DayZWo Zombies noch das kleinere Übel sind

Kein Zombie-Spiel bietet so realistische Rahmenbedingungen wie "DayZ". Es zählt deshalb auch zu den erfolgreichsten Independent-Projekten der jüngeren Games-Geschichte. von 

DayZ

Ein Zombie attackiert: Screenshot aus "DayZ"  |  © DayZ

Wer sich in die Welt von DayZ wagt, kämpft ständig ums Überleben. Und seine Chancen stehen schlecht. Die durchschnittliche Lebensdauer aller Spieler des Zombie-Survival-Games beträgt nur eine Stunde und fünf Minuten. Trotzdem oder gerade deshalb zählt DayZ zu den erfolgreichsten Independent-Projekten der jüngeren Games-Geschichte.

Schauplatz des PC-Spiels ist der fiktive postsowjetische Staat Chernarus, der von einem heimtückischen Virus heimgesucht wurde: Der Großteil der Bewohner hat sich in Zombies verwandelt, die wenigen Überlebenden streifen durch die trostlose Landschaft, immer auf der Suche nach Waffen, Proviant und Medizin. Die Ressourcen sind äußerst knapp bemessen, deshalb kommt es immer wieder zu erbitterten Verteilungskämpfen.

Anzeige

Neulinge landen an der Küste des 225 Quadratkilometer großen Staatsgebiets – nur mit einem Medipack und einer Taschenlampe ausgerüstet, müssen sie sich ins Landesinnere durchschlagen. Wer bei dem Versuch stirbt, verliert seine Ausrüstung und muss neu anfangen. Überleben ist das einzige Ziel, um jeden Preis.

Die Gratis-Modifikation der drei Jahre alten Militärsimulation Arma II startete im April dieses Jahres, Anfang August hatten sich bereits eine Million Spieler die benötigten Dateien heruntergeladen. Durch den Erfolg von DayZ wurde Arma II an die Spitze der Steam-Verkaufscharts katapultiert – wer die Zombie-Mod spielen will, braucht als Sockel die Version Combined Forces .

Hinter DayZ steht ein kleines Team von Programmierern um den Gamedesigner Dean "Rocket" Hall . Der 31-Jährige war Mitglied der neuseeländischen Streitkräfte, die Idee zum Spiel kam ihm während eines Survival-Trainings im Dschungel von Brunei . Mittlerweile arbeitet Hall für das tschechische Studio Bohemia Interactive, das die Arma-Reihe produziert. Unter seiner Regie soll noch 2012 eine eigenständige Fassung von DayZ entstehen, die zahlreiche Vorschläge von Spielern berücksichtigen wird .

In den vergangenen Jahren hat die Branche eine Vielzahl von Zombie-Games hervorgebracht. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Left 4 Dead , die Resident-Evil -Reihe , das Open-World-Spiel Dead Island sowie Undead Nightmare , eine Download-Erweiterung für den Western Red Dead Redemption . Kein anderes Spiel verleiht der viel zitierten Zombie-Apokalypse aber derart realistische Rahmenbedingungen wie DayZ . Das Überleben in Chernarus beginnt schon mit der Nahrungsaufnahme: Wer nicht regelmäßig isst und trinkt, verliert so lange Energie, bis er völlig entkräftet ist. In den Wäldern gibt es zwar Wildschweine, Hasen und andere Wildtiere – für die Jagd benötigt der Spieler aber eine Waffe. Und um das Fleisch am Feuer braten zu können, muss er sich erst einmal Streichhölzer beschaffen.

Neben Waffen sind in Chernarus vor allem Medikamente begehrt: Antibiotika helfen gegen Infektionen, Mullbinden bei blutenden Wunden und Morphin bei Knochenbrüchen, die man sich bei Stürzen zuziehen kann. In jedem dieser Fälle ist Eile geboten, denn körperliche Gebrechen schränken sowohl die Mobilität als auch die Orientierung des Betroffenen massiv ein. Begegnungen mit den sprintenden Untoten werden dann noch gefährlicher.

Die größte Gefahr geht allerdings nicht von den Zombies, sondern von den Mitspielern aus. In Chernarus tobt ein gnadenloser Verteilungskampf um die Ressourcen: Raubmord ist an der Tagesordnung, überall muss man mit Scharfschützen und marodierenden Banden rechnen. Obwohl benachbarte Spieler über Chat verbunden sind, handeln die meisten Teilnehmer nach dem Motto "Schießen statt verhandeln" – zu groß ist die Furcht, nach anfänglicher Kollaboration doch noch hinterrücks ermordet zu werden. Sie nehmen dabei auch in Kauf, dass die Schießereien Scharen von Zombies anlocken.

Leserkommentare
    • pakZ
    • 28. August 2012 17:56 Uhr
    1. .....

    das erforderliche grundspiel (arma 2) gibt es mittlerweile für 20 euro und ist die anschaffung in jedem fall wert.

    wer auf mehr als hirnlose action-explosionen á la CoD steht sollte dayz unbedingt ausprobieren.
    sofern man bereit ist sich darauf einzulassen, bietet der mod eine äußerst intensive atmosphäre, in der man permanent "on your toe" sein muß, weil ein einziger fehler schon ausreichend sein kann, um zu respawnen.
    das ist umso ärgerlicher, je besser man sich ausgerüstet hat - da das beste equip ziemlich selten und teilweise nur sehr schwer zu bekommen ist.

    wirklich brillieren kann dayz auch, wenn man mit freunden auf eine andere gruppe trifft und seine differenzen nicht verbal lösen kann/will:
    http://http://www.youtube...
    passiert leider selten genug, aber das video zeigt auch, wie taktisch das spiel ist.

    leider stimmt es, daß die anarchie mittlerweile ziemlich um sich greift und viele es vorziehen erst zu schießen und dann fragen zu stellen.
    von daher begrüße ich die im artikel angesprochenen initiativen und hoffe, daß sich die community dadurch tatsächlich etwas entspannt.

    Eine Leserempfehlung
    • porph
    • 28. August 2012 19:05 Uhr

    Es ist zwar nur ein Spiel, aber es ist auch ein unglaublich interessantes psychologisches Experiment.

    Ich würde jedem empfehlen, sich das im Artikel verlinkte Video anzuschauen, in dem der Spieler in das Camp verschleppt wird (letzter Absatz, direkt unter dem Titel). Vermutlich versuchen sich einige Spieler dabei (mit Erfolg und hoffentlich auch Spaß) in die Geisteshaltung hineinzuversetzen, dass die Rahmenbedingungen des Spiels real wären. In dem Video sieht man eine lose organisierte Gruppe grenzwertiger Psychopathen, die ihre eigene, etwas perverse Art gefunden hat, Unterhaltung zu finden unter den Umständen, die eine Zombie-Apokalypse nunmal zulässt. ;-)

    Man bekommt während des Videos wirkliche ANGST (soweit man es schafft, sich in die virtuelle Rolle des Spielers zu versetzen), und der primäre Agonist der Entführerbande versteht es, grandios zu schauspielern (den Umständten entsprechend - es ist ein Spiel, völlig improvisiert, ohne Skript).

    Unglaublich faszinierend. Ich besitze das Spiel nicht und habe wohl auch keine Zeit, mich eingehender damit zu beschäftigen, aber ich denke jeder Psychologe der sich mit dem psychischen Bewältigung von extremen Krisensituationen befasst hätte seine Freude daran. Oder natürlich auf der Meta-Ebene, die Analyse dessen was die Spieler dazu bringt, sich in dieser Welt unter den gegebenen Rahmenbedingungen dazu zu entschließen, dieses oder jenes Verhaltensmuster an den Tag zu legen (es gibt ja keine realen Konsequenzen).

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Zeiten des "I'm friendly" sind schon lange gezählt. Derzeit, egal ob in Amerika, Europa, Asien oder Autralien, gilt das Motto "erst töten, dann fragen". Es ist also nur noch ein besserer Egoshooter mit etwas Realismus durch frieren, Beinbruch, Schnuppen, Ohnmacht.
    Auch hier gilt - in einer Gruppe lässt sich leichter überleben. Jedoch bilden sich diese Gruppen nicht mehr wahrlos aus zufälligen Überlebenden, wie am Anfang, sondern es handelt sich um Gruppen, die sich schon von anderen Spielen oder analog kennen. Die Chance sich als Fremder derlei Gruppen anzuschließen, ist äußerst gering.

    Weiter spielt die Reife des jeweiligen Spielers eine enorme Rolle - ob man es nur als Shooter oder als Sandbox, in dem man einen Rolle ausfüllen kann (wie in Kindertagen im Sandkasten), sieht, hängt von der Fantasie des jeweiligen Spielers ab und diese bleibt bei der Masse an Spielern derzeit auf der Strecke, da allzuviele es nur noch als Shooter sehen.

    http://www.youtube.com/wa...

    http://www.youtube.com/wa...
    (Sounds werden über die interne Sprachfunktion eingespielt)

    http://www.youtube.com/wa...

  1. 3. Hm...

    ...wahrscheinlich muss man schon vorher Insider sein, um die im Artikel angesprochene Faszination zu verstehen :(
    Ich habe mir auch das Video angeschaut, aber das war auch nicht erhellend, zumal man ich das Englische nicht verstanden habe.
    Schade, ich würde gern mehr von diesen Spielen verstehen, um zu wissen, was so auf meine Kinder zu kommt...

  2. 4. Naja 1

    Spielidee: gut (jedoch nicht neu: geht über Alone in den Dark, Fallout-Reihe bishin zu Leath for Death)

    Die aktuelle Version ist mehr BugZ als DayZ. Die momentanen Fehler im Spiel mindern den Spielspass enorm. So ist es möglich per Zelte Gegenstände beliebig oft zu vervielfältigen. Damit ist der Reiz auf Jagen und Sammeln und der eigentliche Überlebenskampf minimiert.
    Weiter ist es nicht möglich Fahrzeug zu sammeln, die einen Serverneustart "überleben" (bis Version 1.7.2.4 möglich).

    Hinzu kommt das die Dokumentation durch den Entwickler mehr als vernachlässigt wird. Das Mantra welches immer wieder hergebetet wird, lautet: es handelt sich doch nur um eine Alpha (spielbar war es ab 0.3; nun befindet man sich jedoch schon bei 1.7.2.5). Weiter wird immer auf, das im Winter erscheindende, Standalone, basierend auf Arma3, verwiesen. Damit ist auch klar das die bestehende Fehler nicht mehr ernsthaft behoben werden.

    Da es sich bei Arma um eine Simulation handelt und weniger um ein 3d Egoshooter und Abläuf im Spiel durch Scripts erzeugt werden, haben sogenannte Scriptkiddies (cheater) derzeit es recht einfach ganze Server lahmzulegen. Wenn der jeweilige Admin nicht permanent die Scripts auf dem Server überprüft und solche Spieler per "Ban" aussortiert, werden die Spieler, die diese Welt bevölkern, ausbleiben.

    Im Großen und Ganzen ist Dayz ein gelungener Marketing Joke der Firma BI. Auch wenn offiziell immer betont wird, dass der Entwickler unabhängig ist.

  3. 5. Naja 2

    Jedoch arbeitete er schon bei der Entwicklung ..

    von Arma2 im Hause von BI. Die Verkaufszahlen des Titels Arma2 haben sich seit DayZ verachtfacht. Was auch dazu führte das BI nun daraus einen eigenen Titel macht.

    Als Gamehoster wünsche ich mir für die Zukunft eine Linuxversion und eine befriedigendere Dokumentation. Ob ich die kommende Standalone Version für die Spielegemeinschaft hoste, wird allein an BI liegen.
    Meine derzeitigen Server gehen Anfang September offline.

    Wer die 10€ übrig hat, kann gerne in das Spielprinzip reinschnuppern. Jedoch empfehle ich bis zum Erscheinen der Standalone Version zu warten.

    In diesem Sinne

    BTW: derzeit benötigt

    Arma2 free http://www.arma2.com/free (oder Steam) - kostenlos
    Arma2 OA (9.99€-12.99€) (In jedem gutsortierten Laden oder über Steam)
    DayZ Version 1.7.2.5 (dayzmod.com) - kostenlos

    DayzCommander http://www.dayzcommander.... (für alle die sich keinen Kopf machen wollen welches Update er braucht) - kostenlos

  4. Die Zeiten des "I'm friendly" sind schon lange gezählt. Derzeit, egal ob in Amerika, Europa, Asien oder Autralien, gilt das Motto "erst töten, dann fragen". Es ist also nur noch ein besserer Egoshooter mit etwas Realismus durch frieren, Beinbruch, Schnuppen, Ohnmacht.
    Auch hier gilt - in einer Gruppe lässt sich leichter überleben. Jedoch bilden sich diese Gruppen nicht mehr wahrlos aus zufälligen Überlebenden, wie am Anfang, sondern es handelt sich um Gruppen, die sich schon von anderen Spielen oder analog kennen. Die Chance sich als Fremder derlei Gruppen anzuschließen, ist äußerst gering.

    Weiter spielt die Reife des jeweiligen Spielers eine enorme Rolle - ob man es nur als Shooter oder als Sandbox, in dem man einen Rolle ausfüllen kann (wie in Kindertagen im Sandkasten), sieht, hängt von der Fantasie des jeweiligen Spielers ab und diese bleibt bei der Masse an Spielern derzeit auf der Strecke, da allzuviele es nur noch als Shooter sehen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Psychologie"
  5. Antwort auf "Psychologie"
  6. Der Spieler aus dem Video (Vergleich - 28 Days later) hätte jederzeit das Spiel verlassen können, um auf einen anderen Server neu zu starten. Für diese Youtube-Geschichte tat er es aber nicht. Der Spieler hatte ja nicht einmal Equipment und unterlag nach digitalen Regeln noch nicht einmal von Verlustängsten. Ein Neustart auf einem anderen Server hat, wie bei anderen Spielen, nicht zu Folge, dass man von vorne beginnt, sondern genau da weitermacht, wo man zuletzt war - bloss halt mit Spielern aus dem aktuellen Server. Man kann also auch diese "Berichterstattung" subtil dramatisieren. Dennoch: Interessant sind die Spielweisen und Spielverhalten in diesem Spiel schon. Mit dem letzten Update sind auch viele Bugs verschwunden.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Island | PC-Spiel | Brunei
Service