Games : Videospiele sind besser als Bücher

Games sind mehr als stupide Ballerspiele – für Leser Jannick Gänger sind sie interaktive Abenteuer: spannender, entspannender und lehrreicher als jedes Buch.

Wer eine Pixelwaffe in die Hand nimmt, greift auch in der realen Welt zur Waffe. Wer Videospiele spielt, verwandelt sich in eine Bestie. Das propagieren vermeintliche Experten, wenn sie von Killerspielen reden und entlarven dabei nur, dass sie nichts von Spielen wissen.

Computerspiele schaffen durch ihre Interaktivität Erlebnisse, die so intensiv und komplex sind, dass Film oder Buch damit nicht konkurrieren können. Wer sich mit den virtuellen Welten beschäftigt, geht auf eine Reise, die spannender ist als der Weg Frodos zum Schicksalsberg.

Ein Beispiel ist das Spiel Flower auf der Playstation. In diesem Spiel lenke ich ein einzelnes Blumenblatt. Langsam steige ich empor und segle über eine Wiese. Auf meiner Reise treffe ich immer wieder Blumen, die noch nicht erblüht sind. Berühre ich sie mit meinem Blatt, schöpfen sie Kraft, erblühen und fliegen mit mir. Ich fülle dunkle Wiesen und Gebäude mit Farbe. So entsteht ein Schwarm aus Blüten, ein regelrechtes Gemälde. Im Einklang mit dem Wind vollführt der Schwarm einen Tanz aus Farben und Harmonie.

Flower ist ein fröhliches, euphorisches Spiel. Es ist ein Beispiel dafür, wie einfach und doch wunderschön ein Videospiel sein kann, wie erfüllend es sein kann, etwas zu verändern. Flower entspannt: Zehn Minuten spielen nach der Arbeit, und ich fühle mich besser als nach einem langen Bad.

I Am Alive zeigt ähnlich gut, wie Computerspiele wirken können, wenngleich es in jeder Hinsicht andere Wege geht. Das Game bebildert eine Apokalypse: Ein Schleier aus Staub drückt der Stadt Haventon ihren Stempel auf, passend zur Szenerie aus Kannibalen, Banditen und Leid. Der Nebel mutiert zum Tor der Hölle – wer sich hineinwagt, erblickt die Abgründe der Menschheit. Ich muss dort virtuelle Menschen töten, die genau wie ich ums Überleben kämpfen. Das Spiel zeigt mir, welche Werte wichtig sind und wie schnell sie im Zweifel in Vergessenheit geraten.

Eine Geschichte, die dem Film The Road sehr nahe kommt. Die jedoch dank der Interaktivität noch viel furchterregender und bedrückender ist als in dem Film. Eben weil ich selbst diese Aktionen ausführe, weil ich handele, ich die Hauptperson bin.

Genau das macht die Faszination an so manchem Titel aus: Spiele bringen nicht nur Spaß, sie können zutiefst spannend oder entspannend sein, sie können zum Nachdenken anregen und in Sachen Dramaturgie neue Wege gehen. Wer sich nicht mit dem Medium beschäftigt, weiß das nicht.

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Kommentare

55 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Ich mag Spiele auch,...

...aber warum das ewige Vergleichen? Wir können uns darauf einigen, dass die Medien unterschiedliche Wirkungen entfalten. Aber es gibt hier kein besser oder schlechter, denn die starke Bebilderung der Spiele nimmt einem wiederum etwas, dass dem Buch eigen ist: die eigene Phantasie.

Games vs Book

Wenn ich jetzt kein Zocker wäre, dann würde ich sagen: Gewagte These. Als Zocker sage ich aber: "Sorry, aber das ich überhaupt nicht so." Vor allen Dingen dann, wenn man z.B. Tolkien mit ins Boot holt. In meinen Augen, was das Genre betrifft, unübertroffen. Kein Game der Welt, vermag diese Geschichte einzufangen. Nicht WOW, nicht Guildwars, nicht Rift...etc. etc. etc. Und das sind Games, die das Game adaptiert haben.

Games lassen sich meiner Meinung nach "noch" gar nicht mit Literatur vergleichen. Selbst gute Geschichten in "Games" können keinem guten Buch das Wasser reichen. Eine komplexe Geschichte ist in meinen Augen "noch" zuviel für ein Game. Die Stories, die ich aus vielen Games kennengelernt habe, waren auf teilweise wirklich hervorragendem Niveau. Das aber mit Blick auf "Stories in Games". Die Geschichte spielt in Games noch immer eine Nebenrolle. Sie muss der Interaktion weichen, die natürlich Einfluss nehmen kann oder nimmt.

Wenn ich so zurück denke, dann war nur Shadow of the Colossus in der Lage mich emotional wirklich zu berühren. Und dafür brauchte es keine große Story, sondern nur eine unglaubliche Atmosphäre und Stimmung, die eine Beziehung zwischen Spieler und Enemy aufbaute. Wenn ich in COD mit Antikriegs-Messages zugeballert werden, dann tangiert mich das überhaupt nicht. Ich empfinde das eher als verlogen. Dann doch lieber "Im Westen nichts Neues" in Buchform.

cheers

Ich stimme zu!

Ich stimme teilweise zu. Ich wollte mit meinem Artikel auch nicht alle Bücher verurteilen und ein allgemein gültiges Urteil schaffen. Ich wollte Denkanstöße geben.

Ich lese derzeit zum gefühlt 100. Mal mein Lieblingsbuch "Die Kinder Hurins" von Tolkien: Was der Mann da an Dramatik und Charaktervielfalt rauslässt, ist der Wahnsinn. Anderes Beispiel: Ich habe vor wenigen Tagen das Buch "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" gelesen. Wie soll ich sagen? Selten hat mich ein Buch, Film oder Spiel so berührt.

Ich lese viel und gern. Ich bin sowohl mit Videospielen als auch Büchern aufgewachsen. Beide Formate können mich zutiefst berühren. Dank der Interaktivität schaffen es einige Spiele mehr als ein Buch. So glorreiche Titel wie Journey, Ico, Shadow of the Colossus, Heavy Rain oder I am Alive erzählen viel, ohne mit der Handlungskeule draufzuschlagen und wilde Dialoge vom Zaun zu brechen. Sie leben teilweise von der enormen Bildsprache. Aber auch Bücher schaffen es, mich absolut sprachlos zu machen. Es gibt solche und solche. Was ich aber sagen will: Videospiele sind eben nicht nur Killerspiele oder Spaßmacher - sie können genau so tiefgehend und emotional sein wie ein gutes Buch.

Sind wir nicht schon weiter?

Ich habe mich beim Lesen gefragt, ob wir heute nicht eigentlich schon so weit sind, dass es solcher Kampfschriften nicht mehr bedarf? Spiele sind doch schon lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen und man beklagt sich weniger über die Gefahr der Verrohung als über deren Kommerzialisierung und Gleichmacherei... Es fühlt sich etwas so an, als ob man gegen einen Feind kämpft, der schon lange besiegt wurde.

Apropos: Es gab in meiner Kindheit ein großartiges Computerspiel, dass sowohl Buch als auch Interaktivität vereinbart hat. Raymond Feist (zugegebenermaßen zurückblickend nicht der hellste Stern am literarischen Sternenhimmel) hat damals die Story für das Spiel "Betrayal at Krondor" geschrieben. Das Spiel wurde immer wieder wie ein Buch aufgemacht und es gab viele Dialoge usw. Es hat mich so sehr gefesselt, dass ich es immer wieder mal durchspiele, gesegnet sei DOSBox...

http://de.wikipedia.org/w...

Ich stimme nicht zu

Spiele können durchaus von der Story aus die Story eines Buches erreichen. Ich gebe zu, dass geschieht seltener, aber ich habe Spiele gespielt, die haben mich wirklich zum Nachdenken angeregt. Das waren natürlich vor allem RPGs, und keine Shooter.

Gleichzeitig aber ist es genau das Anzeichen von jemandem, der sich nicht wirklich mit Literatur auskennt, ein "Buch" auf seine Story zu reduzieren. Die Erzähltechnik spielt eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Rolle. Und diese Technik ist dem Buch zu eigen. Ein Spiel muss und kann auf andere Techniken zurückgreifen, u.a. auch auf Interaktion. Das ist doch nichts, was man als negativ abtun sollte. Das ist ein ganz eigener Reiz.

In einem Spiel kann man in ganz neue Welten eintauchen. Für mich ist es genauso unangemessen, Film mit Buch zu vergleichen wie Spiel mit Buch. Aber dennoch sind einige Spiele schon jetzt! für mich Kunst. (es gibt mehr schlechte als gute, keine Frage, das ist aber bei Büchern leider nicht anders).

Deswegen bedanke ich mich beim Autor für den Artikel:) Ich bin offensichtlich nicht allein mit der Meinung!

Spec Ops: The Line

Das Problem liegt nicht in den Möglichkeiten des Mediums, denn wenn man darüber genauer nachdenkt sind diese die gleichen wie in anderen Medien, nur noch mehr. Klar, im Vergleich zum Kinofilm fehlt vielleicht etwas vom Erlebnis, aber dennoch...
Das Problem liegt eher in den flachen Stories, die vor allem dem großen Aufwand geschuldet sind. Man investiert dann halt lieber ins Gameplay und in die Grafik...Das geht aber auch anders, wie Spec-Ops: The Line zeigt. Weder Filme noch Spiele, die ich bisher gesehen habe haben den Schrecken des Krieges bisher für mich so eindringlich und überzeugend dargestellt (auch wenn der Realismus naturgemäß oft auf der Strecke bleibt). Dies liegt vor allem daran, dass das Spiel die Möglichkeiten des Mediums auch wirklich ausnutzt, indem der Spieler, der ja von anderen Spielen gewohnt ist, sich mit der heroischen oder wenigstens ein wenig heldenhaften Hauptfigur zu identifizieren, gezwungen wird, eine deutlich andere Rolle zu spielen...die eines Zerbrochenen, eines Unmenschen wie es im Krieg jeder wird. Statt dass das Monströse am Krieg zum emotionslosen, heroifizierten Trip wird steigt der Schrecken für den Spieler mit jeder Stunde. Ebenso steigt der Hass für die Hauptfigur, welche jedoch in jeder Minute auch nur ein Opfer ist. Ich habe selten, vielleicht nie, etwas so aufwühlendes erlebt. DIESES Spiel zeigt, was dieses Medium auch narrativ zu leisten vermag. Vergleiche mit WOW sind bei diesem Thema vollkommen fehl am Platze!

Sorry, aber

wenn bei Ihnen allein die Werke von Tolkien als Reverenz herhalten müssen, was die Beurteilung von Litaratur im Allgemeinen angeht, dann frage ich mich, ob Sie der Richtige sind, das zu beurteilen.

Was ist mit Zola? Feuchtwanger? Dostojewski? Tschechow?....
Eben allen Autoren der sog. Weltliteratur? Diese sollten gemeinhin als Maßstab für >Literatur< gelten, sonst ist Ihr Vergleich ein höchst asymmetrischer....

Nun...

Das Problem ist immer das Über-einen-Kamm-Scheren. Vor allem ist dies das Problem der angsprochenen "Ahnungslosen". Es ist wie mit Büchern und Filmen: Auch da gibt es den stumpfen Groschenroman mit Berichten von Zeitzeugen des zweiten Weltkriegs, aus dem nicht viel herauszuholen ist. Auf der anderen Seite gibt es Romane wie The Road/Die Straße von Cormac MacCarthy, die Gedanken in den Kopf pflanzen können, welche dich verändern. Bei Spielen ist es die gleiche Parallele... Es gibt qualitativ enorme Unterschiede, die von der Öffentlichkeit schlichtweg noch nicht so stark wahrgenommen werden. Aber auch das wird sich mehr und mehr ändern, je größer der Anteil der Personen ist, die mit dem Medium Videospiel aufgewachsen ist. Es gibt schon heute Pädagogen, die Videospiele im Schulunterricht in verschiedenen Fächern thematisieren: Geschichte, Deutsch, Englisch, vielleicht sogar Politik... Der Anteil wird steigen.

Nicht hilfreich

Nun, Spiele gehören in kein Kinderzimmer. Da haben Eltern die Verantwortung, interessierte Kinder langsam an die Materie ranzuführen. Es gibt nicht umsonst USK-Einstufungen - wenn ein Kleinkind ein Spiel ab 16 spielt, ist das gefährlich. Das bezweifle ich nicht, zu keiner Sekunde. Doch da obliegt es den Eltern, richtig zu handeln und den Konsum zu kontrollieren und dosieren.

Und weiter?

Aha. Und weiter? Es gibt mindestens ein Dutzend Studien, die das Gegenteil besagen, die behaupten, Videospiele seien hilfreich. Allein die Aussage: Wer viel spielt, wird schlechter in der Schule. Verzeihung, aber dafür brauche ich keine Studie, um das zu behaupten. Das gilt für jede Altersgruppe, für jedes Alter, für jede Art von Mensch. Wer viel zockt, zu viel, der gerät in eine Spirale, die das Arbeits- und Privatleben vernachlässigt.

Ich kenne viele Kinder, die ab und zu ein bisschen spielen. Die lesen aber genau so viele Bücher, wenn nicht mehr, und sind verdammt gut in der Schule. Es kann auch sein: Je mehr ein Kind/Mensch liest, desto mehr vernachlässigt er sein restliches Leben. Das gilt für jede Art von Konsum. Videospiele machen nicht dumm, faul oder ähnliches. Es ist eine Frage der Dosierung, gerade bei Kleinkindern. Ganz einfach.

Nicht ganz

Das von Ihnen verlinkte Interview spricht von Kleinkindern von drei bis vier Jahren - da sollten Videospiele noch nicht unbedingt eingesetzt werden. Aber danach, wenn das Kind älter wird, kann es schon das ein oder andere Spiel spielen. Dosiert, in Beisein der Eltern, die bei etwaigen Fragen sofort da sind. Klar: Ego-Shooter mit expliziten Gewaltszenen sollten nur Jugendliche oder Erwachsenen spielen.

Fakt ist jedoch: Es gibt Studien, die Gegenteiliges behaupten. Ich habe in der Spielebranche gearbeitet, habe auch abseits vom Hobby damit beschäftigt. Wenn meine Kinder später Interesse an Videospielen bekunden, dann werde ich sie ganz langsam ran führen und erklären, was es zu erklären gibt.

Lieber H.v.T

Als IBMer Kind bin ich mit PC ausgewachsen und habe schon immer gezockt. Mit selbstverständlicher Duldung meiner Eltern. Ich habe kein Abitur, bin aber auf Grund meines Talents auf der Musikhochschule Mannheim aufgenommen worden. Bin ich nur ne Ausnahme? Dieser Neurokram ist für die Katz. Wie auch das Abitur :P Wie auch das ewige Rumgenörgel an Games und deren "angeblichen" Auswirkungen. Und jetzt zurück zu Tombraider Legend. Gabs dieses Wochenende als Weekendspecial auf Steam für nur 2,49 €.

cheers

Professor Manfred Spitzer

Der hat sich schon genüge als Pseudoexperte erwiesen.

Spricht sich gegen Internetbenutzung aus, aber gibt selber bei Jauch zu Google zu nutzen. (aber da ist es ok, er ist ja Experte) Uhh das Inet verändert das Gehirn. Das tut Schrifftlichkeit auch. Da haben schon die großen Griechen darüber gestritten, wieweit diese Vereinfachung auf Text, die nur den Ausschnitt einer Kommunikation darstellt, gesund ist

Zudem gibts genügend Hinweise das Leute die Videospiele spielen, besser mit Physik zurecht kommen, weil sie mit der Idee, die Welt mit Modelle, Formeln und Zahlen zu beschreiben, besser zurecht kommen.

Und räumliches Vorstellungsvermögen wird auch extrem gefördert. (Bei Doom zB durch Labyrinthe steuern mit zuschaltbarer Karte.)

Wer hingegen erwartet, dass ein Kind in einem Raum voller Spielsachen gut selbstständig Hausaufgaben machen kann, hat unrealistische Erwartungen. Es fällt mir ja heute noch schwer von zuhause zu arbeiten.

Zusammenfassend: Würde er nciht so einen Kreuzzug machen wär allen mehr geholfen. Und das 12h WOW am Tag nicht gesund sind am Tag, sehen die meisten ein

Pseudo-Experte

zum Link auf Manfred Spitzer:

Wieder so ein Pseudo-Experte. Behauptet einfach, Kinder könnten erst ab 3 Jahre einen Film verstehen. Mein Sohn hat auch mit 2 Jahren Youtube-Videos geguckt und verstanden. Kinder hören halt nicht auf Pseudo-Experten.

Im 19. Jahrhundert galten bekanntlich Bücher als schädlich, noch meine Mutter musste als Kind heimlich unter der Bettdecke lesen.