Wer Dishonored spielen will, braucht Erfahrung. Erfahrung in Schleichspielen oder Erfahrung durch mühsamen Versuch und schmerzhaften Irrtum. Denn es dauert einige Stunden, bis Corvo, die Hauptfigur, so viele magische Fähigkeiten erlernt hat, dass er die Vorlagen in seiner Umgebung wirklich nutzen kann. Bis dahin ist Dishonored eher nicht das Meisterwerk, das sich viele durch die lange geschürten Erwartungen erhofft haben werden.

Dann aber eröffnen sich dem Spieler unzählige Wege. Wege, auf denen er im Kleinen experimentieren, die große Geschichte allerdings auch schnell aus den Augen verlieren kann. Dishonored – Die Maske des Zorns spielt in einer Welt, in der mittelalterliches Leben und Waffentechnik, die mit dem Öl von Walen betrieben wird, auf göttliche Wesen und Magie treffen. Es setzt dabei keine Maßstäbe im Storytelling, aber es ist eine fantasievolle Denksportaufgabe.

Das Spiel, das ab dem 12. Oktober in Deutschland für PC, Xbox und PlayStation 3 verkauft wird, erweitert das Genre des Schleich- und Meuchelspiels um eine kreative Dimension. Für jede Mission gibt es mehrere grundverschiedene Lösungswege, weil der Spieler seine Fähigkeiten so vielfältig kombinieren kann und weil es häufig mehr als einen denkbaren Pfad gibt. Dadurch lassen sich sogar Wege entdecken, an die nicht einmal die Entwickler gedacht haben dürften.

Der Publisher Bethesda deutet in den Vorab-Videos an , dass genau das die Herausforderung des Spiels ist: kreatives Umgehen von Feinden oder kreatives Umbringen. Die Entwickler sagen, dass selbst ein Durchgang völlig ohne Todesopfer möglich ist. Einer von ihnen verkündete in einem Forum , dass er dafür 22 Stunden Spielzeit brauchte.

Auch die Geschichte entfaltet sich nur langsam. Corvo, der Leibwächter der Kaiserin, wird Opfer eines Komplotts. Er wird beschuldigt, die Kaiserin getötet zu haben und wird ins Gefängnis geworfen. Mit seiner Flucht beginnt das eigentliche Spiel. Bis der Spieler aber das zu sehen bekommt, was ihm in vielen Trailern spätesten seit der Gamescom in Köln präsentiert wurde , muss er zunächst einige wenig mitreißende Missionen erfüllen.

Die Stadt ist der Star

Der heimliche Star des Spiels tritt erst danach wirklich in Erscheinung – es ist die Stadt Dunwall. Hier regiert der Verfall, der gesellschaftliche, gesundheitliche und moralische. Die Reichen lassen sich im Badehaus verwöhnen, die Armen werden eingezäunt, damit die todbringende Seuche nur unter ihresgleichen grassiert.

Die Tallboys, schwer bewaffnete Wächter auf Metallstelzen, sind Sinnbild der vorab von vielen mit dem Begriff Steampunk beschriebenen Atmosphäre, auch wenn das streng genommen nicht zutrifft. Denn mit Dampf wird hier nichts betrieben. Walöl ist der Treibstoff für die Todesmaschinen, und Dunwall ist eine Walfängerstadt, feucht, düster und ungemütlich.