Der Deutsche Computerspielpreis wird am heutigen Donnerstag zum vierten Mal verliehen und will "qualitativ hochwertige sowie kulturell und pädagogisch wertvolle Computerspiele" auszeichnen. Bereits zum zweiten Mal aber zeigt sich, dass dieser Preis mit Computerspielen und ihrer Realität nichts zu tun hat. Es geht bei ihm vielmehr um Politik.

Die Bundestagsfraktion von CDU und CSU hat am Tag vor der Verleihung in einer öffentlichen Erklärung die Nominierung des Spieles Crysis 2 als "Bestes Deutsches Computerspiel" kritisiert und sogar damit gedroht, die Jury des Preises absetzen zu lassen. Es sei "unvertretbar", schreibt Wolfgang Börnsen , der kultur- und medienpolitische Sprecher der Unionsfraktion , "ein sogenanntes Killerspiel zu nominieren". Er schließt seine Erklärung mit den Worten: "In letzter Konsequenz stehen wir daher auch einer Neubesetzung der Jury offen gegenüber."

Das hat bei der Jury – die laut Definition unabhängig sein soll –, beim politischen Gegner, aber auch in den eigenen Reihen gelinde gesagt für Verwunderung gesorgt.

Insgesamt drei Nominierte gibt es in der Kategorie bestes Spiel, Anno 2070 , Harveys neue Augen und eben Crysis 2 . Letzteres ist ein Egoshooter. Darin kämpft der Spieler in einem zerstörten New York der Zukunft gegen Aliens.

Börnsen nimmt das zum Anlass, der Jury vorzuwerfen, sie halte sich nicht an die Vorgaben des von Bundestag und Computerspielindustrie ausgelobten Preises. Denn bei der Entscheidung komme der "kulturell-pädagogische Gesichtspunkt" zu kurz, schreibt er. "Wir tolerieren nach unserem Freiheits- und Demokratieverständnis durchaus jeden Erwachsenen, der diese Art von Spielen in der Freizeit spielt. Sofern es aber um eine Auszeichnung und auch Würdigung eines Computerspieles, auch mit öffentlichen Mitteln geht, beziehen wir Position gegen derartige Spiele."

Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) erklärte dazu : "Die Ausrichter können es nicht hinnehmen, dass die unabhängige Jury beschädigt wird." Er wirft der Politik vor, die Jury im Stich zu lassen.

Malte Spitz und Tabea Rößner, die für Internet und Medien zuständigen Grünenpolitiker, erklärten: "Jugendschutz spielt bei der Einordnung und Bewertung natürlich eine Rolle, darf aber nicht das alleinige Kriterium sein, das sehen auch die Kriterien des Preises vor. Wenn jetzt die CDU-Fraktion bereits vor Preisvergabe allein die Nominierung dieses Spiels angreift und gleich mit der Auflösung der gesamten Jury droht, ist das eine Unverschämtheit."

Und auch aus der Union selbst kam Kritik. CNetz, der gerade erst gebildete Verein von Netzpolitikern der Union, schrieb auf seiner Website , Börnsen habe sich mit dem Spiel offensichtlich nicht auseinandergesetzt, allein seine Wortwahl zeuge "von einer groben Unkenntnis in der Sache". "Eine fachliche Bewertung könne er daher im Gegensatz zur unabhängigen Jury, die er nun kritisiert, gar nicht abgeben."

Außerdem verweist der Netzpolitikverein darauf, Kulturpolitiker hätten auch nichts gegen den Film Inglorious Basterds einzuwenden gehabt, in den immerhin mehrere Millionen Euro der Filmförderung geflossen seien. "Die darin enthaltenen gewaltverherrlichenden Szenen übersteigen die Form der Gewaltdarstellungen von Crysis 2 um ein Vielfaches."