Spec Ops – The LineTöten soll keinen Spaß machen

Der deutsche Shooter "Spec Ops: The Line" will das Töten erschweren. Der Spieler soll sich angesichts des Wahnsinns des Krieges selbst hinterfragen – was funktioniert. von Tim Rittmann

Die drei Hauptfiguren geraten in Streit. Szene aus "Spec Ops: The Line"

Die drei Hauptfiguren geraten in Streit. Szene aus "Spec Ops: The Line"  |  © 2K Games

Für eine erste Ehrung kommt Spec Ops: The Line , das neue Computerspiel von Yager Development aus Berlin , knapp zwei Monate zu spät. Ende April wurde der deutsche Computerspielpreis für das beste Game 2012 an einen Egoshooter vergeben. Die Entscheidung sollte weniger die kulturelle Bedeutung des Spiels hervorheben, als vielmehr ein Zeichen gegen politisch motivierte Bevormundung setzen. Computerspiele sind schließlich auch Erwachsenenunterhaltung. Und die darf durchaus auch mal heftiger ausfallen.

Doch weil der Preisträger ein "Killerspiel" Made in Germany war, führte das in der Politik sofort zu Debatten um den Preis selbst . Dabei war nicht das Spiel das Problem. Das auserkorene Crysis 2 ist unter rein technischen Gesichtspunkten durchaus preiswürdig. Das eigentliche Problem ist, dass es ihm hierzulande an Konkurrenz mangelt. In Deutschland werden große Actiongames praktisch nicht entwickelt. Bis jetzt.

Anzeige

Auch wenn die bloße Spielmechanik oder der Mehrspielermodus von Spec Ops: The Line nicht absolutes Topniveau erreichen, so glänzt der Shooter doch in einem Bereich, in dem viele andere massiv schwächeln: bei der Erzählweise. Spec Ops thematisiert Dinge, die bei anderen Genrevertretern zugunsten der leichteren Konsumierbarkeit gern ausgeblendet werden.

Referenzobjekt "Apokalypse Now"

Zugegeben, bereits eine nicht vollkommen unkritische Haltung zu Imperialismus und Krieg und bereits ein vages Hinterfragen des Gut-Böse-Schemas gilt bei Shootern als Alleinstellungsmerkmal. Und Spec Ops: The Line ist weiß Gott auch nicht subtil. Doch gelingt es ihm, den Spieler mit seinen Handlungen und mit den Folgen des Krieges zu konfrontieren.

Als Referenzobjekt diente den Machern deswegen auch kein Konkurrenzprodukt, sondern Francis Ford Coppolas Vietnam-Kriegs-Film Apocalypse Now . Ebenso wie dieser handelt auch Spec Ops: The Line von einer Reise in das Herz der Finsternis des Krieges und von der Frage nach dem Sinn des eigenen Tuns.

Captain Martin Walker soll mit zwei Kameraden in einem durch heftige Sandstürme verwüsteten Dubai nach Überlebenden suchen. Als Anhaltspunkt dient ein aufgefangenes Funksignal des einst mit Walker in Afghanistan dienenden Colonel Konrad. Dessen 33. Kompanie, die ursprünglich bei der Evakuierung der Stadt helfen sollte, hält in der prachtvollen Ruine die Stellung und ist in einen unübersichtlichen Kleinkrieg mit mindestens einer weiteren Partei verstrickt.

Die drei Soldaten glauben anfangs, bei einem notwendigen Einsatz zur Evakuierung zu helfen, entdecken jedoch nach und nach, dass es um ein Massaker an der Zivilbevölkerung geht.

Leserkommentare
  1. So lange Spielen vom Konsumenten noch immer mehrheitlich mit dem Ziel der Unterhaltung und nicht der moralischen Selbstreflexion verbunden wird, landen solche Titel schnell auf dem Restetisch - oder in der Schublade des Spielers, wenn 'die Botschaft' angekommen ist und er sich wie von Yager beabsichtigt 'schlecht fühlt'.
    Ob sich zahlende Spieler das oberlehrerhafte 'Zum-Hinsehen-gezwungen' bei gleichzeitig vergleichsweise schlechterer Grafik gefallen lassen? Dann doch lieber gleich 'MyFarm' als ein Shooter mit Pseudomoral - denn 'eliminieren' ist ja trotzdem noch Teil der Spieltaktik!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es wird schon nicht um lernen gehen. Die Idee einen Krieg möglichs "Real" zu machen um abschrekend zu wirken ist doch nun schon wirklihc in allen "Kriegsfilnen" Verwirklich worden.

    Man nannte es "Anitkriegsfilm" wie Full-Metal-Jaket und wunderte sich das die Kinder den Film cool fanden und das Rumballern noch cooler.

    Man sah auch was das letzt Versprechen eines spieles was ne Spieler vor SChwere Wahlmöglichkeiten stellen wollte Mass-Effect-3 an ende daraus gemacht hat. "Wähle die Farber der Endexplosion"

    So wird auch hie der Mitspieler natürlich nach den tollen moralischen Sätzen weiter siesen und ndicht etwa den Spiler aufhalten wenn ihn das alles komplet egal ist.

    Spiele die sich hinterfragten gab es schon, aber waren ebend nicht beligt weil sie schon beim töten eines Zivilistens den Level als Gescheitert erklärten udn den spieler so zwangen ebend nicht auf sie zu schiessen. Nun kkomt also eine kleine Sprachsene wo hinterfragt wird was grad passert und weiter gehts......

    die entwiklung der Spiele hinkt denen des Films nch etwas hinterher so das die Anitkriegsspiele erst langsam auf den Markt kommen, und man dann auch erst feststellen muss das sie ebend auch nur Kriegsspiele sind.

    Wie im film gad es die Anti Spiele aber die Gesellschaft wollte sie nicht, wie z.b. das Mauer-spiel mit den todessützen an der DDr Grentze.

  2. Was soll der Schwachsinn mit den "Killerspielen"? Niemand wird durch sowas aggressiv. Es macht einfach nur Spass.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Effbeh
    • 30. Juni 2012 9:57 Uhr

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

    • Effbeh
    • 30. Juni 2012 9:57 Uhr

    hoffe das Konzept gute Geschichten zu erzählen setzt sich durch

    ... von "Hinterfragen" die Rede. Hinterfragen Sie doch mal Ihren "Spaß", nur so zum Spaß.

    Steht auch nirgends im Text, dass diese Spiele aggressiv machen sollen.

    Oder ist das Ihre Standardantwort?

  3. Ich spiele Fear, weil es nicht mit so aufgedunsenen Schnickschnack aufwartet.
    Ich kauf mir keine Games, nur um was neues auszuprobieren. Viele Games über-reizen , dass man immer was neues haben muss, anstatt etwas alt gediegenes in frischen Sound und Atmosphäre macht.
    "Multiplayer FEAR " ist zig besser als Counterstrike, Call of duty (2) oder andere, aber kaum noch gibt es Spieler für Fear.
    Auch weil dort die Software (blöde CD Keys) Probleme macht: dabei ist das Programm mittlerweile Freeware. Da zeigt sich, was für ein Unfug (Spielzerstörung) dieses Urheberrechtgedönse leisten kann.

    Ich spiele Egoshooter, als Kind habe ich mit Plastik-Soldaten gespielt. Ich bin Linkswähler und lehne Gewalt .

    Ich kam in diese Welt, und fand Spiele, die in der Realität von anderen gespielt wurden. Die Spielwelt spiegelt nur die Realität der Anderen. und wenn die anderen mit ihrem Spiegel nicht klar kommen, den die Computerwelt ihnen vorhält, müssen sie nicht den Spiegel, sondern die verdammte Realität ändern.

    Warum Egoshooter und nicht Schach? Es ist ein Spiel, in der es um Kontrolle geht. Man kann erschiessen, oder wird erschossen. Das Besondere dabei ist, wie man in Feinheiten das eine oder andere davon abhängig machen kann, wie man sich verhält. Deckung suchen zB
    Auch gibt es CTF, Capture the flag. Das ist wie Fussball (Teamwork) und ich spiele es nur. Andere Varianten (ballerei) find ich zu oberflächlich. da könnt ich auch flippern, ne?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... ist auch aggressiver Wettkampfsport ...

  4. Im Schach ist eine ganz andere Handlungsweise gefordert. Es ist eine andere Ebene, die des Denkens. Im Schach zu verlieen dauert einen ganzen Prozess lang (je nach Spiellänge). Bei einem Egoshooter steht man nach einem Fehler wieder auf (bis auf die Score , die verfestigt bleibt)=.

    Bei einem Egoshooter kommt es mehr auf Geschicklichkeit an, und es hat - für einen wie ich, der medial veranlagt ist - auch einen Reiz, indem man vorausahnt, wo es gefährlich ist, wo die Gegner sind, und wo das eigene Team.

  5. ...wenn ich durch eine computergenerierte Fanasiewelt gehe die von computergenerierten Fantasieleichen bevölkert ist?
    Es ist nicht real!!!!
    Allein die Annahme, ich als Spieler wüsste den Unterschied nicht, ist eine Beleidigung meines Intellekts.

    Wenn ich mich schlecht fühlen will brauche ich mir nur die Armen ansehen die bei der Tafel um Essen schlange stehen müssen, oder mir Nachrichten aus dem Nahen Osten ansehen.
    DAS ist REAL!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...übertreib nicht. Wenn du einen guten Film anschaust, fieberst du doch auch mit? Oder bei bei einem spannenden Buch? Auch alles nicht real.

    Nur weil die Realität oft Mist ist, muss man Kultur doch nicht links liegen lassen. Im Gegenteil, man kann sie für neue Eindrücke nutzen.

    in Spielen nicht auf die Handlung und Charaktere emotional reagierst haben entweder die Entwickler nicht ihren Job gemacht oder Du bist schlicht und ergreifend abgestumpft. Spiele wollen Reaktionen und Emotionen auslösen genauso wie Bücher, Filme, Musik....

    • Mavel
    • 29. Juni 2012 18:18 Uhr

    So etwas kann echt nur aus einer deutschen Produktion kommen...sollen wir jetzt alle ein schlechtes Gewissen bekommen, dass wir Ego-Shooter spielen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...aber wenn es gut genug ist, kann man neue Eindrücke vom Krieg durchleben, die man in der Realität lieber nicht direkt erfahren möchte. Ich finde das schon reizvoll. Die Ego-Shooter Ecke ist doch mittlerweile schon derart ausgenudelt, dass man sich freut, dass mal was neues kommt.

    ...diese Logik auf Filme und Bücher. Sollen diese immer nur Spaß machen? Nur Lachen, kein Weinen? Grübeln verboten? Hinterfragen ist typisch deutsch?
    Bitte konfrontiert uns doch nicht mit der Wirklichkeit?! Wir wollen Spaß?!

    Oje Oje...

    • Panic
    • 30. Juni 2012 21:39 Uhr

    es nicht wirklich verstanden, oder? Es geht nicht um die Diskussion des Ego-Shooters an sich, sondern explizit um den moralischen Interessenkonflikt in dem beschriebenen Spiel.

    cheers

  6. ...mit einer guten Story, was schon viel wert ist im Genre. Trotzdem wird der Anti-Kriegsaspekt aus meiner Sicht zu hoch gehangen. Auch im Beitrag oben wird kompetenter Weise der Blick nicht nur auf das Drumherum geworfen.Die meiste Zeit spielt sich Spec Ops wie ein ganz normaler Genrevertreter. Auf das Spiel als Shooter wird hier gut eingegangen:
    http://www.gameexperience...

    • Oyamat
    • 29. Juni 2012 18:40 Uhr

    Spiele für Leute, die die Bildschirm-Anzeige als nicht weiter problematisch ansehen, auch wenn dort Mord und Totschlag zu sehen sind, gibt's genug. Aber es gibt auch Spieler, die das schlichtweg nicht *mögen* - nicht aus moralischer Überheblichkeit heraus, nicht aus hehrem philosophischen Bla-Blupp, sondern einfach nur: NICHT MÖGEN. Aber dabei den Spielablauf und Spielhandlungen des Ego-Shooters eigentlich gar nicht so unattraktiv finden. Es gibt bisher relativ wenig Spiele für diese Zielgruppe.

    Aber nochmal: Es muß doch gar nicht drum gehen, Ego-Shooter-Spieler zu erziehen, oder moralische Zeigefinger hübsch zu verpacken. Es kann auch sein, daß es einfach andere Leute anspricht, eine Zielgruppe, die ziemlich klein ist, aber eben auch noch nicht viel findet, was ihre Wünsche erfüllt.

    Leute, die mit den "herkömmlichen" Ego-Shootern gut bedient sind, mögen bei diesen bleiben. Es ist alles in bester Ordnung. Aber es wäre nett, wenn sie die Dinge, die andere mögen, einfach auch stehenlassen könnten, statt sich vor Angst in die Hosen zu machen, man könnte sie "erziehen" wollen. Oder ist es einfach zu hart, daß es mal nicht um diese selbst geht? Daß man jemand nicht auf sie (also die Leute, die herkömmliche Ego-Shooter mögen) eingeht, sondern auf jemand anders (der etwas komplexere Wünsche hat)?

    MGv Oyamat

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Dubai | Evakuierung | Afghanistan | Berlin
Service