SpielkonsoleEin Zombie-Spiel deutet das Potenzial der Wii U an

Nintendos Wii U hat ein paar Macken. Aber immerhin loten Spiele wie "ZombieU" schon die Möglichkeiten des neuen Steuerungskonzepts über das Tablet-artige Gamepad aus. von 

Nintendo Wii U

Nintendos Wii U im Test  |  © Mario Anzuoni / Reuters

Nun ist sie also da, die Wii U. Auf den ersten Blick wirkt sie unscheinbar: Kein futuristischer Brotkasten wie die PS3, kein kantiger Klotz wie die Xbox 360, sondern flach und schmal, ein bisschen wie eine externe Festplatte, nur größer. Das Spektakuläre an der Wii U ist der Controller, das sogenannte Gamepad: Ein Tablet mit Steuerknöpfen, Kamera und einem 6,2 Zoll großen Touchscreen. Was kann die Wii U, was andere Konsolen nicht können?

Im Vorfeld der Veröffentlichung hat Hersteller Nintendo einen Aspekt immer wieder besonders hervorgekehrt – die Sicherung des häuslichen Friedens. Ein klischeebeladener TV-Spot klärte auf: Der Mann spielt im Wohnzimmer an der Konsole, die Frau kommt rein und möchte fernsehen. Kein Problem mit der Wii U: Der Mann weicht mit dem Spiel einfach auf den kleinen Bildschirm des Gamepad aus, das harmonische Miteinander ist gesichert. Technisch bewältigt das die Konsole, indem sie die Spielinhalte drahtlos auf das Tablet streamt – in Tests sogar durch Zimmerwände und bis auf eine Entfernung von etwa zehn Metern.

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Doch nicht alle Vorteile der Wii U lassen sich so einfach vermitteln. Besonders dann nicht, wenn es um originelle Spielkonzepte geht, die das Gamepad erst ermöglicht. Im Vergleich zur Wii sei die Wii U "verwirrend", räumte Scott Moffitt von Nintendo in einem Gamespot -Interview ein .

Tatsächlich hatte die Wii gleich mehrere Vorteile: Sie war kinderleicht zu bedienen, sie war Vorreiter in Sachen Bewegungssteuerung, und sie war zum Zeitpunkt des Erscheinens erheblich günstiger als die Konkurrenz. Die Wii U aber kostet zwischen 300 Euro und 350 Euro, bietet jedoch keine bessere Grafik als PS3 und Xbox 360. Deren Nachfolger aber werden nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen und voraussichtlich deutlich leistungsfähiger sein. Die Grafik der Wii U dürfte höchstens die bisherigen Wii-Nutzer beeindrucken – für die Zielgruppe der Core-Gamer ist das aber zu wenig.

Kein Multitouch, schwacher Akku

Das 500 Gramm leichte Gamepad überzeugt – für sich genommen – durchaus. Es verfügt über Beschleunigungs- und Neigungssensoren, Analogsticks und Richtungstasten; an der Vorderseite befinden sich eine Kamera und ein Mikrofon. Der Bildschirm bietet mit 854 mal 480 Pixeln eine sehr ordentliche Auflösung, die selbst grafisch aufwändige Titel wie Assassin's Creed 3 ohne große Qualitätsverluste darstellt. Im Gegensatz zu den meisten Tablets und Smartphones beherrscht das Gamepad aber kein Multitouch : Das schließt nicht nur manche Spielkonzepte aus, sondern macht sich auch beim Surfen im vorinstallierten Browser bemerkbar. Grundsätzlich möchte die Wii U aber mehr sein als eine reine Spielkonsole: Apps für YouTube und Lovefilm sind vorinstalliert, weitere Anbieter sollen bald folgen.

Im Test erweist sich die Batterie als wenig leistungsfähig, das Gamepad muss schon nach drei bis vier Stunden Spielzeit an die Steckdose. Dass es sich nicht direkt an der Konsole aufladen lässt, ist ein weiterer Schwachpunkt. In den USA gab es außerdem erhebliche Probleme mit dem Systemsoftware-Update , das gleich nach dem erstmaligen Anschalten der Konsole heruntergeladen wird. Für Europa ist seit dem heutigen Erscheinungstag ein Update verfügbar, das vergleichsweise reibungslos über die Bühne geht. Bei hoher Serverauslastung kann der ein Gigabyte große Download allerdings länger als eine Stunde dauern.

Importspiele funktionieren nicht

Was am Betriebssystem der Wii U immens stört, sind die langen Ladezeiten der Programme: Je nach Anwendung dauert das Öffnen zwischen zehn und 30 Sekunden. Verglichen mit anderen Betriebssystemen ist das eine halbe Ewigkeit. Wenig Freude werden Spielefans daran haben, dass die Wii U einen Regionalcode für Europa besitzt: Importspiele aus Japan oder den USA laufen auf der hiesigen Konsole nicht. Restriktiv zeigt sich Nintendo auch bei den Nutzerrechten: Sämtliche Spiele, die man im E-Shop des Nintendo Network kauft, sind an ein bestimmtes Nutzerkonto gebunden – und das wiederum an eine bestimmte Konsole. Blu-Rays und DVDs spielt die im Übrigen nicht ab.

Immerhin: Der interne Flash-Speicher kann durch externe Datenträger erweitert werden, da die Konsole über USB-Ausgänge verfügt. Sämtliche Peripheriegeräte der Wii – vom Nunchuk bis zum Balance Board – lassen sich weiterhin nutzen. Abwärtskompatibel ist die neue Konsole auch gegenüber Wii-Spielen: Sie fährt dafür eigens das alte Betriebssystem hoch. Zum Start der Wii U erscheinen 23 Spiele , von familienfreundlichen Titeln wie New Super Mario Bros. U bis hin zu brachialer Action wie Batman: Arkham City .

Leserkommentare
  1. Nach dem hervorragenden N64 kam der mäßige Gamecube, durch den Nintendo viel Boden verloren hat. Mit der Wii wurden wieder Marktanteile gewonnen. Ich habe das Gefühl, dass durch die Wii U wieder Rote Zahlen gemacht werden.

    Die Technik ist einfach veraltet und das mittelmäßige Tablet ist nicht wirklich ein Alleinstellungsmerktmal.
    Sowohl Sony als auch Microsoft haben schon lange bessere Tablets auf dem Markt, die sich leicht mit Ps4/xbox720 kombinieren lassen könnten.

    Das neuerdings Kundenfeindliche gebähren hilft da Nintendo auch nicht weiter.

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte Bewegungssteuerung | Xbox | Japan | USA | Wii | Europa
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