Games-BranchePC-Spiele erreichen das nächste Level

Sie waren schon totgesagt. Doch der Markt für PC-Spiele ist lebendig wie selten zuvor – und wird es bleiben. Dafür sorgen neue Vertriebswege, Spielkonzepte und Hardware. von 

Counter-Strike-Spieler bei den World Cyber Games

Counter-Strike-Spieler bei den World Cyber Games  |  © Sascha Schürmann/dapd

Für manche ist es eine Glaubensfrage wie Apple oder Microsoft , Cola oder Pepsi , Dortmund oder Schalke: Spielt man besser auf der Konsole oder auf dem PC? Seit Jahren streiten sich nicht bloß die Spieler leidenschaftlich um die Antwort, auch in der Branche wird die Spieleplattform der Zukunft diskutiert. Zumeist fiel die Wahl auf die Konsolen oder mobile Endgeräte. Denn während Tablets und Smartphones immer beliebter werden, brechen die Zahlen der verkauften Desktop-Computer ein, wie auch der jüngste Marktbericht zeigt .

Umso überraschender ist es, dass sich in den letzten Monaten die Meldungen mehrten, dass ausgerechnet die PC-Spiele ihr Comeback feiern . Jetzt, da das Ende der aktuellen Konsolengeneration naht , steht der PC plötzlich wieder häufiger im Mittelpunkt. Nicht ganz unabhängige Prognosen wie die des Grafikchipherstellers Nvidia sehen den Verkauf von PC-Spielen bis 2014 sogar erstmals seit Jahren wieder vor dem Verkauf von Games für Konsolen .

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Das mag eine optimistische Annahme sein. Fakt ist aber, dass der Anteil der PC-Spiele in den letzten Jahren wider Erwarten stabil blieb. Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) etwa sieht im ersten Halbjahr 2012 zwar einen leichten Rückgang sowohl bei den verkauften Konsolen- wie PC-Spielen in Deutschland, gleichzeitig konnte bei höheren Preisen aber der Umsatz mit PC-Spielen gesteigert werden. Ähnliche Trends lassen sich auch in den USA beobachten, wo die Zahl der "Kernspieler" zugunsten von mobilen und Online-Spielern abnimmt, der Absatz der PC-Titel im vergangenen Jahr aber zugenommen hat .

Fakt ist ebenfalls, dass die PC-Spiele unter Entwicklern und Verlagen wieder einen wichtigeren Stellenwert einnehmen. Klagten vor einigen Jahren die Spieler noch über mangelnde oder verkorkste Portierungen von der Konsole auf den Computer, haben jüngere Entwicklungen den PC wieder attraktiver gemacht. So attraktiv, dass selbst exklusive Konsolentitel wie Alan Wake mit zweijähriger Verspätung doch noch für den Computer erscheinen.

Die Plattform als Bibliothek

Zu verdanken ist das unter anderem den Online-Vertriebsplattformen . Die größte heißt Steam und wird seit 2004 vom Spielestudio Valve betrieben. Mit weit über 30 Millionen Nutzern und circa 70 Prozent Marktanteil besitzt Steam inzwischen eine quasi-Monopolstellung : Wer sein Spiel erfolgreich digital vertreiben möchte, kommt an Steam kaum noch vorbei – zum Unmut der Konkurrenz. Weil Valve von jedem Titel einen Teil der Einnahmen für sich abzwackt, betreiben Publisher wie Electronic Arts deshalb eigene Plattformen.

Doch ganz gleich, ob die Plattform nun Steam , Origin , Desura oder GameFly heißt, sie alle ermöglichen den Nutzern etwas, das lange Zeit eigentlich den Konsolen vorbehalten war: Einen unkomplizierteren Weg vom Online-Kauf über die automatische Installation bis hin zur Pflege der individuellen Spiele- und Freundesliste. Zwar gibt es immer wieder berechtigte Kritik an Kopierschutzmaßnahmen und der Online-Pflicht einzelner Spiele, doch nie war es einfacher und komfortabler, auf dem PC zu spielen. Auch wenn sich Kompatibilitätsprobleme nie ausschließen lassen, hat sich der PC vom Ruf der angestaubten Kiste für Hardcore-Gamer und Techniknerds verabschiedet.

Indies, Mods und Free to Play

Die neuen Vertriebsplattformen bringen nicht nur neue Spieler an den PC und den Einzelhandel in Bedrängnis, sondern auch neue Spielformen mit sich. Bestes Beispiel: Indie Games. Attraktive und preisgünstige Bundles , Crowdfunding-Kampagnen, indiefreundliche Plattformen und Erfolgsgeschichten wie Minecraft haben in den vergangenen Jahren die Szene der unabhängigen Entwickler angetrieben. Herausgekommen sind zahlreiche neue und innovative Spielkonzepte, die immer häufiger auch größere Titel inspirieren.

Das ist kein alleiniger Verdienst des PC – auch die Indie-Games auf den Konsolen florieren – doch die Freiheit in der Entwicklung und den Verbreitungsmöglichkeiten hat maßgeblich zum Erfolg der Szene beigetragen. Der Games-Blogger Alec Meer von Rock, Paper, Shotgun sieht in dieser Freiheit und der unmittelbaren Verbreitung von Inhalten über Twitter und Facebook sogar eine kommende "Vorherrschaft der PC-Spiele" begründet.

Leserkommentare
    • eeee
    • 13. Oktober 2012 19:33 Uhr

    Militaristischer Weltraumballerschwachsinn wie schon seit Jahrzehnten...

    • Juge
    • 13. Oktober 2012 19:35 Uhr

    Mit jedem neuen Spiel fließen ca. 20 Euro Subventionsgelder an den Konsolenhersteller. Bei meiner Sammlung an Spielen hätte ich meine Hardware mit über 2.000 Euro subventioniert.

    Da ich aber PC-Gamer bin, kosten meine Spiele nur die Hälfte. Und mein PC kann viel mehr.

    Beispiel 1: http://www.youtube.com/wa...

    Beispiel 2: http://www.youtube.com/wa...

    Beispiel 3: http://www.youtube.com/wa...

    Antwort auf "Überteuert?"
    • Thems
    • 13. Oktober 2012 19:54 Uhr

    Ich war früher auch PC-only Spieler. Zwischen N64 und Wii hatte ich keine Konsole zu hause stehen. Aber einen High-End-Rechner hatte ich auch nie, eil ich ihn mir einfach nicht leisten konnte und wollte. Irgendwann kam dann auch die XBox 360 dazu. Jetzt konnte ich halbwegs aktuelle Spiele zocken, ohne mir den Kopf zerbrechen zu müssen, ob es denn auch auf meinem System lauffähig ist. Auch muss ich mir keine Gedanken um DRM machen (auch wenn ich bspw. mit Steam keine Probleme hatte).
    Zudem habe ich immer lieber mit Controller gezockt (meistens Action-Adventures oder auch mal Sportspiele). Zunächst war die Controller-Steuerung eine extreme Umstellung, war ich doch dank Counter Strike entsprechend an eine Maus-Steuerung gewöhnt. Aber mit der Zeit wurde ich schneller, nie so schnell wie mit der Maus, aber doch so schnell, dass ich mithalten konnte: Denn die anderen Spieler haben ebenfalls die "Limitierung" des Gamepads zu spielen. Somit ist eine Balance vorhanden, die den Spielspaß nicht mindert.

    Eine Konsole ist einfacher: Ich habe ein System, auf dem alles läuft, das ich nicht upgraden muss, und das ich getrennt von meinem Arbeitsgerät nutzen kann. Spiel rein, ggf. mal nen Patch laden und los geht's.

    Gute Spiele brauchen keine gute Grafik, Gaming PCs sind genauso proprietär wie Konsolen, und der Preis ist in Ordnung. Lediglich bei Indie-Games werde ich neidisch.

    Mir ist es egal wie andere Leute spielen. Ich persönlich spiele lieber auf der Konsole.

    Antwort auf "Der PC war nie tot"
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    • Xarx
    • 13. Oktober 2012 20:03 Uhr

    Dass man einfach nur das Spiel in die Konsole einschieben muss höchstens noch das Ganze installiert und von da an problemlos zocken kann ist leider nicht mehr in jedem Falle möglich. Mein ehemaliger Mitbewohner hat eine PS3 und hatte sich ein Herr-der-Ringe spiel gekauft (ich glaub Krieg im Norden). Das war teilweise so sehr verbuggt, dass er von vorne anfangen musste. Ich will damit sagen: verbuggte Spiele gibt's nicht nur für den PC, die Konsole ist mittlerweile davor auch nicht mehr sicher, sprich einfach Spiel kaufen und zocken ist kein Argument mehr für die Konsole.

    • Xarx
    • 13. Oktober 2012 20:03 Uhr

    Dass man einfach nur das Spiel in die Konsole einschieben muss höchstens noch das Ganze installiert und von da an problemlos zocken kann ist leider nicht mehr in jedem Falle möglich. Mein ehemaliger Mitbewohner hat eine PS3 und hatte sich ein Herr-der-Ringe spiel gekauft (ich glaub Krieg im Norden). Das war teilweise so sehr verbuggt, dass er von vorne anfangen musste. Ich will damit sagen: verbuggte Spiele gibt's nicht nur für den PC, die Konsole ist mittlerweile davor auch nicht mehr sicher, sprich einfach Spiel kaufen und zocken ist kein Argument mehr für die Konsole.

    Antwort auf "Eine Sichtweise"
  1. Das geht nur, indem alle den Bezahlcontent ignorieren oder die Spiele gar nicht mehr spielen.
    Wenn dann sogar Spiele für die man viel Geld ausgegeben hat auch noch herabgesetzt werden, wenn man nicht noch mehr Geld ausgibt, wie bei BF3 mit dem Premium Pack, dann wird das noch bescheidener.
    Solange das aber so viele akzeptieren, ändert sich nichts, das ist, wie in der Politik...

  2. haben wir es immer noch nicht gelernt ....

    Nicht die Daten der Konsolen/PC's haben in der Vergengenheit darüber entschiden wer Marktanteile bekommt und wer sie verliert, sonder die Software.

    War es nicht schon immer so das es nun mal Titel gibt die sich auf konsolen besser Spielen ? Und auch titel die besser auf den PC waren ?

    Beides Wird wohl weiterleben, auch wenn eine Verknüpfung wünschenswert wäre.

    Spieler habe mit der Zeit schon immer nach Complexeren Spielen verlangt, und so wird auch die neue "Gamerschaft" von Facebook und App spielen mit der Zeit nach Complexeren Titeln verlangen.

    Beides wird also überleben, und es wäre cool einen PC/Konole zu haben wo man mit tatatur und maus spilen könnte, sich aber auch mit Kontroler auf das sofa vor den Ferseher setzen könnte.

    Antwort auf "Der PC war nie tot"
  3. Alle PC- Spiele unterliegen einer gewissen vorhersag Psychologie, sprich der Programmierer muß sich in den Konsumenten des Spiels reinversetzen. Das heist, er spielt vorab schon mit den gelüsten und empfindungen des PC-Spielers. Dies macht natürlich heute jeder Idiot. Ich versuche mich da reinzuversetzen, um das so schön zu finden wie die reaktion dann ist, um das nachfolgeprodukt zu konsumieren um wieder Geld zu verdienen. Ich kann dieser logik im ganz einfachen Stiel nicht mehr folgen. Jeder wild gewordenen, nur auf die eine sache konzentrierte Programmierer, hat natürlich ein Haus tausend Freunde, und ne Familie zum Teddykuscheln. Jungs ich denke Autos, und da kommt das ja son wenig her, könnt und konntet ihr besser bauen. In diesem sinne, frei immer auf die Wissenkraft rumzüchologisieren, und zu wissen, was loß ist. Prost mahlzeit.

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    wird gerade herzhaft gelacht, weil auch nach dem dritten Vorlesen keiner so wirklich nachvollziehen kann, wer jetzt in Ihrem Text was macht und sich wo hineinversetzt :-D
    Ganz im ernst:
    Ganze Sätze bilde.
    Einfache Sätze möglichst wenn die Übersicht für das Satzgefüge nicht reicht.
    So etwas wie einen roten Faden durch den Kommentar ziehen.
    Danke!

    • Kelsi
    • 13. Oktober 2012 23:43 Uhr

    ... der großen Innovationen. Das sage ich, mit meinen 30 Lebensjahren, als PC-Spieleveteran. Meine Generation (ich komm mir schon vor wie ein Opa der seinen Enkeln von alten Zeiten erzählt :), die auch am Ball geblieben ist, kann das sicherlich bestätigen.

    Damals, also 1996 - 2002, erschienen echte Innovationen wie Command & Conquer, Diablo, Dungeon Keeper, Anno 1602, Baldurs Gate und auch Half Life, DeusEx oder auch DaoC, um nur einige zu nennen. Das waren Spiele die entweder eine völlig neue Spielemechanik hervorbrachten, oder eine vorhandene bedeutent ergänzten. Und da redete man auch sehr lange darüber bzw. man tut es heute noch.

    Damals waren die Spielestudios noch übersichtlich besetzt. Heute hingegen hat sich eine richtige Spieleindustrie entwickelt die nur noch Spiele mit kurzer Halbwertzeit produziert. Das heißt, es werden Spiele mit sehr kostenintensiver Werbung hochgehyped, um so schnell wie möglich zu verkaufen, weil bereits schon der nächste Titel darauf wartet zu erscheinen. Von Innovation keine Spur. Alles die altbekannte Spielmechanik die sich mit guter Grafik tarnt. Mehr Grafikdemo als Spiel. Meist mit banaler Story.

    Es hat schon seine Gründe, warum die Spieleentwickler immer weniger spielbare Demoversionen zur Verfügung stellen. Meiner Meinung nach, weil sie Angst haben dass die Leute vor dem Kauf merken dass es sich nicht lohnt dafür Geld auszugeben.

    Aber genug genörgelt, ich bin jedenfalls froh dass ich die goldene Spielezeit erleben durfte :)

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    • Thems
    • 14. Oktober 2012 1:40 Uhr

    Ich stimme dir zu, nur bleibt die Frage, inwieweit Innovationen noch stattfinden können und dürfen. Ja, der Indie-Markt hat einige innovative Perlen, wobei viele auch nur altes wiederbeleben. Spiele wie Portal (2) oder auch ein Stück weit Assassin's Creed sind die wenigen Ausnahmen, die heutzutage mal neue Wege gehen. Und wenn dann Spiele wie Mirrors Edge oder auch schon Beyond Good & Evil kommerziell floppen, fragt man sich, ob die Masse Innovation überhaupt haben will bzw. warum man lieber auf altbewährtes setzt.

    Ich kann mich für ein Portal 2 genauso begeistern wie über jeden Mario-Ableger. Ich schätze ein Deus Ex Human Revolution genauso wie Super Meat Boy oder Dark Souls.
    Ich glaube, mit einer neuen Konsolengeneration könnte es auch wieder Innovationen geben. Es werden nicht unbedingt neue Genres entstehen, aber grade KI und andere Techniken im Hintergrund könnten neue Maßstäbe setzen. Aber dafür braucht es Rechenpower.

    Es wird einfach mal wieder Zeit...

    • nitric
    • 14. Oktober 2012 1:40 Uhr

    da kann ich meinem Vorposten zu 100% zustimmen.

    Die Spiele von Damals können graphisch zwar mit den Jetzigen bei weitem nicht mithalten, doch was den Spielspaß angeht sind sie um längen besser.
    Viele Titel (wie die oben genannten + evtl. noch AoE, CS, SimCity-Reihe, UT, Max Payne) kann man Jahre lang spielen, ohne das sie langweilig werden!

    Ach, wenn ich ein bisschen mehr Zeit hätte, würde ich sie auch alle wieder installieren und zocken! :)

    • lead341
    • 14. Oktober 2012 11:16 Uhr

    Auch ich gehöre mit meinen 33 Jahren eher zur PC-Spiele-Veteranengeneration und blicke sehr gern - und nicht selten mit einer Menge Nostalgie - auf die große Pionierzeit der Computerspiele zurück. Indiana Jones IV, Ultima 7, Dune 2, Command and Conquer oder Baldur´s Gate - all das waren große Klassiker. Klassiker, die sehr gut waren - die man meiner Meinung nach heute aber auch zu sehr im Vgl. mit aktuellen Titeln verklärt. Ich stimme zu, dass es eine goldene Spielezeit war, aber - und dies ist ein rein subjektives Urteil - ist die aktuelle Spielezeit nicht minder golden. Sicher, ein großer Prozentsatz des Marktes wird von anspruchslosen casual- u. social games beherrscht. Dennoch gibt es im "Core-Bereich" so gute Spiele wie nie zuvor. Ich denke da exemplarisch an Skyrim und meine 400 Spielestunden mit nur einem Charakter. Ich denke da an die fantastischen Erzählwerke von Bioware. Ich denke an das grandiose Batman Arkham City - und ich denke an so viele weitere Titel (von den kommenden Crowdfunding Projekten wie Wasteland 2 oder Proj. Eternity ganz zu schweigen), dass ich längst nicht mehr (auch auf Grund von Zeitmangel) dazu komme, alles zu spielen. Für mich als passionierten "Core-Gamer" ist auch die aktuelle Zeit außerordentlich golden.

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