Buch über GamesKriegsspiele sind Erinnerungsmedien

Was können uns Computerspiele wie "Call of Duty: World at War" über die Geschichte erzählen – und wie? Der Sammelband "Welt|Kriegs|Shooter" gibt interessante Antworten.

30. April 1945: Ein Soldat der Roten Armee hisst eine Sowjet-Flagge auf dem Reichstag. Die Szene ist gestellt, das Bild wurde zudem manipuliert.

30. April 1945: Ein Soldat der Roten Armee hisst eine Sowjet-Flagge auf dem Reichstag. Die Szene ist gestellt, das Bild wurde zudem manipuliert.

Es ist der 30. April 1945. Als russischer Soldat steht der Spieler auf dem Dach des Reichstages. In den zurückliegenden Stunden hat er sich durch Unmengen von Gegnern gekämpft, hat Nazideutschland im Alleingang besiegt. Jetzt muss der Held nur noch die sowjetische Flagge hissen, um den Zweiten Weltkrieg symbolisch zu beenden, so wie es das berühmte Foto von Jewgenij Chaldej zeigt. Die Dramaturgie ist per Skript vorgegeben: Kurz vor dem Ziel wird ihm ein Deutscher eine Kugel in den Leib jagen, schwer verwundet wird er die letzten Meter kriechend bewältigen – scheitern wird er aber auch hier nicht. "You can make it, my friend. You always survive", ruft noch ein Kamerad, ehe die Flagge auf dem Reichstag weht. In Call of Duty: World at War ist der Tod stets nur vorübergehend.

Weltkriegsshooter sind Produkte für den Massenmarkt. Spiele wie Brothers in Arms, Medal of Honor oder eben CoD: World at War sollen das Publikum unterhalten – dementsprechend hoch ist der Aufwand, den die Publisher bei Herstellung und Marketing betreiben. So populär Weltkriegsshooter auch sein mögen, so stark stehen sie in der Kritik. Als First-Person-Shooter sind sie Gegenstand der "Killerspiel"-Debatte, die einen Zusammenhang von virtueller und realer Gewalt diskutiert. Ein weiterer Vorwurf lautet, das geschichtliche Szenario sei nur vorgeschoben: Der Zweite Weltkrieg diene nur als austauschbare Hintergrundkulisse für das immergleiche Geballer.

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Die Herausgeber des Sammelbandes Welt|Kriegs|Shooter halten das für zu kurz gedacht. Aus ihrer Sicht sind Krieg und Spiel kulturgeschichtlich eng miteinander verwoben; First-Person-Shooter bedienten sich seit ihrer Entstehung an realen Schlachtfeldern. Zentrales Forschungsinteresse des Sammelbandes ist daher, wie und was uns Computerspiele über die Geschichte erzählen: Können sie als realistische Erinnerungsmedien dienen? Teil eins des Buches beschäftigt sich explizit mit dem Genre des Weltkriegsshooters und den damit verbundenen Spielerfahrungen, Teil zwei behandelt ganz allgemein die Geschichtsvermittlung in Computerspielen. Dabei geht es zum einen um Weltereignisse wie den Vietnamkrieg und die Katastrophe von Tschernobyl, die in Shootern verarbeitet werden. Zum anderen liefern die Autoren Definitionsmodelle zu Begriffen wie Realismus, Realität und Authentizität im Computerspiel.

Nicht nur thematisch, auch inhaltlich erweist sich der Sammelband als abwechslungsreich: Literarische Beiträge stehen neben Essays und streng wissenschaftlichen Texten. Höchst lesenswert ist, wie der Kulturwissenschaftler Christian Huberts das Spiel World at War analysiert. "In World of War ist der Krieg casual, ein lässiger Spaziergang", schreibt Huberts. "Leben ist ein automatisch nachwachsender Rohstoff und Waffen sind allgegenwärtige Wegwerfprodukte." Statt Existenzangst zu erzeugen, ähnele das Spiel mehr einer Achterbahnfahrt in einem Freizeitpark – auf sicheren Schienen und fest angeschnallt. "Im Grunde genommen ist der Krieg in World at War zu Ende, bevor er angefangen hat", so Huberts weiter. "Wir fahren nur noch einmal in historischer Kulisse die spannendsten Szenen ab."

Anders sieht es aus, wenn der Spieler den Input verweigert. Wartet der Sowjetsoldat reglos auf dem Reichstagsdach, anstatt die Flagge zu hissen, wird das auch niemand anderes für ihn erledigen: "Das Ende des Krieges verharrt in einer Endlosschleife", so Huberts. World at War suggeriere zwar Handlungsmacht, setze der spielerischen Freiheit aber enge Grenzen: "Ich mag das Herz der Armee sein und mich wie ein großer General fühlen, der den Fortschritt des Krieges steuert, doch am Ende bin ich nur ein einfacher Soldat, der die Befehle einer (Kriegs-) Maschine befolgt."

Auch wegen der unzähligen Klischees hält Huberts das Genre Weltkriegsshooter für festgefahren: "Letzten Endes müssen das Computerspiel im Allgemeinen und der Weltkriegsshooter im Speziellen einsehen, dass sie nur ernsthaft etwas über Krieg und Gewalt vermitteln können, wenn sie den Spieler mit den ihnen eigenen und exklusiven Mitteln bekriegen und ihm spielmechanisch Gewalt zufügen." Zu diesen Mitteln zählt der Permadeath, Ressourcenknappheit wie im Survival-Horror – oder auch die Rolle eines Zivilisten, der zwischen die Kriegsfronten gerät.

In World at War sind es die Spielmechanismen, die ein "authentisches" Erleben von Geschichte sabotieren. Die Begriffe "Authentizität" und "Realismus" sind allerdings mit Vorsicht zu genießen: Sie werden in der Computerspielwerbung und der Games-Presse vielfach undifferenziert verwendet, man denke nur an Stilblüten wie "fotorealistische Grafik". Selbst die Game Studies tragen zur Begriffsverwirrung bei – da ist es löblich, dass sich die Sammelbandautoren Markus Engelns und Daniel Appel an Begriffstypologien wagen.

Leserkommentare
  1. Die Spiele sind vor allem dazu da den letzten Sieg der Amis wieder aufleben zu lassen.
    Die Nazis sind immer noch die grossen Erzfeinde....

    Viel interessanter wäre ein Spiel das in einer Kampagne sowohl Deutsche, Russische wie auch Amerikanische Seite zeigen würden und dabei alle als Menschen darstellen würde statt die Amis immer als Helden und die Deutschen als hirnlose Schlächter.

    5 Leserempfehlungen
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    Wollen Sie wirklich einen Nazi spielen? Und wollen Sie die Allierten moralisch auf eine Stufe mit den Nazis stellen ("es sind ja auch nur Menschen")?

    Vielleicht sollten Sie Ihre Position und Geschichtsverständnis überdenken, bevor Sie in den nächsten Weltkriegs-Shooter einsteigen. Denn kein Feind ist besser als ein solcher geeignet, als Nazis.

    • joG
    • 20.03.2012 um 19:02 Uhr
    • joG
    • 20.03.2012 um 19:11 Uhr

    ...nicht. Mag sein, dass man da nicht Nazi sein kann und gewinnen. Sicherlich eine schreckliche Erfahrung fuer manche. Wenn Sie aber Als Deutscher siegen wollen, koennen Sie Civ spielen. Da geht das.

    Im FPS-Genre können Sie wohl aber lange darauf warten. ;)
    Dabei wäre dies gerade interessant, könnte man hier auch eine ganz andere Charaktertiefe einbringen bzgl. innerer Zerissenheit des spezifischen Soldaten, in den man schlüpft bis hin zu einem offenen Wandel, der ihn letztlich dazu führt, sich dem Widerstand anzuschließen etc. (das die Idee nach ca. 4 Sekunden des Nachdenkens, bei mehr Zeit käme sicher noch einiges Sinnvolles zu Tage ;) )

    Egtl. verschwendetes Potential. Aber gewisse Grundregeln hat eben auch die Games Industry, vor allem die amerikanische.

    Wollen Sie wirklich einen Nazi spielen? Und wollen Sie die Allierten moralisch auf eine Stufe mit den Nazis stellen ("es sind ja auch nur Menschen")?

    Vielleicht sollten Sie Ihre Position und Geschichtsverständnis überdenken, bevor Sie in den nächsten Weltkriegs-Shooter einsteigen. Denn kein Feind ist besser als ein solcher geeignet, als Nazis.

    • joG
    • 20.03.2012 um 19:02 Uhr
    • joG
    • 20.03.2012 um 19:11 Uhr

    ...nicht. Mag sein, dass man da nicht Nazi sein kann und gewinnen. Sicherlich eine schreckliche Erfahrung fuer manche. Wenn Sie aber Als Deutscher siegen wollen, koennen Sie Civ spielen. Da geht das.

    Im FPS-Genre können Sie wohl aber lange darauf warten. ;)
    Dabei wäre dies gerade interessant, könnte man hier auch eine ganz andere Charaktertiefe einbringen bzgl. innerer Zerissenheit des spezifischen Soldaten, in den man schlüpft bis hin zu einem offenen Wandel, der ihn letztlich dazu führt, sich dem Widerstand anzuschließen etc. (das die Idee nach ca. 4 Sekunden des Nachdenkens, bei mehr Zeit käme sicher noch einiges Sinnvolles zu Tage ;) )

    Egtl. verschwendetes Potential. Aber gewisse Grundregeln hat eben auch die Games Industry, vor allem die amerikanische.

  2. Es geht aber immer noch Polemischer und Manipulativer

    Im neuen Ranbow Six "Patriots" zieht man als Spezialagent/Übermensch gegen bewaffnete Occupy Systemkritiker in den Krieg.
    http://www.spiegel.de/vid...

    Nach Nazis, Terroristen sind es Jetzt die Feinde im Inneren die es zu bekämpfen gilt.

    So formt man sich auch seine Jugend.

  3. Wollen Sie wirklich einen Nazi spielen? Und wollen Sie die Allierten moralisch auf eine Stufe mit den Nazis stellen ("es sind ja auch nur Menschen")?

    Vielleicht sollten Sie Ihre Position und Geschichtsverständnis überdenken, bevor Sie in den nächsten Weltkriegs-Shooter einsteigen. Denn kein Feind ist besser als ein solcher geeignet, als Nazis.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "........"
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    ... geschossen, sondern mehr auf die Männer in Grau. Oder wollen Sie sagen, jeder damalige deutsche Soldat war ein Nazi?

    • Corkob
    • 20.03.2012 um 19:15 Uhr

    Wenn man über Qualität von Computerspielen spricht, dann sollte dies frei von moralischen Urteilen geschehen. Letztendlich sind Computerspiele Rollenspiele, wo der Spieler in eine jeweilige Rolle tritt und diese verkörpert. Wir spielen ja auch Grand Theft Auto und hinterfragen nicht, ob es jetzt angemessen war über die rote Ampel zu fahren oder ob es nicht falsch ist den kriminellen Machenschaften nachzugehen. Ja! Würden wir dies nämlich tun, dann funktioniert die Spielmechanik gar nicht.
    Genau so sieht es aus, wenn man in die Rolle von Nazis schlüpft bei einem Weltkriegsshooter. Ändert sich dadurch das Spielprinzp fundamental? Sollte man dann auf einmal moralische Bedenken haben? Ich denke nämlich nicht!
    Im übrigen ist es bei solchen Spielen üblich, dass im Multiplayer durchaus auf der Seite der Nazis gekämpft werden kann (nur im Singleplayer wird darauf verzichtet). Warum also nicht den Schritt wagen und sich einmal auf die "unmoralische" Seite schlagen? Letztendlich sind es doch nur Pixelsoldaten die Sterben, dann ist es auch egal ob es Amis, Nazis oder Russen sind.

    • Nibbla
    • 20.03.2012 um 19:40 Uhr

    ... kann man sehr wohl die Nazis spielen.
    Hatte ich auch nie ein Problem mit.

    Lustiger fand ich bei America's Army. Da war das eigene Team immer die "Guten" und das Gegnerische die Terroristen. Das andere Team sah's genau anders rum (beinhaltet schon ne rechte Ironie ^^)

    Wehrmacht-Soldaten pauschal als Nazis zu bezeichnen hat schon was....

    ... geschossen, sondern mehr auf die Männer in Grau. Oder wollen Sie sagen, jeder damalige deutsche Soldat war ein Nazi?

    • Corkob
    • 20.03.2012 um 19:15 Uhr

    Wenn man über Qualität von Computerspielen spricht, dann sollte dies frei von moralischen Urteilen geschehen. Letztendlich sind Computerspiele Rollenspiele, wo der Spieler in eine jeweilige Rolle tritt und diese verkörpert. Wir spielen ja auch Grand Theft Auto und hinterfragen nicht, ob es jetzt angemessen war über die rote Ampel zu fahren oder ob es nicht falsch ist den kriminellen Machenschaften nachzugehen. Ja! Würden wir dies nämlich tun, dann funktioniert die Spielmechanik gar nicht.
    Genau so sieht es aus, wenn man in die Rolle von Nazis schlüpft bei einem Weltkriegsshooter. Ändert sich dadurch das Spielprinzp fundamental? Sollte man dann auf einmal moralische Bedenken haben? Ich denke nämlich nicht!
    Im übrigen ist es bei solchen Spielen üblich, dass im Multiplayer durchaus auf der Seite der Nazis gekämpft werden kann (nur im Singleplayer wird darauf verzichtet). Warum also nicht den Schritt wagen und sich einmal auf die "unmoralische" Seite schlagen? Letztendlich sind es doch nur Pixelsoldaten die Sterben, dann ist es auch egal ob es Amis, Nazis oder Russen sind.

    • Nibbla
    • 20.03.2012 um 19:40 Uhr

    ... kann man sehr wohl die Nazis spielen.
    Hatte ich auch nie ein Problem mit.

    Lustiger fand ich bei America's Army. Da war das eigene Team immer die "Guten" und das Gegnerische die Terroristen. Das andere Team sah's genau anders rum (beinhaltet schon ne rechte Ironie ^^)

    Wehrmacht-Soldaten pauschal als Nazis zu bezeichnen hat schon was....

  4. ... geschossen, sondern mehr auf die Männer in Grau. Oder wollen Sie sagen, jeder damalige deutsche Soldat war ein Nazi?

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    Antwort auf "Keine Propaganda"
    • joG
    • 20.03.2012 um 19:02 Uhr
    Antwort auf "........"
    • joG
    • 20.03.2012 um 19:11 Uhr

    ...nicht. Mag sein, dass man da nicht Nazi sein kann und gewinnen. Sicherlich eine schreckliche Erfahrung fuer manche. Wenn Sie aber Als Deutscher siegen wollen, koennen Sie Civ spielen. Da geht das.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "........"
    • Corkob
    • 20.03.2012 um 19:15 Uhr

    Wenn man über Qualität von Computerspielen spricht, dann sollte dies frei von moralischen Urteilen geschehen. Letztendlich sind Computerspiele Rollenspiele, wo der Spieler in eine jeweilige Rolle tritt und diese verkörpert. Wir spielen ja auch Grand Theft Auto und hinterfragen nicht, ob es jetzt angemessen war über die rote Ampel zu fahren oder ob es nicht falsch ist den kriminellen Machenschaften nachzugehen. Ja! Würden wir dies nämlich tun, dann funktioniert die Spielmechanik gar nicht.
    Genau so sieht es aus, wenn man in die Rolle von Nazis schlüpft bei einem Weltkriegsshooter. Ändert sich dadurch das Spielprinzp fundamental? Sollte man dann auf einmal moralische Bedenken haben? Ich denke nämlich nicht!
    Im übrigen ist es bei solchen Spielen üblich, dass im Multiplayer durchaus auf der Seite der Nazis gekämpft werden kann (nur im Singleplayer wird darauf verzichtet). Warum also nicht den Schritt wagen und sich einmal auf die "unmoralische" Seite schlagen? Letztendlich sind es doch nur Pixelsoldaten die Sterben, dann ist es auch egal ob es Amis, Nazis oder Russen sind.

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    • bugme
    • 20.03.2012 um 20:50 Uhr

    genau das ist das Problem - in diesen Spielen versucht man einfach "seinen Job gut zu machen" ohne über die moralische Dimension des Handelns nachzudenken. Dies stumpft ab und kann zum sozialen Problem werden.

    • Corkob
    • 21.03.2012 um 0:36 Uhr

    Abstumpfen tut es zwar, aber eben auf der Ebene des Spielerlebnisses. Das heißt, wenn ich das erste Mal ein solches Spiel spiele, dann ist das Spielerlebniss mit Sicherheit ein anderes, wenn ich bereits seit mehreren Jahren solche Spiele spiele. Das zeichnet sich u.a. durch ein gesteigertes Reaktionsmoment aus (erfahrene Spieler sind schneller am Schießen/Klicken). Häufig wird dies mit einer gesunkenen Hemmschwelle (Bereitschaft zum Töten) gleichgesetzt. Wichtig ist jedoch hierbei zu bemerken, dass sehr wohl die Hemmschwelle sinkt, jedoch nur innerhalb des Spielerlebnisses.

    Mein Punkt ist, dass "Ballerspiele" auf moralischer Ebene eben nicht abstumpfen. Wenn dem so wäre, dann hätten wir nämlich heute eine Jugend, die kein Unrechtsempfinden für Mord und Totschlag hätte, da so gut wie jeder Jugendlicher früher oder später mit solchen Spielen konfrontiert wird. Ich denke, dass ein normaler Spieler soweit abstrahieren kann, dass er Realität und Fiktion unterscheiden kann.

    Zum sozialen Problem kann es werden, wenn der Spieler oder die Spielerin anderweitige Probleme hat. Ich denke nicht, dass ein Spiel der alleinige Auslöser dafür sein kann.

    Nehmen wir ein Beispiel:
    Sind Menschen die boxen aggresiver oder abgestumpfter als andere Menschen? Denkt ein Boxer über die moralische Dimension seiner Handlung nach? Ich denke nicht. Für ihn ist es ein Sport, er verkörpert eine Rolle und versucht lediglich "seinen Job gut zu machen".

    • bugme
    • 20.03.2012 um 20:50 Uhr

    genau das ist das Problem - in diesen Spielen versucht man einfach "seinen Job gut zu machen" ohne über die moralische Dimension des Handelns nachzudenken. Dies stumpft ab und kann zum sozialen Problem werden.

    • Corkob
    • 21.03.2012 um 0:36 Uhr

    Abstumpfen tut es zwar, aber eben auf der Ebene des Spielerlebnisses. Das heißt, wenn ich das erste Mal ein solches Spiel spiele, dann ist das Spielerlebniss mit Sicherheit ein anderes, wenn ich bereits seit mehreren Jahren solche Spiele spiele. Das zeichnet sich u.a. durch ein gesteigertes Reaktionsmoment aus (erfahrene Spieler sind schneller am Schießen/Klicken). Häufig wird dies mit einer gesunkenen Hemmschwelle (Bereitschaft zum Töten) gleichgesetzt. Wichtig ist jedoch hierbei zu bemerken, dass sehr wohl die Hemmschwelle sinkt, jedoch nur innerhalb des Spielerlebnisses.

    Mein Punkt ist, dass "Ballerspiele" auf moralischer Ebene eben nicht abstumpfen. Wenn dem so wäre, dann hätten wir nämlich heute eine Jugend, die kein Unrechtsempfinden für Mord und Totschlag hätte, da so gut wie jeder Jugendlicher früher oder später mit solchen Spielen konfrontiert wird. Ich denke, dass ein normaler Spieler soweit abstrahieren kann, dass er Realität und Fiktion unterscheiden kann.

    Zum sozialen Problem kann es werden, wenn der Spieler oder die Spielerin anderweitige Probleme hat. Ich denke nicht, dass ein Spiel der alleinige Auslöser dafür sein kann.

    Nehmen wir ein Beispiel:
    Sind Menschen die boxen aggresiver oder abgestumpfter als andere Menschen? Denkt ein Boxer über die moralische Dimension seiner Handlung nach? Ich denke nicht. Für ihn ist es ein Sport, er verkörpert eine Rolle und versucht lediglich "seinen Job gut zu machen".

  5. ...verweigert, weil es mich angeekelt hat immer nur als "guter US-Amerikaner" agieren zu können.

    P.S. Ich "kille" jetzt "wertneutral" ;-)

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