Shooter"Counter-Strike" stirbt nicht aus

Mit "Counter-Strike: Global Offensive" liefern die Entwickler das erste große Update des Shooters seit acht Jahren. Viel ändert sich nicht – zum Glück. von 

Screenshot aus "Counter-Strike: Global Offensive"

Screenshot aus "Counter-Strike: Global Offensive"  |  © Valve

"Liegt der Camper tot im Keller, war der Rusher wieder schneller; liegt der Rusher gleich daneben, war der Zweite noch am Leben." Jeder Counter-Strike -Spieler kennt diesen Spruch. Er beschreibt die beiden Spielertypen, die auf jedem der vielen Counter-Strike -Server anzutreffen sind. Es gibt die Camper, jene Spieler, die abwarten und mit Vorliebe in dunklen Ecken kauern, und die Rusher, die zu Beginn jeder Runde nach vorne stürmen. Beide treffen auch in Counter-Strike: Global Offensive ( CS:GO ) wieder aufeinander, der neusten Ausgabe des erfolgreichen Taktik-Shooters.

Doch wer braucht eigentlich ein neues Counter-Strike ?

Anzeige

Die Antwort lautet: alle – und eigentlich doch niemand. Denn Counter-Strike ist uralt. 1999 erschien es erstmals als Modifikation des Ego-Shooters Half-Life . Ein Jahr später kaufte das Spielestudio Valve die Rechte und entwickelte es als eigenständiges Spiel weiter. Bis heute wurde Counter-Strike geschätzte 30 Millionen Mal verkauft. Es gilt noch immer als eines der populärsten Multiplayer-Spiele und feiert die unrühmliche Hauptrolle in so ziemlich jeder der sogenannten Killerspiel-Debatten . Und das, obwohl es seit dem 2004 erschienen Counter-Strike: Source kaum nennenswerte Neuerungen gab. Man könnte sagen, dass es deshalb langsam mal Zeit ist für eine neue Version. Man könnte auch sagen, dass es eigentlich längst keine mehr braucht.

Soviel gleich vorweg: Große Änderungen gibt es auch in CS:GO nicht. Es ist kein neues Spiel, sondern allenfalls eine größere Überarbeitung . Das Spielprinzip bleibt unangetastet: Es stehen sich Teams aus Terroristen und Terroristen-Bekämpfern gegenüber, die je nach Mission Bomben legen und entschärfen oder Geiseln befreien müssen. Wer stirbt, muss warten, bis die Runde vorbei ist. Für erfolgreiche Aktionen gibt es Geld, das zu Beginn jeder Runde in Waffen und Ausrüstung investiert werden kann. Was simpel klingt, macht seit dreizehn Jahren den Reiz von Counter-Strike aus. Es ist ein Spiel mit wenig Schnick-Schnack, viel Dynamik und einer langen Geschichte.

Behutsame Veränderungen

Die Entwickler von Valve und dem kooperierenden Studio Hidden Path wissen um diese Stärken. Sie wissen auch, wie allergisch die CS -Community auf Veränderungen reagiert. Vor einigen Jahren versuchten sie etwa, das Waffensystem dynamischer zu gestalten indem die Preise für einzelne Waffen nach Nachfrage stiegen oder sanken. Die Änderung wurde schon nach wenigen Tagen auf fast allen Servern wieder deaktiviert.

Kein Wunder, denn CS -Gamer sind Gewohnheitsspieler. Die Server sind für viele Veteranen gleichermaßen Wohnzimmer wie Stammtisch. Sie hören seit Jahren die gleichen Witze ("Drücke F10 für Geld/Leben/Wallhack") und die gleichen Beleidigungen ("Leg die Bombe, Kackn00b!"). Sie spielen die gleichen Missionen auf den gleichen Servern gegen die gleichen Gegner. Immer darauf bedacht, vor dem Eintreten eine Granate in die Tür zu werfen und mit dem Messer in der Hand zu rennen. Damit läuft es sich bekanntlich schneller.

Die Entwickler wollten dieses über Jahren gediehene Spiele-Biotop offensichtlich auf keinen Fall stören. Für CS:GO spendierten sie dem traditionellen Team-Deathmatch keine einzige neue Mission. Stattdessen polierten sie die Klassiker auf. Die Umgebung ist lebendiger, bunter, manche Spieler mögen sagen unübersichtlicher. Doch bis auf wenige Veränderungen gleicht sie den Karten, die es bereits vor zehn Jahren gab – verpackt in einer Grafik, die zwar besser ist als beim Vorgänger, aber im Jahr 2012 niemanden mehr vom Schreibtisch haut.

Weitere Änderungen stecken im Detail. So erstrahlen einige Waffen in neuem Glanz, andere wurden ausgetauscht. Dazu gibt es eine überarbeite Rangliste. Auch wurden die Trefferbereiche im Vergleich zu CS:Source angepasst. Und doch spielt sich CS:Global Offensive nach kurzer Eingewöhnungsphase ähnlich wie der Vorgänger. Etwas, das nach Meinung vieler Spieler vor acht Jahren beim Update von CS 1.6 auf CS:Source nur bedingt der Fall war. Tom Bramwell vom Spieleportal Rock, Paper Shotgun schreibt : " Global Offensive macht nichts kaputt, was ohnehin nicht repariert werden muss." Das ist die wohl wichtigste Nachricht für alle erfahrenen Spieler.

Leserkommentare
  1. Die meisten Änderungen scheinen Finetuning zu sein, die wohl wichtigste Neuerung ist in einem kleinen Nachsatz versteckt: "...das es auch für die PlayStation und Xbox geben wird..."

    Nur über die Konsolen lassen sich neue Spielergruppen erschließen, wenn es gut auf diese Systeme portiert wird und der Preis klein bleibt, könnte das sogar funktionieren.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es ist auch geplant, cross-platform matches zu ermöglichen. Das ging vor einigen Jahren bei Shadowrun gründlich schief, weil die PC-ler die Konsoleros dank Maus- / Tastatursteuerung von den Servern gefegt haben. Die Entwickler haben daraufhin die Steuerung für den PC schwammiger gemacht, um für PC-Spieler eine künstliche Hürde einzubauen, woraufhin natürlich keiner mehr die PC-Fassung zocken wollte.
    Mal sehen, wie sich das hier entwickelt ...

  2. Es ist auch geplant, cross-platform matches zu ermöglichen. Das ging vor einigen Jahren bei Shadowrun gründlich schief, weil die PC-ler die Konsoleros dank Maus- / Tastatursteuerung von den Servern gefegt haben. Die Entwickler haben daraufhin die Steuerung für den PC schwammiger gemacht, um für PC-Spieler eine künstliche Hürde einzubauen, woraufhin natürlich keiner mehr die PC-Fassung zocken wollte.
    Mal sehen, wie sich das hier entwickelt ...

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Versteckt"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Dyratic
    • 24. August 2012 17:45 Uhr

    ...Valve hätte die Pläne für cross-platform matches wieder aufgegeben?

    • Dyratic
    • 24. August 2012 17:45 Uhr

    ...Valve hätte die Pläne für cross-platform matches wieder aufgegeben?

    Antwort auf "Nicht nur das"
    • Kelsi
    • 24. August 2012 17:46 Uhr

    In der Einleitung des Artikels, CS:GO sei ein großes Update seit 8 Jahren, ist für mich bzw. für PC-Spieler etwas irreführend. Ein update ist, wie es eben der Name verrät ein Update bereits vorhandener bzw. gekaufter Software.

    Beim Artikel genannten Spiel ist es jedoch, soweit ich informiert bin, ein eigenständiges Spiel.

    Trotzdem ein guter Artikel :)

    • Panic
    • 24. August 2012 18:09 Uhr
    5. P4WN3D

    Ich will nicht sagen, dass ich aus dem CS Alter raus bin, denn für CS ist man nie zu alt. Es sei denn, man kann nicht mehr wirklich Freund und Feind unterscheiden und der Server hat Teamkill auf "ON" stehen. Da ich aber der UT99 Generation angehöre, bin ich ein schon älteres Kaliber habe aber auch mit extrem viel Spaß CS gedaddelt. Es ist einfach ein gutes Spiel, weil eben, wie der Artikelschreiber schon treffend bemerkte: Ohne Schnickschnack. Valve tut gut daran, das einfache CS Prinzip nicht groß zu verändern. CS besticht durch seinen Minimalismus. Aus diesem Grund habe ich auch mit Leidenschaft UT99 gezockt. Es gibt zwei Flaggen. Eine blau, eine rot. Hol die andere Flagge und bring sie zu deiner. Was dazwischen passiert ist Skill. Aber das Prinzip versteht jeder auf Anhieb :)

    Bei UT hat man gesehen, was passiert, wenn man anfängt ein erfolgreiches Game aufzupeppen. Es starb. Insofern ist CS:GO der richtige Weg von Valve. Ich werde es mir auf jeden Fall kaufen.

    cheers

    5 Leserempfehlungen
  3. ein fairer Artikel, ohne versteckte Seitenhiebe Richtung "Killerspiel", "Internetsucht", "Spielsucht" und ähnlichen Phrasen, die ja bei gewissen Medien immer dabei sind (wenn auch oft schön versteckt).

    11 Leserempfehlungen
    • Marobod
    • 24. August 2012 21:14 Uhr

    bei Counterstrike ja fuer fehler bestraft wurde, Geiseln erschossen, geldabzug bis kick, teamkiller sterebn in der naechsten runde direkt. Hat also keine Killerspielallueren.

    Habs von Anfang an gezockt, bei Source stieg ich aus, weil rechner damals nicht potent genug, mittlerweile natuerlich wieder egalisiert, jedoch mal schauen ob ich mit CS:GO wieder einsteige, immerhin spiele ich heute noch mit freunden CS1.6 im LAN :)

    Der Artikel is klasse, nur kann man statt Terroristen-Bekaempfer auch schlicht Anti-Terroreinheit oder Ati-Terrorist sagen :)

    • Rhuo
    • 24. August 2012 23:07 Uhr

    Schön dass es noch diese Games-Schmieden gibt. Bei EA wäre wohl CS schon längst Free2play.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    EA hätte CS mittlerweile totgemelkt, jedes Jahr ein neuer Release ohne große Änderungen inklusive einer miesen 5-stündigen Singleplayerkampagne.

    Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen überrascht, zumal Valve den f2p-Schritt doch schon mit Team Fortress 2 und zuletzt Dota 2 gegangen ist, und gezeigt hat wie ein fairer Shop auszusehen hat. Ein solches Bezahlmodell hätte mich auch dazu gebracht CS:GO auf der Platte zu lassen, denn die Beta hat mich nicht zu einem späteren Kauf bewegen können. Womöglich ist für mich mittlerweile einfach die Luft aus CS raus. Vielleicht liegts aber auch daran, dass es derzeit einfach mehr als genug Alternativen gibt, von denen einige sogar kostenlos sind.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Counter Strike | Valve | Veteran | Xbox
Service