Die Spielebranche befindet sich im Umbruch: Browsergame-Anbieter erreichen Millionen Nutzer, Smartphone-Spiele wie Angry Birds erzielen immer neue Download-Rekorde und stellen die Popularität herkömmlicher Blockbuster-Games in den Schatten. Mit anderen Worten: Spiele sind normale Alltagsbeschäftigung.

Viele Gamer begegnen inzwischen auch der immer wieder aufflackernden Killerspiel-Diskussion mit spöttischer Gelassenheit – es gibt andere, wichtigere Themen zu diskutieren. Das Urheberrecht zum Beispiel. Denn die Kopierschutzmaßnahmen der Industrie sind ein steter Quell des Ärgernisses: Die Spieler fühlen sich schikaniert, kriminalisiert und um den Spielspaß betrogen.

Wie belastet das Verhältnis ist, hat sich in den vergangenen Monaten mehrfach gezeigt. Anfang April wurde Publisher EA von den Lesern des US-Blogs The Consumerist zum schlimmsten Unternehmen der USA 2012 gewählt . Es trat damit immerhin die Nachfolge des Öl-Unternehmens BP an. EA suche immer neue Wege, um seine Kunden mit Nebenkosten und Kleinbeträgen zu schröpfen, kritisierten die Leser: So würden Teile aus fertigen Spielen herausgeschnitten und als separate Download-Inhalte verkauft, zuletzt geschehen bei Mass Effect 3 .

Unbeliebt hat sich EA auch mit seinem Onlinedienst Origin gemacht : Die für Spiele wie Battlefield 3 notwendige Software stand zumindest vorübergehend im Verdacht, die Festplatten der Nutzer auf illegale Kopien zu scannen. Völlig transparent ist das Verhalten der Software bis heute nicht.

In Deutschland wurde EA im Herbst von Verbraucherschützern abgemahnt : Die allgemeinen Geschäftsbedingungen von Battlefield 3 hätten keine ausreichenden Informationen über Origin geboten. Der Publisher überarbeitete daraufhin die Endbenutzer-Lizenzvereinbarung (EULA) und gelobte mehr Transparenz.

Online-Zwang ist ein stetes Ärgernis

Ärger gab es aber noch aus einem anderen Grund. Wer Cheats benutzte oder auch nur im Forum fluchte, konnte laut Nutzungsbedingungen komplett aus Origin ausgesperrt werden . Mit einem solchen Bann belegte User können selbst die Offline-Solokampagne von Battlefield 3 nicht mehr nutzen, ihre ordentlich gekauften und bezahlten Spiele also nicht mehr spielen. Nach Protesten änderte EA auch hier seine drakonische Vorgehensweise, gleichwohl bleibt Origin ein bei Nutzern ausgesprochen unbeliebter Dienst.

Überhaupt ist der Onlinezwang vieler neuer Spiele ein dauerhaftes Ärgernis für die Kunden. Mit einer permanenten Verbindung zum Server wollen die Publisher sicherstellen, dass Spieler keine Kopien benutzen und nicht cheaten, sich also mithilfe eigens geschriebener Programme Vorteile verschaffen. Besonders benutzerfreundlich ist das nicht: Wer nur über eine schlechte Internetverbindung verfügt, kann das Spiel nicht nutzen.

Anfällig ist ein solches System auch auf Publisher-Seite: Das mussten Ubisoft-Kunden im Februar erfahren, als die Spiele Anno 2070 und Driver: San Francisco wegen eines Server-Umzugs längere Zeit nicht erreichbar waren.