MusikspieleRocksmith ersetzt den Gitarrenlehrer nicht

Kann ein Computerspiel helfen, ein Instrument zu erlernen? "Rocksmith" versucht es, und wer nicht zu viel erwartet, lernt tatsächlich, ein wenig Gitarre zu spielen. von Tim Rittmann

"Rocksmith"-Werbung

"Rocksmith"-Werbung  |  © Ubisoft

Mit dem Musikspiel Rocksmith wagt sich der Unterhaltungskonzern Ubisoft in ein Niemandsland. Denn die Ära der Plastikgitarren ist eigentlich vorbei. Vor ein paar Jahren noch galten Guitar Hero oder Rock Band als Hoffnungsträger. Die Gamesbranche glaubte, einen Weg gefunden zu haben, mit dem sie die Musikbegeisterung der Menschen anzapfen, neue Zielgruppen gewinnen und massenhaft Lieder verkaufen kann. Doch der Rausch verebbte bald, als zu viele Ableger der Schlagzeug-, Gitarren- und DJ-Spiele den Markt fluteten.

Trotzdem sind die Erwartungen an Rocksmith hoch. Das liegt daran, dass die bisherigen Musikspiele ein Versprechen nie erfüllt haben: Man lernt auf ihnen nicht, ein Instrument zu spielen.

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Wer die höheren Schwierigkeitsstufen von Guitar Hero meistert, schult vielleicht Fingerfertigkeit und unter Umständen auch sein Rhythmusgefühl. Aber wie man vibrierende Saiten mit dem Handballen dämpft oder einen Barré-Akkord greift, lernt derjenige nicht.

Rocksmith dagegen will dem Spieler die Grundlagen des Gitarrenspiels beibringen. Und das klappt tatsächlich ganz gut, wenn auch mit Abstrichen.

Noten wandern auf den Spieler zu

Gespielt wird mit einer herkömmlichen E-Gitarre oder einem E-Bass. Das Spiel plus eine Anfängerklampfe gibt es ab 179 Euro. Um letztere an eine Spielkonsole oder den Computer anzuschließen, wird ein Kabel mit integrierter Audio-Schnittstelle mitgeliefert. Das ist mit einem 6,3 Millimeter-Klinkenstecker und einem USB-Stecker versehen. (Getestet wurde das Spiel mit einer Fender Stratocaster, angeschlossen an eine analoge Hi-Fi-Anlage.)

Bei den Liedern handelt es sich um Originalsongs, über die der Spieler mit dem passend simulierten Gitarrensound eine zusätzliche Spur legt. Insgesamt bietet Rocksmith 55 Stücke an, vor allem aus den Bereichen Rock und Indierock.

Das Interface von Rocksmith besteht aus einem Laufband, auf dem die zu spielenden Noten vom Bildschirmhintergrund nach vorne gereicht werden. Damit ist es dem Aussehen von Guitar Hero nicht unähnlich. Zusätzlich dazu werden im Vordergrund des Bildschirms Bünde und farbig markierte Saiten angezeigt. Auch die vier Bünde, auf denen die Finger der Greifhand liegen sollen, sind farbig unterlegt. Kleine Pfeile weisen darauf hin, wenn man sich vergriffen hat. 

Der Schwierigkeitsgrad passt sich dabei dynamisch den Fähigkeiten des Spielers an. Die ersten Takte eines Liedes etwa verlangen nur, die richtigen Bünde zu treffen und hin und wieder die E-Saite mit dem Plektron anzuschlagen. Irgendwann kommt die A-Saite hinzu. Dann wollen mehr Noten und weitere Saiten in schnellerem Ablauf gespielt werden. Es folgt der erste größere Bundwechsel. Die Kamera zoomt raus und landet eine halbe Oktave weiter oben.

Leserkommentare
  1. Ich habe 12 Jahre Geige und danach 9 Jahre Contrabass gespielt, ich werde mir da mal angucken.....

  2. ... es müsste Hammer-Ons heißen. Daneben gibt es die Pull-Offs, aber kein Hammer-Off ;-)

    Eine Leserempfehlung
    • ichier
    • 04. Oktober 2012 16:41 Uhr

    Also, als Autodidakt, der seit 15 Jahren ohne jegliche Notenlesekompetenz in Bands spielt, mag ich die Kritik relativieren:
    Notenlesen ist zum Lernen eines Instrumentes imho absolut überflüsssig.
    Harmonielehre ebenso: entweder man hört es, oder man läßt es gleich bleiben; ich meine was soll das? Musik ist doch keine Informatik - ich sage nur: Zwölftonmusik. Harmonien sind ja nicht zuletzt auch Geschmacks- und Kultur(!)sache.
    Anschlagtechnik allerdings ist extrem wichtig! Nur muss ich da - als Autodidakt - wieder sagen; lerning-by-doing kann hier (nach dem ersten grundsätzlichen Schritt) durchaus die technischen Fähigkeiten ganz unverkrapmft auf dem Level der musikalischen Wahrnehmung halten. Also, wenn das Spiel mit der E-Saite beginnt, klingt das für mich nach einem plausiblen Start in die Welt des Rhythmus und damit automatisch der Anschlagtechnik. Viele Anschlagtechniken führen zum Ton. Nichtsdestotrotz ist es wichtig und Lernvideos hierzu ebenso angebracht wie für alle anderen Techniken.

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    Ihre Aussage, daß Harmonielehre überflüssig sei, muß ich ein wenig relativieren.
    Dies kann stimmen, sofern man Solokünstler ist oder in einer kleinen Band spielt; bei größeren Gruppen oder einigen Instrumenten (insbesondere Klavier) ist sie aber m.E.n. durchaus nützlich.

    • TDU
    • 04. Oktober 2012 16:56 Uhr

    "Die Übungen sind jedoch recht kurz, man sollte sie mehrmals hintereinander spielen, um einen Fortschritt zu erzielen."

    Eben das ist die eine Gefahr. Der PC sagt ok, und wenn später andere Lagen kommen oder das Hammer On eingebaut werden muss, wo mans nicht vermutet gibts Probleme. Ein gutes überall einsetzbares Hammer on denke ich, braucht 100mal hintereinander, ein halbes Jahr, täglich?

    Das zweite ist Crux von gelernten Fehlerbildern. Will man Fortschritte machen und muss sich erst Fehler abgewöhnen- es gibt nichts Schlimmeres.

    M. E. sind die Programme wie Sprachführer. Lernt man die Sprache danach, braucht man immer einen. Ein Grund dafür, glaube ich, dass das kein nachhaltiges Geschäftsmodell ist.

    Besser Online Kurse, die gut zeigen und erklären nach einem Kurs mit Lehrer für 10-20 Stunden. Damit sich keine Fehler einprägen.

    Und eine gut spielbare Gitarre, Acoustic oder E mit kleinem Vertstärker kann sich, dank chinesischer Billiglöhner, leider, jeder leisten.

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    na dann schreib mal oder verlink nen guten onlin Kurs bitte

    • TDU
    • 09. Oktober 2012 11:07 Uhr

    Ich bin nicht so ein Wechsler. You Tube hat ne Menge Angebote. Mittlerweile sogar Haltungstipps. Einfach mal schauen, wie einem der Moderator/die Moderatorin gefällt, die Kameraführung und ob es linke und rechte Hand Darstellungen gibt, wennman darauf wert legt.

    Ausserdem ob z. B. licks nur gespielt werden oder ein Zusammenhang zwischen Akkorden und Harmonien, erklärt wird. Nicht mal Geld ausgeben muss man. Wenn man geschickt auswählt, kannman seine Lerninhalte vom Einfachen bis Schweren selbst aufbauen.

    • Lyaran
    • 04. Oktober 2012 17:51 Uhr

    Als ergänzung kann ich mir dasgut vorstellen. Wie bereits erwähnt sollte aber eine richtiger Lehrer frühzeitig eventuelle "Fehlhaltungen" abstellen. Mich hat es fast zwei Jahre gekostet die Haltung der Anschlagshand anzupassen weil mein damaliger Lehrer nicht darauf geachtet hat :(

    Hier auch ein guter Tip für Anfänger (und Fortgeschrittene) die englisch können:
    http://justinguitar.com/i...

  3. na dann schreib mal oder verlink nen guten onlin Kurs bitte

    Antwort auf "Fehlerbilder"
    • Nibbla
    • 04. Oktober 2012 18:34 Uhr

    frag ich mich schon ne weile.
    Alles was ich kenn, ist der Quintenzirkel und der ist Gold wert.

    Ich find die Idee super.
    Hab seinerzeit wegen Guitar Hero u Rockband zum Gitarrenspielen angefangen. Bei Rocksmith spielt man wenigstens wirklich. Solange es motiviert ^^
    Notenlesen finde ich bei Gitarre ziemlich unwichtig, da mag ich Tabs um einiges lieber. Es hilft das Klavierbrett im Kopf zu haben, dann weiss man auch welche Note auf welche folgt und wie die Notenabstände bei Dur und Moll sind.

    Clean spielen und Appregios dann klappts auch ohne Lehrer

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    http://www.matthies-koehn...

    Mal ein Anfang, oder? Ansonsten gibt's Foren und Boards, auch einige YouTube-Channels (dort kannst du auch z.B. Steve Howe oder Marcel Dadi auf die Finger gucken) und es gibt natürlich noch Wikipedia. Wenn du da mal den Suchbegriff "Harmonielehre" eingibst und den ganzen internen und externen Links folgst, dann bleibt doch kein Auge trocken. Lese- und Übungsstoff bis ans Ende deiner Tage.

    Viel Spaß dabei!

  4. Ihre Aussage, daß Harmonielehre überflüssig sei, muß ich ein wenig relativieren.
    Dies kann stimmen, sofern man Solokünstler ist oder in einer kleinen Band spielt; bei größeren Gruppen oder einigen Instrumenten (insbesondere Klavier) ist sie aber m.E.n. durchaus nützlich.

    Antwort auf "Notenlesen?"

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  • Schlagworte Computerspiel | Games | Musik | Rockmusik | Musikinstrument | Gitarre
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