-Markt zusammen hält und auch gerne etwas zurück gibt.

    • 3cpo
    • 10. November 2011 10:28 Uhr

    verdammt gut an. Sofort holen. Aber erst ein neues Motherboard. Das alte ist abgeraucht. Die Indie-Szene produziert hervorragende Spiele. Durchdacht, liebevoll im Detail, mit Herz und Kreativität. Weiter so.

  2. ...wenn man bedenkt dass Spiele-bundles früher gängig waren, aber im Zuge der "Hollywoodisierung" der Branche langsam verschwanden. (Ich denke da vor allem an diese "100 Games" Teile die Anfang der Neunzigernnoch populär waren).

    Das Gemini Rue sieht interessant aus, sauge grad die Demo...

  3. Aus der FAQ:

    "What DRM do the games in the bundle use?

    As mentioned in the question above, each game is available to download in a variety of ways. The majority of games will have no DRM whatsoever, and you'll be able to directly download the games as many times as you want. Some specific games will require that you use the Steam digital distribution platform - in these instances, it will simply say "Available on: Steam" underneath the game on the front page, and nothing more."

    Also aufpassen beim Kauf, nicht das man nachher Spiele gekauft hat, die man dann nicht verwenden kann. Im letzten (mittlerweile ausverkauften) Bundle betraf das eines der vier Spiele.

  4. Wie alle Bundles hat auch dieses natürlich einen gravierenden Nachteil. Direkt oder Indirekt zahlt man auch für Dinge die man gar nicht braucht!

  5. Ich gehe doch auch nicht in einen Schallplattenladen und sage: "Einmal Alles! Zum mitnehmen bitte!"
    Via internet findet jeder indiegame interessierte diverse Angebote und in Foren diverse Kritiken.
    Mit Indiegame verbinde ich die Illusion eines Spiels, das aus Leideschaft zum gaming entwickelt wurde, weit entfernt vom linearen Einheitsbrei der großen Publisher.
    Schallplatten. Indiegames.
    Alles so ein bisschen anti Uniformität.
    Ein Balanceakt zwischen Kommerzialisierung und der Beschaffung von Mitteln um der Leidenschaft des game-engeneering nachzugehen, scheint unausweichlich...
    Ich hoffe die Kommerzialisierung fällt zuerst, und die Leidenschaft bleibt dem motto "steh auf wenn du am boden liegst" treu.

  6. DarkSpir:
    >
    >Interessant zu sehen ist dabei wie oft der Name Notch in der Käuferliste auftaucht. Ich glaub der Mann hat bis jetzt noch jedes Bundle gekauft.
    ----
    Der gute Notch hat sich beim einem der Bundles (ich glaube humble #2) einen Wettstreit mit einer anderen (mir unbekannten) Person geliefert. Hat etwa bei 600$ angefangen und die beiden haben sich immer um wenige Dollar überboten. Am Ende hat noch mit ~2000$ gewonnen.

    Außerdem gibts auch immer Personen die besondere Werte Spenden: 666, 1337 etc.

    Außerdem hat beim letzten mal jemand "Werbung" geschaltet indem er als Name eine Domain angab…

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    schmuckring:
    >
    >Wie alle Bundles hat auch dieses natürlich einen gravierenden Nachteil. Direkt oder Indirekt zahlt man auch für Dinge die man gar nicht braucht!
    ---
    Sehe ich nicht so, da man den Preis selbst bestimmen kann. Und letztendlich zahlen die meisten unter dem "Normalpreis" eines einzigen Spieles.

    Beim den letzten Bundles haben die LinuxUser etwa 12$ gezahlt. Gefällt einem dann nur ein Spiel (z.B. World of Goo) so ist der Einzelpreis oft höher. Bei WoG lag der zwischen 8 - 15/20$ je nach Angebot.

  7. es immer interessant, wenn kleine Entwickler versuchen den Markt mit neuen Ideen und frischen Ansätzen zu bereichern. Natürlich steht hinter solchen Games wahrscheinlich nicht das Budget, welches die Big Player haben, aber oftmals zählt meiner Meinung nach eine tolle Idee & ein super Spielerlebnis einfach mehr, wie die neueste Grafik & Technik ...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Blockbuster | Linux | Rose | Spieleentwickler | Euro | Games
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