VideoWenn das Spiel "Portal" auf die Wirklichkeit trifft

Was ließe sich mit einer Portal-Kanone aus dem gleichnamigen Kultgame anstellen? Jason Craft zeigt es in einem spaßigen Video, an dem er zwei Jahre lang gearbeitet hat. von 

Szene aus Jason Crafts Video "P0rtal: Terminal Velocity"

Szene aus Jason Crafts Video "P0rtal: Terminal Velocity"  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

Jason Craft hat sich eine Portal -Kanone gebastelt und teleportiert sich und seine Freunde damit munter durch sein Haus. Das ist, grob zusammengefasst, die Handlung eines Videos, mit dem Craft derzeit Gamer und vor allem Fans von Portal und Portal 2 begeistert. Denn der amerikanische Experte für Computergrafik hat es geschafft, die Optik der Kult-Games in die reale Welt herüberzuholen.

P0rtal: Terminal Velocity hat Craft sein Werk genannt. Zwei Jahre hat es ihn gekostet, bis das Video fertig war. In einer E-Mail an ZEIT ONLINE schreibt der 30-Jährige aus Minnesota: "Ich habe im Mai 2010 damit angefangen und jeden Abend etwa zwei bis drei Stunden daran gearbeitet." Herausgekommen ist ein etwa dreieinhalbminütiger Spaß nach dem Portal-Prinzip: Der erste Schuss aus der Kanone öffnet ein Tor, durch das man hindurchgehen kann. Der zweite öffnet das Tor, aus dem man wieder herauskommt. Richtung und Geschwindigkeit bleiben dabei erhalten.

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Im Spiel muss die Protagonistin Chell auf diese Weise Hindernisse überwinden und Distanzen zurücklegen. In Crafts Video treiben ein paar Jungs Schabernack mit dem Gerät, indem sie sich gegenseitig durch die Portale jagen.

Craft und seine Freunde sind wahrlich keine Schauspielprofis. Das Video lebt vor allem von den Effekten. Die Portal-Kanone etwa ist dem "Aperture Science Handheld Portal Device" aus den Spielen nachempfunden und komplett am Computer entstanden . Das gilt auch für die blau und rot leuchtenden Portale, durch die Craft und seine Freunde sich gegenseitig schicken.

Witzig ist vor allem das Spiel mit den Ebenen: Wenn die Darsteller in ein Eingangsportal sehen, schauen aus dem Ausgangsportal heraus – und erblicken dabei mitunter ihren eigenen Hinterkopf.

"Was mir am meisten Schwierigkeiten bereitet hat", schreibt Craft, "war das Aneinanderschneiden des Materials, so dass es aussieht, als ob alles in einer einzigen Aufnahme entstanden ist. Es sind eigentlich zehn Szenen. Jedes Mal, wenn wir in ein Portal herein- und herausschauen, durch eines hindurchfallen oder das Haus verlassen, ist das eine neue Aufnahme."

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

"Manchmal stand ich kurz davor aufzugeben", schreibt Craft. "Es war schwierig, auch nach so langer Zeit motiviert zu bleiben und immer weiter daran zu arbeiten." Die Anstrengung hat sich aber gelohnt. Bei YouTube haben sich in den vergangenen vier Tagen eine halbe Million Menschen sein Video angesehen.

Ein Jobangebot hat Craft daraufhin aber noch nicht bekommen. "Überraschenderweise habe ich nur ein paar Angebote für eine freie Mitarbeit bekommen", schreibt er. Aber das Projekt sei auch eher als Spaß und Herausforderung gedacht. Denn Craft hat einen Vollzeitjob. Er arbeitet bei einer Firma namens Ghost Productions, wo er animierte Videos über den Einsatz neuer medizinischer Geräte und chirurgischer Techniken erstellt.

Videos, in denen Games in die reale Welt übertragen werden, gibt es im Internet haufenweise. Von Mario -Parodien bis zu nachgespielten Counterstrike -Szenen ist alles dabei. Freddie Wong etwa ist mit seinen Videos zum YouTube-Star geworden . Und auch Portal ist schon früher verarbeitet worden – allerdings nicht ganz so lustig wie von Jason Craft.

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Leserkommentare
  1. Das Video ist gut gemacht und mir gefällt die Idee, ein Spiel in die Realität zu bertragen. Aber warum der Protagonist sich dupiziert hat ist mir ein Rätsel und wiederspricht auch der portal Logik des Spiels.

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    Aber warum der Protagonist sich dupiziert hat ist mir ein Rätsel und wiederspricht auch der portal Logik des Spiels.

    Die Duplizierung hat doch gar nichts mit dem Portal zu tun. Es ist eher ein Gag nebenbei. Der Protagonist ist von Anfang an zwei Mal vorhanden, einmal als derjenige, der von der Kamera gefilmt wird und als derjenige, der die Kamera hält.

  2. ... wirklich gut umgesetzt. Klasse.

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  3. Wirklich beeindruckend und lustig. Da war offenkundig viel Herzblut im Spiel.
    Was man sich jetzt allerdings fragen sollte: Hat der gute Mr. Craft auch vorher die erforderlichen Rechte für die Nutzung von Marke, Logo, Design etc. beim Spielehersteller eingeholt? Oder etwa das geistige Eigentum einfach in seiner Alles-Umsonst-Mentalität mit Füßen getreten und einen strafwürdigen Verstoß begangen, für den er nach zwei Jahren Hobbyarbeit - nicht zu knapp - zur Kasse gebeten werden muss?

    2 Leserempfehlungen
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    es ist genau sowas, was mir tierisch auf den Geist geht. Ihre Frage mag vor dem Hintergrund entsprechender Vorfälle durchaus berechtigt sein, keine Frage. Aber alleine das wir SOWAS in diesem Kontext überhaupt diskutieren müssen zeigt mMn. sehr gut, wie bescheuert die Rechtslage überhaupt ist.

    Das hat NICHTS mit einer alles-umsonst-Mentalität zu tun, sondern ist lediglich ein sehr ambitioniertes Fanprojekt von jemandem, der wohl sehr viel Herzblut in die Entstehung des Videos gesteckt hat und darüber hinaus keinen wirklichen finanziellen Nutzen aus dem Video zieht (siehe Artikel).

    Aber alleine das wir in diesem Zusammenhang über sowas diskutieren müssen bzw. das irgendwer das überhaupt ansprechen muss (unabhängig davon ob passend oder nicht) ist wirklich bedenklich mMn. Nichts für ungut.

    Wenn die Welt voll wäre mit Menschen die eine Alles-Muss-Reglementiert-Sein-Mentalität hegen, dann müsste ich ihnen zustimmen. Zum Glück muss ich das nicht.

    Valve (der Portal-Hersteller und Rechteinhaber) hat sich bisher immer sehr großzügig bei solchen Fanprojekten gezeigt und wird es vermutlich auch diesmal sein. Würde mich nicht wundern wenn die über Twitter oder ähnliches sogar Werbung dafür machen.

    Außerdem, was heißt hier Alles-umsonst? Umsonst war die viele Arbeitszeit sicherlich nicht und wie schon erwähnt, trägt er keinen finanziellen Nutzen davon.

  4. Das Video war echt klasse gemacht. Hab ich gleich noch weiter verbreitet :-D

    Auch vielen Dank an Herrn Beuth, der eigentlich immer recht interessante und gut geschriebene Beiträge auf Zeit-Online veröffentlicht.

  5. es ist genau sowas, was mir tierisch auf den Geist geht. Ihre Frage mag vor dem Hintergrund entsprechender Vorfälle durchaus berechtigt sein, keine Frage. Aber alleine das wir SOWAS in diesem Kontext überhaupt diskutieren müssen zeigt mMn. sehr gut, wie bescheuert die Rechtslage überhaupt ist.

    Das hat NICHTS mit einer alles-umsonst-Mentalität zu tun, sondern ist lediglich ein sehr ambitioniertes Fanprojekt von jemandem, der wohl sehr viel Herzblut in die Entstehung des Videos gesteckt hat und darüber hinaus keinen wirklichen finanziellen Nutzen aus dem Video zieht (siehe Artikel).

    Aber alleine das wir in diesem Zusammenhang über sowas diskutieren müssen bzw. das irgendwer das überhaupt ansprechen muss (unabhängig davon ob passend oder nicht) ist wirklich bedenklich mMn. Nichts für ungut.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nicht ungefährlich"
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    ...dass es Ihnen - wie so vielen so oft im Internet - nicht gelingt, die Ironie des Beitrages zu erkennen.

  6. Wenn die Welt voll wäre mit Menschen die eine Alles-Muss-Reglementiert-Sein-Mentalität hegen, dann müsste ich ihnen zustimmen. Zum Glück muss ich das nicht.

    Valve (der Portal-Hersteller und Rechteinhaber) hat sich bisher immer sehr großzügig bei solchen Fanprojekten gezeigt und wird es vermutlich auch diesmal sein. Würde mich nicht wundern wenn die über Twitter oder ähnliches sogar Werbung dafür machen.

    Außerdem, was heißt hier Alles-umsonst? Umsonst war die viele Arbeitszeit sicherlich nicht und wie schon erwähnt, trägt er keinen finanziellen Nutzen davon.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nicht ungefährlich"
  7. Yep, Valve hat es bereits auf der facebook Seite von Portal gepostet.

  8. wenn auch noch ein Stück professioneller produziert:

    http://www.youtube.com/wa...

    Wurde übrigens von Valve auch überall gepostet.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Computer | Minnesota | Video
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