The Secret WorldWo Kanaldeckel den Weg zu den Illuminaten weisen

Das Onlinerollenspiel "The Secret World" überzeugt mit seiner Story und spannenden Solo-Abenteuern. Nur Fans des Mehrspielermodus kommen nicht auf ihre Kosten. von Peter Steinlechner

Screenshot aus "The Secret World"

Screenshot aus "The Secret World"  |  © Funcom

Die Morgensonne scheint, Vögel zwitschern fröhlich in den Bäumen, aber irgendetwas auf dem Weg zum Bäcker stimmt nicht. Die Nachbarn sind heute ein bisschen seltsam. Sie sehen so grau aus und haben irgendwie glasige Augen... Und sie essen keine Dinkelbrötchen, sondern haben gerade die Dackeldame Babsi verputzt. Und jetzt machen sie sich mit seltsamen Gebärden und Geräuschen auf den Weg, uns als Hauptgang folgen zu lassen. So ähnlich muss man sich die Welt von The Secret World für die überlebenden Bewohner vorstellen. In einst mehr oder weniger beschaulichen Städten und Dörfern beherrschen Zombies das Straßenbild, purzeln Werwölfe aus Dimensionslöchern, flattern Vampirhexen umher.

In dem Massively Multiplayer Online Role Playing Game (MMORPG) von Funcom ( Age of Conan ) ist es unsere Aufgabe, gegen das Böse zu kämpfen und für unsere Fraktion – zur Wahl stehen die Illuminati , Tempelritter oder Drachen – möglichst viel Macht zu gewinnen. Weitergehende Unterteilungen der Charaktere, etwa die gewohnten Klassen und Rassen, gibt es in The Secret World nicht. Nur das Aussehen und die Bekleidung unseres Avatars können wir selbst bestimmen.

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Die Startgebiete mitsamt einer interaktiven Traumsequenz und einer ersten Waffenausbildung absolvieren wir in etwas über einer Stunde. Ein hochrangiger Vertreter des Templerordens macht uns dann noch klar: "Sie sind nicht in eine dieser schrecklichen Dan-Brown-Schmonzetten geraten." Aber als wir dann im Städtchen Kingsmouth ankommen, wären wir das gerne. In der Hafenstadt herrscht nämlich blanker Horror.

In The Secret World landen die Vertreter von allen drei Fraktionen in Kingsmouth und absolvieren dort nahezu die gleichen Missionen. Das hat den Nachteil, dass der Aufbau eines Zweithelden genauso verläuft wie der erste Durchgang und sich dann wie eine Wiederholung anfühlt. Wer zum ersten Mal im nordamerikanischen Kingsmouth unterwegs ist, erlebt aber großes Action-, Horror- und Survivalkino, ebenso wie später in Ägypten und Transsylvanien. Danach soll es per Erweiterung weitergehen.

Fast überall in Kingsmouth können wir Missionen annehmen, um Erfahrungspunkte zu sammeln und der Haupthandlung zu folgen. In The Secret World gibt es nämlich eine große, durchgehende und interessant erzählte Story mit gut gemachten Zwischensequenzen. Es gibt aber auch viele kleine Aufgaben, und auch die sind in weiten Teilen spannender als das, was andere MMORPGs so bieten.

Zwar gibt es auch in The Secret World einige Quests, in denen wir etwa im Hafen eine bestimmte Anzahl von Untoten abservieren müssen, aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Es gibt sogar Detektivmissionen, in denen tatsächliche Knobelarbeit gefragt ist: Dann müssen wir ein Morsesignal dekodieren oder ein – echtes – Bibelzitat finden. Ursprünglich gedacht war, dass der Spieler so etwas mit dem direkt ins Spiel integrierten Internetbrowser recherchiert. Das wäre teils eine echte Herausforderung. Inzwischen ist es aber so, dass man nach Eingabe von ein paar Schlüsselworten meist auf Komplettlösungen von Spielemagazinen stößt, denen man die Ergebnisse ohne eigenes Nachdenken entnehmen kann. Wer dem widerstehen kann, hat vielleicht mehr vom Spiel.

Auf den ersten Blick nachteilig ist, dass der Spieler immer nur eine Hauptmission und drei Nebenmissionen aktiv halten kann. Das sonst in Onlinerollenspielen übliche Sammeln von Quests, die dann gleichzeitig in einem Durchgang zu absolviert werden können, entfällt also. Wer in Kingsmouth oder den späteren Gebieten mehr Missionen annimmt, muss sich in einem kleinen Menü entscheiden, welche andere Aufgabe er pausiert. Wobei das wiederum bedeutet, dass der Spieler die Quests direkt beim Auftraggeber neu annehmen muss – falls er noch weiß, wo der genau zu finden ist, was in den großen Gebieten schwierig sein kann.

Der große Vorteil: Durch die Konzentration auf meist sogar nur eine Mission kommt die Geschichte dahinter viel besser zur Geltung. Wir haben uns noch in keinem MMOPRG so sehr auf die kleinen, meist gut erzählten Storys eingelassen wie in The Secret World , wenn wir etwa im Auftrag des schrägen Dorfpfarrers Henry Hawthorne einer Spur der Illuminaten gefolgt sind – unter anderem, indem wir ihren Symbolen auf Kanaldeckeln nachgespürt haben.

Leserkommentare
  1. ... nach ziemlichen schrott aus. das gameplay wirkt nicht dynamisch und wenig einfallsreich. auch die story spricht mich nicht wirklich an. scheint mir wieder eines von vielen spielen zu sein, die einfach nur als geldmaschine zu dienen sollen. leider gehören zu dieser kategorie mittlerweile 90% der neuen spiele :(
    wie schön es wäre, mal wieder innovative giganten, wie Gothic 1&2, Fallout 3, Guildwars 1, oder Bioshock auf dem markt erscheinen zu sehen....
    aber naja, die moderne spielergeneration wurde ja leider zu so einem müll wie star wars the old republic und Rage erzogen...

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    Da liegen Sie meiner Meinung nach völig falsch! Vielleicht ist die Idee eher weniger MMORPG tauglich, aber es ist auf jeden Fall mal etwas Neues, ich würde es sogar innovativ nennen. Mit Rage und Star Wars mögen sie recht haben, beides Müll. Zeigt sich aber bei Rage an den Verkaufszahlen und bei Star Wars an der Entlassung der Entwickler. Die Gothic-Reihe ist keineswegs innovativ( alles geklaut von The Elder Scrolls)
    Verlieren Sie ihren Glauben nicht an die Spielergeneration.
    Es gibt auch Leute, welche weder The Old Republic gespielt haben noch Rage und auf ein Fallout 4 warten.

    • simlei
    • 19. Juli 2012 1:40 Uhr

    Bitte? Sie ignorieren das massenhafte Lob der guten Story und abwechslungsreichen Queste, und dass es schöne Zwischensequenzen hat -- und lassen es nach 2min Gameplay-Sequenz fallen?? Genau die gelobten Tugenden waren es, die Gothic 1 und 2 auszeichneten! Man man man.

    • hurt
    • 19. Juli 2012 8:31 Uhr

    Mich persönlich hat noch kein MMO überzeugt (auch nicht WoW). Das ganze macht immer den Eindruck, als wäre das Spiel nur Vehikel dazu, den Spieler zu einem Haufen Micropayments zu verleiten.

    Ich bin auch der Meinung, dass weiterhin ein paar ausgezeichnete Spiele entstehen. Neben der genannten Gothic- und Fallout-Reihe halte ich beispielsweise auch die Mass Effect-Trilogie für ziemlich großartig, und Anno 2070 halte ich für das bis jetzt stärkste Spiel aus der Reihe (von der ich sämtliche Teile kenne), und auch Portal 2 und Sins of a Solar Empire sollte man hier erwähnen, und natürlich das phantastische Skyrim. Hingegen verstehe ich den Hype um Bioshock überhaupt nicht, Rage hat mir dagegen relativ viel Spaß bereitet.

    Ärgerlich hingegen finde ich inzwischen, dass jeder Publisher seine eigene verpflichtende DRM- und Vertriebsplattform betreibt. Wenn man beispielsweise Anno 2070 auf Steam erworben hat und hierüber das Spiel starten möchte, öffnet sich nicht das Spiel, sondern Uplay, mit welchem man dann unter umständen (wenn das System ausnahmsweise einmal funktioniert) das Spiel selbst ausführen kann. Wenn man nach Feierabend für ein oder zwei Stunden "abschalten" möchte und dies durch ein nicht-funktionierendes Online-System verhindert wird, ist das schon sehr ärgerlich. Steam ist inzwischen wenigstens einigermaßen zuverlässig, was man von den Publisher-Systemen die ich kenne nicht behaupten kann.

  2. Da liegen Sie meiner Meinung nach völig falsch! Vielleicht ist die Idee eher weniger MMORPG tauglich, aber es ist auf jeden Fall mal etwas Neues, ich würde es sogar innovativ nennen. Mit Rage und Star Wars mögen sie recht haben, beides Müll. Zeigt sich aber bei Rage an den Verkaufszahlen und bei Star Wars an der Entlassung der Entwickler. Die Gothic-Reihe ist keineswegs innovativ( alles geklaut von The Elder Scrolls)
    Verlieren Sie ihren Glauben nicht an die Spielergeneration.
    Es gibt auch Leute, welche weder The Old Republic gespielt haben noch Rage und auf ein Fallout 4 warten.

    Antwort auf "sieht mir..."
    • simlei
    • 19. Juli 2012 1:40 Uhr
    3. Bitte?

    Bitte? Sie ignorieren das massenhafte Lob der guten Story und abwechslungsreichen Queste, und dass es schöne Zwischensequenzen hat -- und lassen es nach 2min Gameplay-Sequenz fallen?? Genau die gelobten Tugenden waren es, die Gothic 1 und 2 auszeichneten! Man man man.

    Antwort auf "sieht mir..."
    • hurt
    • 19. Juli 2012 8:31 Uhr

    Mich persönlich hat noch kein MMO überzeugt (auch nicht WoW). Das ganze macht immer den Eindruck, als wäre das Spiel nur Vehikel dazu, den Spieler zu einem Haufen Micropayments zu verleiten.

    Ich bin auch der Meinung, dass weiterhin ein paar ausgezeichnete Spiele entstehen. Neben der genannten Gothic- und Fallout-Reihe halte ich beispielsweise auch die Mass Effect-Trilogie für ziemlich großartig, und Anno 2070 halte ich für das bis jetzt stärkste Spiel aus der Reihe (von der ich sämtliche Teile kenne), und auch Portal 2 und Sins of a Solar Empire sollte man hier erwähnen, und natürlich das phantastische Skyrim. Hingegen verstehe ich den Hype um Bioshock überhaupt nicht, Rage hat mir dagegen relativ viel Spaß bereitet.

    Ärgerlich hingegen finde ich inzwischen, dass jeder Publisher seine eigene verpflichtende DRM- und Vertriebsplattform betreibt. Wenn man beispielsweise Anno 2070 auf Steam erworben hat und hierüber das Spiel starten möchte, öffnet sich nicht das Spiel, sondern Uplay, mit welchem man dann unter umständen (wenn das System ausnahmsweise einmal funktioniert) das Spiel selbst ausführen kann. Wenn man nach Feierabend für ein oder zwei Stunden "abschalten" möchte und dies durch ein nicht-funktionierendes Online-System verhindert wird, ist das schon sehr ärgerlich. Steam ist inzwischen wenigstens einigermaßen zuverlässig, was man von den Publisher-Systemen die ich kenne nicht behaupten kann.

    Antwort auf "sieht mir..."
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    • hurt
    • 19. Juli 2012 8:48 Uhr

    Die technische Qualität einiger Spiele hat mittlerweile auch ganz schön nachgelassen. Die Leute sollten sich einmal die Qualität eines so komplexen Spiels wie Baldurs Gate 2 ansehen, das Ding ist an Umfang wahrscheinlich bis heute kaum übertroffen, aber an gravierende Bugs kann ich mich nicht erinnern. Vermutlich wird einfach auf abschließende Tests teilweise verzichtet, um ein Spiel hinreichend schnell auf den Markt zu bekommen.

    Der These, dass Spiele Inhaltlich relativ schlecht geworden sind, kann ich mich jedenfalls nicht anschließen. Unkreative Spiele gibt es schon lange (das gefühlt 48. "Mortal Kombat" ist dann auch nicht mehr interessant). Und leider haben sich in den letzten Jahren viele Spielehersteller eher auf Multiplayer-Modi konzentriert und die Einzelspieler-Kampagnen vernachlässigt oder gekürzt (was beispielsweise in Homefront oder den Modern Warfare-Spielen einen traurigen Höhepunkt erreicht hat), aber das ein oder andere neue Spiel mit einer umfangreichen und packenden Einzelspieler-Kampagne kommt auch heute heraus.

    Vielmehr lässt finde ich das "drumherum" stark nach, also zum einen die erwähnten Online-Geschichten und zum Anderen die technische Qualität. Leider scheint das Eine mit dem Anderen nicht unbedingt zu korrelieren. Gothic 3 fand ich inhaltlich beispielsweise ziemlich gut, aber die technische Qualität _und_ die Kopierschutz-Geschichte war einfach sehr unschön.

    • hurt
    • 19. Juli 2012 8:48 Uhr

    Die technische Qualität einiger Spiele hat mittlerweile auch ganz schön nachgelassen. Die Leute sollten sich einmal die Qualität eines so komplexen Spiels wie Baldurs Gate 2 ansehen, das Ding ist an Umfang wahrscheinlich bis heute kaum übertroffen, aber an gravierende Bugs kann ich mich nicht erinnern. Vermutlich wird einfach auf abschließende Tests teilweise verzichtet, um ein Spiel hinreichend schnell auf den Markt zu bekommen.

    Der These, dass Spiele Inhaltlich relativ schlecht geworden sind, kann ich mich jedenfalls nicht anschließen. Unkreative Spiele gibt es schon lange (das gefühlt 48. "Mortal Kombat" ist dann auch nicht mehr interessant). Und leider haben sich in den letzten Jahren viele Spielehersteller eher auf Multiplayer-Modi konzentriert und die Einzelspieler-Kampagnen vernachlässigt oder gekürzt (was beispielsweise in Homefront oder den Modern Warfare-Spielen einen traurigen Höhepunkt erreicht hat), aber das ein oder andere neue Spiel mit einer umfangreichen und packenden Einzelspieler-Kampagne kommt auch heute heraus.

    Vielmehr lässt finde ich das "drumherum" stark nach, also zum einen die erwähnten Online-Geschichten und zum Anderen die technische Qualität. Leider scheint das Eine mit dem Anderen nicht unbedingt zu korrelieren. Gothic 3 fand ich inhaltlich beispielsweise ziemlich gut, aber die technische Qualität _und_ die Kopierschutz-Geschichte war einfach sehr unschön.

    Antwort auf "MMO und Müll"

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