JourneyEin Spiel ohne Geschichte und mit viel Sinn

Bei "Journey" gibt es keine Worte und keine Gesten, nur Taten. Es gibt keine Punkte und keine Schätze, nur den Weg. Gerade dadurch wird die einsame Reise zum Erlebnis. von 

Szene aus "Journey"

Szene aus "Journey"  |  © thatgamecompany

Dieses Spiel macht keine Vorschriften. Ausrüstung, Charakter-Upgrades, Punktzahlen: Nichts davon gilt es in Journey zu erringen . Es gibt keine Schätze, die gehoben werden müssten, und keine Monster, die zu besiegen wären. Ja, nicht einmal eine Geschichte erzählt uns das Spiel. Und es ist genau dieses Fehlen von Zielen und Vorgaben, aus dem Journey seine Kraft bezieht.

Am Anfang steht eine Gestalt auf einer gewaltigen Düne: Der Körper ist in eine Kapuzenrobe gehüllt, das Gesicht hinter einer Maske verborgen. Sie schaut hinaus in eine endlose Wüste, das Auge des Betrachters findet in der Einöde kaum Halt. Unwillkürlich schweift der Blick zum Horizont, wo ein Berg drohend durch die Wolken bricht. Die Bergspitze ist seltsam eingekerbt, ein Lichtstrahl sticht von ihr wie eine Nadel in den Himmel. Ein Orientierungspunkt, gewiss, vielleicht auch das Ziel der Reise? Als der Wanderer aufbricht, rieselt Sand unter seinen Füßen.

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Ganz beiläufig schlüpft der Spieler in diese Figur, von der er weder Namen noch Herkunft kennt. Identifikation scheint anfangs kaum möglich, zu seelenlos glühen die Sehschlitze in der schwarzen Maske. Auch die Steuerung ist auf ein Minimum reduziert: Viel mehr als laufen und springen scheint dieses Wesen nicht zu können, sieht man einmal von dem dumpfen Singsang ab, den es auf Tastendruck hin aussendet.

Wozu auch kommunizieren, fragt man sich angesichts einer Landschaft, die lebloser kaum sein könnte. Das Wesen wandert zwischen glattpolierten Felsplatten hindurch, die aussehen wie Grabsteine. Im Sand versunkene Tempelruinen lassen darauf schließen, dass hier einmal eine mächtige Zivilisation existiert haben muss.

Schon bald allerdings wird klar, dass diese Welt nicht gänzlich unbelebt ist. Bei einer Ruine kreisen Stoffstreifen im Wind, als handele es sich um einen Schwarm Vögel. Die Streifen reagieren auf Zuruf, sie spenden Energie, und aus der Kapuzenrobe wächst ein Schal. Dieser Schal ermöglicht es dem Wanderer, über kurze Strecken zu fliegen. So kann er höher gelegene Orte erreichen und magische Artefakte sammeln, die den Schal verlängern und die Flugeigenschaften verbessern.

Die unvergleichliche Eleganz, mit der sich die Figur bewegt, schafft schnell ein emotionales Band zum Spieler: Es macht Spaß, durch die Luft zu schweben oder eine der haushohen Dünen wie ein Skifahrer hinabzuwedeln.

Je weiter man in diese fremde Welt vorstößt, desto abwechslungsreicher wird sie. Die Reise geht durch ein Tal mit kolossalen Brückenfragmenten, durch die Katakomben einer Geisterstadt und bis hinauf auf die schneebedeckten Flanken des Bergmassivs.

Leserkommentare
  1. ein Spiel das es noch nicht gibt, das stand früher mal an der Tagesordnung.

    Eine Leserempfehlung
  2. Also ich lese über diese Spiel gerade zum ersten Mal, bzw. den Trailer kannte ich bisher noch nicht, doch was dort zu sehen ist und was auf der Homepage zu lesen ist, scheint eine unglaubliche Erholung für den gemeinen Videospieler (Ich), der vor lauter Fadenkreuzen und Action, dünnen Geschichten und lieblosen Welten und platten Figuren, es häufig einfach sein lässt, überhaupt noch zu spielen. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie dieser Titel sein wird! Schade ist es nur, dass er Plattform gebunden ist!

    2 Leserempfehlungen
  3. Es ist schön zu sehen das Entwickler sich mal wieder trauen was neues, frisches und vor allem unverbrauchtes bringen.
    Nach den ganzen Action-Krachern wie Battlefield 3 und Modern Warfare 3 wird es Journey allerdings schwer haben Fuß zu fassen. Ich wünsche denen trotzdem viel Erfolg.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Nibbla
    • 13. März 2012 23:50 Uhr

    ... dass es Massen und Nieschenprodukte gibt.
    Wie bei Film und Buch auch.
    Aber falls man auf Niesche steht und Adventures magst, empfehl ich wärmstens Deponia.

    in der Indieszene mit großer Spannung erwartet, was vor allem daran liegt, dass Jenova Chen und thatgamecompany nicht nur großartige Ideen haben, sondern auch in der Lage sind diese umzusetzten.

    Es wird sich keine millionen Mal verkaufen aber die haben sich eine eigene nicht ganz so kleine Fangemeinde erarbeitet welche sie ausreichend unterstützt.

    Nach "Journey" endet der Exklusivvertrag mit Sony und dann werden sie zum Glück wohl beiter produzieren als nur für die PS3.

    Ein Spiel das momentan in Deutschland unmöglich zu produzieren ist.

    Journey konkurriert auch nicht gegen Spiele wie MW3 oder BF3. Es ziehlt eher auf Menschen die genau diesen Einheitsbrei nicht mehr sehen können und bereit sind sich auf neue Konzepte und Ideen einzulassen. Dieser Markt ist naturgemäss kleiner. Aber wenn man den Erfolg von Flower (oder aktuell "Dear Esther" für den PC) sieht, scheint er grösser zu sein als erwartet. Deswegen hoffe ich das vielleicht eine Art Signalwirkung von Journey ausgeht und noch mehr Entwickler den Mut aufbringen neue Ideen umzusetzen oder auszuprobieren.
    Das die grossen Publisher nur den üblichen Konservenmist produzieren wird sich aber wohl so schnell nicht ändern. Das Spiel läuft ja genauso in Hollywood und bei der Musikindustrie. Aber auch da gibt es (Gott sei dank) eine wachsende Indie-Szene...

  4. 4. schade

    Echt schade, dass es nur für PS3 kommen soll... hört sich interessant an

    Eine Leserempfehlung
    • Nibbla
    • 13. März 2012 23:50 Uhr

    ... dass es Massen und Nieschenprodukte gibt.
    Wie bei Film und Buch auch.
    Aber falls man auf Niesche steht und Adventures magst, empfehl ich wärmstens Deponia.

    Antwort auf "Der Mut was zu ändern"
  5. in der Indieszene mit großer Spannung erwartet, was vor allem daran liegt, dass Jenova Chen und thatgamecompany nicht nur großartige Ideen haben, sondern auch in der Lage sind diese umzusetzten.

    Es wird sich keine millionen Mal verkaufen aber die haben sich eine eigene nicht ganz so kleine Fangemeinde erarbeitet welche sie ausreichend unterstützt.

    Nach "Journey" endet der Exklusivvertrag mit Sony und dann werden sie zum Glück wohl beiter produzieren als nur für die PS3.

    Ein Spiel das momentan in Deutschland unmöglich zu produzieren ist.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Der Mut was zu ändern"
    • Mejan
    • 14. März 2012 2:38 Uhr

    Und für genial empfunden. Die Einsamkeit als Spielprinzip, weckt wirklich breitere Palette an Emotionen. Es wirkt meditativ.

    via ZEIT ONLINE plus App

  6. Journey konkurriert auch nicht gegen Spiele wie MW3 oder BF3. Es ziehlt eher auf Menschen die genau diesen Einheitsbrei nicht mehr sehen können und bereit sind sich auf neue Konzepte und Ideen einzulassen. Dieser Markt ist naturgemäss kleiner. Aber wenn man den Erfolg von Flower (oder aktuell "Dear Esther" für den PC) sieht, scheint er grösser zu sein als erwartet. Deswegen hoffe ich das vielleicht eine Art Signalwirkung von Journey ausgeht und noch mehr Entwickler den Mut aufbringen neue Ideen umzusetzen oder auszuprobieren.
    Das die grossen Publisher nur den üblichen Konservenmist produzieren wird sich aber wohl so schnell nicht ändern. Das Spiel läuft ja genauso in Hollywood und bei der Musikindustrie. Aber auch da gibt es (Gott sei dank) eine wachsende Indie-Szene...

    Antwort auf "Der Mut was zu ändern"

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