Die Gelegenheit scheint günstig: Das Alien, das dort vorne in der rauchenden Ruine kauert, ist bereits deutlich geschwächt. Ein Schuss aus der Betäubungswaffe, und das Einsatzteam könnte es lebend mit in die Basis nehmen, es analysieren und verhören lassen. Doch die Sache hat einen Haken: Um den Schuss zu setzen, müsste das Team weiter vorrücken – und wäre dann in dem offenen Gelände höchst anfällig für Flankenangriffe. Nicht auszudenken, wenn der erfahrene Colonel Garza bei dem Einsatz draufginge – sein Verlust würde das Team empfindlich schwächen. Was zählt in diesem Moment also mehr: Ein wichtiger Fortschritt in der Alien-Erforschung oder die Sicherheit der Soldaten?

Schwere Entscheidungen gibt es in XCOM: Enemy Unknown zuhauf. Ziel des rundenbasierten Strategiespiels für PC, Xbox 360 und PlayStation 3 ist, die Erde vor außerirdischen Invasoren zu retten, und dabei muss der Spieler zwangsläufig Opfer in Kauf nehmen. Mal werden zwei Länder gleichzeitig von Aliens angegriffen, es kann aber nur eines verteidigt werden. Oder das Geld wird so knapp, dass sich der Spieler zwischen neuen Waffen und wichtiger Grundlagenforschung entscheiden muss.

Schon ein einziger falscher Zug auf dem Schlachtfeld kann katastrophale Folgen haben, die Squad-Mitglieder kehren dann in Leichensäcken zurück. In XCOM brennt es an allen Ecken und Enden, der Spieler ist ständig mit Löschen beschäftigt. Die unnachgiebige Strenge des Spiels lässt Erfolge umso heller strahlen – und setzt in Zeiten frustrationsarmer Casual Games ein dickes Ausrufezeichen.

Als Remake eines Klassikers tritt XCOM durchaus kein leichtes Erbe an. Das Vorbild UFO: Enemy Unknown von 1994 gilt bis heute als eines der besten Strategiespiele, ja eines der besten PC-Spiele überhaupt. Begeistert waren Fans vor allem davon, wie UFO verschiedene Genres kombinierte: Den Entwicklern von MicroProse gelang es, Aufbaustrategie, rundenbasierte Gefechte und Rollenspielelemente zu einem überaus schlüssigen Ganzen zu verbinden. Mit XCOM versucht das Studio Firaxis ( Civilization ) nun, langjährige Fans und neue Zielgruppen gleichermaßen anzusprechen: Das gelingt den Machern des Spiels bis auf kleinere Ausnahmen erstaunlich gut. 

Wie das Original besteht auch das Remake aus zwei sich abwechselnden Phasen: dem Ausbau der Erdverteidigungsorganisation XCOM und den Anti-Alien-Einsätzen rund um den Globus. Wie viele Aktionen die Squad-Mitglieder pro Spielrunde ausführen dürfen, hängt von ihrer jeweiligen Spezialisierung ab. Ein Sturmsoldat kann bis zu zwei kurze Züge oder einen langen Zug machen und anschließend noch seine Waffe abfeuern. Beim Scharfschützen hingegen muss sich der Spieler rundenweise zwischen Bewegung und Angriffsaktion entscheiden.

Besonders wichtig ist in den Kämpfen eine ausreichende Deckung. Schon die niedrigste Alien-Klasse der Sektoiden verfügt über leistungsstarke Laser-Waffen: Wer ihnen im freien Feld gegenübertritt, hat kaum eine Chance, zumal die Gegner stets in der Überzahl sind. Mauern, Sandsäcke und Autowracks bieten erst einmal Schutz, halten dem Dauerbeschuss aber auch nicht Stand. An den voll zerstörbaren Schauplätzen – Lagerhallen, Tankstellen, Waldlichtungen – entwickeln sich ungeheuer spannende und taktisch fordernde Kämpfe. Erfolg gegen die Außerirdischen hat nur, wer die Eigenschaften der Soldaten optimal nutzt: Etwa mit einem Scharfschützen, der von einem höhergelegenen Punkt aus den Gefechtsraum dominiert.

Die vier Soldatentypen lassen sich mit insgesamt mehr als 50 Fähigkeiten ausrüsten: So kann zum Beispiel der Scharfschütze mit dem Upgrade Squadsight auf alle Ziele feuern, die sich im Blickfeld seiner Teamkameraden befinden. Die zahlreichen Upgrades sind auch bitter nötig, denn mit jedem Einsatz wächst die Palette furchteinflößender Aliens .