VideospieleLang lebe das Sequel

Bei Games sind Fortsetzungen zwar verpönt, aber sie haben Tradition und vor allem Erfolg. Denn sie erzählen große Geschichten und können innovativ sein.

Fans von "Call of Duty" beim Verkaufsstart des achten Titels der Serie in Las Vegas

Fans von "Call of Duty" beim Verkaufsstart des achten Titels der Serie in Las Vegas

Kürzlich verlieh die britische Film- und Fernsehakademie Bafta ihren jährlichen Videospielpreis. Als bestes Spiel wurde der Puzzle-Shooter Portal 2 ausgezeichnet, weitere Preise gab es für LittleBigPlanet 2, Batman Arkham City und Battlefield 3. Auch ein Blick auf die diesjährigen Spiele-Highlights offenbart haufenweise Wiederholungen: Mass Effect 3, Diablo III, Max Payne III und Call of Duty 9 sind nur eine Auswahl der diesjährigen sogenannten AAA-Titel, der Spiele, die mit großem Budget produziert werden.

Schon ist man mittendrin in der Diskussion um die mangelnde Kreativität der Spielebranche. Analog zu Hollywood. Dort ist der Vorwurf alltäglich, Kassenschlager bestünden nur noch aus halbgaren Fortsetzungen. Auch Spielentwicklern wird vorgeworfen, in den vergangenen Jahren ihren Mut verloren zu haben. Tatsächlich dominieren bekannte Figuren und etablierte Spielkonzepte den Markt. Mit einem Gesamtumsatz von 1,57 Milliarden Euro ist dieser in Deutschland 2011 erneut gewachsen. Zu den meistverkauften Titeln zählten Fifa 12, The Sims 3, Battlefield 3 und Skyrim, der fünfte Teil der Elder-Scrolls-Reihe.

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Sind Sequels also wirklich so schlecht?

Richtig ist, dass inzwischen immer häufiger Titel zweitverwertet werden. Studios werden aufgelöst oder von anderen übernommen, bekannte Spielideen und Figuren werden in der Hoffnung auf einen schnellen Erfolg neu aufgekocht. Die Folgen sind spielerische Enttäuschungen wie Duke Nukem Forever und stagnierende Serientitel wie Tomb Raider.

Falsch ist allerdings, diese Entwicklung als Indiz dafür zu sehen, dass es keine neuen Entwicklungen gibt. Im Gegenteil, selten waren Videospiele so vielseitig und die Auswahl größer. Daran hat nicht nur die florierende Indie-Games-Szene Anteil, sondern auch die verpönten Fortsetzungen. Und das nicht erst seit gestern.

Fortsetzungen sind kein neues Phänomen

Eike Kühl
Eike Kühl

Eike Kühl ist Producer, Autor und Blogger bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

 

Entwickler und Vermarkter von Videospielen haben früh erkannt, dass der Erfolg ihres Produktes mit der Spielerbindung zusammenhängt. Mit dem Erfolg der Arcade Games in den 1980er Jahren etablierten sich die ersten erfolgreichen Franchises: Pac Man, Donkey Kong, Super Mario und Street Fighter zählen zu den bekanntesten Titeln. Sie waren und sind beliebt, weil sie stellvertretend für eine erfolgreiche Spielidee stehen; auch 25 Jahre später begeistert der schnauzbärtige Klempner Mario die Spieler, obwohl er weiterhin nur hüpft und übergroße Pilze schluckt.

Gleichzeitig ermöglichten Videospiele eine neue Form des Geschichtenerzählens. Zelda und Final Fantasy, das immerhin schon bei Teil 13 angekommen ist, gehörten zu den ersten Serien, die zusammenhängende und aufbauende Spielewelten verwendeten. Auch wenn sich aufgrund technischer Entwicklungen das Spielkonzept über die Jahre immer wieder veränderte, ist der Erfolg der beiden Serien eng an die Identifikation der Spieler mit eben dieser Spielewelt gebunden.

Komplexe Geschichten erzählen

Gerade in narrativen Genres sind Fortsetzungen deshalb beliebt. Ob es sich nun um Adventures wie King's Quest und Monkey Island, Horrorspiele wie Alone in the Dark, Actionspiele wie Resident Evil und natürlich Rollenspiele wie Warcraft und The Elder Scrolls handelt, sie alle haben eines gemeinsam: Sie bieten eine Spielwelt, die länger als ein Spiel lang fesselt, sie präsentieren in dieser bekannten Umgebung immer neue Geschichten und befriedigen damit die Neugier ebenso wie das Bedürfnis nach Stetigkeit. Das muss nicht immer funktionieren, wie der aktuelle Nachfolger von Jagged Alliance zeigt. Denn selbstverständlich können Fortsetzungen auch schlecht und erfolglos sein.

Trotzdem hat sich an der Faszination, Geschichten über lange Zeiträume zu erzählen, bis heute nichts geändert. Die Mass-Effect-Saga zeigt gerade, wie effektive Mehrteiler aussehen können. Das Spiel bietet nicht nur ein komplexes Spieluniversum, sondern bindet seine Spieler aktiv in den Verlauf der Geschichte ein. Sie können ihren eigens erstellten Charakter durch alle Teile mitnehmen – im ersten Teil getroffene Entscheidungen haben damit Auswirkungen auf das Ende. Dass viele Spieler das kritisieren, weil es angeblich nicht zum Rest der Serie passt, zeigt, wie sehr Mass Effect als zusammenhängende Trilogie begriffen wird.

Leserkommentare
  1. Okami war wirklich ein herausragendes Spiel, eines der wenigen Spiele, welches beim Spieler das Verlangen auslöst, das Spiel gleich mehrere Male durchspielen zu wollen, ja zu müssen.

    Sie haben Recht damit, daß immer weniger Kreativität in die Spieleentwicklung mit einfließt. Viele Spiele, gerade diejenigen, die schon in x-ter Generation erscheinen, leiden darunter und fallen deswegen vom Spielspaß her eher dürftig aus.

    Ein weiteres Problem sind die "technischen Innovationen". Mit der sich immer verbessernden Technik steigt auch die Konzentration der Entwickler auf Ausnutzung dieser, also der Graphik. Ein gutes Beispiel hierfür dürfte Final Fantasy sein, daß zwar seit X graphisch immer eindrucksvoller wurde, aber vom Narrativen her in die Bedeutungslosigkeit versunken ist. Kann sich irgendjemand großartig in die Geschichten und Charaktere von XII und XIII hineinversetzen? Ein Entwickler sollte sich schon fragen, was er denn veranstaltet, wenn ein Nebencharakter (Sazh) der Lieblingscharakter des Spiels in der Spielergemeinschaft ist und die anderen belanglos sind.

    Daß Kopieren dem Fortschritt dient, möchte ich nicht bestreiten. Jedoch ist offensichtliches Kopieren sehr kontraproduktiv. Ein wenig Kreativität zur Einbindung anderer Ideen in das eigene Gesamtkonzept halte ich für sehr wichtig.

    Das Gewinnstreben der Branche ist für die Entwicklung herausragender Titel leider auch vollkommen kontraproduktiv. Das angesprochene Risiko verhindert leider oft gute neue Spiele.

    • 4n0nym
    • 19.04.2012 um 21:00 Uhr

    das ist völliger schwachsinn - wann kommt denn endlich mal einer in so ein ressort, der ein gamepad nicht zum schnitzelklopfen benutzt...
    solche aussagen sind der grund, warum kein mensch das zeit games ressort liest und die gamer lieber das fachmagazin vorziehen.
    ein typisches "das müssen wir jetzt auch haben - setz mal wen da hin"-ressort... die taz schrieb letzthin über die enticklerlegende "rob" gilbert - sowas is peinlich...

    in keinem anderen medium sind fortsetzungen so akzeptiert, wie bei videospielen. natürlich nimmt die qualität nicht immer zu aber bei spielen doch mehr als bei allen anderen medien.
    die disukussion bei bf3 und cod zu halten wird der spielelandschaft wohl kaum gerecht...

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    • 4n0nym
    • 19.04.2012 um 21:06 Uhr

    [edit (warum gibts eigentlich keine edit funtion?)]

    zudem sind spielehersteller mittlerweile auf mehrteiler angewiesen, da sich hohe produktionskosten für einteiler nicht lohnen...

    • 4n0nym
    • 19.04.2012 um 21:06 Uhr

    [edit (warum gibts eigentlich keine edit funtion?)]

    zudem sind spielehersteller mittlerweile auf mehrteiler angewiesen, da sich hohe produktionskosten für einteiler nicht lohnen...

    • 4n0nym
    • 19.04.2012 um 21:06 Uhr

    [edit (warum gibts eigentlich keine edit funtion?)]

    zudem sind spielehersteller mittlerweile auf mehrteiler angewiesen, da sich hohe produktionskosten für einteiler nicht lohnen...

  2. … sollte man wie Filmfortsetzungen ansehen. Das beste Beispiel ist hier, wie im Artikel genannt, Call of Duty. An dem funktionierendem Spielprinzip hat sich nicht viel geändert, daher macht es, abgesehen von dem grafischen, kaum einen Unterschied ob man Teil 1 oder den neusten Teil spielt.

    Was mich aber dazu verleiten wird mir CoD Modern Warfare 3 zuzulegen ist die Geschichte. Die Spiele waren und sind grafisch nicht innovativ aber sie inszenieren eine filmreife Geschichte.

    Antwort auf "Frage"
  3. und dann aber doch wie gewohnt weitermachen.

    Zum Abzocken gehören numal immer zwei.

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