Daten-Archäologie : Quellcode von "Prince of Persia" ausgegraben
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In zwanzig Jahren sind die Daten weg

Mechner hat auch aufgeschrieben, wie und unter welchen technischen, persönlichen und finanziellen Umständen das Spiel entstand, und das zu einem E-Book gemacht . Aus historischer Sicht eine weise Tat. Denn so wie es eine Filmhistorie gibt, wird sicher bald auch Forschung wichtig werden, die sich mit der Geschichte der Computerspiele auseinandersetzt.

Doch das Ganze ist nicht nur die bunte Schrulle von ein paar Nerds, die auf der Suche nach ihrer Jugend waren. Schließlich sind viele Daten auf solchen Trägern gespeichert worden, vielleicht auch wichtige , die möglicherweise bis heute nur dort liegen. Das bedeutet, schreibt Mechner, dass sie bald für immer verloren sein könnten.

Er selbst habe riesiges Glück gehabt, dass er sein Lebenswerk retten konnte: "Die Kiste wurde entdeckt. Die Disketten waren ganz. Prince of Persia und ich waren bekannt genug, dass sich Experten fanden, denen das Thema wichtig war." Auch der Zeitpunkt sei glücklich gewesen, schreibt Mechner. Denn der Apple II sei alt genug, um von historischem Interesse zu sein, aber noch immer so jung, dass die Menschen, die die Daten einst speicherten, noch leben und über ihre Methoden berichten konnten.

Zitat Mechner: "Roland Gustafsson, der Entwickler der speziellen 18-Sektor-RWTS-Routinen, die 1988 unsere Disketten wahnsinnig effizient machten (und heute unlesbar für jeden anderen als uns), war 2012 über IRC erreichbar und konnte ein paar Kids von Disferrect, die damals noch nicht einmal geboren waren, erklären, wie das System funktioniert."

Das könnte in Zukunft viel schwieriger werden, glaubt Mechner: "Jeder, der in zwanzig oder dreißig Jahren ein Diskettenarchiv öffnen und lesen will, könnte Pech haben."

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Kommentare

56 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Ist ja ne nette Geschichte

aber 20 Jahre alter Quellcode, interessiert doch nun wirklich nur noch Nostalgiker und ein paar Fans, die damit noch was anfangen können.

Das Daten auf diesen Datenträgern erodieren, sollte doch jedem technikaffinen Menschen hinlänglich bekannt sein. Umkopieren auf neue Datenträger gehört doch mittlerweile zum Standard in Archiven..

Mich wundert, das der Programmierer überhaupt noch ein Laufwerk hatte, in das er die Disketten hätte einlegen können.. :-) Meine C64-Laufwerke sind schon lange den Weg allen Vergessens gegangen.

Überschrift

"Mich wundert, das der Programmierer überhaupt noch ein Laufwerk hatte, in das er die Disketten hätte einlegen können.. :-) Meine C64-Laufwerke sind schon lange den Weg allen Vergessens gegangen."

Dass man immer noch 3.5" Floppylaufwerke kaufen kann, sollte doch jedem technikaffinen Menschen hinlänglich bekannt sein.

On Topic:
Ich find's genial! Vielen Dank für diesen Beitrag, den ich wohl sonst so nicht mitbekommen hätte. Die src werde ich mir sicherlich mal anschauen.

Randaspekt - #1 @bluearoma

Eigentlich wollte ich Sie jetzt anmeckern, wegen "wirklich nur noch Nostalgiker", wollte Sie fragen, ob man den alten Krempel, der im Louvre iund im Deutschen Museum Platz verbraucht, nicht eigentlich wegwerfen könnte.

Aber, außer dass der Autor und sein Protagonist auf das Problem der eben nicht ewig haltbaren Daten auf Magnetspeichern hinweisen, tut sich mir am Rande eine weitere, ganz andere Betrachtung auf.

Sie reden von Nostalgiker, auf der anderen Seite ist die Rede von "Archäologen".

Archäologen buddeln eigentlich ziemlich steinalte Sachen aus, wenn sie schon graben. Und diese Software? Mal 20 Jahre jung! Das wäre historisch? "Archäologisch"?

Ja, das wäre es. Darauf will ich hinaus: Die Entwicklung der gesamten IT schiebt unsere gewohnten Vorstellungen von "historischen Zeiträumen", von historischen Abschnitten, zunehmend zusammen.

20 Jahre, früher nicht einmal ein kurzes Augenblinzeln für die Geschichte, heute eine ganze Epoche, mindestens eine.

Darauf weist das, was Sie mit "ist ja eine nette Gerschichte" betiteln, hin: Die Geschichte und ihre Betrachtung, ihre Erforschung wird zusehends kurzatmiger.

auf dem Bild

ist trotzdem eine 5 1/4 Zoll Diskette zu sehen.

Wer halt unbedingt mit analogen Material arbeiten möchte, weil die Bilder sich so lange halten, den wird doch niemand aufhalten.. Wir leben heutzutage aber trotzdem im digitalen Zeitalter.
Man kommt ohne gewisse Grund-IT-Kenntnisse halt nicht so weit, aber das gehört nunmal dazu. Wenn ich eine neue HD kaufe, dann hat die garantiert ein größeres Volumen als die alte. Kopieren anstellen, Daten gesichert. Backup auf einer zweiten HD, ganz wichtige Sachen sogar nochmal auf einer dritten.

Ich habe schon darauf gewartet...

Als jemand, der auch mal Quellen liest und nicht nur den Artikel, ist mir tatsächlich bekannt, dass es 3.5" Disketten waren.

Auszug aus Jordan Mechners Blog (http://jordanmechner.com/...):
"If you’ve read my 1980s game dev journals, you know that by the time Prince of Persia shipped in 1989, I was burned out on coding and seriously eager for the next chapter of my life to start. So I did what most programmers would do: I backed up my Apple II source code onto 3.5″ floppies, stuck it in a box, and promptly forgot about it."

Vielleicht sollten Sie wohl eher in Betracht ziehen Quellen zu lesen, anstatt anderen Leuten das Googeln zu empfehlen.

Jeder Text ist schreibwürdig

"aber 20 Jahre alter Quellcode, interessiert doch nun wirklich nur noch Nostalgiker und ein paar Fans, die damit noch was anfangen können."

Artikel über 20 Jahre alten Quellcode sollten also nicht geschrieben werden? Weil ... es nur wenige interessiert? Wie viele interessierte Menschen muss es ihrer Meinung nach geben, damit ein Artikel über Quellcodes geschrieben werden sollte? 1000? 2000? eine ganz andere Menge? Und was ist mit 2 Jahren altem Quellcode? Wie hoch ist da ihrer Meinung nach das Interesse in der Welt und reicht es ihrer Meinung nach für einen Artikel aus?

Ich finde, dass jeder Artikel es wert ist, geschrieben und publiziert zu werden, selbst wenn nur beispielsweise 16 Menschen Interesse haben. Die restlichen Millionen können ja was anderes lesen.

Dort steht der Code also nun

und was nützt er denn?
Es ist so alt wie die Menschheit, dass "Wissen", das nicht mehr genutzt wird veraltet, obsolet wird und verlorengeht, ohne dass dies zwingend negative Folgen hätte.
Da derzeit das "Wissen" oder besser gesagt, dessen Volumen exponential wächst, sind gewisse Verlust durchaus verkraftbar bis wünschnswert.
Das erspart allerdings nicht die Frage, wie "Kernwissen" definiert und bewahrt werden kann.
PS: Ich habe meine Diplomarbeit von 1991 auch auf Diskette (erstellt unter DOS-schlagmichtot und mit Schreibprogramm contextpro(?)) und konnte die tatsächlich kürzlich noch öffnen. ;-)

Die Definition mag sich ändern

>>Das erspart allerdings nicht die Frage, wie "Kernwissen" definiert und bewahrt werden kann.<<

Künftige Generationen mögen diese Frage ganz anders beantworten als wir. Heutige Historiker leiden ja auch darunter, dass viele Dinge über das tägliche Leben einfach Leute in vergangener Zeit, schlicht nicht für "aufschreibenswert" gehalten wurden.

Warum sollte nicht mal jemand eine Untersuchung über den Programmierstil der Pioniere in Sachen "grafische Echtzeit-Computerspiele" oder so ähnlich anstellen wollen?

Genau das ist das GRUNDPROBLEM dieser digitalen Gesellschaft

Alle die Heute ach so bequem "Digital" Fotos machen,kommunizieren,... werden sich im 10-20 Jahren massiv wundern.
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Archivfunktion, die andere Medien implizit bereitstellten, (der Schuhkarton im Kleiderschrank, oder wie hier die Kiste, der Schrank bei den Eltern.... werden bei digitalen Medien zu bewusten Handlungen.
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Viel Spass bei "Goethes e-Mail an Frau von Stein," der Frage: "Wo sind denn die Bilder von der Einschulung?"oder bei der Frage 2050 "Wir suchen private Fotos aus der Zeit 2010.....!"
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Unsere digitale Welt ist heute schon ein Horror für Archivare, Geschichtswissenschaftler und alle, die Artfacte ausserhalb des offiziellen Mainstreams suchen und finden wollen.
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Der schwarzweiß Abzug von 1914 "Opa und Oma mit den Kindern! gut gewässert,mit Lichtschutzglas hängt heute noch an der Wand,mein 1.Schultag auch noch.Das Bild meiner Tochter von 1980 hat schon massive Farbverluste, aber da gibt es noch die Negative. .....
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Sichern, sichern, sichern..... und nicht nur auf CD.Die sind auch nach 10 Jahren platt!
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Besorgte Gruesse
Sikasuu
(Der bewusste z.b bestimmte Momente auf SW- und Farb"Analog"Film festhällt weil er um die Flüchtigkeit digitaler Daten weiss!"

Die Flüchtigkeit digitaler Daten

Bis zu einem gewissen Grad kann ich ihre Skepsis den digitalen Daten gegenüber durchaus nachvollziehen. Jedoch muss man bedenken, dass diese bei richtiger Aufbewahrung wesentlich länger im "Originalzustand" haltbar sind. Sie lassen ihre analogen Fotos ja auch nicht Tagelang draußen in der Sonne liegen.
Wer seine Fotos auf einer einzigen Festplatte speichert (womöglich noch auf dem Laptop, der vielleicht mal herunterfallen kann), der tut eben dieses In-der-Sonne-liegen-lassen.

Ein regelmäßiger Medienwechsel ist nervig, aber theoretisch eine Möglichkeit die Daten unendlich haltbar zu machen. Und zwar ohne Verschleißerscheinungen.

.....

Ich stimme voll und ganz der Antwort von J.S. auf Ihren Beitrag zu.

Hinzu kommt noch: Die Digitalität war hier ja gerade nicht das Problem. Das Problem ganz profan das Magnetmaterial. Das wäre mit einem 100 Jahre alten Film genauso passiert.

Und natürlich passiert das auch wirklich, siehe die aufwändigen Rekonstruktionen von Filmen wie Metropolis oder von alten Büchern.

Der große Vorteil der Digitalität ist, dass sich mit quasi null Aufwand die Daten vom veralteten Datenträger auf das neueste Medium übertragen lassen.
Und das zeigt sich auch in der Praxis: Fast keiner würde sich die Mühe machen, alte VHS-Kassetten umzukopieren - zu aufwändig.
Aber niemand würde, sobald er einen neuen Computer kauft, die alten Videos oder Fotos zusammen mit dem alten Computer untergehen lassen. Man kopiert sie rüber, fertig.

(Mal ganz abgesehen davon, dass ich sehr gut auch ohne Fotos von irgendwelchen Urgroßeltern leben kann.)

Zur Archivierbarkeit analoger Medien und Daten

Es ist ein Myhtos, dass diese generell stabiler sein als digitale.

1.) Farbfilme und -abzuege: Wenn aelter als ein bis zwei Jahrzehnte: So schnell als moeglich digitalisieren. Die Zersetzung der Farbchemie ist im Negativ/Dia genauso am Werk wie im Abzug. "Ich hab' ja noch das Negativ" ist definitiv keine archivsichere Loesung.

2.) Schwarzweissfilme und -abzuege: Sauber stabilisierte Papierabzuege sind archivsicher. Negative, vor allem aelter als ca. 50 Jahre, neigen zur Zersetzung des Traegermaterials. Vor allem alte Kinofilme werden z.T. schon als Hochrisikomaterial gelagert, weil sie sich spontan entzuenden koennen.

3.) Buecher: Befragen sie bitte einen Bibliokethar ihrer Wahl zum Thema "Archivierung von Holzschliffpapier".

4.) Tonaufnahmen: Viele Tonbaender aus den 60ern bis 70ern lassen sich derzeit noch abspielen. Und zwar genau einmal, weil das Magnetmaterial nach dem Durchang durch den Lesekopf vom Traegermaterial faellt. Ein mir bekannter Audiophiler nutzt diese letzte Chance selbstverstaendlich zum Digitalisieren.

Natuerlich gibt es digitale Archivsicherheit nicht umsonst. Aber um ein vielfaches guestiger und einfacher als analoge.

#33 @Aceux

"Negative, vor allem aelter als ca. 50 Jahre, neigen zur Zersetzung des Traegermaterials. Vor allem alte Kinofilme werden z.T. schon als Hochrisikomaterial gelagert, weil sie sich spontan entzuenden koennen."

Ganz falsch.

Was Sie meinen ist das gefährliche Trägermaterial Nitrozellulose, welches nicht erst nach 50 Jahren gefährlich wird sondern es von Anfang an ist.

Weshalb es Vorschriften für die Aufbewahrung solcher Filme (übrigens keineswegs nur Kinofilme) gibt.

Ausführlich:

http://www.google.de/url?...

Nitrozellulose ist nur einer von vielen Aspekten

weswegen ich nicht ausfuehrlich genug war:

Viele Negative auf Glassplatten haben durch Ausgasung des Leims der Negativtaschen gelitten. Das Problem ist mittlerweile bekannt und wird durch neue Taschen geloest, aber das Prinzip bestaetigt sich: Digital waere das nicht passiert. Dasselbe gilt fuer Gelatinebasierte Negativfilme, besonders wenn sie zur besseren Uebersicht in Klarsichttaschen (die gibt's mittlerweile auch archivsicher, aber bei aelteren Modellen wierd' ich nicht drauf vertrauen) statt in Pergamintaschen stecken.

Dazu kommt noch das Grundproblem analoger Archivierung: Jede Kopie ist letztlich ihr eigenes Unikat, weil in analogen Speicherformen die Daten fest ans Medium gebunden sind, waehrend digitale Archive diesen Zusammenhang entkoppeln. Wer ein hundert Jahre altes Familienbild an der Wand hat, sollte es schleunigst scannen und die Daten auf ein paar raeumlich getrennte Kopien verteilen.

Aber auch, dass Nitrozellulose von Anfang an instabil ist, aendert nichts am Argument: Das grosse digitale Vergessen ist eine Schimaere, wer es schafft digitale Datenbestaende zu verlieren, haette es auch mit Papierakten und anderen analogen Formen fertiggebracht, einfach weil offensichtlich das Bewusstsein gefehlt hat.

Ich spreche Akten speziell an, weil ein anderer Kommentar diese herausstellte: Aktenbestaende zwischen 1850 und 1900 sind heute schon vielerorts bedroht bis verloren (www.gsk-conservation.de/d...)

#38 @acrux

Soweit ja schon richtig, aber stimmen Sie zu, dass die Gefährdung der Archivalien nicht aus denen selbst herrührt sondern aus der Art, wie sie behandelt und aufbewahrt werden?

Ähnliches gilt auch für digitale Medien, die physischen endlich sind und zudem irgendwann nicht mehr zugänglich, weil ein Dateiformat von der Bildfläche, ein Lesegerät nicht mehr verfügbar ist.

Trotzdem bin ich natürlich einverstanden, wenn Sie sagen, dass eine Sicherung durch Digitalisierung geboten ist, allerdings aus anderen Gründen:

Nicht weil die "analogen" Archivalien zerfallen, das tun die nur bei unsachgemäßem Umgang, sondern schlicht als Redundanz, nachdem ein Archiv abgebrannt, wie in Köln eingestürzt oder von jemandem ausgeäumt wurde. Dann hat man wenigstens digitalen Ersatz.

Aber die sind Originale zäher als Sie denken. Ich habe zwei Jahre die Bildabteilung in einem Stadtarchiv geleitet und dort böse Dinge gesehen - die entstandenen Schäden waren nie in den Archivalien selbst enthalten.

Zeitungen, über hundert Jahre alte Faszikel, nahe großer Fenster aufbewahrt, durch die täglich Stunden praller Sonnenstrahlung auf das Material einwirkt, z.B.

Farbnegative und -dias aus den 30ern, die sich keineswegs selbst zerstört haben sondern schlicht Bakterienfraß zum Opfer gefallen sind.

Nach meiner Ansicht sind - Sachkenntnis vorausgesetzt - analoge Medien den digitalen an Haltbarkeit überlegen. Digital punktet nur bei einer Vielzahl von Standorten, das ergibt dann eine Chance für den Erhalt.

Zerfall analofer Medien

"das tun die nur bei unsachgemäßem Umgang"

Ich fuechte nicht. Holzschliffpapier zerfaellt auch unter guestigsten Bedingungen, ebenso Nitrocellulose und Tonbandtraeger. Den technischen Defekt, der Jan 1988 Nitrocellulosebestaende des Bundesarchivs abgefackelt hat, wuerde ich auch nicht unbedingt unter "falschem Umgang" einsortieren.

Dazu kommt, dass selbst diese "guestigsten Bedingungen" oft erst Jahrzente nach Erstellung ueberhaupt erschafft werden koennen, weil die Probleme vorher gar nicht bekannt waren.

Analoge Archivalien sind nur fuer einen Spezialfall sicherer als Digitale: Wenn man den Verlust der technischen Faehigkeiten der Gesellschaft als Ganzes befuerchten muss.

Die meisten digitalen Medienformate sind derzeit schon mehrere Jahrzehnte alt und sind noch immer problemlos zu oeffnen. Besonders solche, bei denen Archivierbarkeit im Vordergrund steht, d.h. im wesentlichen unverschluesselt und unkomprimiert, z.B. tiff und Derivate wie DNG fuer Bilder, WAV fuer Audio, PS oder gar ASCII fuer Dokumente. Dokumente etwa im MS-Word-2010-Format zu archivieren faellt m.E. genauso unter "unsachgemäßen Umgang". Dann sind auch grassierende Bitfehler kein Problem fuer die Gesamtdatei. Aber hier sprechen wir schon ueber Formate, nicht mehr ueber Medien.

Analoge _Medien_ sind digitalen _Medien_ and Haltbarkeit tatsaechlich oft ueberlegen, aber der _Informationsgehalt_ des betreffenden Mediums ist digital sehr viel sicherer aufgehoben, weil nur digital dazwischen unterscheidet.

#41 @acrux

"aber der _Informationsgehalt_ des betreffenden Mediums ist digital sehr viel sicherer aufgehoben, weil nur digital dazwischen unterscheidet."

Da haben Sie Recht.

Doch hat jede Archivalie etwas, lassen Sie es mich "Metagehalt" nennen, was sie vom bloßen Extrakt ihres Informationsgehalts deutlich unterscheidet.

Das Wühlen in alten Zeitungsbänden ist völlig anders als den Bildschirm zu scrollen. Geruch, Textur... wie soll ich es nur nennen, der "Atem" eines Originials ist anders als seine rein infirmationelle inhaltliche Kopie.

Auch die Nitro-Trägermaterialien für Film und Foto, wie die von Ihnen genannten Marburger Archivpäpste (ist nicht ironisch) ja sagen, sind nicht allesamt verurteilt, sie haben ganz bestimmte Kandidaten herausgefunden und benannt. Dass die keine Überlebenschance haben, wird klar sein.

Ich wende mich auch nur gegen die Annahme, dass Digitalisierung die einzige Dauerhaftigkeit des Erhalts bedeute. Tut sie nach meiner Ansicht nicht.

Auch nicht, was die von Ihnen angesprochene Sache mit den Dateiformaten anbetrifft, also über die physischen Medien hinaus. Irgend eines Tags weiß keiner mehr, was er mit "*.tif" anfangen soll, das können dann mit viel Glück noch ein paar dereinstige Schriftgelehrte.

Einen Vergleich mit der Dauerhaftigkeit von Höhlenzeichnungen, Pergamentrollen mit digitalen Überlieferungen können wir in mehreren tausend Jahren wirklich ziehen... Vielleicht treffen Sie und ich uns dann zufällig und erinnern uns an "unsere" Antike 2012 :-)

Ich bin in einer Wissenschaft

die die Digitalisierung praktisch bereits komplett vollzogen hat (Astronomie). Es stimmt, dass die vor-digitale Arbeit (z.B. nachts am Teleskop im Dunkeln, allein mit dem Rest des Universums) "haptisch" angenehmer war, aber dass sie ergiebiger war kann ich nun wirklich nicht behaupten. Ich mag Neues zu erforschen aber viel zu sehr, um mir die alte, ineffiziente Zeit zurueckzuwuenschen. Ich bezweifle, dass das fuer Historiker anders waere.

@Acrux

Das sehe ich nicht so.

Ihr Bereich beschäftigt sich mit Gegebenheiten, die uns weit, weit entfernt sind, ich meine damit nicht da Hantieren mit dem Werkzeug sondern mit den Gegebenheiten.

Wenn ich einen alten Band durchwühle, alte Fotos wirklich in Händen habe, dann hat das auf mich eine Wirkung, die sich im von mir gesuchten Ergebnis schon auch niederschlagen kann.

Da war ein Foto (also eine alte Vergrößerung) einer 16jährigen, sie war von den Nazis "hingerichtet" worden, sie wurde wieder ausgebuddelt und der vorgeführten Bevölkerung gezeigt.

Dieses (nebst tausenden anderen) Foto habe ich digitalisiert und glauben Sie mir, die historische Aussage ist auf dem Bildschirm dadurch verloren gegangen, dass der "Atem" *dieser Vergrößerung, die aus eben *dieser Zeit stammte, elektronisch nicht abzubilden ist.

Da sehe ich einen Unterschied zu Ihrem Metier, welches sich mit Dingen beschäftigt, die wir uns oft nur nebelhaft vorstellen können - Millionen und Milliarden Lichtjahre können wir und nur als Vorstellung zugänglich machen, ein totes französisches Mädchen ist in seiner zeitgenössischen Abbildung eher zugänglich.

In dem schon erwähnten Archiv habe ich Historikern zugearbeitet, die wollten im Wortsinne Material, die wollten keine Dateien.

Die sie trotzdem nicht verschmäht haben, aber ich rede gerade von Prioritäten und deren Grund.

In Ihrem Bereich wird es wohl so sein, dass das "Datenmäßige" sogar einen Gewinn gegenüber dem Analogen bedeutet - ist völlig ok so.

Ja, passt

Betrifft auch die Mikroverfilmung, die der Sicherung dient aber nicht der Ersetzung.

Mikrofilm (und sonstige Kopien, z.B. digitale) sind vordergründig Arbeitskopien, die das Anfassen des Originals zu dessen Schonung vermeiden sollen und schlimmstenfalls herhalten, wenn das Original denn doch untergegangen ist.

Ein Faszikel, in dem Sie auf jeder Seite Ihr Auge quasi parallel einsetzen können, ermöglicht besseren Einblick als ein Mikrofilm, der Ihnen eine Zeitungsseite nicht und außerdem visuell verstümmelt auf einen Projektionsschirm zugänglich macht. Oder gar eine einzelne Datei, die das ursprüngliche Umfeld schon gar nicht abbildet sondern bestenfalls via Hypertext seriell abrufbar.

Ja, ich glaube ganz und gar auch, dass es an Original vs. Kopie liegt.

Wir alle sind, das ist bloß meine Ansicht, als Rezipienten traditioneller als wir uns so gerne geben.

Mal abschweifend: Mikrofilm ist wohl sowieso das letzte, es ist hässlich! :-)

Unbesorgt !

Das Problem dieser Gesellschaft ist, dass sich jeder Einzelne schon für so wichtig hält, dass er meint, seine Nachfahren würde sein ganzer hinterlassener Datenmüll noch interessieren.
Außerdem ist das meiste, was den Leuten wichtig ist nun wirklich für das reale Leben so was von uninteressant und spätestens nach der nächsten kriegerischen Auseinandersetzung obsolet.
Der Müll ist dann, wenn es wirklich ums Überleben geht, genauso schnell vergessen, wie die einzelnen Personen. Unsere Nachfahren werden sich um ganz andere Probleme kümmern, und zu allererst um ihre eigenen und die dann relevanten.

@sunstreet50: Das sehen Historiker ganz anders!

Zitat:...Das Problem dieser Gesellschaft ist, dass sich jeder Einzelne schon für so wichtig hält, dass er meint, seine Nachfahren würde sein ganzer hinterlassener Datenmüll noch interessieren....
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Offizielle Geschichte auch Zeitgeschichte ist immer Interessengeleitet! Ein eingermassen umfassendes Bild kann man/Frau sich nur dann machen wenn möglichst viele Quellen zu Verfügung stehen.
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Gerade das sind aber Quellen die vom Medium eine eingebaute "Archivfunktion" haben. Lieschen Mustermann und Otto Normalverbraucher archivieren bewußt keine Artfacte.
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Aber Briefe, Abrechnungen, Bilder.... werden aufgehoben, weggeräumt... und stehen damit ungewollt auch noch Jahrzehnte später für Auswertungen und verstehen dieser Zeit zu Verfügung.
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Beispiel: WKII, knapp 60 Jahre her. Ohne Briefe, private Bilder,Tagebücher... die nur durch Zufall inoffiziell "überlebt" haben, und heute mit einfachen Mitteln zugreifbar sind, wäre unser Bild dieser Zeit ein ganz anders.
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Geschichte, erst recht Zeitgeschichte ist ohne "private" Artfacte nicht zu verstehen. Offizielle Geschichte ist immer "Geschichte der Sieger" und deswegen halte ich die geringe Archivfestigkeit, schnelle Medienwechsel und das "muss ich bewusst speichern/ archevieren" für ein großes Problem.
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Die NASA hat die ORGINAL-Bänder von der Mondlandung verschlampt. Kolumbus, Cooks.... Bordbücher gibt es noch!
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Das hat auch etwas mit dem Medium zu tun!
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Wer entscheidet was aufgehoben wird:-((
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Gruss
Sikasu