Daten-ArchäologieQuellcode von "Prince of Persia" ausgegraben
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In zwanzig Jahren sind die Daten weg

Mechner hat auch aufgeschrieben, wie und unter welchen technischen, persönlichen und finanziellen Umständen das Spiel entstand, und das zu einem E-Book gemacht . Aus historischer Sicht eine weise Tat. Denn so wie es eine Filmhistorie gibt, wird sicher bald auch Forschung wichtig werden, die sich mit der Geschichte der Computerspiele auseinandersetzt.

Doch das Ganze ist nicht nur die bunte Schrulle von ein paar Nerds, die auf der Suche nach ihrer Jugend waren. Schließlich sind viele Daten auf solchen Trägern gespeichert worden, vielleicht auch wichtige , die möglicherweise bis heute nur dort liegen. Das bedeutet, schreibt Mechner, dass sie bald für immer verloren sein könnten.

Er selbst habe riesiges Glück gehabt, dass er sein Lebenswerk retten konnte: "Die Kiste wurde entdeckt. Die Disketten waren ganz. Prince of Persia und ich waren bekannt genug, dass sich Experten fanden, denen das Thema wichtig war." Auch der Zeitpunkt sei glücklich gewesen, schreibt Mechner. Denn der Apple II sei alt genug, um von historischem Interesse zu sein, aber noch immer so jung, dass die Menschen, die die Daten einst speicherten, noch leben und über ihre Methoden berichten konnten.

Zitat Mechner: "Roland Gustafsson, der Entwickler der speziellen 18-Sektor-RWTS-Routinen, die 1988 unsere Disketten wahnsinnig effizient machten (und heute unlesbar für jeden anderen als uns), war 2012 über IRC erreichbar und konnte ein paar Kids von Disferrect, die damals noch nicht einmal geboren waren, erklären, wie das System funktioniert."

Das könnte in Zukunft viel schwieriger werden, glaubt Mechner: "Jeder, der in zwanzig oder dreißig Jahren ein Diskettenarchiv öffnen und lesen will, könnte Pech haben."

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Leserkommentare
  1. aber 20 Jahre alter Quellcode, interessiert doch nun wirklich nur noch Nostalgiker und ein paar Fans, die damit noch was anfangen können.

    Das Daten auf diesen Datenträgern erodieren, sollte doch jedem technikaffinen Menschen hinlänglich bekannt sein. Umkopieren auf neue Datenträger gehört doch mittlerweile zum Standard in Archiven..

    Mich wundert, das der Programmierer überhaupt noch ein Laufwerk hatte, in das er die Disketten hätte einlegen können.. :-) Meine C64-Laufwerke sind schon lange den Weg allen Vergessens gegangen.

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    • J.S.
    • 19. April 2012 13:06 Uhr

    "Mich wundert, das der Programmierer überhaupt noch ein Laufwerk hatte, in das er die Disketten hätte einlegen können.. :-) Meine C64-Laufwerke sind schon lange den Weg allen Vergessens gegangen."

    Dass man immer noch 3.5" Floppylaufwerke kaufen kann, sollte doch jedem technikaffinen Menschen hinlänglich bekannt sein.

    On Topic:
    Ich find's genial! Vielen Dank für diesen Beitrag, den ich wohl sonst so nicht mitbekommen hätte. Die src werde ich mir sicherlich mal anschauen.

    Eigentlich wollte ich Sie jetzt anmeckern, wegen "wirklich nur noch Nostalgiker", wollte Sie fragen, ob man den alten Krempel, der im Louvre iund im Deutschen Museum Platz verbraucht, nicht eigentlich wegwerfen könnte.

    Aber, außer dass der Autor und sein Protagonist auf das Problem der eben nicht ewig haltbaren Daten auf Magnetspeichern hinweisen, tut sich mir am Rande eine weitere, ganz andere Betrachtung auf.

    Sie reden von Nostalgiker, auf der anderen Seite ist die Rede von "Archäologen".

    Archäologen buddeln eigentlich ziemlich steinalte Sachen aus, wenn sie schon graben. Und diese Software? Mal 20 Jahre jung! Das wäre historisch? "Archäologisch"?

    Ja, das wäre es. Darauf will ich hinaus: Die Entwicklung der gesamten IT schiebt unsere gewohnten Vorstellungen von "historischen Zeiträumen", von historischen Abschnitten, zunehmend zusammen.

    20 Jahre, früher nicht einmal ein kurzes Augenblinzeln für die Geschichte, heute eine ganze Epoche, mindestens eine.

    Darauf weist das, was Sie mit "ist ja eine nette Gerschichte" betiteln, hin: Die Geschichte und ihre Betrachtung, ihre Erforschung wird zusehends kurzatmiger.

    "aber 20 Jahre alter Quellcode, interessiert doch nun wirklich nur noch Nostalgiker und ein paar Fans, die damit noch was anfangen können."

    Artikel über 20 Jahre alten Quellcode sollten also nicht geschrieben werden? Weil ... es nur wenige interessiert? Wie viele interessierte Menschen muss es ihrer Meinung nach geben, damit ein Artikel über Quellcodes geschrieben werden sollte? 1000? 2000? eine ganz andere Menge? Und was ist mit 2 Jahren altem Quellcode? Wie hoch ist da ihrer Meinung nach das Interesse in der Welt und reicht es ihrer Meinung nach für einen Artikel aus?

    Ich finde, dass jeder Artikel es wert ist, geschrieben und publiziert zu werden, selbst wenn nur beispielsweise 16 Menschen Interesse haben. Die restlichen Millionen können ja was anderes lesen.

  2. und was nützt er denn?
    Es ist so alt wie die Menschheit, dass "Wissen", das nicht mehr genutzt wird veraltet, obsolet wird und verlorengeht, ohne dass dies zwingend negative Folgen hätte.
    Da derzeit das "Wissen" oder besser gesagt, dessen Volumen exponential wächst, sind gewisse Verlust durchaus verkraftbar bis wünschnswert.
    Das erspart allerdings nicht die Frage, wie "Kernwissen" definiert und bewahrt werden kann.
    PS: Ich habe meine Diplomarbeit von 1991 auch auf Diskette (erstellt unter DOS-schlagmichtot und mit Schreibprogramm contextpro(?)) und konnte die tatsächlich kürzlich noch öffnen. ;-)

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    • GDH
    • 19. April 2012 14:57 Uhr

    >>Das erspart allerdings nicht die Frage, wie "Kernwissen" definiert und bewahrt werden kann.<<

    Künftige Generationen mögen diese Frage ganz anders beantworten als wir. Heutige Historiker leiden ja auch darunter, dass viele Dinge über das tägliche Leben einfach Leute in vergangener Zeit, schlicht nicht für "aufschreibenswert" gehalten wurden.

    Warum sollte nicht mal jemand eine Untersuchung über den Programmierstil der Pioniere in Sachen "grafische Echtzeit-Computerspiele" oder so ähnlich anstellen wollen?

  3. Alle die Heute ach so bequem "Digital" Fotos machen,kommunizieren,... werden sich im 10-20 Jahren massiv wundern.
    .
    Archivfunktion, die andere Medien implizit bereitstellten, (der Schuhkarton im Kleiderschrank, oder wie hier die Kiste, der Schrank bei den Eltern.... werden bei digitalen Medien zu bewusten Handlungen.
    .
    Viel Spass bei "Goethes e-Mail an Frau von Stein," der Frage: "Wo sind denn die Bilder von der Einschulung?"oder bei der Frage 2050 "Wir suchen private Fotos aus der Zeit 2010.....!"
    .
    Unsere digitale Welt ist heute schon ein Horror für Archivare, Geschichtswissenschaftler und alle, die Artfacte ausserhalb des offiziellen Mainstreams suchen und finden wollen.
    .
    Der schwarzweiß Abzug von 1914 "Opa und Oma mit den Kindern! gut gewässert,mit Lichtschutzglas hängt heute noch an der Wand,mein 1.Schultag auch noch.Das Bild meiner Tochter von 1980 hat schon massive Farbverluste, aber da gibt es noch die Negative. .....
    .
    Sichern, sichern, sichern..... und nicht nur auf CD.Die sind auch nach 10 Jahren platt!
    .
    Besorgte Gruesse
    Sikasuu
    (Der bewusste z.b bestimmte Momente auf SW- und Farb"Analog"Film festhällt weil er um die Flüchtigkeit digitaler Daten weiss!"

    7 Leserempfehlungen
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    • J.S.
    • 19. April 2012 13:14 Uhr

    Bis zu einem gewissen Grad kann ich ihre Skepsis den digitalen Daten gegenüber durchaus nachvollziehen. Jedoch muss man bedenken, dass diese bei richtiger Aufbewahrung wesentlich länger im "Originalzustand" haltbar sind. Sie lassen ihre analogen Fotos ja auch nicht Tagelang draußen in der Sonne liegen.
    Wer seine Fotos auf einer einzigen Festplatte speichert (womöglich noch auf dem Laptop, der vielleicht mal herunterfallen kann), der tut eben dieses In-der-Sonne-liegen-lassen.

    Ein regelmäßiger Medienwechsel ist nervig, aber theoretisch eine Möglichkeit die Daten unendlich haltbar zu machen. Und zwar ohne Verschleißerscheinungen.

    • bugme
    • 19. April 2012 13:31 Uhr

    Ich stimme voll und ganz der Antwort von J.S. auf Ihren Beitrag zu.

    Hinzu kommt noch: Die Digitalität war hier ja gerade nicht das Problem. Das Problem ganz profan das Magnetmaterial. Das wäre mit einem 100 Jahre alten Film genauso passiert.

    Und natürlich passiert das auch wirklich, siehe die aufwändigen Rekonstruktionen von Filmen wie Metropolis oder von alten Büchern.

    Der große Vorteil der Digitalität ist, dass sich mit quasi null Aufwand die Daten vom veralteten Datenträger auf das neueste Medium übertragen lassen.
    Und das zeigt sich auch in der Praxis: Fast keiner würde sich die Mühe machen, alte VHS-Kassetten umzukopieren - zu aufwändig.
    Aber niemand würde, sobald er einen neuen Computer kauft, die alten Videos oder Fotos zusammen mit dem alten Computer untergehen lassen. Man kopiert sie rüber, fertig.

    (Mal ganz abgesehen davon, dass ich sehr gut auch ohne Fotos von irgendwelchen Urgroßeltern leben kann.)

    • Acrux
    • 19. April 2012 17:38 Uhr

    Es ist ein Myhtos, dass diese generell stabiler sein als digitale.

    1.) Farbfilme und -abzuege: Wenn aelter als ein bis zwei Jahrzehnte: So schnell als moeglich digitalisieren. Die Zersetzung der Farbchemie ist im Negativ/Dia genauso am Werk wie im Abzug. "Ich hab' ja noch das Negativ" ist definitiv keine archivsichere Loesung.

    2.) Schwarzweissfilme und -abzuege: Sauber stabilisierte Papierabzuege sind archivsicher. Negative, vor allem aelter als ca. 50 Jahre, neigen zur Zersetzung des Traegermaterials. Vor allem alte Kinofilme werden z.T. schon als Hochrisikomaterial gelagert, weil sie sich spontan entzuenden koennen.

    3.) Buecher: Befragen sie bitte einen Bibliokethar ihrer Wahl zum Thema "Archivierung von Holzschliffpapier".

    4.) Tonaufnahmen: Viele Tonbaender aus den 60ern bis 70ern lassen sich derzeit noch abspielen. Und zwar genau einmal, weil das Magnetmaterial nach dem Durchang durch den Lesekopf vom Traegermaterial faellt. Ein mir bekannter Audiophiler nutzt diese letzte Chance selbstverstaendlich zum Digitalisieren.

    Natuerlich gibt es digitale Archivsicherheit nicht umsonst. Aber um ein vielfaches guestiger und einfacher als analoge.

    • J.S.
    • 19. April 2012 13:06 Uhr

    "Mich wundert, das der Programmierer überhaupt noch ein Laufwerk hatte, in das er die Disketten hätte einlegen können.. :-) Meine C64-Laufwerke sind schon lange den Weg allen Vergessens gegangen."

    Dass man immer noch 3.5" Floppylaufwerke kaufen kann, sollte doch jedem technikaffinen Menschen hinlänglich bekannt sein.

    On Topic:
    Ich find's genial! Vielen Dank für diesen Beitrag, den ich wohl sonst so nicht mitbekommen hätte. Die src werde ich mir sicherlich mal anschauen.

    3 Leserempfehlungen
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    ... handelt es sich um 5 1/4 Zoll Disketten.

    ist trotzdem eine 5 1/4 Zoll Diskette zu sehen.

    Wer halt unbedingt mit analogen Material arbeiten möchte, weil die Bilder sich so lange halten, den wird doch niemand aufhalten.. Wir leben heutzutage aber trotzdem im digitalen Zeitalter.
    Man kommt ohne gewisse Grund-IT-Kenntnisse halt nicht so weit, aber das gehört nunmal dazu. Wenn ich eine neue HD kaufe, dann hat die garantiert ein größeres Volumen als die alte. Kopieren anstellen, Daten gesichert. Backup auf einer zweiten HD, ganz wichtige Sachen sogar nochmal auf einer dritten.

    weiss man, dass der Apple-II noch mit 5 1/4" floppy disks gearbeitet hat - so wie auch der C64 und die meisten anderen Platformen in den 1980ern.

    Ansonsten erstmal googeln!

  4. Mit solidarischen Grüßen,
    besorgter_mitbuerger

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    Das Problem dieser Gesellschaft ist, dass sich jeder Einzelne schon für so wichtig hält, dass er meint, seine Nachfahren würde sein ganzer hinterlassener Datenmüll noch interessieren.
    Außerdem ist das meiste, was den Leuten wichtig ist nun wirklich für das reale Leben so was von uninteressant und spätestens nach der nächsten kriegerischen Auseinandersetzung obsolet.
    Der Müll ist dann, wenn es wirklich ums Überleben geht, genauso schnell vergessen, wie die einzelnen Personen. Unsere Nachfahren werden sich um ganz andere Probleme kümmern, und zu allererst um ihre eigenen und die dann relevanten.

    • J.S.
    • 19. April 2012 13:14 Uhr

    Bis zu einem gewissen Grad kann ich ihre Skepsis den digitalen Daten gegenüber durchaus nachvollziehen. Jedoch muss man bedenken, dass diese bei richtiger Aufbewahrung wesentlich länger im "Originalzustand" haltbar sind. Sie lassen ihre analogen Fotos ja auch nicht Tagelang draußen in der Sonne liegen.
    Wer seine Fotos auf einer einzigen Festplatte speichert (womöglich noch auf dem Laptop, der vielleicht mal herunterfallen kann), der tut eben dieses In-der-Sonne-liegen-lassen.

    Ein regelmäßiger Medienwechsel ist nervig, aber theoretisch eine Möglichkeit die Daten unendlich haltbar zu machen. Und zwar ohne Verschleißerscheinungen.

  5. Wenn man in einige Jahrhunderte die Geschichte Westeuropas studiert, wird man seht viel über die Zeit vom Mittelalter bis zum 20. Jhdt finden. Das 21. Jhdt wird dann ein großes schwarzes Loch sein, eine Zeit, über die man nicht viel Originaldokumente zur Verfügung hat.

    In vielen Stadtarchive kann man sehen, das viele Vorgänge nur dokumentiert und archiviert sind bis zu dem Zeitpunkt, wo man mit der Digitalisierung angefangen hat.

    Der Grund dafür sind nicht nur die technische Probleme, oder fehlende EDV Kenntnisse. Es gibt auch kaum Konzepte, wie man die digitale Datenflut überhaupt archivieren sollte.

    3 Leserempfehlungen
    • bugme
    • 19. April 2012 13:31 Uhr
    8. .....

    Ich stimme voll und ganz der Antwort von J.S. auf Ihren Beitrag zu.

    Hinzu kommt noch: Die Digitalität war hier ja gerade nicht das Problem. Das Problem ganz profan das Magnetmaterial. Das wäre mit einem 100 Jahre alten Film genauso passiert.

    Und natürlich passiert das auch wirklich, siehe die aufwändigen Rekonstruktionen von Filmen wie Metropolis oder von alten Büchern.

    Der große Vorteil der Digitalität ist, dass sich mit quasi null Aufwand die Daten vom veralteten Datenträger auf das neueste Medium übertragen lassen.
    Und das zeigt sich auch in der Praxis: Fast keiner würde sich die Mühe machen, alte VHS-Kassetten umzukopieren - zu aufwändig.
    Aber niemand würde, sobald er einen neuen Computer kauft, die alten Videos oder Fotos zusammen mit dem alten Computer untergehen lassen. Man kopiert sie rüber, fertig.

    (Mal ganz abgesehen davon, dass ich sehr gut auch ohne Fotos von irgendwelchen Urgroßeltern leben kann.)

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