Games-Plattform"Spieler fühlen sich von Valve erpresst"

Die Verbraucherzentrale mahnt Valve ab: Auch Spieler, die den neuen Nutzungsbedingungen von Steam nicht zustimmen, müssen ihre Games nutzen und weiterverkaufen können. von Peter Steinlechner

Wer neuen Geschäftsbedingungen auf dem Onlineportal Steam nicht zustimmt, verliert den Zugriff auf sein Nutzerkonto – und damit auch auf seine teuer bezahlten Spiele. "Die Spieler fühlen sich durch Valves Vorgehen erpresst", sagt Sebastian Radtke von Theorigin.de , einem Zusammenschluss von Spielern, die sich mit Missständen in der Spielebranche auseinandersetzen.

Er und sein Team haben die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mit ihrer fachlichen Expertise bei einer Abmahnung von Valve unterstützt . Mehr dazu auch bei der Initiative "Surfer haben Rechte" . Das US-Unternehmen hat nun bis zum 26. September 2012 Zeit, eine Unterlassungserklärung abzugeben und seine Geschäftspolitik zu ändern. Andernfalls droht eine Klage.

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Konkret geht es um einen Vorfall Anfang August 2012. Damals hatte Valve die Nutzungsbedingungen von Steam geändert. Spieler, die sich anschließend eingeloggt hatten, mussten neuen Geschäftsbedingungen zustimmen. Wer das nicht tat und stattdessen auf "Abbrechen" klickte, hatte ab diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit mehr, auf Steam und seine Spiele zuzugreifen.

Praxis ist rechtswidrig

"Diese Geschäftspraxis ist rechtswidrig", sagt Carola Elbrecht von der Verbraucherzentrale Bundesverband. "Das wäre in etwa so, als wenn ich im Laden ein Brettspiel kaufe und ich das Spiel nur im Geschäft unter Beobachtung des Verkäufers spielen darf. Ändert der Verkäufer seine AGB, bleibt mir keine Wahl: Entweder ich stimme den Änderungen zu oder ich kann das Spiel nicht mehr nutzen, es verbleibt im Laden, und den bereits gezahlten Kaufpreis erhalte ich auch nicht zurück."

Gleichzeitig kämpft der Vzbv erneut dafür, dass Kunden die auf Steam gekauften Spiele weiterveräußern können. Das ist derzeit nicht möglich, weil die Games per Code untrennbar mit dem jeweiligen Nutzerkonto verknüpft sind. Auch die Übertragung eines Accounts auf einen Dritten sei nicht möglich, so die Verbraucherzentrale.

Die Verbraucherschützer hatten bereits früher gegen diese Praxis geklagt, den Prozess allerdings Anfang 2010 vor dem Bundesgerichtshof verloren .

Die Verbraucherschützer rechnen sich inzwischen offenbar bessere Chancen aus, weil der Europäische Gerichtshof Mitte 2012 in einem Urteil grundsätzlich entschieden hat , dass gebrauchte Software, die per Download erworben wurde, auch weiter veräußert werden darf. Valve hat sich bislang nicht zu Vorgängen geäußert.

Erschienen bei golem.de

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Leserkommentare
  1. dass die Sicherheitsmethoden darauf abzielen den Sekundärmarkt trocken zu legen und nicht wie von Valve, EA und Co. gesagt sich vor ill. Kopien zu schützen.

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    Da es anscheinend nicht möglich ist, einen brauchbaren Kopierschutz zu entwickeln, denn alle diese Spiele kann man auch ohne Steam und Co. sich illegal im Netz runterladen, sollen die ehrlichen Kunden zu Vollpreiskäufen genötigt werden. Niemand soll mehr die Möglichkeit haben, seine Sammlung bei ebay zu verschachern. Aber wehe eine dieser Firmen geht mal pleite oder hat einen Servercrash, dann kann niemand mehr die Spiele spielen.

  2. Da es anscheinend nicht möglich ist, einen brauchbaren Kopierschutz zu entwickeln, denn alle diese Spiele kann man auch ohne Steam und Co. sich illegal im Netz runterladen, sollen die ehrlichen Kunden zu Vollpreiskäufen genötigt werden. Niemand soll mehr die Möglichkeit haben, seine Sammlung bei ebay zu verschachern. Aber wehe eine dieser Firmen geht mal pleite oder hat einen Servercrash, dann kann niemand mehr die Spiele spielen.

  3. ... aber jetzt wäre nocheinmal sehr interessant, - ganz dumme, aber echt ernstgemeinte Frage - aus welchem Grund man nun den neuen Geschäftsbedingungen nicht zustimmen kann oder soll. Gibt es dort einen besonderen Haken? Ich habe es nämlich nicht herausbekommen, da man dazu min. 20 Seiten Kleingedrucktes lesen müsste, ohne hinterher viel schlauer zu sein. Das wollten wahrscheinlich die meisten "Verweigerer" vermeiden. Gibt es da Erkenntnisse?

    • lxththf
    • 18. September 2012 14:40 Uhr

    wird sich noch ausweiten, weil es die Spieler (vor allem die jüngeren) die Spielewelt ohne Kontrolle nicht mehr kennen. Für sie ist es normal bei facebook gläsern zu sein, warum dann nicht auch für die Spieleindustrie? Wer erinnert sich noch an die Zeit, als es hieß "möchten Sie Ihr Spiel registrieren?"? Wieviele haben da wohl auf "Nein" geclickt.
    Zum Glück gibt es noch genügend Zocker denen bewußt ist, dass es den Publishern nicht um die Kunden geht, denn sonst:
    1. würde der Markt nicht überschwemmt werden mit halbfertiger Software
    2. Man den Spielern vertrauen und es beim "normalen" Kopierschutz belassen
    3. Spiele nicht nach Marktforschungskriterien entwickelt werden
    4. Man auf Exklusivtitel für Plattformen verzichten
    5. Man den Entwicklern Zeit geben
    6. Den Spielern keinen dauerhaften Onlinezwang auferlegen
    7. Die Spieler schätzen und die Preise entsprechend anpassen
    8. Spiele zum Weiterverkauf frei geben, damit Spieler, die sich das Spiel vielleicht nicht leisten können, es dann vielleicht günstiger erstehen können
    Es gab mal eine Zeit, lang lang ists her.

    • Achenar
    • 18. September 2012 14:43 Uhr

    Also ich finde den "trubel" hier komplett unsinnig, wenn ich den Nutzungsbedingungen nicht zustimme, dann darf ich es nicht nutzen *PUNKT*
    Steam bietet nur 1 Dienst an der gebraucht wird und das ist, die Spiele die ich runtergeladen habe (via Steam) abzuspielen. Das können andere Programme auch. Wer googled der findet. Und wenn ich die Spiele von Steam runterladen will und die Nutzungsbedingungen nicht aktzeptiere? Witzlos, was soll das? Du willst den Dienst nutzen also mach den Hacken da rein und lade es dir runter! Bitte schreibt mir warum man die Bedingungen nicht akzeptieren sollte???
    PS: Wann vertreibt Steam endlich Musik und Videos?

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    • Case793
    • 18. September 2012 15:18 Uhr

    Das Problem ist, das Valve einseitig die Nutzungsbedingungen von Steam ändert, nachdem(!) man Spiele gekauft hat.
    Mal ganz abgesehen davon, das von "nutzen wollen", ja auch nicht wirklich die Rede sein kann. Man muss das Programm ja nutzen, wenn man bestimmte Spiele (ohne Crack) zum Laufen bringen will. Und die müssen ja noch nicht mal, über Steam gekauft worden sein, sondern können auch ganz normal im Laden oder beim Versandhändler erworben worden sein

    • lxththf
    • 19. September 2012 13:24 Uhr

    Nutzungsbedingungen hinterher geändert wurden und somit gekaufte Spiele nicht mehr spielbar waren. Weil ein Zweitvertrieb nicht möglich ist. Es gibt so viele Gründe. STEAM hat viele Vorteile, sollte nur eben die Rechte der Nutzer schützen.

  4. Valve's Steam ist in jeder Hinsicht eine Zumutung, von Anfang an. Da kauft man ein Spiel auf DVD und muß fassungslos zuschauen, wie das ganze Produkt online runtergeladen und die DVD überhaupt nicht genutzt wird - was ja wieder Ressourcen kostet, wenn man ein limitiertes Datenpaket von seinem Internet-Provider hat. Ganz zu schweigen vom Zeitaufwand: Civilization V - 2914 MB Daten, Napoleon Total War - drei Stunden über 1000 MB... Patches kommen ungefragt oben drauf, da suche ich sie mir lieber selbst zusammen und entscheide selbst ob ich die will und wann ich die will. Steam ist eine Quasi-Entmündigung des Verbrauchers, die Kaufware wird zur Leihware (auf Zeit, denn Steam gibt's auch nicht auf ewig), und ganz richtig, der Weiterverkauf wie mit Ihrem Auto, Buch, Videorekorder ist unmöglich gemacht. Ich habe bereits zwei Spiele erworben, die nach Versicherung der Verkäufer nicht aktiviert worden sein sollten, und sie waren's - Geld zum Fenster rausgeworfen. Da lernt man das fluchen auf Steam. Ich begreife gar nicht wieso die Spielergemeinde die Sache nicht von Anfang an durch rigorosen Boykott zum Scheitern gebracht hat. Ich jedenfalls meide Steam-Titel wie die Pest.

    • Case793
    • 18. September 2012 15:18 Uhr

    Das Problem ist, das Valve einseitig die Nutzungsbedingungen von Steam ändert, nachdem(!) man Spiele gekauft hat.
    Mal ganz abgesehen davon, das von "nutzen wollen", ja auch nicht wirklich die Rede sein kann. Man muss das Programm ja nutzen, wenn man bestimmte Spiele (ohne Crack) zum Laufen bringen will. Und die müssen ja noch nicht mal, über Steam gekauft worden sein, sondern können auch ganz normal im Laden oder beim Versandhändler erworben worden sein

    Antwort auf "Steam rockt!"
    • Panic
    • 18. September 2012 15:18 Uhr

    mit Steam. Ehrlich gesagt, genieße ich den Dienst. Letztes Wochenende war Crytek Rabatt. Crysis 1 für schlappe 3.75. Die Weekend Offers sind immer nice und es geht ratzfatz mit einer DL-Rate von 1.2 MB.

    Die Krux bei diesem Fall ist, dass die AGB's eben die AGB's des Services sind. Verweigert man sich diesen, dann werden AGB's sinnlos. Auf der anderen Seite verstehe ich die Kritik, da man "seinen" Besitz nicht mehr besitzt. Wortspielalarm :)

    Ich gebe aber mal zu bedenken. Angenommen Google ändert seine AGB's, ich diese aber nicht anerkenne und kein süßes Häkchen machen, habe ich dann noch Zugriff auf meinen Account? Wohl kaum. Und sind meine Emails nicht auch mein Eigentum? Nun, das hat mich nichts gekostet, aber es geht generell um virtuelle Dinge, die in einer Cloud gelagert werden. Kompliziert.

    Meine letzte Frage: Weiß hier irgendeiner, inwiefern sich die AGB's geändert haben? Der Artikel gibt das ja nicht her. Ist hier eventuell "too much drama" im Spiel?

    cheers

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    • KNF
    • 18. September 2012 15:33 Uhr

    Es ist doch unerheblich, inwieweit sich die AGBs geändert haben.
    Das im Artikel beschriebene Problem sind ja nicht die veränderten AGBs, sonder das Verändern der AGBs NACHDEM ein Spiel gekauft worden ist.
    Ob jetzt dieses eine Mal die AGBs nur verändert worden sind, um einen Rechtschreibfehler zu verbessern, ist egal, da es nächstes Mal auch sein kann, dass die AGBs um einen Punkt ergänzt werden, der die Zustimmung für viele User unmöglich macht und daher die Benutzung des bereits erworbenen Eigentums verhindert.
    Daher eher zu wenig Drama als zu viel.

    • Case793
    • 18. September 2012 15:33 Uhr

    ES geht zumindest beim Thema Steam nicht um etwas, was in der Cloud gelagert wird.
    Es kann doch einfach nicht angehen, dass man Spiele, die man "physisch" gekauft hat, nicht mehr nutzen kann, wenn man einer nachträglichen Änderung der AGB durch Valve nicht zustimmt. Das wäre ja so, als wenn ein Autohändler, einem nachträglich die Nutzung des gekauften Autos verbieten könnte, wenn man seinen neuen Vertragsbedingungen nicht zustimmt.
    Daher ist es auch völlig egal, was in den neuen AGB steht. Die Sache an sich ist eine Unverschämtheit.
    Die neuen AGB sollten nur für Neukunden gelten dürfen, bzw. wenn man nach Umstellung ein weiteres Spiel kauft!

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