Data Dealer ist ein Browsergame nach der Art von Farmville – nur geht es in diesem Fall darum, möglichst viele Profile fremder Menschen im eigenen Datentresor anzulegen und zu verfeinern. Das nicht-kommerzielle Spiel ist unterhaltsam, professionell gestaltet und hat natürlich einen ernsten Hintergrund.

Seit einem Jahr bastelt eine Wiener Gruppe von Netzaktivisten an Data Dealer . 3.000 Arbeitsstunden haben sie nach eigenen Angaben bislang investiert. Nun wurde eine erste Demoversion zum Anspielen veröffentlicht.

Ziel von Data Dealer ist es, zum größten Datenhändler zu werden, der die meisten persönlichen Daten von Dritten einsammelt, zu Profilen verknüpft und weiterverkauft. Die Quellen sind Gewinnspiele, Bonuskarten, Telefonumfragen, Partnerbörsen, Online-Psychotests, soziale Netzwerke, aber auch der Schwarzmarkt. In einer späteren Vollversion muss sich der Spieler auch gegen lästige Bürgerinitiativen, Journalisten und Datenschutzbeauftragte wehren. Das soll durch Mobbing, Image- und Werbekampagnen möglich sein, sagt Wolfie Christl, einer der Entwickler von Data Dealer .

Das Spielprinzip ist simpel: Zum Datensammeln klickt der Spieler zum Beispiel auf "Gewinnspiel" und legt dann fest, wie aufwendig dieses gestaltet und wie es verteilt wird. Je aufwendiger, desto teurer wird es – desto mehr Daten ergibt die Aktion aber auch.

Anschließend müssen diese Daten in der eigenen Datenbank zusammengeführt werden. Neue Profile werden dabei erstellt, bestehende mit immer neuen Datenkategorien verfeinert.

Um an Geld für Deals mit Datenhändlern und Quellen zu kommen, kann der Spieler seine gesammelten Daten verkaufen, etwa an Versicherungen oder Mobilfunkdiscounter. Tipps, wie das Imperium am schnellsten wächst, gibt es im Hilfebereich. Was der Demoversion noch fehlt, ist der geplante Multiplayermodus sowie ein Log-in, der dann auch das Abspeichern des Spielstands ermöglicht.

Die Vermittlung von Wissen zum Thema Datenschutz geschieht auffällig, aber doch unaufdringlich: Die Datenkategorien, also die Bestandteile der Profile in der eigenen Datenbank, sind beispielsweise anklickbar und enthalten Informationen, was solche Daten im realen Leben aussagen und wie und von wem sie benutzt werden.

Die Macher von Data Dealer haben nach eigener Aussage monatelang recherchiert und können die meisten Beschreibungen im Spiel mit Beispielen aus der Realität belegen.

Folgen für Betroffene erklären

Mit dieser Ebene des Spiels wollen die Entwickler datenschutzrelevante Fragen beantworten: Welche personenbezogenen Daten gibt es? Wer sammelt sie und aus welchem Interesse? Wofür lassen sich Name, Adresse oder Geburtsdatum nutzen? Und welche Folgen kann das für jeden Bürger haben?

In der nächsten Version des Spiels, sagt Wolfie Christl, soll beim Verkaufen der Daten immer auch dargestellt werden, wie viele Menschen davon negativ betroffen wären. Etwa indem sie durch das sogenannte Scoring auf einer "schwarzen Liste" landen und keine Kredite oder Versicherungspolicen mehr bekommen.

Einen offiziellen Starttermin für eine Vollversion gibt es noch nicht. Nach Veröffentlichung des Video-Trailers und der Demo-Version hoffen die Entwickler nun auf Rückmeldungen, Kritik und weitere finanzielle Unterstützung, um das Projekt schneller fertigstellen und verteilen zu können.

Wenn es fertig ist, soll Data Dealer dann auch bei Facebook angeboten werden. So wie Farmville und andere echte Datensammler. Dort können die Spieler dann ihre Erfolge mit anderen teilen. Das mag angesichts des Themas zwar unpassend erscheinen. Aber Entwickler Christl betont, man brauche den Multiplikator Facebook, um das Spiel bekannt zu machen. Immerhin wird damit auch die Botschaft verbreitet, auf seine Privatsphäre zu achten.