In-Game-Fotografie : Die Kunst des Screenshots
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Wem gehören die Bilder?

Foto von Iain Andrews aus "Red Orchestra 2" © Tripwire

Pollocks Bilder unterscheiden sich durch die Aufnahmetechnik von denen der anderen: Während die meisten seiner Kollegen per Screenshot-Funktion oder mit eigenen PC-Programmen ihre Bilder schießen, fotografiert er mit einer realen Digitalkamera. Das Bild des TV-Bildschirms ist ein Umweg, der – wie auch bei dem ähnlich arbeitenden Francois Soulignac – zu interessanten Effekten führt.

Ein bisschen wie in den Machinima, jenen mit Hilfe von Computerspielen erschaffenen Kurzfilmen, zweckentfremden In-Game-Fotografen auf kreative Weise ihr Medium. Nur eine Frage ist hier, wie so oft, ungeklärt: Wem gehören die Bilder? Eigentlich ist die Rechtslage eindeutig: Das Copyright liegt bei den Spieleherstellern, nicht bei den Fotografen.

Ralf Hebecker, Professor für Gamedesign und -produktion an der HAW Hamburg, sieht hier allerdings Konfliktpotenzial: "Ich freue mich jetzt schon auf die Prozesse, in denen Richter zwischen dem Recht der Spielehersteller an ihrem Werk und jenem der Fotografen an ihren Kreationen abwägen müssen. Besonders interessant wird es ja dann, wenn manche künstlerische Arbeiten eine solche Schöpfungshöhe erreichen, dass das Recht an diesen Bildern anfängt, mit den Rechten der Games-Designer zu kollidieren."

Martin Lorber von Electronic Arts sagt: "Wir freuen uns sehr darüber, wenn die Spiele unserer Entwickler andere kreativ Schaffende und Künstler zu eigenen Werken anregen. Natürlich müssen dabei auch urheberrechtliche Fragen berücksichtigt werden, vor allem, wenn es um kommerzielle Verwertungen geht." Da müsse es einen Austausch zwischen den Fotografen und den Verlagen geben. Die Publisher und Entwickler behielten die Rechte an ihren Werken, die Schöpfer von In-Game-Fotografien aber "können ebenfalls Rechte an den von ihn erstellten Fotos haben, soweit diese eine eigene Gestaltungskraft und eine bestimmte Schöpfungshöhe aufweisen."

Möglicherweise erkennen manche Spiele-Hersteller und -Verlage aber auch einen anderen Aspekt: Die Bilder aus virtuellen Welten zeigen eine neue Seite des Gamings. So gesehen ist es Gratiswerbung.

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Kommentare

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Kunst

Ist es Kunst, wenn Marcel Duchamp seine Unterschrift auf ein Urinal setzt? Ist es Kunst, wenn, wie gerade geschehen, Brotlaibe in die Luft gesprengt werden? Sie sehen es: die Frage nach der Kunst ist verzwickt!

Deswegen würde ich sagen: ja, es ist Kunst, einen Teil eines Gemäldes abzuphotographieren.

Natürlich Kunst.

Und der Fotograf oder Maler, der eine beeindruckende Architektur in Szene setzt? Kein Künstler, dafür der Erbauer des Objekts? Schwierig, finde ich. Ich verstehe ihre Skepsis, aber die Screenshots sind keine 0815-Bilder, die irgendwer mal eben gemacht hat. Das sieht man, das zeichnet sie aus und hebt sie ab.

Dieser Vergleich trifft es besser als "ein Gemälde abfotografieren", solange besagtes Gemälde nicht Bestandteil einer Bildkomposition ist.

Unterschied

gegenüber schlichten Abmalen der Natur oder gar eines fertigen Bildes
besteht eine Spielwelt im Computer aus riesigen Mengen einzelner Ansichten, teils komplett zufallsgeneriert noch nicht einmal vom Entwickler genauer angeschaut,
teils mit anderen Persektiven als ursprünglich geplant,

man kann also tatsächlich bisher unbekanntes neues schaffen/ entdecken,
das geht man bei bekannten Motiven nur durch Einsatz
künstlerischer Verfremdungen/ besonderes Licht/ Wetter,