Ein Zauberer in Aktion © Blizzard

Als am vergangenen Dienstag der dritte Teil des Action-Rollenspiels Diablo erschien, brauchten die Fans Geduld: Die Last auf den Servern des Herstellers Blizzard war zu hoch, viele kamen nicht ins Spiel. Denn um Schummeleien vorzubeugen, benötigt Diablo III eine ständige Internetverbindung zu eben diesen Servern. Zu Recht fühlen sich einige Spieler dadurch gegängelt. Schließlich können sie nur dann spielen, wenn Blizzard gerade keine Wartungsarbeiten durchführt. Trotzdem war der Ansturm wie gesagt groß. Immerhin zwölf Jahre dauerte das Warten auf den Nachfolger von Diablo II , dem wohl bekanntesten Hack-&-Slay-Titel .

Das Prinzip dieses Genres ist denkbar einfach: Klicke so schnell wie möglich auf so viele Monster wie möglich, sammle die dabei abfallenden Gegenstände ein, wiederhole das Ganze. Das klingt beknackt und ist es irgendwie auch. Doch macht der in Pixel verpackte Orthopäden-Alptraum tatsächlich Spaß.

Viel wurde seit der Ankündigung 2008 über Diablo III spekuliert. Schafft es Blizzard, das erfolgreiche Rezept beizubehalten und gleichzeitig Neues zu bieten? Fans der Serie analysierten jeden neuen Screenshot und jedes Interview. In einer Petition forderten sie gar eine Überarbeitung der Grafik – ihnen war das Spiel zu bunt und nicht düster genug. Die Entwickler ließen sich davon nicht beirren und brachten ein typisches Blizzard-Spiel heraus: Diablo III bietet ein bewährtes Spielprinzip, behutsam angepasst.

Was nicht bedeutet, dass es nicht die ein oder andere Neuerung gibt.

Dünne Story, massig Monster

Etwa die Charakterklassen. Mit Ausnahme des Barbaren hat Blizzard alle Klassen des Vorgängers ausgemistet. Statt des Paladins gibt es nun einen Mönch, statt des Totenbeschwörers einen Hexendoktor. Alle Charaktere spielen sich sehr unterschiedlich, was die Entscheidung schwer macht. Hat der Spieler aber einmal seine Klasse gewählt, findet er sich in der aus den Vorgängern bekannten Spielwelt Sanctuary wieder.

Blizzard hat versucht, die Story aufzufrischen. Die Erzählung ergibt sich jedoch vor allem aus mehr oder weniger optionalen Dialogen: Es geht um Gut gegen Böse, der Held muss die Welt retten, wird dabei einige Male betrogen und steht am Ende – nun bereits zum dritten Mal – Diablo persönlich gegenüber. Wer ihn besiegt, schaltet den nächsten Schwierigkeitsgrad frei oder beginnt mit einem neuen Charakter von vorne. Als Geschichte ist das mäßig spannend und den meisten Spielern werden wohl allein die wenigen, aber imposanten Zwischensequenzen in Erinnerung bleiben.

Glücklicherweise benötigen die Fans der Serie keine packende Story, sondern vor allem Gegner, und davon möglichst viele. Davon gibt es am meisten für jene, die mit bis zu drei Freunden im Multiplayermodus spielen. Zwar ist Diablo III auch als Einzelspieler zufriedenstellend. Den größten Reiz entfaltet es aber, wenn man die Klickorgie gemeinsam kommentieren, bestaunen und verfluchen kann. Dann wird aus dem Vorsatz "nur noch einem kurzen Abschnitt" schnell eine viele Stunden lange Spielzeit.

Die ewige Suche nach Belohnung

Verantwortlich dafür ist vor allem das erstaunlich effektive Belohnungssystem. An jeder Ecke gibt es neue Ausrüstung und der Spieler ist versucht, seinen Charakter möglichst ideal auszustatten: Nehme ich die magische Armbrust, die mir noch 100 Lebenspunkte zusätzlich gibt, oder doch lieber die Nahkampf-Kombination aus Schwert und Schild? Letztlich verbringen die meisten Diablo -Spieler ähnlich viel Zeit mit ihrem Inventar wie mit Kämpfen. Denn der Inventarplatz ist begrenzt und Gegenstände gibt es überall. Tausende individuelle Waffen, Rüstungen, Ringe und Amulette verspricht Blizzard.

Nicht benötigte Gegenstände lassen sich an die Händler im Spiel gegen Gold verkaufen, oder können später in dem derzeit noch nicht geöffneten Auktionshaus anderen Spielern angeboten werden. Alternativ lassen sich Gegenstände auch zerlegen und können von einem Schmied in neue Ausrüstung umgewandelt werden – wenn man ihn vorher ausreichend ausgebildet hat.

Zweimal spielen lohnt sich

Die wohl größte Änderung im Vergleich zum Vorgänger ist das Fertigkeiten-System. Bislang musste der Spieler zu Beginn bestimmte Talente wählen und diese dann kontinuierlich ausbauen. In Teil drei gibt es solche Spezialisierungen nicht mehr. Stattdessen schaltet man mit jedem neuen Level zusätzliche Fähigkeiten wie Zauber oder Angriffe frei. Diese lassen sich anschließend durch sogenannte Runen weiter ergänzen und jederzeit ändern. Dadurch entfällt der klassische Talentbaum und damit der Anfängerfehler, seine Fertigkeiten zu breit zu streuen.

Diese Entscheidung Blizzards spaltet die Spieler. Einige sagen, damit komme Individualität abhanden und das System sei zu einschränkend. Andere loben die Kreativität der Entwickler und die Möglichkeit, die eigene Spielweise immer wieder zu ändern und spontan anzupassen. Gelegenheit dazu gibt es reichlich: Nach dem ersten Durchgang dürften die meisten Spieler ungefähr Level 30 haben – von insgesamt 60. Das spornt für einen zweiten Durchmarsch an.

Tatsächlich sind es neben der Masse an Gegnern und Ausrüstung eben diese Charakterentwicklungen, die das Spiel auch beim zweiten oder dritten Durchlauf noch abwechslungsreich machen. Der Barbar etwa stürzt sich mit Kampfschreien ins Getümmel und setzt die Erde in Brand, der Hexendoktor lässt Frösche regnen, der Zauberer wahlweise Frost oder Meteorriten auf die Gegnerhorden prasseln.

All das ist durchaus ansehnlich. Zwar gewinnt Diablo III bestimmt keinen Preis für bahnbrechende Grafik. Doch die Umgebungen sind liebevoll gezeichnet, die Lichteffekte grandios und die Stimmung ebenso morbide wie humorvoll. Zudem ist die Umwelt lebendiger: Gegner krabbeln von der Decke und hinter Wänden hervor, die Umgebung lässt sich zertrümmern und bisweilen lassen sich Gegner durch Fallen wie herunterkrachende Kronleuchter beseitigen.

Die bunte Optik mag den ein oder anderen Fan zunächst abschrecken. Doch wer das Spielprinzip aus Sammelwut und Klickfest in den vergangenen beiden Teilen mochte, wird auch an Diablo III seinen Spaß haben. Jedenfalls solange die Server funktionieren.