ComputerspielemesseDie vielen Meuchelmörder bei der Gamescom

Zwar verlassen sich viele Publisher lieber auf Fortsetzungen, als etwas Neues zu wagen. Aber auch bei der Gamescom 2012 gibt es einige herausragende Titel zum Anspielen. von 

Die Gamescom in Köln begann in diesem Jahr mit einem Aufreger. In der offiziellen Neuheitenliste war kurz vor dem Messestart ein überaus prominenter Name aufgetaucht: Half-Life 3 . Sofort jagten mehrere Games-Magazine der vermeintlich heißen Spur nach. Es wäre eine Sensation gewesen, hätte Publisher Valve tatsächlich die Fortsetzung des überaus populären Science-Fiction-Shooters auf der Gamescom angekündigt – die Fans warten seit 2007 auf eine Fortsetzung der Serie. Das Ganze entpuppte sich jedoch schnell als Fehlalarm : Valve dementierte, während die Gamescom-Verantwortlichen ihre Liste überarbeiteten. In der aktuellen Fassung taucht der Name Half-Life 3 nicht mehr auf.

Die Aufregung um das Phantomspiel kommt vielleicht nicht von ungefähr. Vor jeder Gamescom wächst die Sehnsucht der Fans nach spektakulären Ankündigungen, und in schöner Regelmäßigkeit wird ihre übersteigerte Erwartungshaltung dann enttäuscht. Das zeigte sich einmal mehr bei den Pressekonferenzen von Electronic Arts und Sony , die bereits am Dienstag stattfanden. EA begnügte sich damit , über die Ausweitung seiner Origin-Plattform zu referieren – und zeigte als Dreingabe Videos von Sequel-Spielen wie Crysis 3 und Dead Space 3 . Nicht viel spektakulärer war das, was Sony auf seiner Pressekonferenz preisgab : Eine Reihe neuer Vita-Titel, die auf bekannten Franchises wie Assassin's Creed oder Call of Duty: Black Ops basieren, und ein paar kleinere Spiele für die Playstation 3.

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Sonys wichtigste Neuigkeit war noch, dass die Playstation Vita als Controller für die Playstation 3 dienen wird: Konkurrent Nintendo dürfte sich darüber ärgern, weil die im Winter erscheinende Wii U ebenfalls mit einem Tablet-Controller ausgeliefert wird. Auf der Gamescom ist Nintendo aber nicht vertreten: Offenbar investiert man die Marketing-Millionen lieber an anderer Stelle.

Spannende neue Spielemarken sind auf der diesjährigen Gamescom Mangelware. Allzu viele Publisher verlassen sich auf Sequels und Remakes. Einer der vielversprechendsten neuen Titel ist Dishonored aus den französischen Arkane Studios, eine Mischung aus Rollen-, Schleich- und Actionspiel. Schauplatz von Dishonored ist die fiktive Industriestadt Dunwall, die dem London des späten 18. Jahrhunderts nachempfunden ist: Eine düstere Steampunk-Vision, wo Maschinen mit Walöl betrieben werden, wo übersinnliche Kräfte herrschen und die Bevölkerung von pestverseuchten Rattenschwärmen heimgesucht wird.

Der Spieler übernimmt dabei die Rolle des kaiserlichen Bodyguards Corvo, der Opfer einer Verschwörung wird und einen Rachefeldzug gegen die Hintermänner startet. Neben dem originellen Setting ist es vor allem die Handlungsfreiheit , die Dishonored zu einem Gamescom-Highlight macht: So kann Corvo unter anderem die Zeit anhalten, Rattenrudel herbeirufen, in fremde Körper schlüpfen und durch Wände blicken. Das alles zusammengenommen ergibt ein beeindruckendes Arsenal an Möglichkeiten, Gegnern den Garaus zu machen.

Meuchelspiele wie Dishonored mögen nicht jedermanns Sache sein, bei der Gamescom aber nehmen sie breiten Raum ein. Ubisoft Montreal präsentiert mit Assassin's Creed 3 eine Fortsetzung seiner Erfolgsserie, die immer wieder mit akribisch nachgebauten Geschichtsschauplätzen zu beeindrucken weiß. Nach Stationen wie Florenz , Venedig und Istanbul geht es dieses Mal in die Neue Welt: Der Halbindianer Connor wird in den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg verwickelt und nimmt unter anderem auch an Seeschlachten teil. Im Vita-Ableger Assassin's Creed 3: Liberation kann man erstmals die Rolle einer weiblichen Meuchelmörderin übernehmen – sie stellt sich im New Orleans des 18. Jahrhunderts den spanischen Truppen entgegen. Publisher Square Enix ist auf der Gamescom mit Agent 47 vertreten – Hitman: Absolution setzt die Serie nach sechs Jahren fort.

Während Agent 47 wie eh und je eine auf Hochglanz polierte Glatze zur Schau stellt, hat eine andere Computerspielfigur ein gründliches Remake hinter sich. Tomb Raider zeigt eine junge, unerfahrene Lara Croft , die auf einer Insel Schiffbruch erleidet und fortan um ihr Leben kämpfen muss. Den ersten Eindrücken nach zu urteilen könnte der Image-Wandel von der coolen Alleskönnerin hin zur verletzlichen Nachwuchswissenschaftlerin gelingen. Die Serie nähert sich unterdessen immer stärker dem Genre Survival-Horror an.

Leserkommentare
  1. Ruf der Großkonzerne folgend von Leipzig weggegangen ist, bin ich ein beleidigter Ossi :-(

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • jangxx
    • 15. August 2012 22:18 Uhr

    mich macht das zu einem glücklichen Westfahlen :)
    Nach Leipzig bin ich früher nie gekommen, aber Köln liegt mir näher ;)

    • Thems
    • 15. August 2012 18:57 Uhr

    Deckt sich mit vielen Eindrücken, die auch andere Magazine vermitteln.
    Allerdings finde ich die Kritik an der Sony Pressekonferenz etwas unfair. Schließlich haben sie sich zumindest Mühe gegeben, neue IPs vorzustellen. Puppeteer, Until Dawn und Tearaway zeigten frische Spieleideen und selbst das Magicbook war nicht ganz so peinlich wie auf der E3. Als jemand, der Sony nie wirklich mochte, muss ich doch eingestehen, dass sie neben Ubisoft auf der E3 bis jetzt die beste PK des Jahres abgeliefert haben. Was das allerdings über die anderen Großen der Branche aussagt, steht auf einem anderen Blatt.
    Für mich am unverständlichsten ist die Abwesenheit von Nintendo. Schließlich haben sie bisher gefühlt nur sehr wenige vom Konzept der WiiU überzeugen können. Auch das Start-Lineup überzeugt noch nicht so richtig. Dann die größte Messe Europas aussetzen ist mMn gewagt. Für einen Konzern, der eine neue Konsole Ende des Jahres veröffentlichen will, ist Nintendo erstaunlich still.

    • lufkin
    • 15. August 2012 20:52 Uhr

    Ich war vor n paar Jahren auf der ersten Kölner Gamescom.
    Hat mir gereicht... zu voll, zu stressig und für die guten Games muss man viel zu lange anstehen.
    Da bleib ich lieber daheim und guck mir die neuen Trailer und Videos im Netz an.

    2 Leserempfehlungen
    • Pangea
    • 15. August 2012 21:21 Uhr

    ich muss Sie auf einen Fehler in der Bildüberschrift "Gamescom-Besucher im Starwars-Kostüm" hinweisen. Der abgebildete Spieler ist kein Besucher, sondern ein von EA engagierter Laiendarsteller. Da ich selbst zu dieser Gruppe gehöre, kann ich das mit Sicherheit sagen.
    Außerdem schreibt man den Namen der bekanntesten Weltraumsaga getrennt: Star Wars.
    Vielen Dank!

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    Redaktion

    Ich habe die Bildunterschrift geändert.

  2. Redaktion

    Ich habe die Bildunterschrift geändert.

    Antwort auf "Liebe Redaktion,"
    • jangxx
    • 15. August 2012 22:18 Uhr
    6. Naja,

    mich macht das zu einem glücklichen Westfahlen :)
    Nach Leipzig bin ich früher nie gekommen, aber Köln liegt mir näher ;)

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Seit die Messe dem"
    • 15thMD
    • 16. August 2012 1:04 Uhr
  3. ...zählt Ni No Kuni, ein Rollenspiel aus dem berühmten japanischen Anime-Studio Ghibli"

    Huh? Die 3D-Grafik sieht alles andere als aktuell aus. Die Qualität der Anime-Sequenzen kann ja wohl kein Maßstab sein, da hier alles vorberechnet ist.

    Ebenso haut mich Star Wars 1313 kaum vom hocker. Gute Grafik, ja, aber sehr gut? Sicher nicht, wenn das NextGen sein soll, dann gut Nacht Konsolen.
    Davon abgesehen: Von dem, was man bisher gesehen hat, kann man eigentlich nur schließen, dass es sich um einen weiteren tumben "Moorhuhn-3D"-shooter á la Gears of War und Konsorten handelt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Sony | Nintendo | Electronic Arts | Lara Croft | Valve | Gamescom
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