Thorsten Wiedemann will Johannesburg entwaffnen, er will den öffentlichen Raum, der dort als gefährlich und unsicher gilt, für die Bürger zurückerobern – mit Spielen. Wiedemann hat gerade das Medienkunstfestival A Maze Interact in der größten Stadt im südlichen Afrika veranstaltet. A Maze wurde 2008 in Berlin gegründet. Sogenannte Street Games waren schon immer Teil des Festivals, nun auch in Johannesburg.

Solche Street Games oder Location Based Games , wie sie auch genannt werden, sind auf eine offene Gesellschaft und auf Straßen und Plätze angewiesen, auf denen die Beteiligten sich austoben können. Sie funktionieren den öffentlichen Raum zu Spielflächen um und beziehen Passanten wahlweise als Statisten oder als Mitspieler ein.

"Das Komische ist doch, das Spielen auf exklusive Orte zurückgezogen wurde", sagt Sebastian Quack von Invisible Playground , einem Berliner Street-Game-Ensemble. Es sei okay, in einem Käfig Fußball zu spielen, nicht jedoch, auf einem Bürgersteig Monopoly zu würfeln.

Das bekannteste Beispiel für Street Games ist wohl noch immer Pac-Manhattan , eine Art Schnitzeljagd für Fortgeschrittene. Ein paar New Yorker Studenten hatten sich das 2004 ausgedacht und dazu die New Yorker Insel zum Spielbrett gemacht, auf dem sie den gelben Pacman jagten.

Kein guter Ort für Spiele

In Berlin gab es so etwas beispielsweise im August. Das Festival Playpublik wollte mit seinen Aktionen den urbanen Raum für Spiele zurückerobern.

Die Intention war in Johannesburg die gleiche, die Voraussetzungen allerdings ganz andere. Der öffentliche Raum gilt dort im Gegensatz zum eingezäunten Privatgelände als unsicher. Wer es sich leisten kann, fährt direkt mit dem Auto vor, denn die Stadt ist eben kein Spielplatz und somit auch kein guter Ort für Spiele.

Die Eröffnung des A Maze Interact fand auf einem Platz namens The Grove statt, im trubeligen Bezirk Braamfontein. Dort gibt es Cafés mit Glasfront, in denen Hipster mit ihren Laptops sitzen, genau wie im St. Oberholz in Berlin Mitte. Gleichzeitig betteln zerlumpte Gestalten um Geld, Essen oder Arbeit. Die Kontraste sind hart.

"Johannesburg hat sicherlich größere Probleme, als sich vornehmlich um seine Spielekultur zu kümmern", sagt Wiedemann. "Aber die Stadt ist viel besser als ihr Ruf. Es wäre schön, wenn wir dieses Bild im nächsten Jahr bestätigen könnten."