Wii UZwei Steuerungen, zwei verschiedene Rollen

Bei der neuen Konsole Wii U gibt es zwei verschiedene Controller und damit verschiedene Rollen, die Spieler übernehmen können. Manche Games nutzen das schon. von 

Ein Besucher testet auf der Gamescom die Konsole Wii U.

Ein Besucher testet auf der Gamescom die Konsole Wii U.  |  © Oliver Berg dpa

Nintendo ist bei der diesjährigen Gamescom nicht dabei. Und das, obwohl der Konzern noch 2012 seine neue Spielkonsole Wii U herausbringen wird. Der Verzicht auf die große Bühne hat verschiedene Gründe: Zum einen verteilt Nintendo die Marketingmillionen lieber nach dem Gießkannenprinzip auf verschiedene Einzelveranstaltungen im Spätsommer und Herbst. Zum anderen ist die Wii U auch so schon auf der Gamescom präsent.

Verlage wie Ubisoft und Warner zeigen in Köln eine Reihe von Spielen für die neue Plattform. Messebesucher können also zumindest ansatzweise überprüfen, ob die Konsole das hält, was Nintendo verspricht: Nämlich neue und tiefgründige Spielerfahrungen zu bieten.

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Den Versuch zumindest macht Nintendo – mit dem vom Konzern sogenannten asymmetrischen Gameplay . Der hochtrabende Begriff, den Nintendo auf der E3 im Juni geradezu inflationär verwendete, bedeutet letztlich nur: Die Teilnehmer eines Spiels bekommen unterschiedliche Aufgaben zugewiesen. Daraus resultieren dann unterschiedliche Spielerlebnisse. Das funktioniert entweder im Coop-Modus oder auch gegeneinander.

Dieses Prinzip gibt es in Videospielen schon seit Jahrzehnten: In Gunstar Heroes (1993) etwa kontrolliert Spieler A ein Raumschiff, während Spieler B einen Geschützturm bedient. Ganz zu schweigen von klassischen Pen-and-Paper -Spielen , die schon immer die Rolle eines Spielleiters von der der übrigen Spieler trennen.

Gute Voraussetzung für neue Konzepte

Das Neue der Wii U ist lediglich, dass solches Gameplay mit der Hardware unterstützt wird: Ein Spieler übernimmt das tabletartige GamePad, die anderen spielen mit gängigen Wiimote-Controllern. Der Touchscreen des GamePad bietet dabei nicht nur alternative Eingabemöglichkeiten wie zum Beispiel Wischgesten. Er liefert dem Nutzer auch Informationen, die seine Mitspieler auf dem Fernsehbildschirm (unter Umständen) nicht haben.

Die Voraussetzungen für neue Spielkonzepte könnten also kaum besser sein. Aber schöpfen die ersten Wii-U-Titel diese Möglichkeiten auch aus? Und macht das dann auch noch Spaß?

Die Firma Ubisoft ist auf der Gamescom gleich mit mehreren Wii-U-Spielen angetreten . Einige davon sind für alle Messebesucher anspielbar, andere nur für Fachbesucher.

Zu den nichtöffentlichen Titeln zählt Just Dance 4 : Hier übernimmt der GamePad-Nutzer die Rolle des Puppet Masters, der zwar nicht die Puppen, wohl aber seine Mitspieler tanzen lässt : Auf seinem Touchscreen bekommt er vier verschiedene Tanzstile angezeigt. Wählt er einen aus, müssen die Mitspieler sogleich in diesem Stil weitertanzen. Eine Weile mag die Willkürherrschaft über den Dancefloor durchaus unterhaltsam sein, auf Dauer aber ist die Rolle des Tanzdiktators zu passiv, um wirklich begeistern zu können.

Etwas spannender ist da schon die Helferrolle, die das Jump'n'-Run Rayman Legends dem GamePad-Nutzer zuweist: Auf dem Touchpad durchtrennt er Seile und rotiert Plattformen, um den hüpfenden und rennenden Mitspielern einen Weg durch das Level zu bahnen.

Ubisofts aufwändigster Starttitel für die Nintendo-Konsole ist der Horror-Shooter ZombiU . Genreüblich geht es in dem USK-18-Spiel darum, Heerscharen von Untoten unschädlich zu machen. In ZombiU allerdings wechselt der GamePad-Spieler auf die Seite der Monster: Wie bei einem Brettspiel platziert er die Zombies auf dem Grundriss des Levels, um die Mitspieler in möglichst große Bedrängnis zu bringen .

Dank seiner strategischen Komponente könnte dieser Modus auch ganz unterschiedliche Spielertypen in einem lokalen Match zusammenbringen: Auf der einen Seite die action-liebenden Zombie-Killer, auf der anderen den kühl denkenden Feldherren und Planer. Andererseits müssen die Rollen nicht fest zugeteilt werden, sondern können im Verlauf eines Spieleabends beliebig oft wechseln.

Erste Minigames

Verteiltes Spielen auf einfachem Niveau zeigt eines der Minigames von Rabbids Land : Spieler A lenkt mit dem GamePad einen Wagen um Hindernisse , während Spieler B den Wiimote-Controller im Takt aufleuchtender Bodenplatten schwingt. Das Ganze erinnert nicht von ungefähr an Rhythmus-Spiele wie Guitar Hero .

Ein anderes Minigame von Rabbids Land nutzt die Möglichkeiten schon eleganter aus: Die Wiimote-Spieler hasten durch ein Labyrinth , während der GamePad-Spieler sie mit einer rollenden Felskugel zu plätten versucht.

Konfrontation scheint bei den neuen Möglichkeiten also mindestens genauso viel Spaß zu machen wie Kooperation. Das beweist auch ein Wii-U-Spiel, das nicht auf der Gamescom zu sehen ist: In Luigi’s Ghost Mansion sind bis zu vier Spieler in einem Spukhaus unterwegs , um einen Geist mittels Taschenlampe (Wiimote) zu fangen. Der GamePad-Nutzer wiederum hat als Geist den Vorteil, dass er über einen eigenen Bildschirm verfügt und die Geisterjäger unbemerkt selbst jagen kann.

Solch ein Katz- und Maus-Spiel könnte so manchen Action-Titel bereichern. Man denke nur an ein Spiel wie Batman: Arkham City , das bereits verwandte Elemente wie den Detective Mode enthält. Umso bedauerlicher, dass Publisher Warner die Armoured Edition für Wii U nur als – wenn auch sehr beeindruckende – Singleplayer-Kampagne konzipiert hat.

Auf der E3 bewies Nintendo, dass Spannung keineswegs kompliziert sein muss. Ein Beispiel ist das noch weitgehend unbekannte Minigame Fruit aus der Spielesammlung Wario & Game : Als Früchtedieb versucht der GamePad-Nutzer, in einer von Computerfiguren bevölkerten Stadt unterzutauchen. Die Mitspieler versuchen derweil, den Täter auf dem Fernsehbildschirm ausfindig zu machen.

Konzeptionell erinnert Fruit stark an den PC-Titel Spy Party , das seinen Reiz ebenfalls aus einem Versteckspiel zieht.

Man darf gespannt sein, was Publisher Sony zum Thema beisteuern wird: Auf der Gamescom hat Sony angekündigt, seine Mobilkonsole PS Vita bald als Controller an die Playstation 3 anbinden zu wollen – mit einem ganz ähnlichen Konzept wie die Wii U. In LittleBigPlanet beispielsweise können Vita- und PS3-Besitzer gemeinsam einen Hindernisparcours bewältigen.

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Leserkommentare
  1. Ich bin sehr gespannt auf die Umsetzungen mit der Art der Steuerung, quasi ein DS in groß. Das hats schon überragend harmoniert.

  2. Sich mit so einem Kram zu beschäftigen ist sinnlos vergeudete Lebenszeit. Mittlerweile verbringen die Leute im Schnitt schon genausoviele Stunden freiwillig vor dem Computer wie im Bett.
    Geht lieber schwimmen oder macht Liebe oder sonst etwas Schönes...
    Oder lest: Digitale Demenz, von Manfred Spitzer. Das ist die Zukunft!

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    ...und überholt. Man müsste dann nämlich auch fairerweise argumentieren, dass der Zeitvertreib mit anderen Medien (Büchern, Filme, Musik) genau so überflüssig ist.

    Wenn ich jetzt also "Digitale Demenz" lese, ist es auch Zeit, die ich für Schlafen, Schwimmen, etc. nutzen könnte. Ob sie in diesem Falle nun genau so verschwendet ist wie der Konsum von Videospielen ihrer Meinung nach, liegt also im Auge des Betrachters.

    Schade, dass dieses Medium auch im 21. Jahrhundert offenbar immer noch von der Gleichstellung gegenüber anderen Medien in unserer Gesellschaft entfernt ist. Offenbar beruft man sich immer noch gern auf selbsternannte Experten auf diesem Gebiet und wirft Argumente in den Raum, dabei gäbe es doch so viele bessere Dinge die man tun kann, Schwimmen gehen, oder Liebe machen zum Beispiel.

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und beachten das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    • Panic
    • 19. August 2012 23:00 Uhr

    Vielleicht haben Sie es einfach noch nicht verstanden. Was nicht heißen soll, dass Sie zu alt dafür sind. Was aber heißen soll, dass Sie noch junge genug dafür sind.

    cheers

    wie spannend und sinnvoll. Sie müssen die Weisheit gepachtet haben.

  3. Also ein Gamepad als Kontroller, der die Nachteile eines Pads mit den NAchteilen der Wii Steuerung verbindet...

    Also wird es wieder viele Casual Spile geben für all die, die in den Spiele Markt einsteigen wollen, und viele erfahrere Spiler geben die schnell herausfinden das das ding zu gross ist um damit 2-3 Stunden spilen zu können ohne das die Arme weh tun.

    Auch die Idee einen zusätzlichen Bildschirm einzubauen zeigt eigentlich das man eine Gamepad hat bei den man den Monitor auf den Ferseher umschalten kann.

    Es wird wieder viel Fachsppeche geben und viele Tolle Meldungen bis die Mentschen dann wie bei der Wii merken das die Steuerung für alle Ernsthaften Spiele zu schwammig ist, und man dafür lieger einen kleineren Leicheren Controller bräuchte.

  4. Wer sich dafür interessiert mal anschauen ( Englisch )

    http://penny-arcade.com/patv/episode/kinect-disconnect

    Dann versteht man das das Problem eigentlih der Bildschirm in der Bedinung ist der den Mentschen imer wieder dazu bringt die Bedinung an sch als sache zu begreifen und so die "Kinestatic Projection" unterbricht und uns so wieder daran erinnert das wir einen Kontroller in der hand halten.

  5. ...und überholt. Man müsste dann nämlich auch fairerweise argumentieren, dass der Zeitvertreib mit anderen Medien (Büchern, Filme, Musik) genau so überflüssig ist.

    Wenn ich jetzt also "Digitale Demenz" lese, ist es auch Zeit, die ich für Schlafen, Schwimmen, etc. nutzen könnte. Ob sie in diesem Falle nun genau so verschwendet ist wie der Konsum von Videospielen ihrer Meinung nach, liegt also im Auge des Betrachters.

    Schade, dass dieses Medium auch im 21. Jahrhundert offenbar immer noch von der Gleichstellung gegenüber anderen Medien in unserer Gesellschaft entfernt ist. Offenbar beruft man sich immer noch gern auf selbsternannte Experten auf diesem Gebiet und wirft Argumente in den Raum, dabei gäbe es doch so viele bessere Dinge die man tun kann, Schwimmen gehen, oder Liebe machen zum Beispiel.

  6. 6. [..]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und beachten das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    • Panic
    • 19. August 2012 23:00 Uhr

    Vielleicht haben Sie es einfach noch nicht verstanden. Was nicht heißen soll, dass Sie zu alt dafür sind. Was aber heißen soll, dass Sie noch junge genug dafür sind.

    cheers

  7. wie spannend und sinnvoll. Sie müssen die Weisheit gepachtet haben.

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  • Schlagworte Nintendo | Sony | Gamescom | Wii | Köln
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