Games-ModdingSpielefirmen machen Fanprojekten das Leben schwer

Wenn Fans ein Spiel nachbauen wollen, tun sie gut daran, den Rechteinhaber vorher zu fragen. Doch selbst dann verhindern Firmen gern solche Modding-Projekte. von 

Szene aus dem Fanprojekt MERP, das den "Herr der Ringe" als Computerspiel bauen wollte

Szene aus dem Fanprojekt MERP, das den "Herr der Ringe" als Computerspiel bauen wollte  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

Jahrelang hatten die Entwickler an dem Projekt gearbeitet, hatten Berge aufgeschichtet und Täler ausgehoben, hatten Monster modelliert und Waffen nachgebaut. Das Middle Earth Roleplaying Project (MERP) sollte die Fantasy-Welt aus Herr der Ringe in einem Computerspiel erfahrbar machen – inklusive aller Figuren, Schauplätze und Handlungsstränge. Programmiert wurde es von Fans auf Basis eines bestehenden Computerspiels , es war eines der ehrgeizigsten Projekte dieser Art in der Games-Geschichte.

Doch Ende August erreichte die MERP -Verantwortlichen ein Unterlassungsschreiben. Absender war das Filmstudio Warner Bros., das die Lizenzrechte an Herr der Ringe besitzt. Eine Veröffentlichung von MERP werde die Kunden verwirren, die Marke verwässern und andere Produkte kannibalisieren, so der Warner-Anwalt. Mit anderen Worten, der Konzern war dagegen und verlangte, das Projekt sofort zu stoppen.

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Die Fans hatten viel investiert und wollten verhandeln : Man sei bereit, die komplette Haupthandlung um Ringträger Frodo Beutlin aus dem Spiel zu streichen. Man sei auch bereit, das Spiel umzubenennen und auf eine öffentliche Präsentation und Distribution zu verzichten. Keine Chance, Warner wollte nicht. Das Unternehmen betreibt unter anderem das Onlinerollenspiel Lord of the Rings Online und will eine Lego-Version der Saga herausbringen.

Seit Anfang September liegt MERP nun auf Eis. Die Zukunft des Vorhabens ist mehr als ungewiss.

Gestoppt und gesperrt

MERP ist nicht das erste von Fans modifizierte Spiel, das mit einer Unterlassungsforderung konfrontiert ist. Bereits 1997 stoppte 20th Century Fox den Neubau Alien Quake , der Weltraumhorror und First-Person-Shooter zusammenbringen sollte. Seitdem werden von Firmen untersagte Fanprojekte auch als foxed bezeichnet.

Ein ähnliches Schicksal ereilte 2004 das Spiel Chrono Resurrection , ein Remake des japanischen Rollenspiels Chrono Trigger . Rechteinhaber Square Enix unterband es, obwohl weit und breit keine offizielle Fortsetzung in Sicht war.

Ressurection -Entwickler Nathan Lazur zeigte sich vom Vorgehen der Spielefirma zwar enttäuscht, aber nicht verbittert. Künftigen Moddern riet Lazur , eine Demo-Version ihres Projekts möglichst früh dem Publisher vorzulegen: "So kann es mehr wie ein herkömmliches Geschäft behandelt werden."

Vorwurf: Naive Entwickler

Die Entwickler von MERP hatten genau das nicht getan, weshalb ihnen in Diskussionsforen immer wieder Naivität vorgeworfen wird. Auch der Blogger TotalBiscuit schlägt in diese Kerbe : "Wer würde schon sechs Lebensjahre in eine solch gigantische Modifikation investieren – und zu keinem Zeitpunkt darüber nachdenken, ob die Firma, der die Rechte an dem ganzen verwendeten Material gehören, vielleicht eine Ausnahme macht? Das ist total dämlich."

Doch selbst wenn sich Modder um Transparenz bemühen, sind sie auf das Wohlwollen der Rechteinhaber angewiesen. Ein abschreckendes Beispiel ist das schier endlose Gezerre um das Fanprojekt King's Quest IX: Every Cloak Has A Silver Lining . Schon zu Beginn kündigten die Macher offiziell an, sie würden das Projekt im Falle eines Urheberrechtskonflikts stoppen. Die Unterlassungsforderung kam dann aber erst 2004, als das Projekt schon vier Jahre alt war.

Leserkommentare
    • Gerry10
    • 01. Oktober 2012 19:28 Uhr

    ...um ein Mod zu spielen brauche ich in der Regel das Original, welches ich unter normalen umständen nicht gekauft hätte, weil mich das Spiel nicht interessiert.
    Und wenn doch, was ist schon verloren wenn jemand ein bereits gekauftes Spiel radikal-modded?
    Zweimal kaufe ich mir das gleiche Spiel bestimmt nicht.
    Oblivion und Skyrim habe ich auch wegen der Mods gekauft obwohl Rollenspiele eigentlich nicht mein Ding sind.
    Es war aber faszinierend zu sehen wie diese Spiele von Woche zu Woche anders, ja besser werden.

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    • sf2000
    • 02. Oktober 2012 7:07 Uhr

    ... ist in diesem Fall aber Bethesdas Skyrim. Gleichzeitig haben wir in den letzten Jahren nicht ein einziges Spiel unter dieser Lizenz gesehen, dass sonderlich gut bewertet worden wäre oder sonderlich gut verkauft worden wäre. Nun könnte man immer noch sagen, dass Warner davon profitiert, dass Menschen sich mit dem Stoff beschäftigen - sind da demnächst nicht auch wieder ein paar Filme fällig? - aber das ist zu abstrakt und nicht mit $ und % zu berechnen.

    ...geworfen!

    Ich mach das mal am Beispiel DayZ fest:
    Natürlich wurde die Mod nicht verboten, da sie wie gesagt die Verkaufszahlen von ArmAII anheizt.
    Würde die Mod jedoch "The Walking Dead - The Game" heißen und Charaktere aus der Serie enthalten, hätte _HBO_ die Möglichkeit und Grund dagegen vorzugehen.
    Die ArmAII-Macher haben zwar auch die Möglichkeit gegen DayZ vorzugehen, aber keinen Grund! Im Gegenteil, afaik machen sie die Mod sogar zu einem eigenständigen Spiel.

    • Socke9
    • 20. Oktober 2012 12:27 Uhr

    Kann ich unterschreiben.
    Black Mesa gedownloadet. Weil es umsonst ist, habe ich gar nicht lange überlegt und war begeistert.
    Dann dieses Video gesehen: http://www.youtube.com/wa...

    und gleich die Orange Box gekauft.
    Tolle Spiele

    • Psy03
    • 01. Oktober 2012 19:40 Uhr

    hat machen lassen und dann, wo der Mod bald fertig ist "Ach nö, lasst doch mal sein!"

    Bitter!
    Da würde ich als Modder durchdrehen!

  1. 3. Schade

    Die Angst vor quasi kostenloser Konkurrenz wird wohl die primäre Sorge Warners gewesen sein. Mods sind meist mit Liebe erstellt, was nicht jedem kommerziellen Produkt anhängt.

    Und Free-to-Play-Titel sind nur auf den ersten Blick kostenlos, weswegen der Zulauf dort ja nicht gestört werden soll.

    Ich könnte mir vorstellen, dass, wenn man Warner deutlich genug macht, dass sie auch mit der Mod Geld verdienen können, es ein Einlenken gibt. Schließlich steckt in der Mod ein Haufen Arbeit, die nun kein Warner-Programmierer mehr übernehmen muss, inklusive des anschließenden Testens.

    Schade eben nur, dass man den Ruf schon mal ruinierte, indem man die Anwälte losschickte.

  2. oder doch nicht...

    Das jemand seine Gedanken/Ideen in sichtbarer/begreifbarer Form setzt darf nicht verboten sein....besonders dann nicht, wenn keine kommerzielle Interessen der "Gedankenmacher" vorhanden sind.

  3. 5. leute

    warum streicht ihr nict einfach alle bezüge zum lodr? orks und elfen sind doch wohl mittlerweile gemeingut und in so vielen spielen vorhanden... das sollten die modder aus prinzip machen. soweit verfrmden dass es ok ist und trotzdem rausbringen. soll warner doch seinen merchmist raushauen, dass ist alles müll und unspielbar, reine gelddruckerei.

    btw: haben die echt alle rechte an tolkien?

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    btw: haben die echt alle rechte an tolkien?

    Das war auch mein erster Gedanke, als ich das gelesen hatte. Nun schätze ich zwar durchaus die Verfilmung und freue mich auch auf das Prequel, aber dass mit diesem Deal automatisch quasi die ganze Welt in deren "Besitz" übergegangen ist, erscheint mir irgendwie seltsam. Naja, spätestens 2043 sollte sich das Thema erledigt haben...

    • Xarx
    • 03. Oktober 2012 2:36 Uhr

    Das mit den eigenen Ideen hätte man durchaus machen können. Ich glaube aber nicht, dass man das Projekt jetzt noch derartig umändern kann. Es geht hier ja nicht um ein paar kleine Veränderungen. Die ganze Map ist wahrscheinlich an LotR angepasst, dazu die ganzen Gebäude etc. etc. etc. ... zum ändern ist es da schon zu spät würd ich meinen.

    Zu den Rechten: wenn ich mich richtig erinnere hatte ich neulich mal gelesen, dass Warner Bros die Rechte an Herr der Ringe nicht mehr so lange hat (noch ein paar Jahre), da sich die Firma beeilen muss die Hobbit-Trilogie mit Peter Jackson fertig zu bekommen bevor sie die Rechte wieder abtreten muss. Ich spontan den Artikel aber nicht mehr finden... Davon ausgehend müsste das Mod-Projekt also nur abwarten.

    • ludna
    • 01. Oktober 2012 20:22 Uhr

    das gab es schon mal, vor einigen Jahren, mit einem Free Shard für Ultima Online. Kann mich nicht mehr an den Projekttitel erinnern.

    Dann kamen die Filme und EA und alles musste gestoppt werden. So gesehen waren die Modder wohl sehr jung und unerfahren und auch naiv.

    Aber wie Kommentar #5 schon sagte, man muss nicht LOTRO nachbauen, denkt Euch selbst was aus und es ist am Ende besser !

  4. wie das herkömmliche Urheberrecht die Kreativität ausbremst. Schade sowas.

    • Zigarre
    • 01. Oktober 2012 21:35 Uhr

    Es mag zu Blizzards weisesten Entscheidungen gehört haben, einen umfassenden und benutzerfreundlichen Editor zu Warcraft 3 zu liefern, der das Erstellen solcher Mods auch Einsteigern möglich gemacht und das Überleben des Spiels über ein Jahrzehnt gesichert hat.
    DotA hat eine mittlere einstellige Millionenzahl(!) von Spielern angezogen. Und Dota 2 hat gute Chancen, sich für Jahre einen festen Platz in der Riege der Strategiespiele zu sichern. Die seit Monaten laufende Beta wurde längst von Spielermassen überrannt.

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