Far Cry 3Der Krieger in der Mitte der Nahrungskette

Glaubwürdigkeit ist nicht die Stärke des Shooters "Far Cry 3". Die Natur ist dafür der heimliche Star des Spiels. Immer wieder sorgt sie für überraschende Wendungen. von 

Far Cry 3

Screenshot aus Far Cry 3  |  © Ubisoft Entertainment

Rook Island ist eine Insel voller Wahnsinn und Barbarei, und doch ist die Natur der heimliche Star von Far Cry 3. Der Ort des Geschehens, eine Inselgruppe im Südpazifik, ist nicht nur eine spielerische Sandbox, die nach Belieben erkundet werden kann. Der Archipel verfügt auch über ein Ökosystem, das den Spieler mitten in der Nahrungskette verortet.

Ziegen, Büffel und Wildschweine kann er nicht ohne Risiko jagen, denn im Dschungel hausen Bären, Tiger und Komodo-Warane; in den Gewässern lauern Haie und Krokodile. Wer in der Wildnis von Far Cry 3 unterwegs ist, schaltet den Soundtrack besser ab: Sonst könnte es passieren, dass er ein nahendes Raubtier zu spät hört.

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Andererseits können die Tiere den Spieler auch retten, etwa wenn er einem Rudel Hirsche über Berg und Tal folgt, um an das begehrte Hirschleder zu gelangen. In seinem Jagdeifer ist er nicht vorsichtig genug – und rennt auf einer Lichtung feindlichen Soldaten in die Arme. Der Kampf scheint schon fast verloren, als sich das Blatt abrupt wendet: Ein Tiger bricht aus dem Dickicht und fällt die Soldaten an, der Spieler kann entkommen. Es ist diese Unberechenbarkeit, die Far Cry 3 – erhältlich für 60 bis 70 Euro für PC, PlayStation 3 und Xbox 360 – auszeichnet.

Der größte Feind des Menschen ist aber natürlich der Mensch selbst: Diese Erfahrung muss auch eine Gruppe junger Touristen machen, die es nach Rook Island verschlägt. Eben noch amüsierten sich die sieben kalifornischen Wohlstandskinder mit Surfen, Partys und Fallschirmspringen, nun sitzen sie in den Käfigen einer Piratenbande.

Der Anführer der Banditen, Vaas, ist ein drogenabhängiger Psychopath ersten Ranges. Den Brüdern Jason und Grant Brody aber gelingt es, unbemerkt aus ihrem Käfig auszubrechen. In Jasons Haut muss der Spieler dann miterleben, wie sein Bruder auf der Flucht erschossen wird. Nach einer Hetzjagd quer durch den Dschungel wird Jason schließlich von den Ureinwohnern der Insel gerettet. Die Rakyat versprechen, ihm bei der Befreiung seiner Freunde zu helfen – wenn er sie dafür im Kampf gegen die Piraten unterstützt.

Wohin das Ganze führt, hat Ubisoft in Trailern bereits angedeutet. "Die Frage ist, wie weit ich zu gehen bereit bin, um meine Freunde zurückzubekommen", sagt Jason in einem Video, das alptraumartige Gewaltsequenzen aneinanderreiht. Die Insel verwandelt den harmlosen Sunnyboy in etwas, das ihn selbst erschreckt: eine zunehmend perfekte Kampfmaschine.

Barbarei und Wahnsinn auf Rook Island bekämpft Jason nun mit ebenbürtigen Mitteln, die todbringende Natur des Archipels dient dabei als Spiegelbild seiner Psyche. Mit den Trailern hat Ubisoft geschickt einen Bezugsrahmen eröffnet, der von Herr der Fliegen über Apocalypse Now und Aguirre, der Zorn Gottes bis hin zur TV-Serie Lost reicht. Der letzte First-Person-Shooter, der das Thema Gewalt hinterfragte, war Spec Ops: The Line – dort jedoch war der Spieler eng an die lineare Handlung gebunden. Wie geht ein Open-World-Game, das so viel Handlungsfreiheit wie Far Cry 3 gewährt, mit dem Thema um?

Leserkommentare
  1. an den Autor dieser sehr informierten und informierenden Rezension!

    • pepe423
    • 26. November 2012 18:37 Uhr

    Sowas wurde in den letzten Jahrzehnten gemeinhin als Rollenspiel bezeichnet. Die kommen seit langem auch mit einer offenen Spielwelt und Ego-Perspektive.

    Ob das mit einem ehemaligen Ego-Shooter funktioniert ist fraglich. Dazu muessen die RPG-Elemente flach und einfach gehalten und der "freien Welt" eine Struktur/Story gegeben werden, sonst weiss der typische Ego-Shooter Zocker nicht was er jetzt eigentlich machen soll und die Faehigkeiten und deren Kombinationen werden nicht verstanden.

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    Diese Problematik ergab sich ja schon bei Far Cry 2, auch von Ubisoft. Aus genau diesem Grund bin ich mit dem Spiel unzufrieden gewesen. Crysis, der "echte" Nachfolger vom Ur-Far Cry, hat mich hingegen sehr überzeugt. Insofern freue ich mich auch viel mehr auf dessen zweite Fortsetzung, Crysis 3, das im Frühjahr 2013 erscheinen soll.

    Die Entwickler von Fallout haben immer wieder gekonnt Rollenspielelemente und Shooteraction in eine zynische und trostlose Story, nach dem 20-Minütigen dritten Welt(Atom-)Krieg, vereint. Gerade in der Openwpröd von Fallout 3 konnte man,neben dem Storyfaden,manchmal lustige/traurige/erschreckende Eastereggs entdecken. Far Cry 3 klingt von der ersten Rezension eher wie ein Mod von Fallout:New Vegas; sogar der Zugedröhnte Pychopat existiert im Fallout Universum als Raider-Anführer. Mal schauen, ob das Spiel mit meinen alten zwei Crossfire-HD 4890 läuft. Ne zeitgemäße Dirext-11 Karte kaufe ich für kalten Kaffee nämlich nicht.

  2. Diese Problematik ergab sich ja schon bei Far Cry 2, auch von Ubisoft. Aus genau diesem Grund bin ich mit dem Spiel unzufrieden gewesen. Crysis, der "echte" Nachfolger vom Ur-Far Cry, hat mich hingegen sehr überzeugt. Insofern freue ich mich auch viel mehr auf dessen zweite Fortsetzung, Crysis 3, das im Frühjahr 2013 erscheinen soll.

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    • lxththf
    • 26. November 2012 20:11 Uhr

    unrealistisch war, dass es in Afrika keine Tiere gibt, wenn man den Herstellern glaubt und dazu noch ein nerviges Respawnsystem der Gegner, miese KI, die einem permanent in s Auto fährt, sowie ein viel zu einfaches Leveldesign programmiert wurde ;)
    Ich glaube Farcry 2 muss man einfach anders spielen, die Umwelt genießen. Wirklich alles erkunden und erforschen, dann erschließt sich einem die Ästhetik.
    Es klingt sehr spannend, die Sache mit den verschiedenen Tieren. Ich glaube im Übrigen wollte FarCry 2 gar kein wirklicher Shooter sein und das finde ich persönlich mehr als ok.
    @pepe "sonst weiss der typische Ego-Shooter Zocker nicht was er jetzt eigentlich machen soll und die Faehigkeiten und deren Kombinationen werden nicht verstanden." Das erschließt sich mir nicht so richtig.

    • lxththf
    • 26. November 2012 20:11 Uhr

    unrealistisch war, dass es in Afrika keine Tiere gibt, wenn man den Herstellern glaubt und dazu noch ein nerviges Respawnsystem der Gegner, miese KI, die einem permanent in s Auto fährt, sowie ein viel zu einfaches Leveldesign programmiert wurde ;)
    Ich glaube Farcry 2 muss man einfach anders spielen, die Umwelt genießen. Wirklich alles erkunden und erforschen, dann erschließt sich einem die Ästhetik.
    Es klingt sehr spannend, die Sache mit den verschiedenen Tieren. Ich glaube im Übrigen wollte FarCry 2 gar kein wirklicher Shooter sein und das finde ich persönlich mehr als ok.
    @pepe "sonst weiss der typische Ego-Shooter Zocker nicht was er jetzt eigentlich machen soll und die Faehigkeiten und deren Kombinationen werden nicht verstanden." Das erschließt sich mir nicht so richtig.

    Antwort auf "Crysis > Far Cry 2"
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    • Rend
    • 27. November 2012 4:11 Uhr

    Denken sie mal darüber nach, was ist heutzutage der "typische Ego-Shooter Zocker". Call of Duty würde ich sagen, wo man durch einen Schlauchlevel von einer Scriptsequenz zur nächsten geführt wird.

  3. 5. Leider

    handelt es sich bei allen Crysis-Teilen meiner Meinung nach lediglich um übergehypte Benchmarktests mit platter patriotisch-alienbekämpfender Story. Alle Jahre wieder erscheint ein neuer Teil, der die "Ich-kann-Crysis-auf-Ultra-Auflösung-flüssig-spielen"-Halbstarken dazu veranlasst, die neueste Nvidia GTX zu kaufen. Die Far Cry Teile sind da zumindest (neben einer auch sehr guten Optik) in ihrer Ausrichtung um einiges offener und laden mehr zum Erkunden ein, auch wenn man teilweise dann auf die schon angesprochenen Bugs trifft. Aber dafür bekommt man hier auch länger etwas für sein Geld, als 8 Stunden Gegner umnieten, inklusive Cliffhanger am Ende. Und nun möge man mir nicht mit dem "Was kostet ein Kinobesuch"-Argument kommen :)

    Eine Leserempfehlung
  4. kein reiner Shooter mehr, sondern mit Open World Prinzipien und Rollenspielanteilen angereichert ... hervorragend investiertes Geld - sprich wird gekauft.

  5. Die Entwickler von Fallout haben immer wieder gekonnt Rollenspielelemente und Shooteraction in eine zynische und trostlose Story, nach dem 20-Minütigen dritten Welt(Atom-)Krieg, vereint. Gerade in der Openwpröd von Fallout 3 konnte man,neben dem Storyfaden,manchmal lustige/traurige/erschreckende Eastereggs entdecken. Far Cry 3 klingt von der ersten Rezension eher wie ein Mod von Fallout:New Vegas; sogar der Zugedröhnte Pychopat existiert im Fallout Universum als Raider-Anführer. Mal schauen, ob das Spiel mit meinen alten zwei Crossfire-HD 4890 läuft. Ne zeitgemäße Dirext-11 Karte kaufe ich für kalten Kaffee nämlich nicht.

    • Rend
    • 27. November 2012 4:11 Uhr

    Denken sie mal darüber nach, was ist heutzutage der "typische Ego-Shooter Zocker". Call of Duty würde ich sagen, wo man durch einen Schlauchlevel von einer Scriptsequenz zur nächsten geführt wird.

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    • lxththf
    • 27. November 2012 21:57 Uhr

    verbinde ich aber mit CoD mittlerweile Kiddies denen so einfach wie möglich das Taschengeld aus der Tasche gezogen wird.
    Wer mit MaxPayne, Sam Fischer, Jack Carver, J.C. Denton, Garret, dem persischen Prinzen etc. groß geworden ist, der wird sich mit heutigen "Helden" eher nicht so richtig abfinden können.
    Schade, eigentlich

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  • Schlagworte Computerspiel | Games
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