Online-Spiel"TwinKomplex" macht Spieler zu Agenten in Berlin

Die Macher nennen ihr Browserspiel auch "living novel": "TwinKomplex" vermischt Fiktion und Realität und schickt Teilnehmer ins Berlin der Gegenwart und der Vergangenheit. von Christoph Spangenberg

Für "TwinKomplex" wurden viele Videos gedreht, die dem Spieler helfen sollen – oder ihn verwirren.

Für "TwinKomplex" wurden viele Videos gedreht, die dem Spieler helfen sollen – oder ihn verwirren.  |  © Harald Geil / Ludic Philosophy

Ängstlich guckt die Frau in die Kamera. Jemand wolle sie aus dem Weg räumen, sagt sie. Dann endet die Aufnahme. Nur das kurze Video blieb von ihr übrig. Was mit der Frau passierte, müssen Geheimagenten der DIA herausfinden, der Decentral Intelligence Agency mit Hauptquartier im Tempelhofer Flughafengebäude. So jedenfalls erzählt es TwinKomplex, ein neues Onlinespiel – und echte Berlin-Unterhaltung.

Viel spielt im alten Flughafengebäude, der Teilnehmer kommt ins Hotel Bogota am Ku’damm, in Kneipen am Boxhagener Platz, an die Goldelse und in Kunstgalerien. In Videos radelt ein Mann durch Ostberlin, es gibt Ausschnitte von einem Neuköllner Flohmarkt.

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"Wir wollten das Lebensgefühl Berlins einfangen", sagt Martin Burckhardt. Der Philosoph steckt hinter dem Agententhriller und ist der Kopf der Berliner Entwicklerfirma Ludic Philosophy. Wie die DIA hat auch sie ihre Büros im Flughafen Tempelhof.

In TwinKomplex werden Spieler zu virtuellen Agenten und lösen im Team komplizierte Fälle. Wer Mitglied der DIA werden möchte, muss zuvor einen Test bestehen. Bei Fragen wie "Welche Fremdsprache sprechen Sie?" und den zu dieser Frage gegebenen Antwortmöglichkeiten "Mozartkugel oder Handgranate" mag sich dessen Sinn allerdings nicht auf Anhieb erschließen.

Dann geht es los. Das gesamte Spiel läuft im Internetbrowser. Die Teilnehmer reisen durch Berlin und die Welt, durch Vergangenheit und Gegenwart, immer auf der Suche nach neuen Indizien und Erinnerungsschnipseln, nach Fotos und Videos. Viele der Filmchen wurden extra für das Spiel gedreht. Mit dabei sind auch die Fassbinder-Schauspielerin Irm Hermann, ihr Kollege Sebastian Blomberg und Christian Brückner, bekannt als Robert de Niros deutsche Synchronstimme.

Im Labor werden Beweisstücke analysiert und DNA-Proben in Auftrag gegeben. Immer wieder melden sich Personen aus dem Spiel mit Nachrichten und Videobotschaften. Hinweise gibt es auf echten und falschen Internetseiten, auch Desinformation wird bewusst gestreut. Die Grenzen von Realität und Fiktion sollen verschwimmen.

Leserkommentare
    • Gerry10
    • 17. Januar 2012 12:07 Uhr

    ...aber für hört sich das irgendwie nach "Arbeit" an, also nichts das man mal eine oder zwei Wochen spielt und dann für eine Weile wieder vergessen kann.

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