Plattform SteamViele Games funktionieren bald auch auf Linux

Windows 8 will keine fremden Programme dulden. Gameshersteller wie Valve und Blizzard wenden sich daher Linux zu. Das könnte die Verbreitung des Systems beschleunigen. von Hanno Böck

Gabe Newell, Chef des Spieleentwicklers Valve, nahm kein Blatt vor den Mund, als er Ende Juli nach seiner Meinung zu Microsofts künftigem Betriebssystem befragt wurde: "Windows 8 ist eine Katastrophe für alle im PC-Bereich." Was Newell so daran stört: Microsoft will Programme und Spiele künftig über den eigenen Windows Store verbreiten – und Valve damit Konkurrenz machen.

Valve betreibt die Onlinevertriebsplattform Steam , über die exklusiv die eigenen Spiele wie Half Life oder Counter-Strike verbreitet werden. Auch Dritthersteller können ihre Spiele hierüber anbieten. Steam wickelt die Bezahlung und den Download ab. Einer Schätzung zufolge beherrscht Valve damit 70 Prozent des PC-Spielemarktes, zumindest bei den Downloads.

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Windows 8 und der Windows Store könnten diesen Erfolg gefährden. Zwar soll es in Windows 8 weiterhin möglich sein, Programme zu installieren, die nicht aus dem Windows Store kommen. Doch die bleiben in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Wer etwa die Funktionalität von Microsofts neuer Metro-Oberfläche nutzen will, ist auf eine Zertifizierung angewiesen. Wer diese bekommt und nach welchen Regeln, entscheidet allein Microsoft.

Newell und andere befürchten, Microsoft könne bald noch einen Schritt weitergehen und die eigenmächtige Installation von Programmen komplett verbieten. Damit wäre ein Windows-PC dann ein ähnlich geschlossenes System wie heute ein iPhone oder eine Spielekonsole.

Steam für Linux im Test

Einst war Newell selbst Mitarbeiter bei Microsoft. Heute ist er Geschäftsführer eines der größten Computerspielehersteller der Welt. Dass der PC bislang eine weitgehend offene Plattform war, sei einer der Gründe für den Erfolg von Firmen wie Valve, sagt er. Mit Windows 8 aber könne Microsoft den Zugang zu seinem System weit restriktiver gestalten. Newell will deshalb neben Windows und dem Apple-Betriebssystem Mac OS auch das freie Betriebssystem Linux unterstützen.

So wird es nach Valves Plänen künftig auch für Linux eine Steam-Version geben. Firmenintern soll in dieser Woche eine Betaversion für die Linux-Distribution Ubuntu getestet werden, wie es in einem Blogeintrag von Valve heißt. Im Laufe des Monats sollen dann auch 1.000 registrierte Nutzer die Betaversion des Steam-Clients ausprobieren.

Für das freie Betriebssystem könnte diese Entwicklung einen unerwarteten Schub bringen. Seit Jahren müht sich die Linux-Gemeinschaft, mehr Computeranwender von den Vorzügen ihres Systems zu überzeugen: Lizenzkosten gibt es nicht und faktisch auch keine Probleme mit Computerviren. Das sind zwar überzeugende Argumente, doch während Linux bei Servern inzwischen einen festen Stand hat, fristet das System auf gewöhnlichen Desktop-Computern und Laptops weiter ein Nischendasein. Der geschätzte Marktanteil liegt bei weniger als zwei Prozent.

Neben dem Ruf, komplizierter als die Konkurrenz von Microsoft oder Apple zu sein, galt das Fehlen von Spielen der großen Hersteller als entscheidender Grund, weshalb Linux bei vielen Anwendern nicht ankam. Zwar gibt es unzählige Minispiele und Pausenfüller, doch dem passionierten Gamer fehlen die sogenannten AAA-Titel, die aufwendig produzierten Spiele.

Leserkommentare
    • kimiko
    • 04. Oktober 2012 11:31 Uhr

    Es freut mich sehr, dass die neuesten Spiel auf Linux laufen sollen. Bisher habe ich immer noch Windows auf meinem Privatrechner installiert, damit ich die neuesten Shooter spielen kann.

    • Slater
    • 04. Oktober 2012 11:43 Uhr

    geht also den Weg von Apple, interessant, wenn das mal nicht gegen ein Patent verstößt..,
    ob sie als Nachahmer noch genauso erfolgreich sein werden?

    ein geschlossenes System mit Kontrolle über alle Programme, vielleicht noch 30% von jedem Umsatz auf der (digitalen) Welt, das muss ja ein Traum für Manager sein,

    ist nur zu hoffen dass freie Wege bestehen bleiben,
    für Handys anscheinend Android,
    am PC Linux oder vorerst noch das weiter benutzbare Windows XP,
    das sollte Valve vornehmlich im Auge behalten,
    20x so verbreitet wie Linux, immer noch respekabel gegenüber neueren Windows-Versionen

    ein Meilenstein der vielleicht nie mehr zu ersetzen ist,
    in der Windows-Schiene zumindest und solange nicht durch Aktivierungs-Verhinderung oder so abgedreht,
    wobei selbst Neuinstallation alle 30 Tage noch als Option bliebe..

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    ..., dass Apple ein Patent auf Online-Stores hat...

  1. Die neuesten Shooter verwenden Technologien wie z.B. Tesselation, welche nur DirectX von Microsoft anbietet. Ich bezweifle, dass in absehbare Zeit aufwendige Spiele OpenGL benutzen werden.

    Die wichtigen Grafikkartenhersteller ATI und Nvidia haben kein Problem damit, wenn Microsoft Windows 8 zu einem geschlossenen System macht. Valve hat zwar einen sehr großen Marktanteil, aber bietet kein Feature an, welches ein Windows App-Store nicht auch anbietet könnte.
    Valve könnte m.E. durch Windows 8 in existenzielle Not geraten und sucht anscheinend im Moment nach jedem Strohhalm.

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    Als Informatik-Student und Freizeit-Spieleentwickler für Linux kann ich nur sagen, dass OpenGL auch Tesselation kann und generell in Features Direct3D (dem Grafikteil von DirectX) in nichts nachsteht. Als Beispiel könnte man Overgrowth ansehen, das OpenGL verwendet und ziemlich gut aussieht.
    Generell sind all diese Techniken nur Algorithmen, die man an OpenGL und Direct3D fütten muss.

    Zu Nvidia muss ich allerdings sagen, dass Nvidia und Linux momentan noch nicht so recht miteinander wollen (Linus Torvalds hat Nvidia in einem Interview den Mittelfinger gezeigt). Nvidia hat aber kürzlich Besserung gelobt.

  2. Als Informatik-Student und Freizeit-Spieleentwickler für Linux kann ich nur sagen, dass OpenGL auch Tesselation kann und generell in Features Direct3D (dem Grafikteil von DirectX) in nichts nachsteht. Als Beispiel könnte man Overgrowth ansehen, das OpenGL verwendet und ziemlich gut aussieht.
    Generell sind all diese Techniken nur Algorithmen, die man an OpenGL und Direct3D fütten muss.

    Zu Nvidia muss ich allerdings sagen, dass Nvidia und Linux momentan noch nicht so recht miteinander wollen (Linus Torvalds hat Nvidia in einem Interview den Mittelfinger gezeigt). Nvidia hat aber kürzlich Besserung gelobt.

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    Auf die Open-Source Treiber mag das wahrscheinlich zutreffen, aber der proprietäre Nvidia-Treiber läuft bei mir besser als alle AMD-Treiber.

    Was Spiele auf Linux angeht: Darauf hab ich schon lange gewartet, freue mich, wenn der Dual-Boot endlich hinfällig wird :)

  3. "Seit Jahren müht sich die Linux-Gemeinschaft, mehr Computeranwender von den Vorzügen ihres Systems zu überzeugen: Lizenzkosten gibt es nicht und faktisch auch keine Probleme mit Computerviren."

    Mich muss man nicht mehr überzeugen. Ubuntu läuft auf einem Rechner mit 32 Bit und parallel zu Windows, und auf dem Laptop mit 64 Bit allein. Tolle Sache !

    Hier gehts zum Download:

    http://www.ubuntu.com/download/desktop

  4. Ich habe vor ein paar Jahren einmal Ubuntu ausprobiert.
    Auf einem alten Laptop, das funktionierte nur noch sehr langsam mit XP aber dank Ubuntu lief alles wider flüssig.
    Sogar Diablo II habe ich damals zum laufen bekommen mittels WINE.
    Etas friggeliger war es mit Codex für DVDs, aber nach kurzer Hilfesuche im Ubunutu Forum habe ich auch das hin bekommen.
    Leider hat es auf meinen Haupt PCs nie Einzug gehalten. Viele der großen Games waren nur zum laufen zu bringen wenn man irgendwelche Sachen kompilierte etc. Das war mir zuviel.
    Wenn jetzt Spiele auch für Linux gemacht werden würden wäre das das Ende für PC zu hause. Das wäre klasse.
    Endlich Linux für alles nutzen zu können und nicht mehr auf Windows angewiesen zu sein.
    Allerdings:
    Das weiß auch Microsoft und ich denke das werden die nicht so durchziehen wie es im Moment besprochen wird.
    Ich mag mich täuschen, aber der Anteil an Usern die MS in erster Linie zum zocken brauchen ist schon recht groß und das auf das Stück Kuchen wird MS nicht verzichten wollen.

    es grüßen die essentiellen Salze

  5. ... so ein irreführender Artikel gegen Windows8.
    Was soll der erste Satz "Windows 8 will keine fremden Programme dulden."?
    Das ist schlicht und ergreifend falsch und scheinbar bewußt irreführend!
    Im Artikel wird dann zwar relativiert und in Bezug auf die Metro-Oberfläche korrigiert.
    Ich behaupte aber, dass die Mehrheit künftiger Win8 Nutzer, die ihren PC zum Arbeiten und Spielen benutzen, dies auch in der normalen Desktopversion tun werden und nicht unter der Metrooberfläche (die lange nicht mehr Metro heißt).
    Und selbstverständlich laufen da alle Programme, wie bisher auch!

    Ja, man hat unter WIN8 nach wie vor den gewohnten Desktop!
    Nein, das Startmenü ist nicht weg, es heißt nach wie vor "Start", sieht halt jetzt nach 10 Jahren mal anders aus und ermöglicht PC wie Tabletbetrieb auf einmal.

    Immer diese Märchen über WIN8...

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    >>Immer diese Märchen über WIN8...<<

    Genau!
    Es ist zum Beispiel ein Märchen, daß ein OS bzw. dessen Oberfläche genauso gut für Tablets/Smartphones sein soll wie es für Desktop-PCs gut ist. Microsoft versucht hier die Methode 'one size fits all'. Und die funktioniert nicht.

    Klar gibt es noch einen Desktop, nur läuft der halt jetzt als Kachel unter der Metro-Oberfläche - die tatsächlich laut MS nicht mehr so heißt, dummerweise hat die Marketingabteilung wohl vergessen, einen anderen Namen mitzuliefern. Und man muß etwa fünfmal die Maus schubsen, bis man den Desktop dann auch gefunden hat.

    Die Systemsteuerung existiert unter WIN8 z.B. als Metro-Kachel oder eben Desktop-Anwendung - nur hat sie hier unterschiedlichen Funktionsumfang und -inhalt. Wenn man das administrieren soll, sträuben sich einem die Nackenhaare!

    Niemand hat zu Hause einen Touchscreen stehen in meinem Bekanntenkreis. Und ich kenne niemanden aus dem professionellen IT-Bereich, der sagen würde, daß man WIN8 jetzt unbedingt haben muß, im Gegenteil. Die meisten finden es grauenvoll und das zu Recht.

    WIN8 wird einer der größten Flops werden, die MS jemals produziert hat, als wäre Vista nicht schon peinlich genug gewesen. Natürlich wird MS in den nächsten Monaten großartige Verkaufszahlen verkünden, denn immerhin wird Windows ja überall vorinstalliert. Aber das war bei Vista auch so und das mußte man nach 3 Jahren wieder vom Markt nehmen. Und zwar nicht, weil es so gut war.

    Auf meinem Rechner tickt weiter Win7

  6. Ich hatte mal auf Linux "Prey" gespielt.
    Die Grafik war ganz gut.
    Bessere Grafik muss garnicht sein.
    Hauptsache das Spielkonzept passt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Microsoft | Blizzard | Download | Linux | Spieleentwickler | Steam
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