Für eine erste Ehrung kommt Spec Ops: The Line , das neue Computerspiel von Yager Development aus Berlin , knapp zwei Monate zu spät. Ende April wurde der deutsche Computerspielpreis für das beste Game 2012 an einen Egoshooter vergeben. Die Entscheidung sollte weniger die kulturelle Bedeutung des Spiels hervorheben, als vielmehr ein Zeichen gegen politisch motivierte Bevormundung setzen. Computerspiele sind schließlich auch Erwachsenenunterhaltung. Und die darf durchaus auch mal heftiger ausfallen.

Doch weil der Preisträger ein "Killerspiel" Made in Germany war, führte das in der Politik sofort zu Debatten um den Preis selbst . Dabei war nicht das Spiel das Problem. Das auserkorene Crysis 2 ist unter rein technischen Gesichtspunkten durchaus preiswürdig. Das eigentliche Problem ist, dass es ihm hierzulande an Konkurrenz mangelt. In Deutschland werden große Actiongames praktisch nicht entwickelt. Bis jetzt.

Auch wenn die bloße Spielmechanik oder der Mehrspielermodus von Spec Ops: The Line nicht absolutes Topniveau erreichen, so glänzt der Shooter doch in einem Bereich, in dem viele andere massiv schwächeln: bei der Erzählweise. Spec Ops thematisiert Dinge, die bei anderen Genrevertretern zugunsten der leichteren Konsumierbarkeit gern ausgeblendet werden.

Referenzobjekt "Apokalypse Now"

Zugegeben, bereits eine nicht vollkommen unkritische Haltung zu Imperialismus und Krieg und bereits ein vages Hinterfragen des Gut-Böse-Schemas gilt bei Shootern als Alleinstellungsmerkmal. Und Spec Ops: The Line ist weiß Gott auch nicht subtil. Doch gelingt es ihm, den Spieler mit seinen Handlungen und mit den Folgen des Krieges zu konfrontieren.

Computerspiele - Hinter den Kulissen – So entsteht ein Shooter Im Sommer veröffentlichen die Berliner Computerspiel-Entwickler YAGER ihren neuen Shooter "Spec Ops". Wir haben den Game-Spezialisten über die Schulter geschaut.

Als Referenzobjekt diente den Machern deswegen auch kein Konkurrenzprodukt, sondern Francis Ford Coppolas Vietnam-Kriegs-Film Apocalypse Now . Ebenso wie dieser handelt auch Spec Ops: The Line von einer Reise in das Herz der Finsternis des Krieges und von der Frage nach dem Sinn des eigenen Tuns.

Captain Martin Walker soll mit zwei Kameraden in einem durch heftige Sandstürme verwüsteten Dubai nach Überlebenden suchen. Als Anhaltspunkt dient ein aufgefangenes Funksignal des einst mit Walker in Afghanistan dienenden Colonel Konrad. Dessen 33. Kompanie, die ursprünglich bei der Evakuierung der Stadt helfen sollte, hält in der prachtvollen Ruine die Stellung und ist in einen unübersichtlichen Kleinkrieg mit mindestens einer weiteren Partei verstrickt.

Die drei Soldaten glauben anfangs, bei einem notwendigen Einsatz zur Evakuierung zu helfen, entdecken jedoch nach und nach, dass es um ein Massaker an der Zivilbevölkerung geht.