"Liegt der Camper tot im Keller, war der Rusher wieder schneller; liegt der Rusher gleich daneben, war der Zweite noch am Leben." Jeder Counter-Strike -Spieler kennt diesen Spruch. Er beschreibt die beiden Spielertypen, die auf jedem der vielen Counter-Strike -Server anzutreffen sind. Es gibt die Camper, jene Spieler, die abwarten und mit Vorliebe in dunklen Ecken kauern, und die Rusher, die zu Beginn jeder Runde nach vorne stürmen. Beide treffen auch in Counter-Strike: Global Offensive ( CS:GO ) wieder aufeinander, der neusten Ausgabe des erfolgreichen Taktik-Shooters.

Doch wer braucht eigentlich ein neues Counter-Strike ?

Die Antwort lautet: alle – und eigentlich doch niemand. Denn Counter-Strike ist uralt. 1999 erschien es erstmals als Modifikation des Ego-Shooters Half-Life . Ein Jahr später kaufte das Spielestudio Valve die Rechte und entwickelte es als eigenständiges Spiel weiter. Bis heute wurde Counter-Strike geschätzte 30 Millionen Mal verkauft. Es gilt noch immer als eines der populärsten Multiplayer-Spiele und feiert die unrühmliche Hauptrolle in so ziemlich jeder der sogenannten Killerspiel-Debatten . Und das, obwohl es seit dem 2004 erschienen Counter-Strike: Source kaum nennenswerte Neuerungen gab. Man könnte sagen, dass es deshalb langsam mal Zeit ist für eine neue Version. Man könnte auch sagen, dass es eigentlich längst keine mehr braucht.

Soviel gleich vorweg: Große Änderungen gibt es auch in CS:GO nicht. Es ist kein neues Spiel, sondern allenfalls eine größere Überarbeitung . Das Spielprinzip bleibt unangetastet: Es stehen sich Teams aus Terroristen und Terroristen-Bekämpfern gegenüber, die je nach Mission Bomben legen und entschärfen oder Geiseln befreien müssen. Wer stirbt, muss warten, bis die Runde vorbei ist. Für erfolgreiche Aktionen gibt es Geld, das zu Beginn jeder Runde in Waffen und Ausrüstung investiert werden kann. Was simpel klingt, macht seit dreizehn Jahren den Reiz von Counter-Strike aus. Es ist ein Spiel mit wenig Schnick-Schnack, viel Dynamik und einer langen Geschichte.

Behutsame Veränderungen

Die Entwickler von Valve und dem kooperierenden Studio Hidden Path wissen um diese Stärken. Sie wissen auch, wie allergisch die CS -Community auf Veränderungen reagiert. Vor einigen Jahren versuchten sie etwa, das Waffensystem dynamischer zu gestalten indem die Preise für einzelne Waffen nach Nachfrage stiegen oder sanken. Die Änderung wurde schon nach wenigen Tagen auf fast allen Servern wieder deaktiviert.

Kein Wunder, denn CS -Gamer sind Gewohnheitsspieler. Die Server sind für viele Veteranen gleichermaßen Wohnzimmer wie Stammtisch. Sie hören seit Jahren die gleichen Witze ("Drücke F10 für Geld/Leben/Wallhack") und die gleichen Beleidigungen ("Leg die Bombe, Kackn00b!"). Sie spielen die gleichen Missionen auf den gleichen Servern gegen die gleichen Gegner. Immer darauf bedacht, vor dem Eintreten eine Granate in die Tür zu werfen und mit dem Messer in der Hand zu rennen. Damit läuft es sich bekanntlich schneller.

Die Entwickler wollten dieses über Jahren gediehene Spiele-Biotop offensichtlich auf keinen Fall stören. Für CS:GO spendierten sie dem traditionellen Team-Deathmatch keine einzige neue Mission. Stattdessen polierten sie die Klassiker auf. Die Umgebung ist lebendiger, bunter, manche Spieler mögen sagen unübersichtlicher. Doch bis auf wenige Veränderungen gleicht sie den Karten, die es bereits vor zehn Jahren gab – verpackt in einer Grafik, die zwar besser ist als beim Vorgänger, aber im Jahr 2012 niemanden mehr vom Schreibtisch haut.

Weitere Änderungen stecken im Detail. So erstrahlen einige Waffen in neuem Glanz, andere wurden ausgetauscht. Dazu gibt es eine überarbeite Rangliste. Auch wurden die Trefferbereiche im Vergleich zu CS:Source angepasst. Und doch spielt sich CS:Global Offensive nach kurzer Eingewöhnungsphase ähnlich wie der Vorgänger. Etwas, das nach Meinung vieler Spieler vor acht Jahren beim Update von CS 1.6 auf CS:Source nur bedingt der Fall war. Tom Bramwell vom Spieleportal Rock, Paper Shotgun schreibt : " Global Offensive macht nichts kaputt, was ohnehin nicht repariert werden muss." Das ist die wohl wichtigste Nachricht für alle erfahrenen Spieler.