Was aber ist nun mit dem Vorwurf, Sequels verhinderten Innovation? Innovation ist schwierig zu definieren, wie Lewis Pulsipher vom Spieleportal Gamasutra kürzlich feststellte : Innovation bedeutet vor allem die Verbesserung von etwas Bestehenden. Viele Spieler aber bemängeln einen Mangel an neuen Spielkonzepten, in anderen Worten Erfindungen.

Die sind allerdings seit jeher rar, und das nicht nur in der Spielebranche. Egoshooter zum Beispiel bestehen seit zwanzig Jahren aus den Elementen Gut gegen Böse, Schießen und Nachladen. Der Rest ist mehr oder weniger schicke Grafik. Das ist kein Versäumnis der Entwickler, sondern eher der Beweis für ein funktionierendes Konzept. Auch deswegen zeigen Titel wie Call of Duty keine wirklich neuen Entwicklungen und nur vermeintlich geringe Innovationen. Bestes Beispiel dafür ist die Tatsache, dass gerade solche Spiele eine ganze Industrie vor sich hertreiben und maßgeblich an der Weiterentwicklung grafischer Darstellungen und Rechenkapazität beteiligt sind.

Innovation heißt nicht, alles neu zu erfinden

Viele Spieler wollen keine gänzlich neuen Konzepte: Games wie das Indie-Adventure Journey begeistern zwar die Kritiker, sind aber wenig massenkompatibel. Und selbst finanziell erfolgreiche Titel wie L.A. Noire sorgten bei vielen Spielern nach dem Kauf für Enttäuschung : Sie hatten sich eher ein GTA im Stil der 1940er Jahre erhofft.

Der Spieleblogger Pulsipher kommt am Ende seines Textes zu der Erkenntnis, das man gar nicht ganze Genres neu erfinden muss. Vielmehr gehe es darum, bestehende Spielkonzepte zu verbessern. Ähnlich sieht das auch Richard Lemarchand, Chefdesigner von Uncharted 3 . Er verglich Fortsetzungen mit den Filmen Alfred Hitchcocks. Auch sie seien vom Stil und Inhalt her ähnlich und wurden doch immer weiter verfeinert, sagt Lemarchand .

Wie das aussehen kann, zeigt der Bafta-Gewinner Portal 2 : Am Konzept des ersten Teils hat sich in der Fortsetzung nichts geändert. Stattdessen haben die Entwickler die besten Elemente wie die herausfordernden Puzzles und den schwarzen Humor in ein größeres und besseres Erlebnis gepackt . Portal 2 bietet keine neue Spielerfahrung. Innovativ ist es trotzdem.

Fortsetzungen sind oft besser als das Original

Fortsetzungen erlauben den Machern nicht nur die Stärken zu perfektionieren, sondern auch Fehler auszubessern. Das zeigt beispielsweise das polnische Studio CD-Projekt. Ihr Rollenspiel The Witcher (2007) hatte eine überzeugende Geschichte mit einem starken Protagonisten. Doch das Spiel litt unter einem mittelmäßigen Gameplay. Statt das Projekt abzuschreiben, entschloss man sich für eine Fortsetzung. In The Witcher 2 reagierten sie auf die Kritik der Spieler, überarbeiteten die Steuerung und das Kampfsystem und schufen damit einen Überraschungshit des vergangenen Jahres .

Portal 2 und The Witcher 2 sind nicht die einzigen Spiele, bei denen die Fortsetzung besser ist als das Original. Ob es sich nun um Baldur's Gate , Fallout , Diablo oder System Shock handelt – in allen Fällen war es erst der Nachfolger, der aus einem sehr guten Spiel einen Klassiker machte. Offenbar sind Fortsetzungen also tatsächlich besser als ihr Ruf – solange Entwickler sie als Chance und nicht als Kopie verstehen.