Fan-Projekt : "Black Mesa" macht vieles besser als das Original

Acht Jahre lang haben Fans von "Half-Life" das Game nachgebaut und verbessert. Nun kann "Black Mesa" kostenlos gespielt werden. Die Mühe hat sich gelohnt.
Szene aus "Black Mesa" © Screenshot ZEIT ONLINE

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Spielefans viel Zeit und Kreativität in ihre Lieblingstitel investieren. In Minecraft bauten Enthusiasten den Kontinent Westeros aus der Fantasy-Reihe Das Lied von Eis und Feuer mit Klötzchen nach, in LittleBigPlanet schufen sie mittels Editor mehr als sechs Millionen Level, darunter einen funktionsfähigen Computer und ein Remake von Donkey Kong.

Der Aufwand, der für Black Mesa betrieben wurde, ist aber auch in der Modding-Welt nahezu einzigartig. (Eine Anleitung zum kostenlosen Download des Spiels gibt es hier). Der Grund für diesen Kraftakt liegt im Jahr 2004: Damals veröffentlichte die Firma Valve selbst ein Remake von Half-Life. In dem Spiel kam statt der veralteten Game-Engine Gold Scr die neue Source Engine zum Einsatz, die Valve für den Nachfolger Half-Life 2 entwickelt hatte. Weil das Resultat aber nicht überzeugen konnte, nahmen ein paar Fans die Sache selbst in die Hand. Ihr Ziel war, dem Original weitgehend treu zu bleiben – aber gleichzeitig ein packenderes Gameplay, spannendere Rätsel und eine dichtere Atmosphäre zu bieten.

Eine kurze Szene daraus: Auf seinem Weg in die Versuchskammer von Black Mesa kommt Gordon Freeman an drei Forschern vorbei, die sich über ein neues Projekt unterhalten. "Ihr lebt in der Vergangenheit", tönt der erste. "Dieses Projekt wird ganz allein dafür sorgen, dass meine Wissenschaftlerkarriere einen Schub bekommt." Die weißhaarige Kollegin ist damit nicht einverstanden: "Was glauben Sie denn, wie viel Anerkennung Sie für reine Nachahmung erhalten werden?" Auch der zweite Kollege winkt ab: "Sie sollten sich auf etwas Neues, Einzigartiges konzentrieren." Derart in der Defensive, gerät der Verfechter des Projekts gehörig ins Schwimmen, flüchtet sich in Allgemeinplätze: "Oh, das ist aber viel mehr als Nachahmung, das versichere ich Ihnen..." "Pah!" fährt ihm der andere Forscher über den Mund: "Ich ertrage kein weiteres Wort von diesem Gelaber."

Die beiläufige Szene zu Beginn ist natürlich ein Seitenhieb auf Black Mesa selbst. Acht Jahre hat das Modding-Projekt von seiner Ankündigung bis zur Fertigstellung gebraucht: acht Jahre, in denen das Remake des Shooter-Klassikers Half-Life (1998) mehrfach für den Vaporware Award nominiert war – eine zweifelhafte Auszeichnung für ständig verschobene Software-Veröffentlichungen. Die Macher aber ließen sich von den Zweifeln nicht entmutigen und setzten ihre Arbeit unverdrossen fort.

Jedes Geräusch neu gestaltet

Rund 80 Hobby-Entwickler trugen über die Jahre hinweg zu dem Vorhaben bei, 14 von ihnen bildeten das Kernteam. Black Mesa ist eine total conversion modification des ursprünglichen Spiels: Die Entwickler haben jedes einzelne 3D-Modell, jede Textur und jedes Geräusch von Grund auf neu gestaltet.

Eine leichte Aufgabe hatten sie sich damit wahrlich nicht vorgenommen. Half-Life gilt als eines der besten Games überhaupt, als nahezu perfekt komponierte Spielerfahrung. Bei seinem Erscheinen erntete es überschwängliche Kritiken, mehr als 50 Magazine wählten es zum Spiel des Jahres 1998. Als Shooter bot Half-Life ein bis dahin unbekanntes Maß an Immersion: Es verzichtete auf jede Art von dazwischengeschnittenen Filmsequenzen und erzählte die Geschichte gänzlich aus der Ich-Perspektive.

Der Spieler übernimmt die Rolle des Wissenschaftlers Gordon Freeman, der in der Black Mesa Research Facility an einem streng geheimen Experiment teilnehmen soll. Schon die Eingangssequenz ist überaus effektvoll inszeniert: Auf einer Schienenbahn fährt Gordon durch etliche Tunnel und Sicherheitsschleusen immer tiefer in den Berg hinein. Dabei beschleicht einen unweigerlich das Gefühl, an einem hermetisch verschlossenen Ort zu sein.

Zur Immersion trägt auch bei, dass Gordon im gesamten Spielverlauf kein einziges Wort sagt. Der Held als pure Projektionsfläche: Das hatte es bis dahin nicht gegeben. Die Story selbst nimmt sehr schnell Fahrt auf: Das Experiment geht gründlich schief und öffnet ein Dimensionstor, durch das todbringende Aliens ins Labor strömen. Bei seinem Fluchtversuch aus dem Forschungskomplex bekommt es Gordon dann auch noch mit Spezialeinheiten der Regierung zu tun, die den Störfall um jeden Preis vertuschen sollen.

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