Screenshot aus dem kommenden Free-to-Play-Spiel "Anno Online" © Ubisoft

Free to Play ist derzeit so etwas wie das Zauberwort der Spieleindustrie. Kostenlos spielbar meint das, jeder kann mitmachen, ohne zu bezahlen. Mehr und mehr große Games werden auf dieses Modell umgestellt oder gleich dafür entwickelt.

Auf der Spielemesse Gamescom verkündete beispielsweise der Entwickler Ubisoft, demnächst würden gleich drei seiner Titel als im Browser spielbare kostenlose Version erscheinen: das bekannte Mittelalteraufbauspiel Anno , die U-Boot-Jagd Silent Hunter und das Strategiespiel Might & Magic Heroes . Im September soll es losgehen, zuerst mit Anno Online . Wer will, kann sich schon jetzt für den Betatest registrieren .

Einen kostenlos spielbaren Titel hat das Unternehmen bereits: Siedler Online . Nach eigenen Angaben wird es derzeit von 1,5 Millionen Menschen gespielt. Und es macht Gewinn. Mehr Gewinn als die klassische Version, die im Laden verkauft wird und in einer Pappschachtel liegt. "Wir rechnen damit, dass Siedler Online in vier Jahren profitabler sein wird als es alle Siedler-Boxen zusammen in den vergangenen neun Jahren waren", sagt Norman Habakuck, PR-Chef von Ubisoft.

Electronic Arts, der größte Gamesentwickler der Welt, erklärte auf der Gamescom einen ebensolchen Strategie-Schwenk. Command & Conquer: Generals 2 , als herkömmliches Game entwickelt, wird ebenfalls auf Free to Play umgestellt. Zwar muss dazu noch immer eine Software heruntergeladen und installiert werden, ein Browsergame wird es also nicht. Doch Command & Conquer , wie die neue Version schlicht heißt, ist ebenfalls ein vollwertiges Spiel , das erst einmal nichts kostet.

Gratis sind diese Titel allerdings nicht, zumindest nicht für jene Spieler, die mehr wollen als den Standard. Das Geld machen die Verlage entweder, indem sie nur eine abgerüstete Version anbieten, in der wesentliche Elemente, Figuren oder Aufgaben fehlen. Oder indem sie zusätzliche Anreize schaffen, Geld auszugeben. Beispielsweise, indem Geld einen schnelleren Fortschritt ermöglicht, oder eine bessere Fortbewegung im Spiel.

Lange galten solche virtuellen Güter nur als Nebengeschäft. Bis vor einiger Zeit stammten die Haupteinnahmen bei Onlinespielen aus monatlichen Abogebühren. Dann bewies Zynga mit seinen Facebook-Spielen wie Farmville , dass der Markt enorme Möglichkeiten bietet. Zynga hat gerade Probleme, sein Börsenwert ist stark gesunken, weil die Quartalszahlen nicht so ausfielen wie erwartet. Trotzdem erzielt die Firma hohe Gewinne .

Gleichzeitig findet das Abomodell nicht mehr genug Kunden. Allenfalls so riesige Titel wie World of Warcraft schaffen es, die Kosten über Abonnements reinzuholen. Ertragreicher erscheint vielen Entwicklern inzwischen das Geschäft mit Reittieren oder Ausrüstungsgegenständen.

Dabei zahlen zwar nur vergleichsweise wenige Spieler für solche Dinge. Bei der im Rahmen der Gamescom stattfindenden Game Developers Conference sagte der Anbieter Kongregate , er habe zwischen einem halben und dreieinhalb Prozent zahlender Kunden. Diejenigen jedoch, die zahlen, geben sehr viel mehr Geld aus als bei einem Abo. Teilweise Hunderte Dollar. Und auch bei Electronic Arts glaubt man , Free to Play gehöre die Zukunft.