Wer eine Pixelwaffe in die Hand nimmt, greift auch in der realen Welt zur Waffe. Wer Videospiele spielt, verwandelt sich in eine Bestie. Das propagieren vermeintliche Experten, wenn sie von Killerspielen reden und entlarven dabei nur, dass sie nichts von Spielen wissen.

Computerspiele schaffen durch ihre Interaktivität Erlebnisse, die so intensiv und komplex sind, dass Film oder Buch damit nicht konkurrieren können. Wer sich mit den virtuellen Welten beschäftigt, geht auf eine Reise, die spannender ist als der Weg Frodos zum Schicksalsberg.

Ein Beispiel ist das Spiel Flower auf der Playstation. In diesem Spiel lenke ich ein einzelnes Blumenblatt. Langsam steige ich empor und segle über eine Wiese. Auf meiner Reise treffe ich immer wieder Blumen, die noch nicht erblüht sind. Berühre ich sie mit meinem Blatt, schöpfen sie Kraft, erblühen und fliegen mit mir. Ich fülle dunkle Wiesen und Gebäude mit Farbe. So entsteht ein Schwarm aus Blüten, ein regelrechtes Gemälde. Im Einklang mit dem Wind vollführt der Schwarm einen Tanz aus Farben und Harmonie.

Flower ist ein fröhliches, euphorisches Spiel. Es ist ein Beispiel dafür, wie einfach und doch wunderschön ein Videospiel sein kann, wie erfüllend es sein kann, etwas zu verändern. Flower entspannt: Zehn Minuten spielen nach der Arbeit, und ich fühle mich besser als nach einem langen Bad.

I Am Alive zeigt ähnlich gut, wie Computerspiele wirken können, wenngleich es in jeder Hinsicht andere Wege geht. Das Game bebildert eine Apokalypse: Ein Schleier aus Staub drückt der Stadt Haventon ihren Stempel auf, passend zur Szenerie aus Kannibalen, Banditen und Leid. Der Nebel mutiert zum Tor der Hölle – wer sich hineinwagt, erblickt die Abgründe der Menschheit. Ich muss dort virtuelle Menschen töten, die genau wie ich ums Überleben kämpfen. Das Spiel zeigt mir, welche Werte wichtig sind und wie schnell sie im Zweifel in Vergessenheit geraten.

Eine Geschichte, die dem Film The Road sehr nahe kommt. Die jedoch dank der Interaktivität noch viel furchterregender und bedrückender ist als in dem Film. Eben weil ich selbst diese Aktionen ausführe, weil ich handele, ich die Hauptperson bin.

Genau das macht die Faszination an so manchem Titel aus: Spiele bringen nicht nur Spaß, sie können zutiefst spannend oder entspannend sein, sie können zum Nachdenken anregen und in Sachen Dramaturgie neue Wege gehen. Wer sich nicht mit dem Medium beschäftigt, weiß das nicht.