Mobile GamesSmartphones als Testfeld für Spiele

Bislang erschienen große Games später auch als Mobilversion. Nun arbeiten Entwickler umgekehrt und bringen erfolgreiche Mobilspiele auf PC und Mac. von 

Szene aus der iPad-Version des Games "Waking Mars"

Szene aus der iPad-Version des Games "Waking Mars"  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

Die Hemmschwelle ist denkbar niedrig, das nächste Spiel im Nu auf dem Smartphone: Gerade mal 79 Cent kosten Titel wie Angry Birds , Cut the Rope und Fruit Ninja im App Store, und sie verkaufen sich millionenfach. Im Meer der Gratis- und Billig-Apps fallen höhere Preise eher unangenehm auf. Das unabhängige Entwicklerstudio Tigerstyle Games ließ sich davon nicht abschrecken: Waking Mars , ein Forschungsabenteuer auf dem Roten Planeten, kostete in den ersten zwei Monaten 4,99 Dollar. Dennoch verkaufte sich das Spiel in diesem Zeitraum rund 44.000 Mal, wie die Entwickler auf ihrer Website offenlegen .

Der vergleichsweise hohe Preis ist nicht die einzige Besonderheit des Games. Aus Sicht der Entwickler hat sich die Spielidee bewährt: Noch 2012 wird Waking Mars für PC, Mac und Linux erscheinen .

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Tigerstyle Games ist nicht das einzige Studio, das Smartphones als Experimentierplattform nutzt. Auch andere Indie-Firmen veröffentlichen zunächst für iOS und Android. Wenn die Spiele dann Erfolg haben, werden sie auf andere Plattformen portiert. Die Superbrothers etwa brachten 2011 Sword & Sworcery EP auf iPhone und iPad. Nachdem das Pixel-Abenteuer geradezu hymnische Rezensionen eingefahren hatte , wurde es im April 2012 auch für PC veröffentlicht.

Bislang vor allem von Groß nach Klein

Ähnlich ging das Indie-Studio Red Wasp Design vor: Die iOS-Version des Rollenspiels Call of Cthulhu: The Wasted Land erschien im Januar, die PC-Fassung folgte im März . "Die rundenbasierten Taktiken sollten tatsächlich besser zum PC passen", schrieb das Gamesblog Rockpapershotgun in Erwartung des Spiels , "auf dem kleinen Smartphone-Touchscreen war die Anwahl von Einheiten und Zielen etwas problematisch."

Der Weg vom Smartphone auf den PC ist bislang vergleichsweise selten: Er war bis jetzt vor allem Bestsellern wie Angry Birds oder Flight Control vorbehalten. Große Firmen wie Electronic Arts oder Ubisoft wählen meist die umgekehrte Richtung: Sie nehmen Franchises wie Fifa oder Splinter Cell , die auf PC und Heimkonsole bekannt geworden sind, um sie dann als Mobile Games herauszubringen.

Viele große Spielemarken werden inzwischen auch zeitgleich auf allen verfügbaren Plattformen veröffentlicht. Auch Indie-Hits wie Minecraft oder Osmos debütierten auf dem PC, ehe sie als Smartphone-Apps ihren Siegeszug fortsetzten.

Dass Entwickler wie Superbrothers oder Red Wasp Design anders vorgehen, hat nachvollziehbare Gründe. "Die Einstiegshürde ist bei iOS extrem niedrig, und es gibt nur einen bedeutenden Distributionskanal für ein überschaubares Hardware-Set", sagt David Kalina von Tigerstyle Games. "Dagegen muss die Spieleproduktion für PC und Mac eine sehr viel größere Bandbreite an Hardware, Bildschirmauflösungen und Eingabegeräten abdecken."

Auch Marek Plichta vom Berliner Entwicklerstudio Spaces of Play sieht Indie-Projekte für iOS und Android im Vorteil: "Auf anderen Plattformen ist man mehr auf die Gunst großer Distributoren angewiesen." Plichta meint damit zum Beispiel die Vertriebsplattform Steam , deren Betreiber Valve für seine anspruchsvolle Zulassungspolitik bekannt ist.

Zwar gibt es für den PC eine Reihe von Indie-freundlichen Plattformen , diese erreichen aber weitaus weniger Spieler als Steam. Auch sogenannte Indie Bundles sind nicht der Königsweg: Mit ins Paket kommen nur Titel, die schon eine gewisse Bekanntheit erlangt haben, Abertausende Projekte bleiben außen vor.

Ein Erfolg im App Store kann Indie-Spielen also den Weg auf andere Plattformen ebnen. Der PC ist für Spieleanbieter dabei nach wie vor attraktiv, auch wenn ihm schon lange prophezeit wird, das Rennen gegen Tablet-Computer zu verlieren: Zumindest in Deutschland liegen PC-Spiele mit 34 Prozent Marktanteil immer noch ganz vorne. Für Indie-Entwickler, die erfolgreich auf Smartphones und Tablets veröffentlichen, bieten PC und Konsolen außerdem die Chance der "Zweitverwertung".

Manche Games profitieren vom großen Bildschirm

Auch aus Spielersicht ist die Entwicklung zu begrüßen: Manche Games kommen am großen Bildschirm deutlich besser zur Geltung, zum Beispiel kleinteilige Strategie- und Rollenspiele.

Für die Entwickler bedeutet eine Portierung allerdings hohen Aufwand. "Wir haben alle Grafiken in der doppelten Auflösung per Hand neu gezeichnet", sagt Marek Plichta. "Außerdem unterstützen wir Mac-spezifische Features wie Mission Control und haben die Steuerung für Maus, Tastatur und Tochpad optimiert."

Die Spielerfahrung wird auf PC eine andere sein, sagt auch David Kalina von Tigerstyle. In der Smartphone-Fassung von Waking Mars funktioniert die Inventarauswahl elegant per Touchscreen, auf dem PC wird sie durch Maus und Tastatur ersetzt – was nicht unbedingt ein Nachteil ist, wenn der Spieler sich auf die gefahrvolle Umgebung konzentrieren muss .

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Leserkommentare
  1. ...hatte ich beim stöbern mal geschaut, ob es so gute und durchdachte Spieler der Anfangszeit wie auf dem Amiga oder C64 gibt. Diese Geräte wären prädestiniert für Strategiespiele, Handelssimulationen oder Adventures.

    Nicht einmal ein einfache Panzer General gibt es. Dafür unendliche Games, die für das Weiterkommen eine Kreditkarte benötigen. So wird das nichts...

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    • Rend
    • 11. Mai 2012 10:12 Uhr

    Also ich habe kein Smartphone oder dergleichen, deswegen kann ich jetzt nur spekulieren, aber kann man sich nicht einfach einen Emulator wie zb. Dosbox auf das Gerät schmeissen, und schon kann man Monkey Island, Dune2, Battle Isle, Civilization, Sim City oder sonst was drauf spielen?

    • FabMax
    • 11. Mai 2012 23:38 Uhr

    ...kann ich Ihnen leider nicht bieten. Dafür aber den zweiten Teil: http://www.gog.com/en/gamecard/panzer_general_2

    Und das ganz ohne DRM!

    • Rend
    • 11. Mai 2012 10:12 Uhr

    Also ich habe kein Smartphone oder dergleichen, deswegen kann ich jetzt nur spekulieren, aber kann man sich nicht einfach einen Emulator wie zb. Dosbox auf das Gerät schmeissen, und schon kann man Monkey Island, Dune2, Battle Isle, Civilization, Sim City oder sonst was drauf spielen?

    • jalie
    • 11. Mai 2012 11:20 Uhr

    > Bislang erschienen große Games später auch als
    > Mobilversion. Nun arbeiten Entwickler umgekehrt
    > und bringen erfolgreiche Mobilspiele auf PC und Mac.

    Werden diese laut dem Artikel nicht erst auf mobile-Plattformen gebracht?

    • FabMax
    • 11. Mai 2012 23:38 Uhr

    ...kann ich Ihnen leider nicht bieten. Dafür aber den zweiten Teil: http://www.gog.com/en/gamecard/panzer_general_2

    Und das ganz ohne DRM!

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