Uncharted 3Ein Abenteurer, der nicht vom Weg abweichen kann

Spielerisch, erzählerisch und audiovisuell ist "Uncharted 3: Drake's Deception" schlicht überwältigend. Die filmische Inszenierung bringt jedoch einen Nachteil mit sich. von 

Uncharted-Held Nathan Drake, eine zeitgenössische Variante von Indiana Jones

Uncharted-Held Nathan Drake, eine zeitgenössische Variante von Indiana Jones   |  © Naughty Dog

In Uncharted 3: Drake's Deception gibt es Momente größter Erleichterung. Momente, in denen der Spieler aus der rauschhaften Tiefe einer Action-Sequenz auftaucht und plötzlich merkt: Es ist vorbei. Ich habe es geschafft. Der Griff um den Controller lockert sich, der Tunnelblick verschwindet, und während auf dem Bildschirm eine ruhige Cutscene läuft, fragt sich der Spieler unwillkürlich, wie lange der Höllenritt durch die brennende Schlossruine wohl gedauert haben mag: Zehn Minuten? Oder doch eher eine halbe Stunde? Die atemlose Flucht hat das Zeitgefühl gänzlich lahmgelegt.

Mit ihrer Uncharted-Reihe praktiziert die Firma Naughty Dog Überwältigung auf allen Ebenen: spielerisch, erzählerisch und audiovisuell. Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Sekunde: So lautet das Gebot der Macher, die ihr Ziel mit einem fast schon beängstigenden Perfektionismus verfolgen. Uncharted 3, ein Exklusivtitel für die Playstation 3, ist denn auch ein hochentwickeltes Produkt der Unterhaltungsindustrie: technisch makellos, auf Hochglanz poliert und der eigenen Wirkung vollauf bewusst. Der größte Unterschied zu anderen AAA-Titeln ist jedoch die zutiefst filmische Tradition, in der sich Uncharted bewegt. Die Serie macht erst gar keinen Hehl daraus, was sie dem klassischen Actionkino der 1980er Jahre verdankt: Uncharted-Held Nathan Drake ist eine zeitgenössische Variante des peitscheschwingenden Archäologen Indiana Jones, und auch das Spiel selbst enthält alle gängigen Abenteuerklischees: den sagenhaften Schatz, exotische Schauplätze, Fallen und Rätsel, böse Buben, sympathische Helfer und die obligatorische romantische Ablenkung.

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Naughty Dog mixt aus diesen Basiszutaten nun schon zum dritten Mal ein Action-Abenteuer – da droht Langeweile, möchte man meinen. Doch Drehbuchautorin Amy Hennig gelingt es erneut, den Spieler ins Geschehen hineinzuziehen. Das liegt zum einen an der Story selbst, die Hennig geschickt mit dem Mythos des Freibeuters Sir Francis Drake und Erzählungen des Archäologen T.E. Lawrence – später bekannt geworden als Lawrence von Arabien – grundiert. Vor allem aber liegt es an den gut geerdeten Hauptfiguren und ihren augenzwinkernden Dialogen. Nathan Drake ist nun mal kein Superheld, der stets nur nach dem Guten strebt. Er ist ein eher durchschnittlicher Typ mit einer Vorliebe für wertvolle Artefakte und einer überdurchschnittlichen Kletter- und Kampfbegabung.

Als Schurkin tritt schon bald eine gewisse Katherine Marlowe auf den Plan, Anführerin einer uralten Geheimorganisation, die es auf das Vermächtnis von Sir Francis Drake abgesehen hat. Weil aber auch Nathan den Schatz seines mutmaßlichen Vorfahren heben will, kommt es zu einem Wettrennen rund um den Globus – eine Schnitzeljagd, die von handfesten Auseinandersetzungen mit den Schergen Marlowes begleitet wird. Zu den Stationen der Hatz zählen eine französische Schlossruine, eine syrische Festungsanlage und ein Ozeanriese, der im Verlauf des Kampfes spektakulär sinken wird.

Grafisch gehört Uncharted 3 zum Besten, was derzeit auf Konsolen geboten wird: Immer wieder schweift der Blick über atemberaubende Landschaften und kühne Architektur oder verliert sich in den Fresken weitläufiger Tempelanlagen. Räume und Kameraeinstellungen sind so komponiert, dass sie in stereoskopischem 3D besonders gut zur Geltung kommen. Bei den Spezialeffekten holt Naughty Dog das Letzte aus der Hardware heraus. Die um sich greifende Feuersbrunst in der Schlossruine, der wandernde Sand in der Wüste Rub' al Khali oder auch der Sturm, der den Dampfer von einer Seite auf die andere wirft – all das sind Eindrücke, die der Spieler nicht so schnell wieder vergisst.

Gleichwohl muss das Spiel seiner Nähe zum Film Tribut zollen. Weil Uncharted 3 erzählerisch bis ins letzte Detail durchkomponiert ist, bietet es kaum Handlungsfreiräume: Könnte der Spieler seinen Rhythmus und seine Wege selbst bestimmen, so würde der fein austarierte Wechsel von Action und Ruhepausen empfindlich gestört. Am deutlichsten wird das an Schauplätzen wie der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena: Anstatt nach Herzenslust in den engen Gassen umherzustreifen, hetzt Nathan wie ein Spürhund einer Fährte hinterher. Biegt er einmal falsch ab, wird er sogleich vom Spiel zurückgepfiffen. Wie gerne würde man auch einen der orientalischen Paläste erkunden, die Nathan in rasender Verfolgungsjagd durchquert. So aber bleibt nur der fade Beigeschmack, durch wunderschöne Kulissen zu eilen. Echte Bewegungsfreiheit hat der Spieler nur in den weitläufigen Kampfarenen, etwa einem Schiffsdock, in denen er auf Dutzende schwerbewaffnete Gegner trifft. Sein Erkundungsdrang beschränkt sich dann aber auf die Suche nach der strategisch günstigsten Kampfposition.

Leserkommentare
  1. beim spielen habe ich mich ständig gefragt wann ich mal wieder was entscheiden darf. man rennt durch das spiel wie durch eine geisterbahn, wie auf schienen. wer allerdings auf 08/15 hollywood storys und "geile grafik" steht der wird es sicher genießen.

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