Videospiele kleiner oder unbekannter Entwickler haben es oft schwer: Während Blockbuster wie Batman: Arkham City oder Uncharted 3 oft Hunderttausende Spieler in aller Welt begeistern, finden Spiele wie das clevere Cyberpunk-Abenteuer Gemini Rue oder das charmante Puzzle-Spiel Blocks That Matter selten mehr als ein paar tausend Käufer. Deshalb tun sich Indie-Entwickler zusammen und bieten für einen kleinen Preis liebevoll zusammengestellte Pakete aus übersehenen Spielen an. Seit Mitte 2010 prägen sogenannte Bundles die Indie-Game-Szene. Mit Indie Royale startete zuletzt ein neues, vielversprechendes Projekt.

Nur ein paar Euro kostet etwa ein Gesamtpaket aus den Spielen A.R.E.S., Gemini Rue, Sanctum und Nimbus – ohne störenden Kopierschutz und mit optionaler Anbindung an Online-Plattformen wie Steam vom großen Spieleentwickler Valve oder Desura. Üblicherweise kosten die Spiele allein zwischen sieben und zehn Euro. Das nächste Bundle erscheint an diesem Donnerstag.

Das Besondere an Indie Royale ist das Preissystem: Wer sich früh entscheidet, bekommt das Bundle bereits für einen Euro. Man kann aber auch, quasi als Trinkgeld, mehr in die digitale Kasse werfen. Wer das Mindeste zahlt, erhöht den Preis für spätere Käufer, großzügige Spender treiben den Preis wieder nach unten.

Experimentieren mit dem Preis

Es ist ein System, das schnelle Käufer belohnt und Spenden hilfreich für alle Teilnehmer erscheinen lässt. "Wir wollten einfach ein wenig mit dem System experimentieren", sagt Gründer Michael Rose. "Das Resultat war interessant. Der Preis blieb niedrig, weil genügend Leute mehr als das Minimum gezahlt haben. Unsere Kunden wissen, dass sie damit den Entwicklern helfen."

Über 37.000 Mal wurde das erste Indie Royale Bundle verkauft, zu einem Preis von durchschnittlich drei Euro. Die Einnahmen werden gleichmäßig aufgeteilt zwischen den Betreibern Indiegames.com und Desura sowie den einzelnen Entwicklern, die zum größten Teil aus kleinen Teams von höchstens fünf Mitarbeitern bestehen. "Die Entwickler waren alle sehr, sehr glücklich mit dem Ergebnis", sagt Rose. Indie Royale ist damit schon jetzt eine große Hilfe für Indie-Entwickler, reicht aber noch nicht an das Vorbild Humble Indie Bundle heran.

"Mit nur fünf Bündeln und in kürzester Zeit haben wir für Indie-Entwickler über vier Millionen Dollar eingenommen", sagt Richard Esguerra, Pressesprecher des Humble Indie Bundles. Über 100.000 Mal wurde das aktuelle Bundle verkauft, für durchschnittlich fünf Dollar. "Einigen Indie-Entwicklern hat unser Humble Bundle mehr Geld gebracht als alle ihre vorigen Einnahmen zusammen."

Bundles brauchen den Eventcharakter

Seit Mitte 2010 stellt Humble Bundle Inc., initiiert vom US-Indie-Studio Wolfire Games, regelmäßig Indie Bundles zusammen und spendet etwa die Hälfte der Einnahme an gemeinnützige Organisationen wie die Child’s Play Charity und die Electronic Frontier Foundation. Seit März 2011 wird Humble Bundle Inc. mit 4,7 Millionen Dollar vom Risikokapitalgeber Sequoia Capital unterstützt.

Das Humble Bundle verfügt über keinerlei Kopierschutz und bietet Spiele, die von OS X, Linux und Windows unterstützt werden. Auch ihre Kunden entscheiden selbst, was sie für die Spiele zahlen wollen und wie ihre Zahlung zwischen Entwicklern und Stiftungen aufgeteilt werden soll.

Valve-Gründer Gabe Newell zufolge führen reduzierte Preise bei Spielen zwar nicht unbedingt zu erhöhten Einnahmen. Wenn die Preisreduzierungen aber als mediale Events aufgezogen werden, führe das zu einem massiven Anstieg des Umsatzes. Für die Indie Bundles bedeutet das: Die Unterstützung von Indie-Entwicklern und wohltätigen Organisationen ist ein notwendiger Teil des Konzepts, um eine möglichst breite Öffentlichkeit von der Wichtigkeit der Projekte zu überzeugen. Gleichzeitig hängt der Erfolg der Bundles aber auch davon ab, wie sehr sie als Event aufgenommen werden – und nicht als gewohnter Preisnachlass. 

Als offene Konkurrenten sehen sich das Humble Bundle und Indie Royale nicht. "Am Ende haben wir doch die gleichen Ziele", sagt Michael Rose. "Wir wollen Indie-Games riesengroß machen."